{"id":27614,"date":"2024-06-08T12:06:49","date_gmt":"2024-06-08T09:06:49","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/influencer-narrt-rechte-wie-der-stolzmonat-zuruckerobert-werden-soll\/"},"modified":"2024-06-08T12:06:49","modified_gmt":"2024-06-08T09:06:49","slug":"influencer-narrt-rechte-wie-der-stolzmonat-zuruckerobert-werden-soll","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/influencer-narrt-rechte-wie-der-stolzmonat-zuruckerobert-werden-soll\/","title":{"rendered":"Influencer narrt Rechte: Wie der &#8220;Stolzmonat&#8221; zur\u00fcckerobert werden soll"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Panorama         \t\t                   \t\t               \t\t                    <\/p>\n<figure> \t\t                       \t\t                        <img decoding=\"async\" alt=\"&quot;Stolzmonat&quot; ist eigentlich nur die deutsche \u00dcbersetzung von Pride Month. Die Konnotation k\u00f6nnte allerdings kaum unterschiedlicher sein. \" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24994163-1717668350000\/16-9\/750\/imago0083245497h.jpg\"\/><figcaption>\n<p>&quot;Stolzmonat&quot; ist eigentlich nur die deutsche \u00dcbersetzung von Pride Month. Die Konnotation k\u00f6nnte allerdings kaum unterschiedlicher sein.<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Mit einem nationalistischen Pendant will die rechte Szene den traditionellen Pride Month kapern. Dem queeren Aktivisten Fabian Grischkat gelingt jedoch mithilfe des Markenrechts ein Coup. Jetzt wird er angefeindet.<\/strong><\/p>\n<p>Dass es Rechtsextremen gelingen kann, ihre Ideologie in die breite \u00d6ffentlichkeit zu tragen, hat die rassistische Umwidmung von &quot;L&#039;Amour toujours&quot; zuletzt nachhaltig unter Beweis gestellt. Auch den Pride Month, der jedes Jahr im Juni von der LGBTIQ-Gemeinschaft gefeiert wird, versuchen rechte Akteure f\u00fcr ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Aktuell trendet der Hashtag &quot;Stolzmonat&quot; auf X, verbunden mit Memes, die sich vor allem gegen Queere und Linke richten. Accounts von sehr konservativ bis ultrarechts umrahmen ihr Profilbild mit Abstufungen der Nationalfarben, dem &quot;Stolzmonat&quot;-\u00c4quivalent zur Regenbogenfahne.<\/p>\n<p>&quot;Als mir im Juni vergangenen Jahres ein Meer aus Deutschlandfahnen in den sozialen Medien entgegen schwappte, habe ich mich erst gefragt, ob ich ein Fu\u00dfballspiel verpasst habe. Allm\u00e4hlich habe ich dann begriffen, was da passierte&quot;, sagt Fabian Grischkat im Gespr\u00e4ch mit ntv.de. Der 23-J\u00e4hrige ist Influencer und Aktivist, seine Videos zu Klimaschutz und queeren Themen erreichen auf Instagram mehr als 140.000 Follower.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24994170-1717668399000\/16-9\/750\/436024873.jpg\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Fabian Grischkat produziert Videos \u00fcber politische Themen.\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24994170-1717668399000\/16-9\/750\/436024873.jpg\"\/> <\/a><figcaption>\n<p>Fabian Grischkat produziert Videos \u00fcber politische Themen.<\/p>\n<p>(Foto: picture alliance\/dpa)<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dann sorgte Anfang des Jahres das Potsdamer Treffen, bei dem Rechte \u00fcber eine Massendeportation von Millionen Menschen berieten, f\u00fcr einen Aufschrei. Bundesweit gingen Menschen gegen rechts auf die Stra\u00dfe, und auch Grischkat hatte das Gef\u00fchl, etwas tun zu m\u00fcssen. &quot;Gleichzeitig bemerkte ich, dass die Akteure des rechten Lagers ihre Aktionen f\u00fcr den Juni vorbereiteten, die sind ja durchaus gut koordiniert.&quot; Er lie\u00df sich von einer befreundeten Anw\u00e4ltin beraten, ob er sich den Begriff &quot;Stolzmonat&quot; sch\u00fctzen lassen kann. &quot;Aus ihrer Sicht war das kein Problem.&quot; <\/p>\n<p>Denn &quot;Stolzmonat&quot; erf\u00fcllt die n\u00f6tigen Voraussetzungen: Das Wort ist anders als etwa &quot;stolzer Monat&quot; nicht allgemein gehalten, steht weder im Duden noch ist es beleidigend, daf\u00fcr aber relativ neu. Kurzum meldete Grischkat die Wortmarke beim Amt der Europ\u00e4ischen Union f\u00fcr geistiges Eigentum im spanischen Alicante an. Hilfe erhielt er dabei von Juristinnen und Juristen und der Kampagnen-Agentur Media Force.<\/p>\n<h2>H\u00f6cke, Trikots und Kaffeetassen<\/h2>\n<p>Eigentlich steht der Pride Month, der aus den Stonewall-Protesten Ende der 1960er-Jahre hervorgegangen ist, im Zeichen von Vielfalt und Toleranz. Es geht um den Stolz auf die eigene Identit\u00e4t, Sichtbarmachung und den Kampf gegen anhaltende Diskriminierung &#8211; so fallen viele Christopher-Street-Day-Paraden auf den Juni. Vor einigen Jahren riefen Rechtsextreme dann den &quot;Stolzmonat&quot; als nationalistischen Gegenentwurf ins Leben.<\/p>\n<p>In der Szene st\u00f6\u00dft der Slogan nach wie vor auf gro\u00dfe Resonanz. Auf X ist beispielsweise das Portr\u00e4t des AfD-Politikers Bj\u00f6rn H\u00f6cke derzeit mit Schwarz-Rot-Gold umrandet. Maximilian Krah, Spitzenkandidat der Partei zur Europawahl, verlost dem EM-Trikot der Nationalmannschaft nachempfundene &quot;Stolzmonat-Trikots&quot; mit seiner Unterschrift. Ein rechter Online-Shop, der unter anderem Merchandise der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative vertreibt, hat im Juni &quot;Stolzmonat&quot;-T-Shirts und Kaffeetassen ins Sortiment genommen. <\/p>\n<p>Nach dem Willen rechtsextremer Gruppen soll der &quot;Stolzmonat&quot; \u00fcber das Internet hinauswirken. Einem Bericht des Verfassungsschutzes von Baden-W\u00fcrttemberg zufolge verband die Identit\u00e4re Bewegung das Hashtag im Jahr 2023 mit der Challenge, eine Deutschlandfahne zu hissen oder an &quot;eine patriotische Orga eurer Wahl&quot; zu spenden. Extremisten aus Pforzheim machten demnach mit einem Video gegen die LGBTIQ-Bewegung Stimmung, das zun\u00e4chst einen CSD zeigt, dann M\u00e4nner in schwarz-rot-goldenen Sturmhauben beim Kampfsport. Damit werde suggeriert, dass queere Menschen den &quot;Volksk\u00f6rper&quot; schw\u00e4chten und die eigene \u00dcberlegenheit betont, schreiben die Verfassungssch\u00fctzer.<\/p>\n<h2>&quot;Es ist eben unser Begriff&quot;<\/h2>\n<p>F\u00fcr Grischkat hat seine Aktion zun\u00e4chst einen symbolischen Wert. &quot;Wir haben die Wortmarke angemeldet, um unsere Marke zu sch\u00fctzen, weil der &#039;Stolzmonat&#039; eben unser Begriff ist, den wir auch in den n\u00e4chsten Jahren weiter nutzen wollen und der uns nicht von rechts streitig gemacht werden soll.&quot; Doch bei der Anmeldung allein blieb es nicht. &quot;Wer sich mit Marken &#8211; und Patentrecht auskennt, wei\u00df, dass, wenn man nichts mit der Marke macht, diese schnell wieder aberkannt wird&quot;, so Grischkat. <\/p>\n<p>Die Idee zu einem &quot;Stolzmonat&quot;-Shop entstand. Der Influencer kreierte eine eigene Modekollektion, anstatt Nationalfarben zieren seine T-Shirts rosa Herzchen oder die Gesichter queerer Ikonen. Darunter die Unterhaltungsk\u00fcnstlerin Claire Waldoff, die in den &quot;Goldenen Zwanzigern&quot; offen lesbisch in Berlin lebte oder Magnus Hirschfeld, Arzt und Vorreiter der Homosexuellen-Bewegung in der Weimarer Republik. An die nach ihm benannte Bundesstiftung, die queere Projekte und Bildungsinitiativen f\u00f6rdert, flie\u00dft nach eigenen Angaben der gesamte Gewinn des Shops.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/panorama\/Warum-Rechtsextreme-zu-L-amour-toujours-groelen-article24970035.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Sylt.JPG\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24969144-1716798608000\/17-6\/1136\/Sylt.jpg\"\/> <\/a> <\/figure>\n<p>   Panorama  27.05.24    Aneignung von Popkultur Warum Rechtsextreme zu &quot;L&#039;amour toujours&quot; gr\u00f6len    <\/p>\n<p>Massenweise Abmahnungen herausschicken, wie auf X mitunter gemutma\u00dft wird, will Grischkat indes nicht. &quot;Wir k\u00f6nnen einem Maximilian Krah nicht verbieten, das Wort &#039;Stolzmonat&#039; zu verwenden. Das ist auch gut so, denn wir leben in einem Land, in dem Meinungsfreiheit herrscht.&quot; <\/p>\n<h2>AfD-Anwalt legt Widerspruch ein <\/h2>\n<p>Bei einigen Rechten st\u00f6\u00dft Grischkats Gegenkampagne zur Gegenkampagne sauer auf. Der Erfurter Anwalt und AfD-Kandidat bei der Europawahl, Sascha Schl\u00f6sser, hat nach Angaben von t-online Widerspruch beim Marken- und Patentamt gegen die Wortmarke eingereicht. Auf X bekennt sich Schl\u00f6sser zum &quot;Stolzmonat&quot;, schwingt auf einem Bild die charakteristische Flagge auf dem Balkon des Erfurter Rathauses. Die Anmeldung der Marke sei &quot;gleich aufgrund einer Vielzahl von Kriterien bedenklich&quot;, teilte er dem Portal mit. Er empfehle den Anmeldern, den Antrag auf Markeneintragung zur\u00fcckzunehmen.<\/p>\n<p>In den sozialen Netzwerken wird Grischkat nun angefeindet. &quot;Dass ich zur Zielscheibe werde, war absehbar und ist nat\u00fcrlich nicht sch\u00f6n. \u00dcber ein paar Bildchen kann ich lachen, andere Sachen, die ich lese, sind allerdings schon weniger harmlos&quot;, sagt er. Eine Grenze sei f\u00fcr ihn \u00fcberschritten, wenn es in den Bereich der Volksverhetzung geht. &quot;Solche Kommentare wische ich nicht einfach weg, sondern erstatte Anzeige. Da gilt f\u00fcr mich Nulltoleranz.&quot;<\/p>\n<p>Quelle: ntv.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Panorama &quot;Stolzmonat&quot; ist eigentlich nur die deutsche \u00dcbersetzung von Pride Month. Die Konnotation k\u00f6nnte allerdings kaum unterschiedlicher sein. 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