{"id":2570,"date":"2020-09-16T01:03:53","date_gmt":"2020-09-15T22:03:53","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/haenel-gegen-heckler-koch-bundeswehrauftrag-fur-haenel-aus-thuringen\/"},"modified":"2020-09-16T01:03:53","modified_gmt":"2020-09-15T22:03:53","slug":"haenel-gegen-heckler-koch-bundeswehrauftrag-fur-haenel-aus-thuringen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/haenel-gegen-heckler-koch-bundeswehrauftrag-fur-haenel-aus-thuringen\/","title":{"rendered":"Haenel gegen Heckler &amp; Koch: Bundeswehrauftrag f\u00fcr Haenel aus Th\u00fcringen"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/3f924529-1221-4e4e-bf8c-0be4c7556252_w948_r1.77_fpx36_fpy48.jpg\" title=\"Edge-Chef Faisal Al Bannai: Ein R\u00fcstungsunternehmen der neuen Art\" alt=\"Edge-Chef Faisal Al Bannai: Ein R\u00fcstungsunternehmen der neuen Art\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Edge-Chef Faisal Al Bannai: Ein R\u00fcstungsunternehmen der neuen Art<\/p>\n<p>  Foto:\u2002<\/p>\n<p>Jon Gambrell \/ AP<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bis zu diesem Dienstag musste man in Suhl C.G. Haenel nicht unbedingt kennen. Es hat ja nur eine Handvoll Mitarbeiter, das kleine Unternehmen aus der Sch\u00fctzenstra\u00dfe 26. Aber nun hat C.G. Haenel einen Auftrag an Land gezogen, der weitreichende Folgen haben k\u00f6nnte: f\u00fcr Suhl, f\u00fcr das Land Th\u00fcringen und f\u00fcr die deutsche R\u00fcstungspolitik. Haenel hat \u00fcberraschend die Ausschreibung f\u00fcr das neue Sturmgewehr der Bundeswehr gewonnen.                                                                    <\/p>\n<p>Es ist eine Sensation. Die Firma hat mit ihrem vollautomatischen Sturmgewehr MK 556 die viel gr\u00f6\u00dfere R\u00fcstungsschmiede Heckler &amp; Koch ausgestochen, den Dauerlieferanten der Bundeswehr seit 1959. Es ist in etwa so wie ein Pokalsieg des TSV Vestenbergsgreuth gegen Bayern M\u00fcnchen. Die Branche ist verbl\u00fcfft. Denn C.G. Haenel selbst erscheint viel zu klein, um so viele Sturmgewehre in Serie zu fertigen. Umso m\u00e4chtiger ist dagegen der Konzern, der hinter dem Unternehmen steht: das arabische Staatskonglomerat Edge.<\/p>\n<h3>&quot;Eine gute Entscheidung&quot;<\/h3>\n<p>Im Th\u00fcringer Landesinnenministerium herrscht Verwunderung. Ausgerechnet im vom linken Ministerpr\u00e4sidenten Bodo Ramelow regierten Bundesland, dessen Partei am liebsten s\u00e4mtliche R\u00fcstungsexporte verbieten w\u00fcrde, soll jetzt eine Waffenschmiede entstehen, die Heckler &amp; Koch Konkurrenz macht? Noch dazu eine, die von Investoren aus Abu Dhabi kontrolliert wird?<\/p>\n<p>Danach sieht es aus.<\/p>\n<p>&quot;Es ist eine gute Entscheidung f\u00fcr die Bundeswehr und f\u00fcr Th\u00fcringen, die hier getroffen wurde&quot;, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete und Major der Reserve Christian Herrgott dem SPIEGEL &#8211; und verwies darauf, das Unternehmen werde nun wohl expandieren.<\/p>\n<p>Muss es auch. Und zwar gewaltig.<\/p>\n<p>Es ist lange her, dass C.G. Haenel eine gro\u00dfe Nummer war. 1840 gegr\u00fcndet, produzierte das Unternehmen im Zweiten Weltkrieg das erste Sturmgewehr f\u00fcr die Reichswehr: das StG 44. Unter der sowjetischen Besatzung ging Haenel dann aber in einem volkseigenen Betrieb auf. 2008 wurde das Unternehmen unter altem Namen neu gegr\u00fcndet &#8211; und zwar auf ganz kleiner Flamme.<\/p>\n<p>Laut einem Gesch\u00e4ftsbericht, der dem SPIEGEL vorliegt, besch\u00e4ftigte die C.G. Haenel GmbH im Jahr 2018 gerade einmal neun Arbeitnehmer und erwirtschaftete lediglich 7,15 Millionen Euro Umsatz. Den Verlust von gut 485.000 Euro \u00fcbernahm die Muttergesellschaft, die Merkel Jagd- und Sportwaffen GmbH. &quot;Merkel f\u00fchrt die bis ins 15. Jahrhundert zur\u00fcckreichende Tradition der B\u00fcchsenmacherei in Suhl fort&quot;, hei\u00dft es im Merkel-Gesch\u00e4ftsbericht. Die Firma hatte aber auch nur 133 Mitarbeiter und machte 14,3 Millionen Euro Umsatz.<\/p>\n<p>In der Ausschreibung geht es aber um 120.000 Sturmgewehre mit einem Auftragswert von erst einmal rund 250 Millionen Euro. Das ist mehr als das 35-fache des Jahresumsatzes von C.G. Haenel.<\/p>\n<h3>Bei Haenel h\u00fcllt man sich in Schweigen<\/h3>\n<p>Wie soll so ein kleines Unternehmen Zehntausende Sturmgewehre bauen? In Suhl h\u00fcllt man sich in Schweigen: &quot;Das ist ein laufendes Verfahren, dazu \u00e4u\u00dfern wir uns nicht&quot;, sagt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Olaf Sauer.<\/p>\n<p>Ob das Verteidigungsressort oder das Beschaffungsamt der Bundeswehr die gesch\u00e4ftlichen Hintergr\u00fcnde und die Leistungsf\u00e4higkeit von Haenel gepr\u00fcft haben, blieb am Dienstag unklar. Bei einem Briefing von Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Verteidigungspolitiker erl\u00e4uterte R\u00fcstungsstaatssekret\u00e4r Benedikt Zimmer lediglich, dass die Waffen der Hersteller Haenel und Heckler &amp; Koch beide die Anforderungen der Bundeswehr erf\u00fcllten.<\/p>\n<p>Am Ende, so Zimmer, sei das Angebot von Haenel, dass neben der Beschaffung der Waffen auch Wartungsarbeiten und einen dauerhaften Service vorsehe, schlicht g\u00fcnstiger gewesen. Folglich habe man sich f\u00fcr die Th\u00fcringer entschieden. Nach den Verflechtungen von Haenel mit Abu Dhabi wurde Zimmer in der vertraulichen Runde laut Teilnehmern gar nicht gefragt. F\u00fcr genauere Antworten bat das Wehrressort am Dienstag um einen Tag Geduld.<\/p>\n<p>Klar ist: Einen solchen Gro\u00dfauftrag kann die kleine Th\u00fcringer Waffenschmiede nur mithilfe ihrer milliardenschweren Eigner schultern. C.G. Haenel und Merkel geh\u00f6ren zu Edge, dem neu geschaffenen staatlichen R\u00fcstungskonzern der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Erst vergangenen November hat Abu Dhabis Regierung rund 25 Firmen aus den Bereichen Milit\u00e4r-, Satelliten- und Kommunikationstechnik vereint: zu einem Konglomerat mit nach eigenen Angaben 12.000 Besch\u00e4ftigten und rund f\u00fcnf Milliarden Dollar Jahresumsatz. Die Er\u00f6ffnung \u00fcbernahm Mohamed bin Zayed Al Nahyan h\u00f6chstpers\u00f6nlich, der Kronprinz und De-facto-Herrscher der VAE.<\/p>\n<h3>Gro\u00dfe Pl\u00e4ne in Abu Dhabi<\/h3>\n<p>Abu Dhabis Herrscherfamilie hat Gro\u00dfes vor mit Edge. Mit R\u00fcstung gibt es ja auch gro\u00dfes Geld zu verdienen, gerade in der Golfregion. Nach Recherchen des Stockholmer Forschungsinstituts Sipri waren die VAE zwischen 2009 und 2018 der f\u00fcnftgr\u00f6\u00dfte Waffenimporteur der Welt &#8211; obwohl das Land nur gut zehn Millionen Einwohner hat. Der nicht endende Iranstreit, der Krieg im Jemen und all die anderen schwelenden Konflikte machen die Region zu einem der gr\u00f6\u00dften Waffenm\u00e4rkte der Welt. Abu Dhabis R\u00fcstungsmesse z\u00e4hlt l\u00e4ngst zu den wichtigsten Branchentreffen. Und die VAE wollen nicht nur kaufen und handeln, sondern auch verkaufen.<\/p>\n<p>&quot;Die VAE haben gro\u00dfes Interesse, Milit\u00e4rtechnologie zu erwerben und selbst zu produzieren&quot;, sagt Eckart Woertz, Direktor des Giga-Instituts f\u00fcr Nahost-Studien. &quot;Daf\u00fcr haben sie \u00fcber Jahre hinweg ausl\u00e4ndisches Know-how eingekauft.&quot; Wie auch in Saudi-Arabien soll der Aufbau einer R\u00fcstungsindustrie die heimische Wirtschaft vom Auf und Ab an den \u00d6lm\u00e4rkten unabh\u00e4ngiger machen &#8211; und zugleich die Schlagkraft des eigenen Heeres st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Raketen, Drohnen, Technologien k\u00fcnstlicher Intelligenz &#8211; all das geh\u00f6rt zur Produktpalette von Edge. Als Konzernlenker hat die Herrscherfamilie einen h\u00f6chst illustren Manager der arabischen Welt installiert: Faisal Al Bannai. Der heute 47-J\u00e4hrige wurde ber\u00fchmt als Chef von Axiom Telecom. Das Start-up, das Al Bannai 1997 zusammen mit drei Freunden und 50.000 Pfund Startkapital gr\u00fcndete, ist heute eines der f\u00fchrenden Telekommunikationshandelsh\u00e4user der Region mit Ums\u00e4tzen in Milliardenh\u00f6he.<\/p>\n<p>2015 wechselte Al Bannai dann die Branche und zog in Abu Dhabi ein Cybersicherheitsunternehmen namens Dark Matter auf. Schon bald erregte Dark Matter Aufsehen in der Sicherheitsbranche: als es mit lukrativen Angeboten im gro\u00dfen Stil fr\u00fchere Mitarbeiter der CIA und der National Security Agency an den Golf lockte. Nichtregierungsorganisationen verd\u00e4chtigten Dark Matter, in staatliche \u00dcberwachungsma\u00dfnahmen und Hackerangriffe auf Oppositionelle verwickelt zu sein. Al Bannai, selbst Sohn eines fr\u00fcheren Polizeigenerals, bestritt illegale Aktivit\u00e4ten &#8211; r\u00e4umte aber in einem Interview 2018 ein, dass 80 Prozent der Auftr\u00e4ge f\u00fcr Dark Matter von Regierungseinrichtungen k\u00e4men. Experten zufolge spielt das Unternehmen in den VAE eine zentrale Rolle in der staatlichen \u00dcberwachung.<\/p>\n<p>Seit rund einem Jahr ist Al Bannai Chef bei Edge. Ein R\u00fcstungsunternehmen der neuen Art wolle er aus dem Konglomerat formen, lie\u00df er zum Start verlauten. Die hybride Kriegsf\u00fchrung, also die Kombination von Innovationen aus der R\u00fcstungsindustrie und der zivilen Gesch\u00e4ftswelt, sei die Zukunft. Den ersten Gro\u00dfauftrag verk\u00fcndete Edge schon nach zwei Wochen. Raketen im Wert von einer Milliarde Dollar &#8211; f\u00fcr die Armee der Vereinigten Arabischen Emirate nat\u00fcrlich. Und im Februar pr\u00e4sentierte der Konzern die erste Milit\u00e4rdrohne made in den VAE.<\/p>\n<p>Wenn nichts dazwischenkommt, werden die Araber bald der Bundeswehr ihre Sturmgewehre verkaufen. Das hat es noch nicht gegeben. Es w\u00e4re ein Triumph f\u00fcr Faisal Al Bannai &#8211; und das Herrscherhaus von Abu Dhabi.<\/p>\n<p>Aber noch kann etwas dazwischenkommen. Heckler &amp; Koch hat angek\u00fcndigt, alle rechtlichen Schritte auszureizen &#8211; was faktisch einer Beschwerde vor der Vergabekammer gleichkommt. Das Ministerium bef\u00fcrchtet f\u00fcr diesen Fall bereits, dass man die entsprechenden Vertr\u00e4ge f\u00fcr die neue Ordonnanzwaffe der Bundeswehr nicht mehr in dieser Legislaturperiode schlie\u00dfen kann. In Suhl und Abu Dhabi m\u00fcssen sie sich mit dem Feiern noch etwas gedulden.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Edge-Chef Faisal Al Bannai: Ein R\u00fcstungsunternehmen der neuen Art Foto:\u2002 Jon Gambrell \/ AP Bis zu diesem Dienstag musste man in Suhl C.G. Haenel nicht unbedingt kennen. Es hat ja nur eine Handvoll Mitarbeiter, das kleine Unternehmen aus der Sch\u00fctzenstra\u00dfe 26. Aber nun hat C.G. 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