{"id":2693,"date":"2020-09-21T18:27:33","date_gmt":"2020-09-21T15:27:33","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-in-schweden-zweifel-an-neuer-erklarung-zur-hohen-todesrate-durch-covid-19\/"},"modified":"2020-09-21T18:27:33","modified_gmt":"2020-09-21T15:27:33","slug":"corona-in-schweden-zweifel-an-neuer-erklarung-zur-hohen-todesrate-durch-covid-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-in-schweden-zweifel-an-neuer-erklarung-zur-hohen-todesrate-durch-covid-19\/","title":{"rendered":"Corona in Schweden: Zweifel an neuer Erkl\u00e4rung zur hohen Todesrate durch Covid-19"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/1a1d4bd4-1e2d-4bbe-90d0-9ef625f4f16b_w948_r1.77_fpx59_fpy26.jpg\" title=\"Staatsepidemiologe Anders Tegnell bei einer Pressekonferenz in Stockholm\" alt=\"Staatsepidemiologe Anders Tegnell bei einer Pressekonferenz in Stockholm\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Staatsepidemiologe Anders Tegnell bei einer Pressekonferenz in Stockholm<\/p>\n<p>  Foto:\u2002PONTUS LUNDAHL \/ AFP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Als Abteilungsleiter einer staatlichen Beh\u00f6rde war Anders Tegnell vor einem halben Jahr selbst in seiner schwedischen Heimat kaum bekannt. Inzwischen ist der 64-j\u00e4hrige Mediziner mit dem Titel &quot;Staatsepidemiologe&quot; so ber\u00fchmt, dass jedes Wort von ihm sehr genau geh\u00f6rt wird.<\/p>\n<p>Tegnell ist der Mann, der zusammen mit seinen Kollegen die schwedische Strategie im Kampf gegen das Coronavirus bestimmt. Im Fr\u00fchjahr, auf dem H\u00f6hepunkt der Pandemie, hatte sich die Beh\u00f6rde f\u00fcr Volksgesundheit gegen einen Lockdown entschieden. Die Regierung folgte.<\/p>\n<p>Weltweit hat der schwedische Sonderweg f\u00fcr Aufsehen gesorgt. Die Bef\u00fcrworter sehen in den aktuellen Infektionszahlen eine Best\u00e4tigung daf\u00fcr, dass er richtig gewesen sei.<\/p>\n<p>Nachdem die erfassten Covid-19-F\u00e4lle in Schweden lange ein Vielfaches mehr waren als in den Nachbarl\u00e4ndern D\u00e4nemark, Finnland und Norwegen gleichen sich seit Mitte August die Zahlen an. Die D\u00e4nen erleben gerade eine zweite Welle mit einer steil ansteigenden Kurve. Deutschland lag in den vergangenen Tagen ungef\u00e4hr auf demselben Infektionsniveau wie Schweden.<\/p>\n<h3>Eine brutale Welle von Covid-19-Todesf\u00e4llen<\/h3>\n<p>Ein schwerer Makel haftet der gr\u00f6\u00dften Nation Skandinaviens jedoch weiterhin an. In den Monaten der vergleichsweise gro\u00dfen Freiheit hat Schweden eine brutale Welle von Covid-19-Todesf\u00e4llen durchgemacht, in vielen Pflegeheimen w\u00fctete das Virus fast unkontrolliert. Die schwedische Corona-Sterberate liegt insgesamt ungef\u00e4hr zehnmal h\u00f6her als in Norwegen und Finnland sowie rund f\u00fcnfmal h\u00f6her als in D\u00e4nemark und Deutschland.<\/p>\n<p>Staatsepidemiologe Tegnell hat seit Langem einger\u00e4umt, dass in der Altenpflege schwere Fehler gemacht worden seien. F\u00fcr ihn liegt hierin allerdings kein gro\u00dfes Zugest\u00e4ndnis, denn f\u00fcr das, was sich in den Heimen abgespielt hat, tr\u00e4gt seine Beh\u00f6rde keine unmittelbare Verantwortung. Dass es bei einem Lockdown in Schweden zu weniger Toten gekommen w\u00e4re, h\u00e4lt Tegnell f\u00fcr unwahrscheinlich, dies hat er mehrfach gesagt.<\/p>\n<h3>Die Zahlen stellen Tegnells epidemiologischen Ansatz infrage<\/h3>\n<p>Die d\u00fcstere Statistik nagt jedoch offenkundig an ihm. Immer wieder werden ihm die Zahlen vorgehalten, die seinen gesamten epidemiologischen Ansatz infrage stellen. Nun hat er eine neue entlastende Erkl\u00e4rung f\u00fcr die hohe Opferzahl gefunden. Doch ist sie \u00fcberzeugend?<\/p>\n<p>Unter Berufung auf einen neuen wissenschaftlichen Bericht erkl\u00e4rte Tegnell jetzt, die milde Grippesaison im vergangenen Jahr sei zu einem erheblichen Teil die Ursache der vielen Corona-Toten. In Schweden sei die \u00fcbliche Erkrankungswelle zuletzt deutlich schw\u00e4cher ausgefallen als in den Nachbarl\u00e4ndern, sagte er im Interview mit &quot;Dagens Nyheter&quot;, der gr\u00f6\u00dften schwedischen Zeitung: &quot;Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen einer geringen \u00dcbersterblichkeit durch Influenza und einer hohen \u00dcbersterblichkeit durch Covid-19.&quot;<\/p>\n<p>Diese Relation erkl\u00e4re zumindest teilweise auch die hohen Todesraten in Gro\u00dfbritannien und Belgien, so der Epidemiologe. In beiden L\u00e4ndern seien zuletzt ebenfalls relativ wenige Menschen an der Grippe gestorben.<\/p>\n<p>Mit dem kalten Blick des Wissenschaftlers auf die Risikogruppen, die Alten und Vorerkrankten, k\u00f6nnte Tegnell einen relevanten Punkt getroffen haben. Sein Argument, etwas h\u00e4rter formuliert, geht so: Wen die Grippe gerade noch verschont hat, den bringt dann eben das Coronavirus ins Grab.<\/p>\n<p>Die Studie, auf die sich der schwedische Staatsepidemiologe beruft, hat nach einer Recherche des Online-Nachrichtenportals &quot;The Local Sweden&quot; allerdings noch keine wissenschaftliche Beweiskraft, da sie bisher keinem &quot;peer review&quot;, der Pr\u00fcfung durch andere Experten, unterzogen wurde. An der Stelle im Papier, wo es um den Zusammenhang zwischen Grippe und Corona geht, w\u00fcrden als Quellen drei Twitteraccounts zitiert, die von Bloggern betrieben werden: @EffectsFacts, @FatEmperor und @HaraldofW. Das wirkt nicht sehr vertrauensw\u00fcrdig, dennoch k\u00f6nnen die Informationen stimmen.<\/p>\n<h3>Kollegen aus Norwegen und Finnland nicht \u00fcberzeugt<\/h3>\n<p>Bleibt die Frage, ob durch die Grippe mehr Menschen in den Nachbarl\u00e4ndern gestorben sind als in Schweden.<\/p>\n<p>Nach der Lekt\u00fcre von Tegnells Interview haben sich dessen Kollegen aus Norwegen und Finnland in &quot;Dagens Nyheter&quot; ge\u00e4u\u00dfert, beide sind nicht \u00fcberzeugt. Frode Forland, norwegischer Direktor f\u00fcr Infektionskontrolle, sagt: &quot;Soweit wir dies \u00fcberblicken, ist es nicht die Grippe, die hinter dem gro\u00dfen Unterschied zwischen Schweden und Norwegen steckt.&quot; Es sei &quot;einfach, das zu glauben&quot;, tauge aber nicht als Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngste Grippewelle sei zwar tats\u00e4chlich in seinem Land st\u00e4rker ausgefallen als bei den schwedischen Nachbarn, so Forland. &quot;Doch wir k\u00f6nnen nicht erkennen, dass wir in den vergangenen Jahren besonders hohe Todesraten im Zusammenhang mit Influenza in Norwegen hatten.&quot; Leichte Opfer f\u00fcr das neue Virus h\u00e4tte es dort also noch in gr\u00f6\u00dferer Zahl geben m\u00fcssen, falls Tegnell recht h\u00e4tte. Aber es gab sie nicht.<\/p>\n<h3>Erfolge des finnischen Lockdowns<\/h3>\n<p>Mika Salminen, Direktor des finnischen Instituts f\u00fcr Gesundheit und Soziales, h\u00e4lt einen Zusammenhang zwischen Grippe- und Corona-Sterblichkeit immerhin f\u00fcr m\u00f6glich. &quot;Zum Teil&quot; lasse sich dadurch vielleicht auch die schwedische Entwicklung erkl\u00e4ren. &quot;Aber ich glaube nicht, dass der Unterschied zwischen Finnland und Schweden darauf beruht.&quot;<\/p>\n<p>Salminen ist \u00fcberzeugt, dass die entscheidende Ursache im finnischen Lockdown liegt: &quot;Er hatte eine gr\u00f6\u00dfere Wirkung, als wir uns h\u00e4tten ertr\u00e4umen k\u00f6nnen.&quot; Gehofft habe er lediglich, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. &quot;Tats\u00e4chlich jedoch wurde die Epidemie fast ganz gestoppt.&quot;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Sommers gab es in Finnland nahezu keine neuen F\u00e4lle, jetzt steigen die Zahlen an. Die Beh\u00f6rden im Land sind besorgt und reagieren auf lokale Cluster etwa mit zeitlich befristeten Schulschlie\u00dfungen. Im europ\u00e4ischen Vergleich liegt die finnische Ansteckungsrate allerdings weiterhin auf niedrigem Niveau &#8211; und ein Drittel unter der Rate in Schweden.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Staatsepidemiologe Anders Tegnell bei einer Pressekonferenz in Stockholm Foto:\u2002PONTUS LUNDAHL \/ AFP Als Abteilungsleiter einer staatlichen Beh\u00f6rde war Anders Tegnell vor einem halben Jahr selbst in seiner schwedischen<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2694,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2693","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2693","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2693"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2693\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2694"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2693"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2693"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2693"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}