{"id":26968,"date":"2024-02-28T09:46:00","date_gmt":"2024-02-28T06:46:00","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/vorwahl-der-us-demokraten-in-michigan-denkzettel-fur-joe-biden\/"},"modified":"2024-02-28T09:46:00","modified_gmt":"2024-02-28T06:46:00","slug":"vorwahl-der-us-demokraten-in-michigan-denkzettel-fur-joe-biden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/vorwahl-der-us-demokraten-in-michigan-denkzettel-fur-joe-biden\/","title":{"rendered":"Vorwahl der US-Demokraten in Michigan: Denkzettel f\u00fcr Joe Biden"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Sie hatten sich ein bescheidenes Ziel gesetzt: 10.000 Stimmen. Aber sie haben es weit \u00fcbertroffen: Als um halb eins in der Nacht mehr als die H\u00e4lfte der Stimmen ausgez\u00e4hlt war, waren es mehr als 65.000, die sich bei der Vorwahl f\u00fcr den demokratischen Pr\u00e4sidentschaftskandidaten 2024 nicht f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/thema\/joe_biden\/\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">Joe Biden<\/a> ausgesprochen, sondern das K\u00e4stchen \u00bbuncommitted\u00ab angekreuzt hatten \u2013 neutral, ungebunden.<\/p>\n<p>Trotzdem hat Joe Biden die Vorwahl im Bundesstaat <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/thema\/michigan\/\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">Michigan<\/a> gewonnen und wird wie erwartet im August fast alle Delegiertenstimmen zum demokratischen Parteitag nach Chicago mitnehmen. Warum ist die Zahl dieser Unentschlossenen dann so bedeutend, dass am Dienstagabend alle \u00fcberregionalen und viele internationale Fernsehsender aus Michigan berichteten \u2013 obwohl es ausnahmsweise einmal nicht in erster Linie um <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/thema\/donald_trump\/\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">Donald Trump<\/a> ging?<\/p>\n<p>Michigan ist einer von derzeit gut einer Handvoll Swing States, wackliger und deshalb entscheidender Bundesstaaten, bei denen nicht praktisch jetzt schon feststeht, ob sie bei der Pr\u00e4sidentschaftswahl im November an den demokratischen oder den republikanischen Kandidaten gehen. 2016 hatte der Republikaner Donald Trump den Staat mit 10.704 Stimmen Vorsprung auf <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/thema\/hillary_clinton\/\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">Hillary Clinton<\/a> gewonnen, 2020 der Demokrat Joe Biden mit 154.188 Stimmen gegen Trump \u2013 eine sehr knappe Entscheidung im ersten und eine knappe im zweiten Fall.<\/p>\n<h3>Michigan ist ein \u00bbmust-win\u00ab-Staat<\/h3>\n<p>Michigan hat eine demografische Besonderheit. Hier leben mehr als 200.000 Amerikaner arabischer Herkunft, mehr als in jedem anderen US-Bundesstaat. Die meisten von ihnen w\u00e4hlen traditionell demokratisch. \u00bbDie muslimische Gemeinde hier\u00ab, sagt Layla Elabed, \u00bbhat 2020 aus vollem Herzen Joe Biden unterst\u00fctzt. Sie hat ihm den Sieg verschafft, den er in Michigan brauchte.\u00ab Ob es tats\u00e4chlich nur die muslimische Gemeinde war, die ihm 2020 seinen Wahlsieg in Michigan gesichert hat, ist statistisch nicht nachzuweisen. Aber dass der in den Umfragen derzeit hinter Trump liegende Biden den \u00bbmust-win\u00ab-Staat 2024 verlieren k\u00f6nnte, wenn ihn die arabischst\u00e4mmigen W\u00e4hler nicht mehr unterst\u00fctzen, ist realistisch.<\/p>\n<p>Diesen Hebel wollen Leute wie Layla Elabed nutzen. Die 35-j\u00e4hrige Aktivistin, Schwester von Rashida Tlaib, der einzigen US-Kongressabgeordneten mit pal\u00e4stinensischen Wurzeln, ist, wie viele in ihrer Community, verbittert \u00fcber Joe Biden und dessen Nahostpolitik. Sie wirft dem Pr\u00e4sidenten vor, \u00bbIsraels Aggression gegen Gaza\u00ab politisch und milit\u00e4risch zu unterst\u00fctzen, und beklagt, dass er nicht genug tue, um einen \u00bbsofortigen und dauerhaften Waffenstillstand\u00ab durchzusetzen.<\/p>\n<p>Deshalb hatte sie in ihrer Heimatstadt Dearborn bei Detroit vor einigen Wochen die Kampagne \u00bbListen to Michigan\u00ab gestartet \u2013 mit dem Ziel, mindestens 10.000 demokratische W\u00e4hler davon zu \u00fcberzeugen, bei der Vorwahl nicht f\u00fcr Biden zu stimmen. Eine Reihe anderer linksgerichteter Gruppen und Prominenter schlossen sich dem Aufruf an, darunter Abdullah Hammoud, der B\u00fcrgermeister von Dearborn, der aus Michigan stammende Filmemacher <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/thema\/michael_moore\/\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">Michael Moore<\/a> sowie Anh\u00e4nger des unabh\u00e4ngigen Senators Bernie Sanders.<\/p>\n<p>Es dauerte eine Weile, bis der Biden-Regierung klar wurde, welche Gefahr hier besteht. Anfang Februar schickte das Wei\u00dfe Haus eine hochrangige Delegation nach Dearborn, um sich bei Vertretern der arabischen Community zu entschuldigen und ihnen die Nahostpolitik der US-Regierung zu erkl\u00e4ren \u2013 ein h\u00f6chst ungew\u00f6hnlicher Schritt vor einer US-Vorwahl. \u00bbWir sind uns sehr wohl bewusst, dass wir im Zuge der Reaktion auf diese Krise seit dem 7. Oktober Fehltritte begangen haben\u00ab, sagte Bidens stellvertretender Nationaler Sicherheitsberater Jon Feiner laut einem Mitschnitt des Treffens, das die \u00bbNew York Times\u00ab <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2024\/02\/09\/us\/politics\/biden-aide-israel-regret.html#:~:text=The%20Biden%20aide%2C%20Jon%20Finer,that%20it%20would%20do%20better.\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">ver\u00f6ffentlichte            <\/a>: Die Regierung habe einen \u00bbsehr schlechten Eindruck hinterlassen\u00ab und \u00f6ffentlich nicht hinreichend zu erkennen gegeben, \u00bbwie sehr der Pr\u00e4sident, die Regierung und das Land das Leben der Pal\u00e4stinenser w\u00fcrdigen. Und das begann, offen gesagt, schon ziemlich fr\u00fch in dem Konflikt\u00ab. Die Leute in Dearborn \u00fcberzeugte das nicht.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich schaltete sich Gretchen Whitmer ein, die demokratische Gouverneurin von Michigan, der selbst Ambitionen nachgesagt werden, eines Tages Pr\u00e4sidentin zu werden. Sie wies das Protestcamp auf einen Umstand hin, der in der aufgeheizten Vorwahlstimmung in Michigan gelegentlich untergegangen war: \u00bbJede Stimme, die nicht f\u00fcr Joe Biden abgegeben wird\u00ab, warnte sie, \u00bbunterst\u00fctzt eine zweite Amtszeit von Trump.\u00ab Die W\u00e4hler sollten nicht vergessen, wie Trump mit den Muslimen umgegangen war \u2013 etwa 2017 mit einem weitgehenden <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/usa-erfolg-fuer-donald-trump-oberstes-gericht-erlaubt-einreiseverbot-fuer-muslime-a-1181729.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">Einreiseverbot<\/a>.<\/p>\n<p>Das r\u00e4umt auch Layla Elabed ein. \u00bbUnter Trump wurde sogar die US-Botschaft in Israel nach Jerusalem verlegt\u00ab, sagt sie. \u00bbAber Joe Biden versprach uns, dass das unter ihm alles ganz anders werde. Wie wir nun sehen, ist das nicht wahr.\u00ab Sie k\u00f6nne sich gut vorstellen, dass viele aus ihrer Gemeinde es nicht mehr \u00fcber sich bringen w\u00fcrden, noch einmal f\u00fcr Biden zu stimmen. \u00bbIch wei\u00df nicht, wie ich selbst im November abstimmen werde\u00ab, sagt Elabed. \u00bbAber ich hoffe, dass der Druck unserer Kampagne Biden dazu bringt, Leben zu retten. Denn das ist es, worum es uns geht: Wir wollen Leben retten. Und wenn du unsere Unterst\u00fctzung willst, dann musst du auf deine W\u00e4hler h\u00f6ren.\u00ab<\/p>\n<p>Er habe sein Kreuz jedenfalls bei \u00bbuncommitted\u00ab gemacht, sagt Ali Hallal, 29, als er am Dienstag sein Wahllokal in Dearborn Heights verl\u00e4sst. Auch er will sich noch nicht festlegen, wie er sich im November entscheidet. \u00bbEhrlich gesagt, geht es mir im Augenblick nicht um November, sondern um heute.\u00ab Am Montag habe er die Bilder eines Soldaten der US-Luftwaffe gesehen, der sich vor der israelischen Botschaft <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/us-kampfpilot-zuendet-sich-vor-israelischer-botschaft-in-washington-an-a-ed677da7-6cc1-4287-a718-434109d961cb\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">angez\u00fcndet<\/a> und \u00bbFree Palestine\u00ab gerufen habe. Der Tod dieses Soldaten habe ihn tiefer bewegt als am Abend die Szene, als Pr\u00e4sident Joe Biden in einem Eissalon in New York ank\u00fcndigte, dass es wom\u00f6glich bald zu einem Waffenstillstand kommen werde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie hatten sich ein bescheidenes Ziel gesetzt: 10.000 Stimmen. 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