{"id":2757,"date":"2020-09-24T18:03:12","date_gmt":"2020-09-24T15:03:12","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/catcalling-petition-fordert-verbale-sexuelle-belastigung-unter-strafe-zu-stellen\/"},"modified":"2020-09-24T18:03:12","modified_gmt":"2020-09-24T15:03:12","slug":"catcalling-petition-fordert-verbale-sexuelle-belastigung-unter-strafe-zu-stellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/catcalling-petition-fordert-verbale-sexuelle-belastigung-unter-strafe-zu-stellen\/","title":{"rendered":"&#8220;Catcalling&#8221;: Petition fordert, verbale sexuelle Bel\u00e4stigung unter Strafe zu stellen"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">&quot;Wie viel kostest du?&quot;<\/p>\n<p>&quot;Hey Puppe!&quot;<\/p>\n<p>&quot;Ihr F*tzen k\u00f6nnt ja mal f\u00fcr mich die Beine breit machen&#8230;&quot;<\/p>\n<p>War Ihnen das gerade unangenehm? Sehr? Das sind nur drei Beispiele f\u00fcr sogenanntes Catcalling, also verbale sexuelle Bel\u00e4stigung im \u00f6ffentlichen Raum, der besonders Frauen immer wieder ausgesetzt sind. Die Spr\u00fcche stammen von Instagram-Accounts wie &quot;catcallsofberlin&quot;. Die Initiatorinnen wollen auf das Problem aufmerksam machen und fordern Menschen auf, ihre Erfahrungen weiterzuleiten. Mit bunter Kreide schreiben sie dann die \u00c4u\u00dferungen auf die B\u00fcrgersteige und Stra\u00dfen und ver\u00f6ffentlichen ein Foto davon. Die Idee stammt aus New York, mittlerweile gibt es in vielen deutschen St\u00e4dten \u00e4hnliche Aktionen.<\/p>\n<p>Strafbar sind viele der \u00c4u\u00dferungen in Deutschland bislang nicht &#8211; und genau das will die Studentin Antonia Quell \u00e4ndern. &quot;Ich finde, sexuelle Bel\u00e4stigung geht nicht erst bei K\u00f6rperkontakt los&quot;, sagt sie. Die 20-J\u00e4hrige hat eine Petition gestartet, in der sie fordert, &quot;Catcalling&quot; unter Strafe zu stellen. Mehr als 47.000 Unterschriften hat sie seit dem 11. August gesammelt.<\/p>\n<p><strong><em>Behalten Sie den \u00dcberblick: Jeden Werktag gegen 17 Uhr beantworten SPIEGEL-Autoren die wichtigsten Fragen des Tages. &quot;Die Lage am Abend&quot; &#8211; hintergr\u00fcndig, kompakt, kostenlos. <\/em><\/strong><strong><em>Hier bestellen Sie Ihr News-Briefing als Mail<\/em><\/strong><strong><em>.<\/em><\/strong> <\/p>\n<p>Anja Schmidt forscht an der Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg unter anderem zu Sexualstrafrecht. Die Juristin bef\u00fcrwortet ein Gesetz gegen &quot;Catcalling&quot;. Einige \u00c4u\u00dferungen k\u00f6nnten aktuell zwar als Beleidigung geahndet werden, doch ist umstritten, ob sexuell \u00fcbergriffige Handlungen oder \u00c4u\u00dferungen unter diesen Tatbestand fallen sollten. &quot;Eindeutiger w\u00e4re die Sache, wenn wir einen Straftatbestand der verbalen sexuellen Bel\u00e4stigung h\u00e4tten&quot;, sagt sie. Auch einen anderen Aspekt findet Schmidt problematisch: &quot;Durch eine Bestrafung wegen Beleidigung wird nicht deutlich, dass es bei diesen \u00c4u\u00dferungen um eine sexuelle Verobjektivierung, eine Verletzung des Rechts auf sexuelle Selbstbestimmung geht.&quot;<\/p>\n<p>Antonia Quell, die Initiatorin der Petition, kommt aus Fulda und studiert in W\u00fcrzburg Medienmanagement. Bei der jungen Frau und ihren Freundinnen seien Situationen wie die folgende regelm\u00e4\u00dfig Thema: Quell war, so erz\u00e4hlt sie es, nachts mit dem Fahrrad auf dem Heimweg, als zwei junge M\u00e4nner mit ihrem Auto neben ihr herfuhren, ihr eine Flasche aus dem Fenster hinhielten und sagten: &quot;Ey S\u00fc\u00dfe, m\u00f6chtest du nicht was trinken.&quot; Sie habe sich unwohl gef\u00fchlt und sei w\u00fctend geworden: &quot;Ich habe gesagt: &#039;Wollt ihr euch nicht vielleicht verpissen?&#039;&quot; Daraufhin seien die M\u00e4nner davongefahren &#8211; nicht ohne ihr zuzurufen: &quot;Du dumme Bitch, wir wollten doch nur nett sein.&quot;<\/p>\n<p>F\u00fcr viele junge Frauen geh\u00f6re es zum Alltag, unerw\u00fcnscht und herabw\u00fcrdigend von der Seite angesprochen zu werden, sagt Quell. Aus ihrer Sicht fehlt immer noch das Problembewusstsein in der Gesellschaft daf\u00fcr: &quot;Viele halten es f\u00fcr eine Naturgegebenheit, dass h\u00fcbsche Frauen auf der Stra\u00dfe angemacht werden.&quot; Auch das will sie mit ihrer Petition \u00e4ndern. Die verbalen Angriffe f\u00fchrten dazu, dass sie sich auf manchen Routen durch die Stadt unsicherer f\u00fchle und beispielsweise einen Umweg nehme, der ihr sicherer erscheine.<\/p>\n<p>Aus ihrem direkten Umfeld erhalte sie viel Zuspruch f\u00fcr ihre Petition, so Quell. Auch im Internet h\u00e4tten sich viele junge Frauen an sie gewandt, die sich \u00fcber ihren Einsatz freuten. Vor allem von M\u00e4nnern bekomme sie in den sozialen Netzwerken aber auch Kommentare, die &quot;entweder total unter der G\u00fcrtellinie sind, oder am Thema vorbeigehen&quot;. So h\u00e4tten einige Angst, bald gar nichts mehr zu einer Frau sagen zu d\u00fcrfen &#8211; ein Argument, dass die Studentin nicht gelten l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Es sei ihrer Meinung nach nicht schwer, Komplimente oder Flirten von &quot;Catcalling&quot; zu unterscheiden: &quot;Mit &#039;Catcalling&#039; will der Sender oder die Senderin niemals dem Empf\u00e4nger oder der Empf\u00e4ngerin etwas Gutes tun, sondern Macht und Dominanz demonstrieren.&quot; Meist sei das Argument des Flirtversuchs ohnehin nur vorgeschoben: &quot;Wenn ich in die Stra\u00dfenbahn steige und mir &#039;geiler Arsch&#039; hinterhergerufen wird, kann mir niemand erz\u00e4hlen, dass das darauf abzielt, mit mir ins Gespr\u00e4ch zu kommen.&quot;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend einige F\u00e4lle eindeutig sind, gibt es aber auch jene, die f\u00fcr den einen oder die eine noch vollkommen im Rahmen, f\u00fcr andere Personen aber eine klare Grenz\u00fcberschreitung sind. Auch das ist f\u00fcr Quell kein Argument: &quot;Wenn es einfach w\u00e4re, br\u00e4uchten wir keine Gesetze&quot;, sagte sie. &quot;Nur weil es nicht immer eindeutig ist, ist das f\u00fcr mich kein Grund, das Thema nicht anzugehen&quot;, sagt sie.<\/p>\n<p>Juristin Schmidt sieht zwar durchaus Schwierigkeiten abzugrenzen, &quot;was die Schwelle des Straftatbestands erreicht und was nicht&quot;. Hinzu komme, dass die Tat kaum nachgewiesen werden k\u00f6nne, wenn nur Aussage gegen Aussage stehe. Das seien jedoch rechtliche Probleme, die es ebenso bei der Beleidigung oder anderen Straftatbest\u00e4nden gebe.<\/p>\n<p>Das Sexismus im Alltag eine Rolle spielt und nicht erst bei unerw\u00fcnschten Ber\u00fchrungen anf\u00e4ngt, zeigt eine Studie des Bundesfamilienministeriums. Der Untersuchung zufolge gaben 44 Prozent der Frauen und 32 Prozent der M\u00e4nner an, schon einmal selbst sexistische Zeichen oder \u00dcbergriffe erlebt zu haben. In knapp der H\u00e4lfte der beobachteten oder erlebten F\u00e4lle ging es um verbale \u00dcbergriffe. Frauen werden demnach am h\u00e4ufigsten auf \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen durch Unbekannte bel\u00e4stigt (46 Prozent der Betroffenen), M\u00e4nner am Arbeitsplatz durch Kollegen und Kolleginnen oder Vorgesetzte (45 Prozent der Betroffenen).  <\/p>\n<p>In mehreren europ\u00e4ischen L\u00e4ndern gibt es bereits ein Gesetz gegen &quot;Catcalling&quot;. Wer beispielsweise in Frankreich einer Frau anz\u00fcgliche Bemerkungen hinterherruft, hinterherpfeift oder obsz\u00f6ne Gesten macht, der kann seit 2018 mit bis zu 750, bei erschwerenden Umst\u00e4nden sogar 1500 Euro, belangt werden.<\/p>\n<p>Im ersten Jahr seit der Einf\u00fchrung des Gesetzes wurden mehr als 700-mal entsprechende Zahlungen f\u00e4llig &#8211; eine Zahl, die der tats\u00e4chlichen H\u00e4ufigkeit der \u00dcbergriffe nicht gerecht werde, sagte etwa die franz\u00f6sische Feministin Ana\u00efs Bourdet laut der Nachrichtenagentur Reuters im August 2019. Auch Quell ist sich bewusst, dass Strafen allein das Problem nicht l\u00f6sen werden: &quot;Ein &#039;Catcalling&#039;-Gesetz wird nicht wesentlich zur Sicherheit von Frauen auf der Stra\u00dfe beitragen&quot;, sagt sie &#8211; aber auch, dass es ihr darum gehe, ein Bewusstsein in der Gesellschaft zu schaffen: &quot;Unser Gesetz muss ein Wegweiser f\u00fcr richtig und falsch sein.&quot;<\/p>\n<p>Juristin Schmidt verweist auf die Symbolkraft eines Gesetzes gegen verbale sexuelle Bel\u00e4stigung: &quot;Es w\u00e4re die klare Aussage, dass dieses Verhalten von Staats wegen unerw\u00fcnscht ist und w\u00fcrde damit auch etwas ver\u00e4ndern.&quot;<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&quot;Wie viel kostest du?&quot; &quot;Hey Puppe!&quot; &quot;Ihr F*tzen k\u00f6nnt ja mal f\u00fcr mich die Beine breit machen&#8230;&quot; War Ihnen das gerade unangenehm? Sehr? 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