{"id":26638,"date":"2024-02-14T00:49:25","date_gmt":"2024-02-13T21:49:25","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/nusantara-in-indonesien-entsteht-hier-die-grunste-stadt-asiens\/"},"modified":"2024-02-14T00:49:25","modified_gmt":"2024-02-13T21:49:25","slug":"nusantara-in-indonesien-entsteht-hier-die-grunste-stadt-asiens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/nusantara-in-indonesien-entsteht-hier-die-grunste-stadt-asiens\/","title":{"rendered":"Nusantara in Indonesien: Entsteht hier die gr\u00fcnste Stadt Asiens?"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Die Stadt, die bald aus dem Dschungel ragen soll, k\u00fcndigt sich schon viele Kilometer vorher an. Zwei Stunden geht es mit dem Auto vom n\u00e4chstgelegenen Flughafen durchs Nichts der Insel Borneo, mitten durch Palm\u00f6lplantagen, \u00fcber H\u00fcgel, vorbei an kleinen D\u00f6rfern auf einer schmalen Stra\u00dfe. Bis irgendwann die Sicht diesig wird und auf den Bl\u00e4ttern der Pflanzen sich grau der Baustaub absetzt.<\/p>\n<p>Schlagl\u00f6cher im Stra\u00dfenbelag, wegen der vielen Betonmischfahrzeuge und Lastwagen. Sie transportieren Eisenstangen, Pflastersteine und Kies zur Baustelle. Die ersten Kr\u00e4ne sind zu sehen, Gruben aus roter Erde, und immer mehr M\u00e4nner in Sicherheitsschuhen und mit Bauhelmen auf dem Kopf.<\/p>\n<p>Sie bauen die k\u00fcnftige Hauptstadt Indonesiens. Willkommen in Nusantara.<\/p>\n<p>Eine neue Hauptstadt bauen, noch einmal von vorn anfangen, bei der Grundsteinlegung, den Standort frei w\u00e4hlen. Davon tr\u00e4umt Indonesien seit seiner Unabh\u00e4ngigkeit 1945. Von einer Stadt, die m\u00f6glichst im Zentrum des Landes liegt und die Einheit der Gesellschaft betont. Indonesien ist das viertbev\u00f6lkerungsreichste Land der Welt, das gr\u00f6\u00dfte muslimische, mit 17.000 Inseln, Hunderten Sprachen und ethnischen Gruppen und drei Zeitzonen. Doch bisher konzentriert sich die wirtschaftliche und politische Macht auf der Insel Java.<\/p>\n<p>Dort liegt auch die aktuelle Hauptstadt Jakarta, in deren Umkreis 30 Millionen Einwohner leben \u2013 eine Stadt, die alle Aufmerksamkeit auf sich zieht und die dennoch viele f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/indonesiens-hauptstadt-und-megacity-so-soll-jakarta-vor-dem-wasser-gerettet-werden-a-394877cf-fc1a-43ff-b9a7-78b851058c99\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">nicht mehr vorzeigbar halten<\/a>. Jakarta k\u00e4mpft seit Jahren mit extremer Luftverschmutzung, Staus und \u00dcberflutungen. Jedes Jahr senkt sich dort der Boden um bis zu 20 Zentimeter, weil Grundwasser abgepumpt wird und der Meeresspiegel steigt. Eine untergehende Hauptstadt.<\/p>\n<p>Aber braucht Indonesien deshalb eine ganz neue?<\/p>\n<p>Der Mann, der den Traum der neuen Stadt anpackte und zu einem Projekt erkl\u00e4rte, hei\u00dft Joko Widodo, genannt Jokowi, der aktuelle Pr\u00e4sident Indonesiens. Er war selbst mal B\u00fcrgermeister von Jakarta. 2019 verk\u00fcndete er: Der Bau geht los. Wir ziehen um. Nach Nusantara, was so viel hei\u00dft wie \u00bbArchipel\u00ab.<\/p>\n<p>Die neue Hauptstadt werde auf Borneo liegen, versprach er, 1300 Kilometer entfernt von Jakarta. Zwei Millionen Menschen sollen dort einmal leben, auf 560 Quadratkilometern, einer Fl\u00e4che eineinhalb Mal so gro\u00df wie M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Nusantara werde eine gr\u00fcne Stadt, umringt von Regenwald, betrieben mit erneuerbarer Energie. Eine Stadt, auf die die Indonesier stolz sein k\u00f6nnten. Ohne Staus, daf\u00fcr mit vielen \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln, wo man Wege zu Fu\u00df gehen kann oder mit dem Rad fahren. Eine Hightech-Stadt, mit intelligenten Abwassersystemen und vielleicht irgendwann fliegenden Taxis, in der sich Digital Nomads niederlassen wollen.<\/p>\n<p>Mit einem Pr\u00e4sidentenpalast, der hoch \u00fcber allem thront, der aussieht wie ein Garuda-Adler, das Wappentier Indonesiens. \u00bbWir wollen ein neues Indonesien bauen\u00ab, sagte Jokowi damals. \u00bbIndonesien ist mehr als Jakarta.\u00ab<\/p>\n<p>Eine utopische Stadt.<\/p>\n<p>Eine Stadt wie ein Denkmal f\u00fcr einen scheidenden Pr\u00e4sidenten.<\/p>\n<p>Das Projekt Nusantara ist schwer zu trennen von den letzten Tagen Joko Widodos im Amt. Er wurde bekannt als \u00bbInfrastrukturpr\u00e4sident\u00ab, veranlasste den Bau vieler Stra\u00dfen, Hafen- und Bahnprojekte, ist \u00fcberaus beliebt in der Bev\u00f6lkerung. Und verbrachte seine gesamte zweite Amtszeit damit, den Bau der Hauptstadt voranzutreiben. Der Bau wurde sogar im Gesetz verankert. Zwar zerhagelte die Pandemie den Zeitplan geh\u00f6rig, er ist kaum noch einzuhalten. Au\u00dferdem sind laut einer aktuellen Umfrage mehr als die H\u00e4lfte der Indonesier gegen den Bau. Doch Widodo h\u00e4lt an seinem Ziel fest.<\/p>\n<p>Noch 2024 sollen die ersten Ministerien umziehen und der Regierungspalast eingeweiht werden \u2013 ausgerechnet in dem Jahr, in dem Widodo als Pr\u00e4sident abtreten wird. Am kommenden Mittwoch wird in Indonesien gew\u00e4hlt, mehr als 200 Millionen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger k\u00f6nnen ihre Stimme abgeben. Nach zwei Amtszeiten darf Widodo nicht noch einmal antreten. Will der Pr\u00e4sident schnell noch ein Monument f\u00fcr sich selbst erschaffen? Ist das Geld f\u00fcr die neue Metropole wirklich gut angelegt in einem Land, in dem immer noch ein Zehntel der Menschen in Armut leben?<\/p>\n<h3>Das Geld<\/h3>\n<p>Schichtwechsel ist morgens um sieben. Bauarbeiter steigen dann in Shuttlebusse zur\u00fcck ins Containerdorf, gr\u00fc\u00dfen die Kollegen, die nun \u00fcbernehmen. Der Nebel \u00fcber der Baustelle lichtet sich. Die Baustrahler, mit deren Licht die M\u00e4nner die Nacht durchgearbeitet haben, werden ausgeknipst. Die K\u00fchle wird bald, wie jeden Tag, der Hitze Platz machen. In der Provinz Ostkalimantan, nahe am \u00c4quator, wo Nusantara einmal stehen soll, herrscht ein tropisches, schw\u00fcles Klima. Es ist hier hei\u00dfer als dr\u00fcben in Jakarta.<\/p>\n<p>Am Point Zero, dem Gr\u00fcndungsstein Nusantaras, sammeln sich ein paar Touristen. Auch Rostati ist gekommen, mit Familie. Sie stammt aus der Gegend und sagt: \u00bbIch bin ziemlich stolz, dass die neue Stadt hier gebaut wird. Aber es ist unm\u00f6glich, das innerhalb von f\u00fcnf Jahren zu schaffen.\u00ab<\/p>\n<p>Ein Mann mit breitem Gang und gr\u00fcnem Hemd l\u00e4uft hektisch an den Touristen vorbei: Agung Wicaksono. Deputy for Funding and Investment. Der Mann, der das Geld f\u00fcr die Stadt eintreiben soll.<\/p>\n<p>Wicaksono hat vor gut einem Jahr den Anruf der Regierung bekommen, \u00bbvon ganz oben\u00ab, wie er sagt. Dass man ihn brauche, dringend brauche. Er sagt: \u00bbIch bin doch nur ein Verk\u00e4ufer.\u00ab Aber man kann auch sagen: Er ist der wichtigste Mann der Stadt. Denn bevor die Bagger kommen muss das Konto voll sein.<\/p>\n<p>Im Schlepptau hat Wicaksono an diesem Vormittag Anfang Februar einen Investor aus den USA, der eine verspiegelte Sonnenbrille tr\u00e4gt und seine Firma in New York hat.<\/p>\n<p>Die Kosten Nusantaras werden mit 38 Milliarden US-Dollar veranschlagt. 20 Prozent davon zahlt Indonesien aus eigener Kasse \u2013 f\u00fcr grundlegende Infrastruktur, Regierungsgeb\u00e4ude und die Wohnbl\u00f6cke, in die die Regierungsbeamten bald einziehen sollen. Wicaksono nennt sie \u00bbdie Pioniere\u00ab. Alles, was im Moment vor Ort gebaut wird, ist gedeckt aus der Staatskasse.<\/p>\n<p>Der allergr\u00f6\u00dfte Teil aber \u2013 80 Prozent \u2013 soll privat finanziert werden. Alles eigentlich, was eine Stadt erst zur Stadt macht \u2013 Wohnungen, Restaurants, Malls, Kinos, Theater, Bars, Hotels, Businesscenter, B\u00fcroviertel. Und da hakt es. Die Investoren wollen nicht kommen.<\/p>\n<p>Wicaksono versucht, CEOs gro\u00dfer indonesischer und ausl\u00e4ndischer Firmen zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Aber das japanische Technologiekonglomerat Softbank hat sich zur\u00fcckgezogen. L\u00e4nder, die interessiert sind, wie Saudi-Arabien oder Singapur, haben bisher keine Vertr\u00e4ge unterzeichnet. Neulich war ein Regierungsvertreter der Vereinigten Arabischen Emirate da.<\/p>\n<p>Wicaksono will, dass die Stadt einmal eine ist, die von allen geliebt wird. Aber daf\u00fcr braucht es Leute, die die Pl\u00e4ne mit Leben f\u00fcllen.<\/p>\n<p>Unsicherheit vertreibt Anleger. Die anstehenden Wahlen sind so eine Unsicherheit. Wenn Jokowi bald weg ist, so was wie der Gr\u00fcndungsvater der Stadt, \u2013 wird sein Nachfolger die Pl\u00e4ne \u00fcberhaupt weiterverfolgen?<\/p>\n<p>Wie wichtig Joko Widodo das Projekt Nusantara ist, zeigt der Deal, den er mit einem ehemaligen politischen Rivalen eingegangen ist: mit Prabowo Subianto, 72, der zwei Pr\u00e4sidentschaftswahlen gegen Jokowi verlor. Nun hat er gute Chancen, Indonesiens n\u00e4chster Pr\u00e4sident zu werden. Denn Jokowi hat ihm seinen \u00e4ltesten Sohn, Gibran Rakabuming, als Vizekandidaten an die Seite gestellt.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele ein Skandal, nicht nur, weil sich amtierende Pr\u00e4sidenten normalerweise nicht in den Wahlkampf einmischen d\u00fcrfen. Sondern auch, weil Prabowo, ein ehemaliger Milit\u00e4rgeneral, schwere Menschenrechtsverletzungen w\u00e4hrend des Suharto-Regimes vorgeworfen werden, unter anderem in Timor-Leste und bei Unruhen gegen die Regierung im Mai 1998. F\u00fcr Kritiker ist Prabowo ein Verbrecher, der zur Verantwortung gezogen werden muss.<\/p>\n<p>F\u00fcr Joko Widodo ist er der Mann, der garantiert hat, sein Verm\u00e4chtnis fertigzustellen.<\/p>\n<h3>Die Unerw\u00fcnschten<\/h3>\n<p>Syamsiah, 49 Jahre, tr\u00e4gt ein rosa Kopftuch und sagt: \u00bbWenn sie uns wirklich von hier vertreiben, dann m\u00fcssen sie mich hier begraben. Ich werde nicht gehen. Das hier ist mein Land.\u00ab<\/p>\n<p>Sie sitzt im Hinterhof ihres Hauses im D\u00f6rflein Sepaku, unweit der Baustelle von Nusantara. 80 Familien leben hier, seit Generationen. Syamsiah besitzt mit ihrem Mann und den sechs Kindern ein Holzhaus und etwas Land. Fr\u00fcher haben sie dort Reis angebaut, heute ist die Fl\u00e4che oft \u00fcberschwemmt. Die Regierung baut einen Damm, der die Frischwasserversorgung der neuen Hauptstadt sichern soll. \u00bbBei uns geht alles kaputt.\u00ab<\/p>\n<p>Manche Nachbarn haben ihre Wohnungen schon verlassen, sind weit weg gezogen. Die Grundst\u00fcckspreise in der N\u00e4he sind wegen Nusantara schon in die H\u00f6he gegangen. Es seien Politiker dagewesen, die die Anwohner \u00fcberzeugen wollten, umzuziehen, sagt Syamsiah. F\u00fcr die, die gehen, gibt es Ausgleichszahlungen. F\u00fcr die, die bleiben, unklare Aussagen: Niemand sagt, Sepaku werde geflutet. Manche sagen, das Dorf werde zu einem Touristenressort umgebaut. \u00bbWenn wir gehen, starten wir bei null\u00ab, sagt sie.<\/p>\n<p>Syamsiah und die anderen geh\u00f6ren der lokalen Ethnie der Balik People an. Ihre Ahnen sind hier begraben, viele Orte haben spirituelle Bedeutung. Die meisten haben keine Landtitel. Ihre Leben fu\u00dfen auf der Annahme, dass sie bleiben k\u00f6nnen, wo sie schon lange sind. In den Pl\u00e4nen des Hochglanzprojekts neue Hauptstadt, so scheint es, sind die normalen Leute vergessen worden. \u00bbWir kriegen nichts, w\u00e4hrend die neuen Anwohner von Nusantara alles kriegen.\u00ab Die Frage ist, ob eine Stadt einen kann, wenn sie die Kultur und die Menschen vor Ort missachtet.<\/p>\n<h3>Der Plan<\/h3>\n<p>Indonesien ist nicht das erste Land, das sich eine neue Hauptstadt schafft. Das australische Parlament zog 1927 nach Canberra um. Bras\u00edlia l\u00f6ste 1960 Rio als Hauptstadt ab. 1998 gr\u00fcndete Kasachstan Astana. Naypyidaw in Myanmar ist eine Planstadt, Abuja in Nigeria. In \u00c4gypten l\u00e4sst Pr\u00e4sident Sisi seit zehn Jahren an einem New Cairo bauen.<\/p>\n<p>Das Problem fast aller dieser St\u00e4dte: zu teuer, trostlos, hohe Staatsverschuldung, niemand will hinziehen. Oft dauerte es Jahrzehnte, bis die St\u00e4dte halbwegs angenommen wurden. Manche sind es bis heute nicht. Wieso sollte es in Nusantara anders kommen?<\/p>\n<p>Sibarani Sofian ist der Architekt Nusantaras. In seinem B\u00fcro in Jakarta h\u00e4ngen auf Zeichenpapier Entw\u00fcrfe von H\u00e4usern, Promenaden, Br\u00fccken, Stra\u00dfen. Zum Beispiel vom \u00bbPeople\u2019s Boulevard\u00ab, daneben ist vermerkt: \u00bbsoll intim und nach den Menschen ausgerichtet sein\u00ab. Sibaran sagt, es falle ihm schwer, an etwas anderes zu denken als die neue Stadt. Er schaue sich genau an, was in den anderen Planst\u00e4dten falsch gelaufen ist.<\/p>\n<p>Sibarani hat 2019 die Ausschreibung der Regierung gewonnen. Fast 700 Architekten hatten sich f\u00fcr den Wettbewerb registriert. Sechs bis acht Wochen hatte Sibarani Zeit, die Pl\u00e4ne zu zeichnen. Vieles stand schon fest: der Ort der Regierungsgeb\u00e4ude. Ihre Gr\u00f6\u00dfe. Mit manchen Ideen hat der Architekt nichts zu tun. Zum Beispiel mit dem Palast in Form eines Adlers. W\u00e4re es nach ihm gegangen, w\u00fcrde dort heute ein weitaus bescheidenerer Entwurf umgesetzt.<\/p>\n<p>Die Topografie der Stadt ist kompliziert, sagt Sibarani. Es seien dort lauter H\u00fcgel, viel Steigung, viel Gef\u00e4lle, oft muss erst der Lehmboden abgetragen und ein neuer Untergrund geschaffen werden, damit die Fundamente von Geb\u00e4uden w\u00e4hrend der Regenzeit nicht weggesp\u00fclt werden.<\/p>\n<p>Die Herausforderung sei, heute eine Stadt zu planen, die Menschen in zwei, drei, vier Jahrzehnten gut finden, sagt Sibarani. Was haben sie f\u00fcr Vorstellungen von einem guten Leben? Wie werden sie ihren Alltag gestalten? Werden sie noch als Familien wohnen, oder wie viel Platz brauchen sie?<\/p>\n<p>Ganz fertiggestellt sein soll Nusantara bis 2045. \u00bbDie Babyboomer treffen heute die Entscheidung, aber die, die mal die Stadt bewohnen werden, sind Gen Z oder noch viel j\u00fcnger.\u00ab In seinem B\u00fcro besch\u00e4ftigt Sibarani deshalb viele Leute unter 30. Denen sei zum Beispiel wichtig: \u00f6ffentlicher Nahverkehr. 80 Prozent des Verkehrs soll mit Bussen und Bahnen funktionieren. Das sei mehr als in Tokio, mehr als in Singapur.<\/p>\n<p>Dann ist da aber die Sache mit der Natur. Borneo, wo Nusantara gebaut wird, und das in Teilen zu Malaysia, in Teilen zu Indonesien geh\u00f6rt, beherbergt einen der gr\u00f6\u00dften Regenw\u00e4lder der Erde. Es leben dort Orang-Utans, Leoparden, Elefanten, Nasenaffen.<\/p>\n<p>Die Insel ist jetzt schon bekannt f\u00fcr die Umweltzerst\u00f6rung, die dort seit Jahrzehnten stattfand. Fast die H\u00e4lfte des urspr\u00fcnglichen Dschungels wurde gerodet, sch\u00e4tzen Natursch\u00fctzer. Nahe der Baustelle liegen riesige <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/indonesien-ist-der-groesste-nickelproduzent-der-welt-jetzt-buhlen-china-und-der-westen-um-das-land-a-5d0110fe-184c-4ef8-a81f-dec80c68faab\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">Kohleminen                                       <\/a>; 60 Prozent der indonesischen Kohleexporte stammen von Borneo. Viele Kritiker f\u00fcrchten, die neue Stadt zerst\u00f6re die Natur nur noch weiter, weil massiv Wald abgeholzt wird, um Beton hinzustellen.<\/p>\n<p>\u00bbWenn wir uns an die Pl\u00e4ne halten\u00ab, sagt Architekt Sibarani, \u00bbdann ist diese Kritik falsch\u00ab. In der Tat ist der Wald rund um die Stadt l\u00e4ngst kein Regenwald mehr, sondern sogenannter Industriewald. Gepflanzt wird schnell wachsender Eukalyptus f\u00fcr die Papierherstellung. Die Pl\u00e4ne von Nusantara sehen vor, dass diese Monokulturen verschwinden und an ihrer Stelle wieder nat\u00fcrlicher Dschungel wachsen darf. Eine Stadt, die f\u00fcr mehr Natur sorgt. Das w\u00e4re eine gute Sache. Aber Sibarani wei\u00df, wie schnell Pl\u00e4ne ge\u00e4ndert werden.<\/p>\n<h3>Die Zukunft<\/h3>\n<p>Es ist einfach, die Idee einer neuen Hauptstadt bescheuert zu finden. Man k\u00f6nnte die Milliarden f\u00fcr neue Schulen ausgeben. Man k\u00f6nnte in Jakarta eine U-Bahn bauen. Man k\u00f6nnte Projekte f\u00fcr junge Frauen in den D\u00f6rfern der Balik People f\u00f6rdern oder ein neues Naturschutzgebiet ausrufen.<\/p>\n<p>Aber darf ein Land nicht auch mal gro\u00df tr\u00e4umen?<\/p>\n<p>Und wo sind die Leute, die sonst sagen, St\u00e4dte m\u00fcssen klimafreundlicher werden und den Menschen mehr Platz und Gr\u00fcnfl\u00e4chen lassen? Nusantara will so eine Stadt sein. Sie k\u00f6nnte in 30 Jahren als Vorbild gelten.<\/p>\n<p>Rund um die Baustelle trifft man welche, die schon jetzt als Kioskbesitzer oder Arbeiter mehr Geld verdienen als vorher. Sie haben das Gef\u00fchl, endlich denke die Regierung auch mal an sie. Es gibt auf Borneo Waldforscher, die die Pl\u00e4ne zur Wiederaufforstung rund um Nusantara tats\u00e4chlich \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Doch selbst Architekt Sibarani, der Designer der Stadt, ist unsicher, ob er wirklich einmal mit seinem B\u00fcro nach Nusantara umziehen will. Auch er wei\u00df nicht, ob das Herz Indonesien je woanders liegen wird als in Jakarta. Es sei m\u00f6glich, dass Nusantara am Ende nicht mehr wird als \u00bbein Ressort aus Regierungsgeb\u00e4uden im Dschungel\u00ab. Sollten die Investoren nicht bald kommen. Sollten die Bauarbeiten nicht bald Fahrt aufnehmen.<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Widodos Kritiker bef\u00fcrchten, Indonesien \u00fcbernehme sich finanziell massiv mit dem Megaprojekt. Sie bezweifeln auch, dass internationale Botschaften auf die Nachbarinsel umziehen, solange sich Nusantara nicht wie eine echte Hauptstadt anf\u00fchlt, sondern mehr wie ein Themenpark.<\/p>\n<p>Im Zentrum der Baustelle jedenfalls, der Teras Cakrawala, der zentralen Promenade durchs k\u00fcnftige Regierungsviertel, stehen schon die Wegweiser. Nach links zur Plaza Barat und zum Grash\u00fcgel. Nach rechts zum Regierungspalast. Dem Palast, der einmal aussehen soll wie ein Adler, fehlen noch die Fl\u00fcgel. Fraglich, ob die bis zum 17. August fertig werden. Dann ist indonesischer Unabh\u00e4ngigkeitstag. Und die Einweihung Nusantaras.<\/p>\n<p>Was recht sicher ist: Der Palast wird bis dahin soweit fertig sein, dass Joko Widodo noch einziehen kann. Seine Amtszeit endet im Herbst. Ein paar Wochen wird er die Geschicke des Landes noch aus einem B\u00fcro in Nusantara leiten k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stadt, die bald aus dem Dschungel ragen soll, k\u00fcndigt sich schon viele Kilometer vorher an. 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