{"id":2604,"date":"2020-09-17T12:56:06","date_gmt":"2020-09-17T09:56:06","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/fluchtlinge-auf-lesbos-die-grose-ungewissheit\/"},"modified":"2020-09-17T12:56:06","modified_gmt":"2020-09-17T09:56:06","slug":"fluchtlinge-auf-lesbos-die-grose-ungewissheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/fluchtlinge-auf-lesbos-die-grose-ungewissheit\/","title":{"rendered":"Fl\u00fcchtlinge auf Lesbos: Die gro\u00dfe Ungewissheit"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/9ee41f97-cc72-43d9-95d8-4761c7ce4007_w948_r1.77_fpx71_fpy30.jpg\" title=\"Fl\u00fcchtlinge im provisorischen Zeltlager auf Lesbos\" alt=\"Fl\u00fcchtlinge im provisorischen Zeltlager auf Lesbos\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Fl\u00fcchtlinge im provisorischen Zeltlager auf Lesbos<\/p>\n<p>  Foto:\u2002ALKIS KONSTANTINIDIS \/ REUTERS  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Sie geben, was sie haben, Wasser, Fetak\u00e4se, N\u00fcsse, Reis, doch am Ende eines jeden Tages bleibt bei vielen Helferinnen und Helfern auf der griechischen Insel Lesbos das Gef\u00fchl zur\u00fcck, dass es nicht genug ist. <\/p>\n<p>Schon Stunden bevor sie beginnen, Lebensmittel an die Gefl\u00fcchteten zu verteilen, bilden sich lange Schlangen. Manche der Migrantinnen und Migranten haben seit der Brandkatastrophe im Camp Moria vor einer Woche nicht genug gegessen oder getrunken. &quot;Ich sehe nur Menschen, der Horizont ist voller Menschen&quot;, sagt die Niederl\u00e4nderin Gea Dunnik, die als Psychologin die Hilfsorganisation Fenix unterst\u00fctzt.<\/p>\n<h3>Die griechischen Beh\u00f6rden helfen nicht<\/h3>\n<p>Am Wochenende verlief die Essensausgabe so chaotisch, dass sie vorzeitig abgebrochen werden musste. Die Menschen vor Ort seien &quot;verr\u00fcckt geworden&quot;, als sie sahen, dass es Lebensmittel gibt, berichtet Dunnik.<\/p>\n<p>Nun haben die Hilfsorganisationen das System neu organisiert. Die Menschen werden in verschiedene Gruppen unterteilt. Viele stehen stundenlang, um einen der blauen Plastikbeutel zu bekommen. Darunter Senioren, schwangere Frauen, Kinder. An Abstandsregeln sei nicht zu denken, sagt Dunnik. Die griechischen Sicherheitsbeh\u00f6rden lie\u00dfen die Hilfsorganisationen zwar arbeiten, unterst\u00fctzten sie aber nicht.<\/p>\n<p>Noch immer sind etwa 11.000 Fl\u00fcchtlinge auf Lesbos ohne Obdach, seit ein Gro\u00dfbrand am Dienstag vor einer Woche das Lager Moria zerst\u00f6rt hat. Zwar haben die griechischen Beh\u00f6rden mit Unterst\u00fctzung des Uno-Fl\u00fcchtlingshilfswerks (UNHCR) auf einem ehemaligen Schie\u00dfgel\u00e4nde inzwischen ein provisorisches Zeltlager errichtet, doch der Transfer der Menschen kommt nur schleppend voran. Lediglich rund 1200 Fl\u00fcchtlinge haben dort Quartier bezogen. <\/p>\n<p>Die meisten Fl\u00fcchtlinge haben Angst, in dem Zeltlager eingesperrt zu werden, so wie zuletzt in Moria. Eine Uno-Vertreterin konnte auf Nachfrage der Journalistin Isabel Schayani nicht beantworten, ob es sich um ein offenes oder geschlossenes Lager handelt. Die Bedingungen in dem Camp sind miserabel, berichten Beobachter. Die Gefl\u00fcchteten sind gezwungen, auf dem Felsboden zu schlafen. Es gibt nicht ausreichend Wasser f\u00fcr die Menschen.<\/p>\n<p>Offiziell soll es sich bei dem Zeltlager um eine provisorische Einrichtung handeln, tats\u00e4chlich aber hat die griechische Regierung f\u00fcr die Pacht des Gel\u00e4ndes bis 2025 bereits drei Millionen Euro veranschlagt.<\/p>\n<p>Die griechischen Beh\u00f6rden dr\u00e4ngten die Migrantinnen und Migranten, in das Zeltlager zu ziehen, indem sie Asylantr\u00e4ge nur noch dort bearbeiten. Die Regierung in Athen gab sich zuversichtlich, die Gefl\u00fcchteten zum freiwilligen Umzug in das Camp bewegen zu k\u00f6nnen. Seit Donnerstagmorgen aber ist offenbar eine gro\u00df angelegte Polizeioperation in Gang. Sicherheitskr\u00e4fte, so berichten Beobachter, zwingen die Menschen nun mit Gewalt in das Lager. Hilfsorganisationen wird der Zugang zu den Gefl\u00fcchteten verweigert.<\/p>\n<h3>Premier Mitsotakis setzt weiter auf Abschreckung<\/h3>\n<p>Premier Kyriakos Mitsotakis setzt im Umgang mit den Schutzsuchenden auch nach der Brandkatastrophe weiter auf Abschreckung. Seine Leute f\u00fcrchten, dass Fl\u00fcchtlinge sich ermutigt f\u00fchlen k\u00f6nnten, weitere Feuer zu legen, sollten Menschen in gro\u00dfer Zahl aufs Festland gebracht werden, wie Expertinnen und Experten fordern. Sechs Migranten wurden mittlerweile wegen des Verdachts auf Brandstiftung in Moria festgenommen. Griechische Polizisten schossen am Wochenende auf Lesbos mit Tr\u00e4nengas auf Frauen und Kinder.  <\/p>\n<p>Die Versorgung der Notleidenden bleibt in weiten Teilen an freiwilligen Helfern h\u00e4ngen. In einem ehemaligen Kaufhaus versorgen \u00c4rztinnen und Krankenschwestern der Organisation \u00c4rzte ohne Grenzen (MSF) Notf\u00e4lle; Betten gibt es keine. Zwei Hebammen pendeln zwischen der provisorischen Versorgungsklinik in Moria und dem Kaufhaus hin und her.<\/p>\n<p>Allein am Dienstag suchten 171 Menschen das Feldlazarett auf. Meist sind es Hautkrankheiten, Wunden oder Magen-Darm-Beschwerden, unter denen die Menschen leiden. Unter den Patientinnen befinden sich aber auch M\u00fctter, die nicht genug essen oder trinken, und daher Probleme haben, ihre Babys zu stillen. Und Kinder, die Verletzungen von dem Tr\u00e4nengasbeschuss davongetragen haben. Am Donnerstag versperrte die griechische Polizei MSF-Mitarbeiterinnen vor\u00fcbergehend den Zugang zur Klinik.<\/p>\n<p>&quot;Niemand spricht hier von Hoffnung oder der Zukunft&quot;, sagt Dimitra Chasioti, die als Psychologin f\u00fcr MSF arbeitet. &quot;Alles, was die Menschen wollen, ist, die Insel zu verlassen.&quot;<\/p>\n<p>Bislang wurden lediglich 406 unbegleitete, minderj\u00e4hrige Fl\u00fcchtlinge aus Lesbos aufs griechische Festland evakuiert. Der Afghane Mahdi, 17 Jahre alt, ist einer von ihnen. Er wurde in einer Pension am Stadtrand von Thessaloniki untergebracht.<\/p>\n<h3>Mahdi wei\u00df nicht, wie es weitergeht<\/h3>\n<p>Am Mittwoch steht er im Hof, bewacht von zwei griechischen Polizisten, die in einem Auto vor der Pension patrouillieren. Er tr\u00e4gt ein wei\u00dfes T-Shirt, Gesichtsmaske, kurze schwarze Haare. Nachdem seine Eltern in Iran ums Leben kamen, floh er \u00fcber die T\u00fcrkei nach Griechenland &#8211; und landete schlie\u00dflich in Moria. Mahdi sagt, er h\u00e4tte alles daf\u00fcr gegeben, aus Moria rauszukommen, &quot;aber nicht so, nicht unter diesen Umst\u00e4nden&quot;.<\/p>\n<p>Bevor das Feuer in Moria ausbrach, war Mahdi Teil eines Umsiedlungsprogramms, er wartet auf einen Platz in einem EU-Staat. Nun wei\u00df er nicht, wie es f\u00fcr ihn weitergeht. Zwar hat sich Deutschland verpflichtet, 1500 Fl\u00fcchtlinge aus Griechenland aufzunehmen, doch das betrifft vor allem Familien, die noch auf den Inseln ausharren, weniger die unbegleiteten Minderj\u00e4hrigen in Thessaloniki.<\/p>\n<p>Mahdi sagt, er hoffe, bald aus der Pension rauszukommen. Er will Thessaloniki sehen, zur Schule gehen.         <\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Fl\u00fcchtlinge im provisorischen Zeltlager auf Lesbos Foto:\u2002ALKIS KONSTANTINIDIS \/ REUTERS Sie geben, was sie haben, Wasser, Fetak\u00e4se, N\u00fcsse, Reis, doch am Ende eines jeden Tages bleibt bei vielen<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2605,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2604","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2604","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2604"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2604\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2604"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2604"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2604"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}