{"id":2635,"date":"2020-09-18T22:57:39","date_gmt":"2020-09-18T19:57:39","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/die-linken-katja-kipping-und-dietmar-bartsch-ringen-um-einfluss\/"},"modified":"2020-09-18T22:57:39","modified_gmt":"2020-09-18T19:57:39","slug":"die-linken-katja-kipping-und-dietmar-bartsch-ringen-um-einfluss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/die-linken-katja-kipping-und-dietmar-bartsch-ringen-um-einfluss\/","title":{"rendered":"Die Linken: Katja Kipping und Dietmar Bartsch ringen um Einfluss"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/fc3fe590-0001-0004-0000-000001398976_w948_r1.77_fpx34.43_fpy50.jpg\" title=\"Fraktionschef Dietmar Bartsch, Parteivorsitzende Katja Kipping\" alt=\"Fraktionschef Dietmar Bartsch, Parteivorsitzende Katja Kipping\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Fraktionschef Dietmar Bartsch, Parteivorsitzende Katja Kipping<\/p>\n<p>  Foto:\u2002WOLFGANG RATTAY\/ REUTERS  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Wer wissen will, wie die Zukunft der Linken aussieht, der k\u00f6nnte an diesem Wochenende im th\u00fcringischen St\u00e4dtchen S\u00f6mmerda Antworten finden. Dort treffen sich die Genossen zu ihrem Landesparteitag. Mit dabei ist nat\u00fcrlich die th\u00fcringische Landesvorsitzende Susanne Hennig-Wellsow. Angek\u00fcndigt hat sich aber auch eine Frau aus Hessen: die dortige Fraktionschefin der Linken im Landtag, Janine Wissler.<\/p>\n<p>In S\u00f6mmerda, daran gibt es nur noch wenig Zweifel, tritt also &#8211; zum ersten Mal gemeinsam &#8211; die k\u00fcnftige Spitze der Linkspartei auf.<\/p>\n<p>Sechs Wochen vor dem Bundesparteitag sind Wissler und Hennig-Wellsow die einzigen Bewerber f\u00fcr den Vorsitz bei den Genossen. Alles deutet darauf hin, dass es keine ernst zu nehmenden Gegenkandidaturen mehr gibt.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft auch: F\u00fcr eine andere Linke, die ebenfalls in S\u00f6mmerda sein wird, l\u00e4uft alles nach Plan.<\/p>\n<p>&quot;Freu mich drauf&quot;, twittert Katja Kipping am Tag vor dem Treffen in Th\u00fcringen. Kein Wunder. Ein Spitzenduo mit Wissler und Hennig-Wellsow &#8211; das w\u00e4re auch Kippings favorisierte L\u00f6sung. Wie viele andere hat die scheidende Parteivorsitzende monatelang Gespr\u00e4che gef\u00fchrt, die Lage sondiert, Chancen ausgelotet. Beim Bundesparteitag Ende Oktober stehen Vorstandswahlen an. Wer soll die Genossen in das wichtige Bundestagswahljahr f\u00fchren? Kipping selbst, nach mehr als acht Jahren im Amt? Sogar Verb\u00fcndete rieten ihr davon ab. Dann zumindest jemand, der die Partei in ihrem Sinne weiterf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Doch bei der Suche nach m\u00f6glichen Nachfolgern lief nicht alles rund. Wunschkandidaten sagten ab, auch Hennig-Wellsow z\u00f6gerte zwischenzeitlich. Zuletzt soll es noch einmal ein gemeinsames Treffen der drei Frauen gegeben haben. Anfang September machten es Wissler und Hennig-Wellsow schlie\u00dflich \u00f6ffentlich: Sie treten an. Geht f\u00fcr Kipping nun alles gut aus?<\/p>\n<h3>Kipping braucht Unterst\u00fctzer<\/h3>\n<p>Die Nachfolgefrage ist f\u00fcr die amtierende Vorsitzende von gro\u00dfer Bedeutung. Es geht um ihr politisches Verm\u00e4chtnis als Parteichefin. Es geht aber auch um ihre eigene Karriere. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Kipping Spitzenkandidatin f\u00fcr die Bundestagswahl werden will, danach Fraktionschefin oder, wer wei\u00df, vielleicht sogar Ministerin. Doch daf\u00fcr braucht sie m\u00e4chtige Unterst\u00fctzer.<\/p>\n<p>Hennig-Wellsow gilt schon lange als Vertraute der Nochvorsitzenden. Wie Kipping pl\u00e4diert sie f\u00fcr einen pragmatischen Kurs, will die Linke 2021 in eine rot-rot-gr\u00fcne Regierung f\u00fchren. Wissler z\u00e4hlt zwar zu den Parteilinken, dort aber zu jenem Teil, der sich besonders sozialen Bewegungen verpflichtet f\u00fchlt. Kipping hatte in der Vergangenheit mit dieser Gruppe paktiert, Wissler ist seit Jahren ihre Stellvertreterin.<\/p>\n<p>Das neue Duo w\u00e4re die machtpolitische Fortsetzung der bisherigen Linkenspitze. Doch nicht nur das. Kipping und ihr Co-Vorsitzender Bernd Riexinger haben den Genossen einen neuen Kurs verordnet. J\u00fcnger und urbaner sollten sie sein, gesellschaftspolitisch liberal und in Klimafragen eine echte Alternative zu den Gr\u00fcnen. Die Strategie ist in der Partei umstritten. Wissler und Hennig-Wellsow sind auch ein Versprechen, dass es trotzdem bei dieser Linie bleibt.<\/p>\n<p>An einem sommerlichen Septembertag sitzt Kipping in einem Caf\u00e9 in Berlin-Mitte und l\u00e4chelt. Es gehe ihr sehr gut, sagt sie. Warum auch nicht? Es ist noch nicht allzu lange her, da steckte Kipping innerparteilich in gr\u00f6\u00dften Schwierigkeiten. Die erbitterten Machtk\u00e4mpfe mit den Traditionslinken in der Fraktion, allen voran mit Sahra Wagenknecht, hatten auch sie schwer besch\u00e4digt.<\/p>\n<p>Doch w\u00e4hrend Wagenknecht entnervt und ersch\u00f6pft aufgab, hielt sich Kipping im Amt. In den vergangenen Monaten war sie sogar auffallend pr\u00e4sent in der \u00d6ffentlichkeit, sa\u00df in Talkshows, stie\u00df Debatten an, zuletzt zur Verk\u00fcrzung der Arbeitszeit. &quot;Sie hat die L\u00fccke gef\u00fcllt&quot;, sagt eine Person, die im fr\u00fcheren Linken-Kleinkrieg fest zu Wagenknecht gehalten hatte. Solch ein Lob aus dem innerparteilichen Feindesland w\u00e4re noch vor Kurzem undenkbar gewesen.<\/p>\n<p>Nun scheinen sogar gro\u00dfe Ziele wieder in Reichweite. Sicher ist Kipping ein Spitzenposten zwar noch lange nicht. Zumal vor allem Wissler f\u00fcr sie nur schwer berechenbar ist. Die Parteilinke sprach in den vergangenen Monaten mit den unterschiedlichsten Kr\u00e4ften \u00fcber ihre eigenen Chancen, mit Bartsch-Reformern, sogar mit dem umstrittenen Altstar des linken Fl\u00fcgels, Oskar Lafontaine.<\/p>\n<p>Ger\u00fcchte, es gebe einen Deal mit ihren potenziellen Nachfolgerinnen, weisen alle drei Frauen auf Nachfrage zur\u00fcck. Doch Wissler ist keine Kipping-Gegnerin. Und Hennig-Wellsow sagte k\u00fcrzlich im SPIEGEL: &quot;Katja Kipping ist eine der wichtigsten Pers\u00f6nlichkeiten in der Partei und eine Frau, die wir nicht verlieren d\u00fcrfen.&quot; Gemessen an dem, was lange m\u00f6glich schien, hat sich Kipping f\u00fcr die Zukunft jedenfalls viele Optionen bewahrt.<\/p>\n<h3>Machtverh\u00e4ltnisse verschoben<\/h3>\n<p>Einer, f\u00fcr den ebenfalls viel von der neuen Parteispitze abh\u00e4ngt, ist Dietmar Bartsch. Wie Kipping versuchte auch der Fraktionschef im Rennen um den Linkenvorsitz ein W\u00f6rtchen mitzureden. Offensichtlich mit weniger Erfolg als Kipping.<\/p>\n<p>Am liebsten h\u00e4tte Bartsch wohl einen eigenen Weggef\u00e4hrten an der F\u00fchrung gesehen &#8211; den Parlamentarischen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Jan Korte. Der aber habe inzwischen abgewunken, hei\u00dft es aus Reformerkreisen. Korte hat offenbar wenig Lust auf den Jobwechsel. Die Kandidatur der beiden Frauen w\u00e4re f\u00fcr ihn ohnehin eine gro\u00dfe H\u00fcrde. Zwar kokettieren noch immer Bartsch-Anh\u00e4nger mit Kortes angeblicher Bewerbung. Doch d\u00fcrfte es dabei nur noch darum gehen, sich in eine bessere Verhandlungsposition f\u00fcr die Besetzung der weiteren Vorstandsposten zu man\u00f6vrieren.<\/p>\n<p>Die Angelegenheit zeigt deutlich, wie sich die Machtverh\u00e4ltnisse bei den Linken verschoben haben. Die beiden einstmals gro\u00dfen konkurrierenden Bl\u00f6cke, das linke Lager um Ex-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht und die Reformer um Bartsch, haben zwar noch in der Fraktion das Sagen. Doch die Allianz der einstigen Gegner hat zu Zerfallserscheinungen auf beiden Seiten gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Beiden Gruppen fehlt nun offensichtlich die Kraft, in den Kampf um den Vorsitz ernsthaft einzugreifen.<\/p>\n<p>Dabei gibt es auch echte Dem\u00fctigungen. Es ist der erste Donnerstag im September, als die Chefs der m\u00e4chtigen Ost-Landesverb\u00e4nde in einem Berliner Restaurant zusammenkommen &#8211; der Abend, bevor Wissler und Hennig-Wellsow ihre Kandidatur erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Die Ost-Pragmatiker sind sich in der Vorsitzendenfrage nicht einig. Vor allem aus Berlin und Brandenburg erh\u00e4lt Hennig-Wellsow viel Unterst\u00fctzung. Dagegen wollen sich die Bartsch-Anh\u00e4nger in Sachsen und Sachsen-Anhalt noch nicht geschlagen geben. Jan Korte k\u00f6nne antreten, hei\u00dft es auch an diesem Abend.<\/p>\n<p>Am Ende vertagen sich die Landeschefs. In der Folgewoche will man Hennig-Wellsow und Korte an einen Tisch bringen, alles noch einmal bereden, bevor jemand an die \u00d6ffentlichkeit geht. Das ist der Plan.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag aber verk\u00fcndet erst Janine Wissler ihre Kandidatur, wenige Stunden sp\u00e4ter Susanne Hennig-Wellsow &#8211; entgegen der Vereinbarung vom Vorabend. Damit ist klar: Einen gemeinsamen Vorschlag des Ostens gibt es vorerst nicht. Bartschs Leute sind d\u00fcpiert.<\/p>\n<p>Was hei\u00dft das f\u00fcr Bartsch und dessen Ambitionen auf die erneute Spitzenkandidatur? Der Fraktionschef sagt: &quot;Wir brauchen f\u00fcr die wichtigen Landtagswahlen und die Bundestagswahlen eine strategische und personelle Gesamtaufstellung, mit der wir erfolgreich sein k\u00f6nnen.&quot; Offensichtlich meint er damit auch sich selbst.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich kann sich Bartsch noch immer auf seine Prominenz und sein Renommee verlassen, gerade bei SPD und Gr\u00fcnen genie\u00dft er hohe Anerkennung. Obendrein ist Bartsch einer der erfahrensten Wahlk\u00e4mpfer. Doch innerparteilich br\u00f6ckelt sein R\u00fcckhalt seit Jahren. Um im Linken-Machtkampf der kommenden Wochen und Monate zu bestehen, m\u00fcssen mit Sicherheit noch etliche Gespr\u00e4che gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Fraktionschef Dietmar Bartsch, Parteivorsitzende Katja Kipping Foto:\u2002WOLFGANG RATTAY\/ REUTERS Wer wissen will, wie die Zukunft der Linken aussieht, der k\u00f6nnte an diesem Wochenende im th\u00fcringischen St\u00e4dtchen S\u00f6mmerda Antworten finden. Dort treffen sich die Genossen zu ihrem Landesparteitag. Mit dabei ist nat\u00fcrlich die th\u00fcringische Landesvorsitzende Susanne Hennig-Wellsow. 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