{"id":2623,"date":"2020-09-18T10:07:15","date_gmt":"2020-09-18T07:07:15","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/kita-leitungen-in-der-corona-krise-alte-probleme-neue-angste\/"},"modified":"2020-09-18T10:07:15","modified_gmt":"2020-09-18T07:07:15","slug":"kita-leitungen-in-der-corona-krise-alte-probleme-neue-angste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/kita-leitungen-in-der-corona-krise-alte-probleme-neue-angste\/","title":{"rendered":"Kita-Leitungen in der Corona-Krise: Alte Probleme, neue \u00c4ngste"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/3b5f09f0-169e-48dc-84b1-1da16e48ebdf_w948_r1.77_fpx50_fpy42.jpg\" title=\"Kita in K\u00f6ln (Symbolbild): &quot;Kinder haben Rotznasen. Wir stehen ganz vorne an der Ansteckungsfront&quot;\" alt=\"Kita in K\u00f6ln (Symbolbild): &quot;Kinder haben Rotznasen. Wir stehen ganz vorne an der Ansteckungsfront&quot;\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Kita in K\u00f6ln (Symbolbild): &quot;Kinder haben Rotznasen. Wir stehen ganz vorne an der Ansteckungsfront&quot;<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Arne Dedert \/ picture alliance\/dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Hand holt aus, schl\u00e4gt auf die \u00d6ffnung einer Wasserflasche, der Glasboden l\u00f6st sich und landet klirrend auf der B\u00fchne. Mit dieser kurzen Choreografie untermalt der Coach und Kampfsportk\u00fcnstler Marc Gassert seine Mahnung an das Publikum: &quot;Wenn Sie zu viel Stress im System haben, k\u00f6nnen Sie die Scherben Ihrer selbst auf dem Boden aufsammeln. Dann sind Sie f\u00fcr zwei Jahre raus.&quot;<\/p>\n<p>Angesprochen sind rund 600 Erzieherinnen und Erzieher, die sich zwei Tage beim Kitaleitungskongress in Berlin treffen. Neben dem Training mit Gassert, der unter anderem Fr\u00fchindikatoren f\u00fcr ein zu hohes Stresslevel vermittelt, stehen Vortr\u00e4ge \u00fcber Teammanagement, Arbeitsschutz oder Qualit\u00e4tssteigerung in Kitas auf dem Programm. Doch \u00fcber allem steht die Frage: Wie k\u00f6nnen die Leitungen ihre Einrichtungen durch die Krise f\u00fchren, wie gelingt der Alltag in Zeiten der Pandemie?<\/p>\n<p>Seit Ende Juni hatten die ersten Bundesl\u00e4nder wie Brandenburg, Baden-W\u00fcrttemberg und Berlin ihren Kitas wieder so etwas wie Normalbetrieb verordnet, nach und nach folgten die anderen Bundesl\u00e4nder. Die \u00d6ffnung begann fr\u00fcher als bei den Schulen und verlief vergleichsweise ger\u00e4uschlos. Infektionsbedingte Schlie\u00dfungen von Kitas sind selten, einer Befragung des Deutschen Jugendinstituts (DJI) zufolge waren zwischen Juni und Mitte August weit weniger als ein Prozent der Einrichtungen in Deutschland betroffen. Hei\u00dft das also, bei den Kitas l\u00e4uft alles glatt?<\/p>\n<p>&quot;Die Kitas standen schon vor Corona vor gro\u00dfen Herausforderungen. Corona hat diese Probleme versch\u00e4rft&quot;, sagt Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) und damit auch Interessenvertretung des Kita-Personals.<\/p>\n<h3><strong>Alte Probleme versch\u00e4rft: Personalmangel<\/strong><\/h3>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Problem: ein massiver Personalmangel<strong>.<\/strong> Das best\u00e4tigen Studien immer wieder &#8211; f\u00fcr die aktuelle Situation und die Zukunft. Es fielen zuletzt zwar nur etwa vier Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter coronabedingt bei der Kinderbetreuung aus, zeigt die Befragung des DJI. Die Pandemie kratzt aber trotzdem weiter am Personalbestand. Etwa, weil unterschiedliche Gruppen in den Randzeiten nicht mehr zusammengelegt werden d\u00fcrfen. Darunter leiden entweder die Betreuungszeiten &#8211; oder die Qualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Der SPIEGEL hat bei dem Kongress mit zahlreichen Erzieherinnen und Erziehern aus ganz Deutschland gesprochen. Die meisten wollen anonym bleiben, weil die Tr\u00e4ger ihrer Einrichtungen Pressegespr\u00e4che genehmigen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Eine Erzieherin aus Mecklenburg-Vorpommern berichtet etwa, in ihrer Einrichtung m\u00fcssten die Hortkinder die letzte Stunde mangels Personal nun teils allein spielen. Die Fachkraft schaue nur ab und an durch die T\u00fcr. Ihren Job als Leitung hat sie vor Kurzem erst aufgegeben, unter anderem, weil sie st\u00e4ndig als Vertretung einspringen musste. &quot;Abends musste ich dann noch an den Schreibtisch. Die Doppelbelastung war zu viel.&quot;<\/p>\n<p>Die Politik solle sich &quot;endlich ehrlich machen&quot;, fordert Beckmann vom VBE. Es k\u00f6nne nicht sein, dass sie einen Regelbetrieb ank\u00fcndigt und bei den Eltern die Erwartung wecke, fortan laufe alles normal. &quot;Das m\u00fcssen die Kitas dann ausbaden&quot;, sagt Beckmann. Eine Fachberaterin aus Berlin best\u00e4tigt den Eindruck. Den Erzieherinnen und Erziehern werde viel abverlangt. &quot;Die kurze Welle der Sympathie schlug schnell um in eine Reihe von Forderungen, was die Kollegen alles leisten sollen.&quot;<\/p>\n<p>Der Erhebung des DJI zufolge meistern die Kitas die Herausforderung aber ganz gut. Die Befragten sollten auf einer Skala von 1 (leicht) bis 6 (schwer) angeben, wie schwierig es f\u00fcr sie aktuell ist, eine bedarfsgerechte Betreuung zu gew\u00e4hrleisten. Das Ergebnis: im Schnitt eine 2,3.<\/p>\n<h3><strong>Neue \u00c4ngste: Ansteckung<\/strong><\/h3>\n<p>Die \u00c4ngste der Kita-Besch\u00e4ftigten w\u00fcrden dabei aber nicht ber\u00fccksichtigt. &quot;Kinder haben Rotznasen. Wir stehen ganz vorne an der Ansteckungsfront&quot;, sagt etwa ein Leiter einer Berliner Kita.<\/p>\n<p>Dass der zust\u00e4ndige Senat entschieden habe, auch Kinder mit Husten und Schnupfen in die Kitas zu lassen, sto\u00dfe bei den Erzieherinnen und Erziehern auf Unverst\u00e4ndnis. Die Symptome \u00e4hnelten denen von Corona einfach zu sehr. &quot;Ich m\u00f6chte den Eltern nicht zu nahe treten, aber ich wei\u00df nicht, ob das Kind morgens nicht noch ein Fieberz\u00e4pfchen bekommen hat&quot;, berichtet die Fachberaterin aus der Hauptstadt.<\/p>\n<p>Auch Kita-Leitungen in anderen Bundesl\u00e4ndern sind \u00fcber die jeweiligen Regeln, wie mit Kindern mit Erk\u00e4ltungssymptomen umgegangen werden soll, ver\u00e4rgert. In Mecklenburg-Vorpommern d\u00fcrfen Kinder nun sogar mit einer K\u00f6rpertemperatur bis 38,5 Grad gebracht werden. Vor Corona h\u00e4tten sie die Eltern schon bei 38,2 angerufen, denn erfahrungsgem\u00e4\u00df steige die Temperatur dann schnell. &quot;Ein krankes Kind geh\u00f6rt nach Hause&quot;, sagt eine Leiterin aus Mecklenburg-Vorpommern, &quot;unsere Erfahrungen werden \u00fcberhaupt nicht ber\u00fccksichtigt.&quot;<\/p>\n<p>Die Leiterin zweier kommunaler Kitas in Schleswig-Holstein hat vor allem die Kommunikation gest\u00f6rt: Sie sei von den zust\u00e4ndigen Stellen nicht rechtzeitig informiert worden. &quot;Die Eltern wussten noch vor uns von der neuen Schnupfen-Regel, die das Kultusministerium im Internet ver\u00f6ffentlicht hat&quot;, erz\u00e4hlt sie.<\/p>\n<h3><strong>Vorgaben mit Folgen: Umsetzung der Hygieneregeln<\/strong><\/h3>\n<p>Die Leitungen sind zwar nicht mehr so oft mit neuen Regeln konfrontiert wie noch zu Beginn der Pandemie, doch die st\u00e4ndigen Neuerungen wurden als sehr belastend erlebt, berichtet auch der VBE-Vorsitzende Beckmann.<\/p>\n<p>Bei der praktischen Umsetzung hapert es mancherorts zudem immer noch. Drei Gespr\u00e4chspartnerinnen aus Mecklenburg-Vorpommern berichten unisono, dass sie Probleme haben, die Maskenpflicht bei den Eltern durchzusetzen. Ein Kraftakt sei zudem, alle Kinder beim Eintreffen erst mal zum obligatorischen H\u00e4ndewaschen zu bringen. Das gr\u00f6\u00dfte Problem aber sei, dass die Kinder st\u00e4ndig Spielzeug oder Kuscheltiere von zu Hause mitbringen. &quot;Es ist schwer, einen Konsens zwischen Hygieneregeln und dem Wohlbefinden der Kinder zu finden&quot;, sagt eine der Leiterinnen.<\/p>\n<p>Auch die Entwicklungsm\u00f6glichkeiten der Kinder leiden unter den Hygieneauflagen, sagt die Fachberaterin aus Berlin. &quot;Wir m\u00fcssen die Selbstbestimmung der Kinder ein St\u00fcck weit beschr\u00e4nken.&quot; Beim Essen zum Beispiel d\u00fcrften sich die Kinder nicht mehr selbst Essen auf den Teller sch\u00f6pfen. \u00c4hnlich ist es beim offenen Konzept, das eingestellt werden musste, damit sich weniger Kinder begegnen.<\/p>\n<p>Ein weiteres Problem ist der Austausch mit den Eltern. Wegen der Abstandsregeln gibt es keine Feste, kein Eltern-Caf\u00e9, kaum Gespr\u00e4che. Eltern sollen sich beim Bringen und Abholen beeilen und d\u00fcrfen die Gruppenr\u00e4ume nicht betreten. Die Eltern h\u00e4tten kaum noch Einblick, &quot;wie gut wir unseren Betreuungs- und Bildungsauftrag umsetzen. Das Vertrauensverh\u00e4ltnis erlebt gerade eine gro\u00dfe Belastungsprobe&quot;, sagt der Leiter der kleinen Berliner Kita.<\/p>\n<p>Die P\u00e4dagogin Eva Jermer, die gemeinsam mit Adolf Timm und dem renommierten Bildungsforscher Klaus Hurrelmann j\u00fcngst einen Ratgeber f\u00fcr Eltern mit Kindern von 0 bis 6 ver\u00f6ffentlicht hat, betont, wie &quot;unendlich wichtig&quot; die Einbindung der Eltern sei. Sie berichtet von einer Kita-Leitung in Hamburg, die die &quot;T\u00fcr- und Angel-Gespr\u00e4che&quot; jetzt nach drau\u00dfen verlegt habe. Das sei eine tolle M\u00f6glichkeit, vorausgesetzt, die \u00f6rtlichen Gegebenheiten lie\u00dfen das zu.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt versuche sie, die Pandemie als Chance zu sehen, die Politik endlich aufzur\u00fctteln. Es sei schon seit Jahren so, dass die Arbeit in den Kitas nicht gesch\u00e4tzt werde, deshalb finde sich auch kaum noch Personal, so Jermer: &quot;Corona ist nur der Tropfen, der das Fass jetzt zum \u00dcberlaufen bringt.&quot;<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Kita in K\u00f6ln (Symbolbild): &quot;Kinder haben Rotznasen. Wir stehen ganz vorne an der Ansteckungsfront&quot; Foto:\u2002Arne Dedert \/ picture alliance\/dpa Die Hand holt aus, schl\u00e4gt auf die \u00d6ffnung einer Wasserflasche, der Glasboden l\u00f6st sich und landet klirrend auf der B\u00fchne. 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