{"id":27283,"date":"2024-04-14T18:07:45","date_gmt":"2024-04-14T15:07:45","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/iran-krieg-nur-knapp-verhindert-israel-sind-seine-kriegsziele-vollkommen-entglitten\/"},"modified":"2024-04-14T18:07:45","modified_gmt":"2024-04-14T15:07:45","slug":"iran-krieg-nur-knapp-verhindert-israel-sind-seine-kriegsziele-vollkommen-entglitten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/iran-krieg-nur-knapp-verhindert-israel-sind-seine-kriegsziele-vollkommen-entglitten\/","title":{"rendered":"Iran-Krieg nur knapp verhindert: &#8220;Israel sind seine Kriegsziele vollkommen entglitten&#8221;"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Politik         \t\t                   \t\t               \t\t                    <\/p>\n<figure> \t\t                       \t\t                        <img decoding=\"async\" alt=\"Von der israelischen Stadt Ashkelon aus ist am Himmel zu sehen, wie ein Abwehrsystem nach dem iranischen Drohnen- und Raketenangriff operiert.\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24872562-1713104393000\/16-9\/750\/2024-04-13T233806Z-760586938-RC2Y57ASX8KC-RTRMADP-3-ISRAEL-PALESTINIANS-IRAN.jpg\"\/><figcaption>\n<p>Von der israelischen Stadt Ashkelon aus ist am Himmel zu sehen, wie ein Abwehrsystem nach dem iranischen Drohnen- und Raketenangriff operiert.<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>F\u00fcr einige Stunden scheint ein gro\u00dfer Krieg im Nahen Osten kaum noch abwendbar. Er h\u00e4tte wohl auch ein Eingreifen der USA bedeutet. Wie Israel sich in die bedr\u00e4ngte Lage gebracht hat, analysiert Nahost-Experte Stephan Stetter von der Universit\u00e4t der Bundeswehr M\u00fcnchen im Gespr\u00e4ch mit ntv.de.<\/p>\n<p>Nach dem iranischen Drohnen- und Raketenangriff tagt in Jerusalem das israelische Kriegskabinett. Ein Angriff auf iranisches Territorium als Antwort ist nach Meldung der &quot;New York Times&quot; vom Tisch. War das zu erwarten?<\/p>\n<p>Die Frage, ob Israels Reaktion iranisches Territorium treffen w\u00fcrde, war aus meiner Sicht offen. Fest stand, dass die USA alles tun w\u00fcrden, um das zu verhindern. Die \u00c4u\u00dferungen aus dem Wei\u00dfen Haus waren von Anfang an deutlich, es m\u00fcsse eine harte diplomatische Antwort geben. Und dieses Adjektiv war wichtig: diplomatisch. Zugleich war es der erste direkte Angriff des Irans auf Israel &#8211; eine neue und auch gef\u00e4hrliche Situation.<\/p>\n<p>Gibt es dennoch Konflikte der Vergangenheit, die zum Vergleich taugen?<\/p>\n<p>1991 hat Saddam Hussein Israel mit Raketen angegriffen und anders als beim jetzigen Angriff, der offenbar nur geringen Schaden angerichtet hat, gab es damals Todesopfer sowie viele Zerst\u00f6rungen im Kernland Israels. Die USA haben Israel auch damals davon abhalten k\u00f6nnen, direkt zu reagieren. Das Kalk\u00fcl der israelischen Regierung kann gewesen sein, sich auch jetzt von Washington &quot;\u00fcberreden&quot; zu lassen, dem Iran nicht in gleicher Weise zu antworten, gleichzeitig jedoch signalisieren zu k\u00f6nnen: &quot;Unsere Abwehr steht&quot;. Das hat Israel auch unter Beweis gestellt.<\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24872579-1713105716000\/16-9\/750\/Foto-Stetter-01.jpg\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Stephan Stetter ist Professor f\u00fcr Internationale Politik und Konfliktforschung an der Universit\u00e4t der Bundeswehr M\u00fcnchen. Nach Studieum in Heidelberg, Jerusalem, London und Florenz forscht und lehrt er zum Nahen und Mittleren Osten.\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24872579-1713105716000\/16-9\/750\/Foto-Stetter-01.jpg\"\/> <\/a><figcaption>\n<p>Stephan Stetter ist Professor f\u00fcr Internationale Politik und Konfliktforschung an der Universit\u00e4t der Bundeswehr M\u00fcnchen. Nach Studieum in Heidelberg, Jerusalem, London und Florenz forscht und lehrt er zum Nahen und Mittleren Osten.<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Um dieses Signal zu senden, sind die Israelis aber ein hohes Risiko eingegangen.<\/p>\n<p>Zwischen Israel und dem Iran gibt es seit langem einen Schattenkrieg und immer wieder schalten die Israelis gezielt wissenschaftliches und milit\u00e4risches Personal Teherans aus, etwa mit Bezug auf das iranische Atomprogramm. Der Anschlag vor zwei Wochen hat Teheran tief im Inneren getroffen. Der General, auf den er zielte, stand weit oben in der Hierarchie der Revolutionsgarden, und der Anschlag fand nach iranischer Lesart in einem diplomatischen Geb\u00e4ude statt. Was wir auch wissen: Er war von israelischer Seite offenbar nicht vollst\u00e4ndig professionell koordiniert.<\/p>\n<p>Inwiefern?<\/p>\n<p>Die Befehlsketten wurden zwar eingehalten. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass die Implikationen dieser T\u00f6tung nicht im israelischen Sicherheitskabinett behandelt wurden. Dies w\u00e4re politisch sehr unklug gewesen.<\/p>\n<p>Diese Dimension war demnach von Israel gar nicht unbedingt intendiert?<\/p>\n<p>So kann man das sagen, ja. Sie war nicht vollst\u00e4ndig politisch durchdacht.<\/p>\n<p>Wenn man die beiden Milit\u00e4rschl\u00e4ge miteinander vergleicht, also den israelischen vor zwei Wochen und den iranischen in der Nacht, dann ist das so, als ob man auf einen Pr\u00e4zisionsangriff mit einer Schrotflinte antwortet &#8211; sehr breit aber milit\u00e4risch beinahe wirkungslos. Sollte das Israel gezielt die M\u00f6glichkeit lassen, k\u00fchl zu reagieren, wie es jetzt offenbar auch passiert?<\/p>\n<p>Das will ich nicht ausschlie\u00dfen. Laut Analysten, die sich mit dieser Region besch\u00e4ftigen, haben weder der Iran noch Israel ein starkes Interesse an einem umfassenden Krieg. Gro\u00dfbritannien, Frankreich, vor allem aber auch Jordanien haben die USA bei ihren Bem\u00fchungen unterst\u00fctzt, auf die Situation zu reagieren, in dem sie beim Abfangen der angreifenden Geschosse beteiligt waren. Und der Iran selbst hat ja gestern Abend, w\u00e4hrend die Raketen noch in der Luft waren, verlauten lassen: \u201cDas war\u2019s jetzt von unserer Seite\u201d. <\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/So-wehrte-die-israelische-Luftabwehr-den-Angriff-ab-article24872289.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"7150ebeb8e4afc4cec455eb2948c80bc.jpg\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24872298-1713093795000\/17-6\/1136\/7150ebeb8e4afc4cec455eb2948c80bc.jpg\"\/> <\/a> <\/figure>\n<p>   Politik  14.04.24    Iron Dome, Arrow, David&#039;s Sling So wehrte die israelische Luftabwehr den Angriff ab    <\/p>\n<p>Israel wird derzeit von einer stark rechts-gerichteten Regierung gef\u00fchrt. Der kleinere, rechtsextreme Koalitionspartner nimmt aggressiv Einfluss auf das israelische Vorgehen im Gazastreifen. Welche Agenda haben diese Rechtsextremen mit Blick auf den Iran?<\/p>\n<p>Der Fokus der rechtsextremen Kr\u00e4fte in der israelischen Regierung ist nicht prim\u00e4r der Iran, sondern sie haben nationalistische, religi\u00f6s aufgeladene Ziele, die sich vor allem auf die Westbank und partiell auch auf den Gazastreifen beziehen. Ihre Politik richtet sich gegen die Pal\u00e4stinenser. Aber diese Parteien sind nat\u00fcrlich keine deeskalierenden Kr\u00e4fte und ihre Aggressivit\u00e4t kommt gegen\u00fcber dem Iran zum Tragen, auch wenn nun ein Gegenschlag erstmal abgewendet wurde. Wichtig ist dabei: Die am st\u00e4rksten eskalierenden Kr\u00e4fte sitzen nicht im Kriegskabinett. Dort sitzen unter anderem die ehemaligen Generalstabschefs Benny Gantz und Gadi Eizenkot, die gar nicht Teil der Regierung sind und die m\u00e4\u00dfigenden Einfluss haben.<\/p>\n<p>In der heutigen Lage konnten die Rechtsextremen nur bedingt Einfluss nehmen. Wie werden sie das aber auf l\u00e4ngere Sicht tun?<\/p>\n<p>Wir sehen, dass Israel in einem Mehr-Fronten-Konflikt steckt. Wir haben den Iran, wir haben die Hamas, die am 7. Oktober ein Massaker angerichtet hat und noch immer Geiseln gefangen h\u00e4lt, die Huthis im Jemen und vor allem die st\u00e4ndigen Milit\u00e4rschl\u00e4ge der Hisbollah im Libanon auf den Norden Israels. Die Region dort ist entv\u00f6lkert, Libanesen und Israelis k\u00f6nnen auf beiden Seiten der Grenze nicht in ihrer Heimat leben. Und in dieser Situation haben die Kr\u00e4fte in der israelischen Regierung, auf die Sie anspielen, nicht deeskaliert.<\/p>\n<p>Welche M\u00f6glichkeiten h\u00e4tte es gegeben?<\/p>\n<p>Es gibt Vorschl\u00e4ge f\u00fcr einen Deal, um die Geiseln zu retten, f\u00fcr den Gazastreifen, f\u00fcr die Sicherheit Israels. Aber hierf\u00fcr w\u00e4re eine umfassende regionale diplomatische L\u00f6sung n\u00f6tig, der sich die extremen Kr\u00e4fte in der israelischen Regierung verweigern. Zugleich kann man seit Wochen beobachten, dass Israel eigentlich seine Kriegsziele im Gazastreifen vollkommen entglitten sind. Und damit setzt sich fort, was am 7. Oktober begonnen hat: dass die israelische Abschreckung nicht mehr so funktioniert, wie es in der Vergangenheit der Fall war. Darum werden die Kr\u00e4fte, die sich um den Iran scharen, ihre Attacken weiter betreiben.<\/p>\n<p>Israel sind seine Kriegsziele vollkommen entglitten &#8211; so drastisch w\u00fcrden Sie das formulieren?<\/p>\n<p>Israel riskiert, den Gazakrieg tats\u00e4chlich zu verlieren. Die Kampagne dauert zu lange, sie ist auf der humanit\u00e4ren Ebene desastr\u00f6s. Israels Ziele waren nach offizieller Lesart, die Hamas zu besiegen und die Geiseln heimzuholen. Diese Geiselbefreiung wird jedoch verschleppt. Das liegt sicherlich nicht nur an Israel. Wir wissen nicht, ob die Hamas einem Austausch wirklich zustimmen w\u00fcrde, denn die Terroristen taktieren. Das k\u00f6nnen sie derzeit aber auch sehr gut machen, denn sie sehen, dass Israel weltweit nicht gut dasteht, vor allem gibt es auch Druck aus den USA. <\/p>\n<figure> <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/videos\/politik\/Teheran-hat-ganze-Region-beinahe-ins-Chaos-gestuerzt-article24872259.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">      <img decoding=\"async\" alt=\"Baerbock.JPG\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24872282-1713093376000\/16-9\/1136\/Baerbock.jpg\"\/>    02:51 min  <\/a> <\/figure>\n<p>   Politik  14.04.24    Baerbock zu Angriff auf Israel &quot;Teheran hat ganze Region beinahe ins Chaos gest\u00fcrzt&quot;    <\/p>\n<p>Wie stark hat Israel diesen internationalen Gegenwind selbst verschuldet?<\/p>\n<p>Wohl wenige w\u00fcrden bestreiten, dass der Anschlag vom 7. Oktober f\u00fcr Israel das Selbstverteidigungsrecht ausgel\u00f6st hat, dass also Israel die Hamas milit\u00e4risch bek\u00e4mpfen darf und &#8211; ich w\u00fcrde sogar noch betonen &#8211; auch bek\u00e4mpfen muss, denn der Staat ist verpflichtet, seine eigene Bev\u00f6lkerung zu sch\u00fctzen. Von Anfang an wurde aber gewarnt vor den humanit\u00e4ren Folgen und den politischen Kosten, die dieser Krieg haben w\u00fcrde. Diese Warnungen hat Israel nie aufgegriffen und, auch nach Sichtweise vieler wohlwollender Beobachter, die Proportionalit\u00e4t nicht eingehalten.<\/p>\n<p>Allerdings hatten viele Milit\u00e4rexperten, die auf St\u00e4dtekrieg spezialisiert sind, schon vorausgesagt, dass eine Offensive viele zivile Opfer kosten w\u00fcrde. Was h\u00e4tte anders laufen k\u00f6nnen oder m\u00fcssen?<\/p>\n<p>Die Alternative lag auf der Hand: Israel h\u00e4tte das mobilisieren m\u00fcssen, was im Oktober 2023 m\u00f6glich war: eine breite internationale Unterst\u00fctzung nicht nur im Westen, sondern auch von arabischen Staaten &#8211; von Saudi Arabien, den Emiraten, \u00c4gypten. Die sind auf der Linie, dass die Hamas ein gro\u00dfes Problem ist, in der Region und in vielen L\u00e4ndern auch innenpolitisch. Israel h\u00e4tte die Unterst\u00fctzung der Golfstaaten und anderer gehabt, um einen politischen Fahrplan aufzustellen, parallel zur Kriegsf\u00fchrung. Das hat aber nicht stattgefunden. Stattdessen steckt man jetzt in einem Dauerkonflikt, der sich auf die Westbank auswirkt, auf den Norden Israels und der mit dem direkten Angriff des Iran nun noch eine weitere Komponente bekommen hat. <\/p>\n<p>Mit Stephan Stetter sprach Frauke Niemeyer<\/p>\n<p>Quelle: ntv.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politik Von der israelischen Stadt Ashkelon aus ist am Himmel zu sehen, wie ein Abwehrsystem nach dem iranischen Drohnen- und Raketenangriff operiert. 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