{"id":27532,"date":"2024-05-25T11:47:08","date_gmt":"2024-05-25T08:47:08","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/flucht-aus-mariupol-um-uns-herum-schlugen-raketen-ein-aber-wir-kamen-ans-ziel\/"},"modified":"2024-05-25T11:47:08","modified_gmt":"2024-05-25T08:47:08","slug":"flucht-aus-mariupol-um-uns-herum-schlugen-raketen-ein-aber-wir-kamen-ans-ziel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/flucht-aus-mariupol-um-uns-herum-schlugen-raketen-ein-aber-wir-kamen-ans-ziel\/","title":{"rendered":"Flucht aus Mariupol: &#8220;Um uns herum schlugen Raketen ein, aber wir kamen ans Ziel&#8221;"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Politik         \t\t                   \t\t               \t\t                    <\/p>\n<figure> \t\t                       \t\t                        <img decoding=\"async\" alt=\"&quot;Unsere Milit\u00e4rs sagten mir den besten Weg und wir fuhren los&quot;, so Darja.\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24965071-1716551579000\/16-9\/750\/imago0152802825h.jpg\"\/><figcaption>\n<p>&quot;Unsere Milit\u00e4rs sagten mir den besten Weg und wir fuhren los&quot;, so Darja.<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Daria Sajzewa stammt aus Mariupol, der Stadt, die von den Russen im Mai 2022 nach blutigen K\u00e4mpfen erobert wurde. Mittlerweile lebt sie in Krywyj Rih. Zwei Jahre nach dem Ende der K\u00e4mpfe um Mariupol spricht sie mit ntv.de \u00fcber ihre damaligen Erlebnisse. An die Tage der Besetzung erinnert sie sich mit Schrecken.<\/p>\n<p> ntv.de: Sie kommen nicht urspr\u00fcnglich aus Mariupol. Wie sah Ihr Leben vor der gro\u00dfen Invasion aus?<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24964743-1716546450000\/16-9\/750\/photo-5370835240936921390-y.jpg\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Darja mit ihrem Hund am Meer in Mariupol.\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24964743-1716546450000\/16-9\/750\/photo-5370835240936921390-y.jpg\"\/> <\/a><figcaption>\n<p>Darja mit ihrem Hund am Meer in Mariupol.<\/p>\n<p>(Foto: privat)<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Darja Sajzewa: Ich komme urspr\u00fcnglich aus der Stadt Horliwka in der Region Donezk. Als die Regionen Luhansk und Donezk 2014 besetzt wurden, zogen mein Mann und ich nach Mariupol. Wir haben dort beide f\u00fcr das Energieunternehmen DTEK gearbeitet, er als Ingenieur und ich als Technikerin. Wir haben ein Haus gemietet und ich habe Wirtschaftswissenschaften an der Staatlichen Universit\u00e4t Mariupol studiert. Einen Monat vor dem gro\u00dfen Einmarsch haben wir uns ein Haus im Stadtteil Prymorskyj gekauft. <\/p>\n<p>Und wie hat der 24. Februar 2022 f\u00fcr Sie begonnen?<\/p>\n<p>Am 24. Februar hatte ich frei, weil ich zur Universit\u00e4t musste. Als mein Mann mich am selben Tag weckte und sagte, dass der Krieg begonnen habe, sagte ich ihm, dass das nicht lustig sei und er nicht solche Witze machen solle.<\/p>\n<p>Sie haben nicht geglaubt, dass ein Krieg ausbrechen k\u00f6nnte?<\/p>\n<p>Ich konnte es nicht glauben, denn auf dem Weg zur Arbeit kam ich manchmal an den Asow-Soldaten vorbei. Die wirkten so stark, dass ich dachte, sie w\u00fcrden uns besch\u00fctzen. Ich habe es erst geglaubt, als wir den Fernseher einschalteten und in den ukrainischen Fernsehkan\u00e4len h\u00f6rten, dass eine gro\u00dfangelegte Invasion von russischer Seite begonnen hatte.<\/p>\n<p>Was haben Sie gemacht, als Ihnen das klar wurde?<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24964759-1716546593000\/16-9\/750\/photo-5222468593583770228-y.jpg\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Darja und ihr Mann w\u00e4hrend eines Urlaubs in der Westukraine vor dem Einmarsch der Russen in die Ukraine.\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24964759-1716546593000\/16-9\/750\/photo-5222468593583770228-y.jpg\"\/> <\/a><figcaption>\n<p>Darja und ihr Mann w\u00e4hrend eines Urlaubs in der Westukraine vor dem Einmarsch der Russen in die Ukraine.<\/p>\n<p>(Foto: privat)<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wir wollten das Auto auftanken und etwas Geld abheben. Wir kamen gegen sechs Uhr morgens an, aber die Tankstellen waren schon \u00fcberf\u00fcllt. Nach einer Weile gab es eine gewaltige Explosion, sie traf einen Kontrollpunkt der ukrainischen Streitkr\u00e4fte unweit der Tankstelle. Danach wollte ich nicht mehr dort bleiben. Wir fuhren Lebensmittel kaufen und schafften es sogar, in einem Supermarkt mit einer Karte zu bezahlen, was am n\u00e4chsten Tag nicht mehr m\u00f6glich war. <\/p>\n<p>Was geschah auf den Stra\u00dfen?<\/p>\n<p>Die Menschen wussten nicht, was sie tun oder wohin sie gehen sollten. Die Verkehrsmittel fuhren entweder nicht oder waren \u00fcberf\u00fcllt, kurzum: Es herrschte Chaos. Am n\u00e4chsten Tag erhielten wir einen Anruf von unserer Arbeit. Und uns wurde mitgeteilt, dass alle bis zum 1. M\u00e4rz in bezahlten Urlaub gehen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Haben Sie russische Soldaten in der Stadt gesehen?<\/p>\n<p>Sie sind lange Zeit nicht in die Stadt eingedrungen, sondern haben uns von au\u00dfen beschossen &#8211; mein Viertel zum Beispiel von Schiffen aus, weil es in der N\u00e4he des Hafens war. Und nat\u00fcrlich von Flugzeugen. Vielleicht ist Infanterie in andere Stadtteile eingedrungen, ich habe sie aber nicht gesehen.<\/p>\n<p>Was haben Sie gemacht?<\/p>\n<p>Wir sind zu Hause geblieben. Die Stadt brannte und es war fast niemand mehr auf den Stra\u00dfen. Als es ruhiger wurde, gingen mein Mann und ich zu Fu\u00df zum Haus meiner Eltern, etwa zehn Kilometer entfernt. Zu dieser Zeit gab es in der Stadt kein Wasser, keinen Strom und kein Gas mehr. Wir brachten meinen Eltern etwas Fleisch, sprachen mit ihnen und sagten ihnen, dass sie zu uns kommen sollten, wenn etwas passiert. <\/p>\n<p>Wann haben Sie sie wiedergesehen?<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24964767-1716546649000\/16-9\/750\/photo-5321563655290085495-y.jpg\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Die Stra\u00dfe neben dem Darjas Haus nach der russischen Invasion in Mariupol.\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24964767-1716546649000\/16-9\/750\/photo-5321563655290085495-y.jpg\"\/> <\/a><figcaption>\n<p>Die Stra\u00dfe neben dem Darjas Haus nach der russischen Invasion in Mariupol.<\/p>\n<p>(Foto: privat)<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Am 9. M\u00e4rz fuhren wir wieder zu ihnen. Wir hatten kein Wasser mehr. Dieses Mal gaben uns unsere Nachbarn etwas Benzin, sodass wir mit dem Auto fahren konnten. Auf dem Weg sah ich, wie eine Frau aus dem 8. Stock eines brennenden Geb\u00e4udes sprang, weil sie hoffte, sich auf diese Weise retten zu k\u00f6nnen. Es war furchtbar und ich habe mich entschieden, meine Eltern dieses Mal mitzunehmen. W\u00e4ren wir zwei Tage sp\u00e4ter gekommen, h\u00e4tten wir meine Eltern nicht mitnehmen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Und dann beschlossen Sie, Mariupol zu verlassen?<\/p>\n<p>Es war eine spontane Entscheidung. Ich nahm Kontakt zu unserem Milit\u00e4r auf, sie sagten mir den besten Weg und wir fuhren los. <\/p>\n<p>Wie haben Sie die Stadt verlassen?<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt standen unsere Jungs vom Regiment Asow noch am Hafen. Unser Stadtteil war noch nicht besetzt. Wir fuhren am 21. M\u00e4rz los: mein Mann, mein Stiefvater, meine Mutter und meine Schwiegermutter, au\u00dferdem zwei Hunde, Katzen und ein Meerschweinchen. Unser erster Stopp war in der besetzten Stadt Mangusch, weil wir Treibstoff brauchten. Um uns herum schlugen Raketen ein, aber wir kamen ans Ziel. Vier Tage standen wir dort in einer Schlange, um Sprit zu kaufen. Am 25. M\u00e4rz konnten wir fr\u00fchmorgens weiterfahren Richtung Berdjansk.<\/p>\n<p>Sind Sie von Russen kontrolliert worden?<\/p>\n<p>Ja. Wir haben den Besatzern an den Kontrollpunkten vorgelogen, dass wir nach Berdjansk fahren w\u00fcrden, weil wir in Mariupol nichts mehr h\u00e4tten. Irgendwann passte das nicht mehr und wir mussten die Wahrheit sagen: dass wir \u00fcber Tokmak und Wasyliwka nach Saporischschja fahren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Wie viele Kontrollpunkte haben Sie passiert?<\/p>\n<p>Zwischen Mangusch und Saporischschja waren es 29 Kontrollpunkte. Der schlimmste war in Tokmak. Kadyrows M\u00e4nner waren dort und zwangen fast alle, sich bis auf die Unterw\u00e4sche auszuziehen. Es war sehr kalt und es lag \u00fcberall Schnee.<\/p>\n<p>Wonach haben sie gesucht?<\/p>\n<p>Sie suchten nach T\u00e4towierungen und Waffenspuren, um sicherzugehen, dass wir keine Soldaten sind. Es kommt mir jetzt komisch vor, aber sie wollten die Arbeitsschuhe meines Mannes mitnehmen, weil sie von guter Qualit\u00e4t waren. Aber da sie f\u00fcr die Besatzer zu klein waren, haben sie sie doch nicht mitgenommen. Wir hatten Gl\u00fcck, denn sie nahmen uns weder Geld noch Dokumente ab. Bekannte von mir, die zwei Wochen sp\u00e4ter ausreisten, mussten einen L\u00fcgendetektortest bestehen und haben nicht alle Sachen zur\u00fcckbekommen.<\/p>\n<p>Was passierte, als Sie nach Saporischschja kamen?<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Monitor-Deutsche-Firma-am-Wiederaufbau-von-Mariupol-beteiligt-article24848681.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"454391035.jpg\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24848682-1712172688000\/17-6\/1136\/454391035.jpg\"\/> <\/a> <\/figure>\n<p>   Politik  03.04.24    Versto\u00df gegen Sanktionen? &quot;Monitor&quot;: Deutsche Firma am Wiederaufbau von Mariupol beteiligt    <\/p>\n<p>Ukrainische Freiwillige gaben uns etwas zu essen und auch Hygieneartikel. Wir konnten uns endlich die Z\u00e4hne putzen und uns waschen, denn wir hatten einen Monat lang nicht geduscht. Wir verbrachten die Nacht dort und fuhren dann nach Apostolowo zum Haus einer Verwandten, wo wir eine Weile blieben. Schlie\u00dflich beschlossen wir, nach Krywyj Rih zu gehen. <\/p>\n<p>Kommen Sie klar?<\/p>\n<p>Ja. Mein Mann arbeitet weiter f\u00fcr DTEK, in der gleichen Position wie in Mariupol, aber ich wurde nicht wieder eingestellt.<\/p>\n<p> Haben Sie noch Verwandte oder Freunde in Mariupol?<\/p>\n<p>Ja, mein Patenonkel wollte nicht gehen. Jetzt k\u00fcmmert er sich um unser Haus. Wir telefonieren per Telegram. Etwa zweimal im Monat meldet er sich.<\/p>\n<p>Spricht er dar\u00fcber, was jetzt in Mariupol passiert?<\/p>\n<p>Ja, aber auf eine verschleierte Art und Weise. Die Besatzer bel\u00e4stigen die Frauen. Egal, ob es sich um ein zehnj\u00e4hriges M\u00e4dchen oder eine 60-j\u00e4hrige Frau handelt. Sie machen, was sie wollen. Sie halten sich nicht an Regeln oder Gesetze.<\/p>\n<p>Warum sind Sie in der Ukraine geblieben und nicht zum Beispiel nach Europa gegangen?<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24965131-1716552588000\/16-9\/750\/IMG-9716.jpg\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Ein Milit\u00e4r mit Darjas Pizza in der Hand.\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24965131-1716552588000\/16-9\/750\/IMG-9716.jpg\"\/> <\/a><figcaption>\n<p>Ein Milit\u00e4r mit Darjas Pizza in der Hand.<\/p>\n<p>(Foto: privat)<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eigentlich m\u00f6chte ich nach Mariupol zur\u00fcckkehren, aber wenn es unter ukrainischer Flagge ist. Ich w\u00fcrde aber gern nach Europa in den Urlaub fahren, wenn der Krieg vorbei ist. Hier werden wir gebraucht. Ich schicke zum Beispiel Lebensmittel und andere Dinge an Brigaden, in denen Freunde von mir dienen &#8211; selbst angebaute Gurken und Tomaten, selbstgebackene Pizzen und andere Leckereien. <\/p>\n<p>Sie haben viel Schlimmes erlebt. Wie kommen Sie mit all dem zurecht?<\/p>\n<p>  <strong>Mehr zum Thema<\/strong>    Reisners Blick auf die Front &quot;Die Frontfeuerwehr der Ukraine ist abgenutzt&quot;       Besuch bei Kiews Elite-Brigade &quot;Jetzt geht es um das \u00dcberleben der Nation&quot;    <\/p>\n<p>Die ersten Monate waren hart. Manchmal setze ich mich immer noch hin und heule, weil ich nach Hause will. Aber wenn man die ganze Zeit dar\u00fcber nachdenkt, wird man verr\u00fcckt. Unsere Soldaten geben mir Kraft. Ich freue mich sehr, wenn sie anrufen und sich bei mir bedanken oder mir einfach schreiben, dass sie noch am Leben sind.<\/p>\n<p>Mit Darja Sajzewa sprach Maryna Bratchyk<\/p>\n<p>Quelle: ntv.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politik &quot;Unsere Milit\u00e4rs sagten mir den besten Weg und wir fuhren los&quot;, so Darja. Daria Sajzewa stammt aus Mariupol, der Stadt, die von den Russen im Mai 2022 nach blutigen<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-27532","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27532","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=27532"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27532\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=27532"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=27532"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=27532"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}