{"id":2544,"date":"2020-09-14T21:13:21","date_gmt":"2020-09-14T18:13:21","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/warum-die-wirtschaft-in-deutschland-besser-durch-corona-kommt-als-anderswo-in-europa\/"},"modified":"2020-09-14T21:13:21","modified_gmt":"2020-09-14T18:13:21","slug":"warum-die-wirtschaft-in-deutschland-besser-durch-corona-kommt-als-anderswo-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/warum-die-wirtschaft-in-deutschland-besser-durch-corona-kommt-als-anderswo-in-europa\/","title":{"rendered":"Warum die Wirtschaft in Deutschland besser durch Corona kommt als anderswo in Europa"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/f71efd65-8b1c-4155-a73e-535ed9aba295_w948_r1.77_fpx56.88_fpy55.01.jpg\" title=\"Container im Hamburger Hafen: &quot;Der Welthandel kommt \u00fcberraschend gut zur\u00fcck&quot;\" alt=\"Container im Hamburger Hafen: &quot;Der Welthandel kommt \u00fcberraschend gut zur\u00fcck&quot;\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Container im Hamburger Hafen: &quot;Der Welthandel kommt \u00fcberraschend gut zur\u00fcck&quot;<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Daniel Reinhardt \/ picture alliance \/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Prognosen f\u00fcr die deutsche Wirtschaft sind so pessimistisch wie seit Jahren nicht mehr. Aber in anderen L\u00e4ndern Europas wecken sie Neid.<\/p>\n<p>Um 5,8 Prozent werde das Bruttoinlandsprodukt 2020 schrumpfen, sagt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier voraus. Nur um 5,8 Prozent. F\u00fcr die anderen gro\u00dfen Volkswirtschaften auf dem Kontinent sieht es viel d\u00fcsterer aus: Spanien, Italien, Gro\u00dfbritannien und wohl auch Frankreich m\u00fcssen sich auf ein zweistelliges Minus gefasst machen.<\/p>\n<p>&quot;Die Wirtschaftsentwicklung in Europas gro\u00dfen Staaten ist extrem heterogen&quot;, sagt Gabriel Felbermayr, der Pr\u00e4sident des Kieler Instituts f\u00fcr Weltwirtschaft (IfW). Deutschland kommt bislang besser durch die Pandemie als die anderen: gesundheitlich und auch wirtschaftlich. Das war schon im Fr\u00fchjahr so, als die erste Corona-Welle durch Europa jagte. Im zweiten Quartal &#8211; dem schlimmsten f\u00fcr die globale Wirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg &#8211; war der Einbruch hierzulande nur etwa halb so tief wie etwa in Spanien oder Gro\u00dfbritannien.<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend diese Staaten noch heftig mit den Folgen des Corona-Crashs k\u00e4mpfen, hat sich hierzulande die Konjunktur schneller erholt als erwartet. Die Stimmung hellt sich auf: bei den Unternehmen und f\u00fchrenden \u00d6konomen des Landes.<\/p>\n<p>&quot;Die anhaltend gute Binnennachfrage in Deutschland hilft der Wirtschaft sehr&quot;, erkl\u00e4rt Felbermayr. Und der Chef des M\u00fcnchner Ifo-Instituts Clemens Fuest: &quot;Deutschland steht unter den gro\u00dfen Volkswirtschaften mit am besten da.&quot;<\/p>\n<p>Wieso l\u00e4uft es bei uns so viel besser als anderswo?<\/p>\n<p><strong>1. Deutschlands Wirtschaft war vor Corona ges\u00fcnder<\/strong><\/p>\n<p>&quot;Diese Krise ist auf Volkswirtschaften getroffen, die ganz unterschiedlich stabil waren&quot;, sagt Felbermayr. Italien litt unter einer jahrzehntelangen Stagnation, Spanien unter den Nachwirkungen der Eurokrise, Gro\u00dfbritannien unter der Brexit-Ungewissheit, Frankreich unter einem Dauer-Reformstau.<\/p>\n<p>Die deutsche Wirtschaft hatte kein derart gravierendes Strukturproblem. In fast zehn Jahren Boom konnten viele Unternehmen Reserven aufbauen. Und zahlreiche Betriebe hatten zu Beginn der Pandemie noch massenhaft Auftr\u00e4ge zum Abarbeiten.<\/p>\n<p><strong>2. Die Politik musste die Wirtschaft nicht so bremsen<\/strong><\/p>\n<p>Erst Italien, dann Spanien, Frankreich und Gro\u00dfbritannien. Alle waren zeitweise Zentren der Pandemie: mit zwischenzeitlich mehr als 900 Todesf\u00e4llen pro Tag. Um die Welle zu stoppen, versetzten die Regierung in Rom und Madrid wochenlang weite Teile ihrer Wirtschaft in einen k\u00fcnstlichen Winterschlaf. London startete den Lockdown sp\u00e4ter, daf\u00fcr dauerte er l\u00e4nger und richtete umso gr\u00f6\u00dfere Sch\u00e4den an.<\/p>\n<p>Deutschland traf das Virus l\u00e4ngst nicht so hart, und die Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr die Unternehmen waren geringer. &quot;Anders als etwa in Frankreich hatten wir in Deutschland keinen fl\u00e4chendeckenden Shutdown&quot;, sagt Ifo-Chef Fuest. Mit Ausnahme der Autoindustrie sind viele Firmen mehr oder weniger weiter gelaufen.&quot;<\/p>\n<p><strong>3. Deutschlands Industrie ist virusresistenter<\/strong><\/p>\n<p>Frankreich, Spanien und Italien z\u00e4hlen zu den attraktivsten und einnahmest\u00e4rksten Urlaubszielen der Erde. Umso st\u00e4rker rei\u00dft der Kollaps des internationalen Tourismus ihre Volkswirtschaften mit nach unten. In Deutschland ist der Reisesektor l\u00e4ngst nicht so bedeutend. Umso wichtiger ist daf\u00fcr die Industrie. Und &quot;f\u00fcr Industrieg\u00fcter spielen Reiserestriktionen so gut wie keine Rolle&quot;, sagt Felbermayr. &quot;Der Welthandel kommt \u00fcberraschend gut zur\u00fcck &#8211; erst ist noch ein Zehntel unter dem Normalniveau. Davon profitieren die industriestarken L\u00e4nder&quot;. Wie beispielsweise auch Polen, wo die Rezession noch schw\u00e4cher ausfallen d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Deutschlands Exporte sind noch immer deutlich niedriger als vor einem Jahr. Doch &quot;sie haben sich erstaunlich gut erholt&quot;, sagt Ifo-Chef Fuest. &quot;Die deutsche Exportindustrie ist flexibel: Wenn es in einem Markt schlecht l\u00e4uft, erschlie\u00dft sie andere M\u00e4rkte &#8211; gerade zum Beispiel in Osteuropa.&quot; Auch das Gesch\u00e4ft mit China zieht wieder an. Zudem habe die deutsche Exportwirtschaft eine vielf\u00e4ltige Produktpalette zu bieten, sagt Fuest. Auto und Maschinenbau laufen gerade schwach, daf\u00fcr gehen die Ausfuhren der Pharmabranche nach oben.<\/p>\n<p><strong>4. Der Bund hat mehr Geld zum Retten<\/strong><\/p>\n<p>So spendabel wie in dieser Krise war der deutsche Staat noch nie. Das Kurzarbeitergeld wird verl\u00e4ngert und verl\u00e4ngert, mittelst\u00e4ndische Unternehmen und Selbstst\u00e4ndige k\u00f6nnen \u00dcberbr\u00fcckungshilfen beantragen, und um die Konsumenten zum Einkaufen zu verlocken, verzichten Bund und L\u00e4nder auf einen Teil der Mehrwertsteuer. Gro\u00dfbritanniens Regierung hingegen l\u00e4sst ihr Kurzarbeiterprogramm wohl mit Monatsende auslaufen, dann droht Hunderttausenden Menschen die Arbeitslosigkeit. Auch die Staatshilfen Italiens oder Spaniens sind bescheiden &#8211; verglichen mit den Milliarden aus Berlin.<\/p>\n<p>&quot;Deutschland hat unglaublich viel Geld in die Hand genommen. Es gibt wenige Zweifel, dass der Staat das auch durchhalten kann&quot;, sagt Felbermayr. Wenn sich der Bund Geld am Kapitalmarkt leihen will, kann er damit sogar Profit machen, denn die Zinsen f\u00fcr zehnj\u00e4hrige Staatsanleihen sind negativ; zurzeit kriegen die Gl\u00e4ubiger \u00fcber die gesamte Laufzeit hinweg vom Bund etwa vier Prozent weniger zur\u00fcck, als sie ihm geborgt haben. Deutschlands Schuldenberg wird zwar wegen der Pandemie stark wachsen: laut Ifo von knapp 60 Prozent auf rund 80 Prozent der j\u00e4hrlichen Wirtschaftsleistung. Doch verglichen mit Frankreich oder Italien ist das immer noch eine niedrige Quote.  <\/p>\n<p><strong>5. Aber gut ist es noch l\u00e4ngst nicht<\/strong><\/p>\n<p>Deutschlands wichtigster Aktienindex Dax hat seine Verluste aus der ersten Pandemiewelle wettgemacht, die Lufthansa ist erst mal gerettet, die Arbeitslosigkeit nur moderat gestiegen &#8211; und die Zahl der pleitegegangenen Betriebe sogar gefallen. Aber die B\u00f6rsen schwanken stark, Deutschlands gr\u00f6\u00dfte Fluglinie baut wom\u00f6glich Tausende Stellen ab, noch immer sind mehr als vier Millionen Menschen in Kurzarbeit &#8211; und Experten bef\u00fcrchten eine Welle von Insolvenzen, sobald Unternehmen, die sich wegen Corona \u00fcberschuldet haben, dies wieder anzeigen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Und was passiert, wenn die Corona-Infektionszahlen hierzulande so hochschnellen wie in Frankreich, Tschechien oder anderen Nachbarl\u00e4ndern? Oder wenn die Weltb\u00f6rsen abermals crashen?<\/p>\n<p>Die Lage ist fragil. Und zur wirklichen Erholung fehlen immer noch ein paar Prozent. &quot;Wir werden das alte Niveau der Wirtschaftsleistung nicht so schnell wieder erreichen&quot;, sagt Ifo-Chef Fuest.<\/p>\n<p>Und IfW-Pr\u00e4sident Felbermayr wundert sich gar \u00fcber die allzu hoffnungsvolle Stimmung: &quot;Es ist schwer zu verstehen, warum die Unternehmen die Wirtschaftslage \u00e4hnlich gut einsch\u00e4tzen wie im August letzten Jahres. Der Optimismus in Deutschland ist \u00fcberzogen.&quot; Zwar zeigten sich viele Betriebe nach au\u00dfen sehr positiv gestimmt. &quot;Doch sie investieren kaum, da sieht es grauenvoll aus, auch in Deutschland.&quot;<\/p>\n<p>Solange Handelspartner wie Frankreich, Italien, Gro\u00dfbritannien und Spanien schw\u00e4cheln, hat auch die hiesige Exportindustrie ein Problem. Deutschlands Wirtschaft wird die Coronakrise hoffentlich meistern. Aber sicher nicht im Alleingang.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Container im Hamburger Hafen: &quot;Der Welthandel kommt \u00fcberraschend gut zur\u00fcck&quot; Foto:\u2002Daniel Reinhardt \/ picture alliance \/ dpa Die Prognosen f\u00fcr die deutsche Wirtschaft sind so pessimistisch wie seit Jahren nicht mehr. Aber in anderen L\u00e4ndern Europas wecken sie Neid. Um 5,8 Prozent werde das Bruttoinlandsprodukt 2020 schrumpfen, sagt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier voraus. 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