{"id":2542,"date":"2020-09-14T19:07:53","date_gmt":"2020-09-14T16:07:53","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/fluchtlinge-auf-lesbos-nach-brand-von-moria-die-katastrophe-nach-der-katastrophe\/"},"modified":"2020-09-14T19:07:53","modified_gmt":"2020-09-14T16:07:53","slug":"fluchtlinge-auf-lesbos-nach-brand-von-moria-die-katastrophe-nach-der-katastrophe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/fluchtlinge-auf-lesbos-nach-brand-von-moria-die-katastrophe-nach-der-katastrophe\/","title":{"rendered":"Fl\u00fcchtlinge auf Lesbos nach Brand von Moria: Die Katastrophe nach der Katastrophe"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/94c0f8f6-76e6-451d-ac9e-4ad06ba32e15_w948_r1.77_fpx49.25_fpy50.jpg\" title=\"Nach dem Brand in Moria sind noch immer Tausende Fl\u00fcchtlinge obdachlos\" alt=\"Nach dem Brand in Moria sind noch immer Tausende Fl\u00fcchtlinge obdachlos\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Nach dem Brand in Moria sind noch immer Tausende Fl\u00fcchtlinge obdachlos<\/p>\n<p>  Foto:\u2002<\/p>\n<p>LOUISA GOULIAMAKI \/ AFP<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Yaser Taheri hat alles getan, um in Moria nicht verr\u00fcckt zu werden. Er \u00fcbersetzte f\u00fcr andere Gefl\u00fcchtete. Er nahm an einer Filmklasse teil, die eine NGO anbot. Acht Monate lang lebte Taheri, ein Jugendlicher aus Afghanistan, so gemeinsam mit seinen Eltern und seinen zwei Br\u00fcdern in dem Camp auf der griechischen Insel Lesbos, ehe seine Unterkunft bei dem Gro\u00dfbrand vergangenen Dienstag zerst\u00f6rt wurde. <\/p>\n<p>Nun haust die Familie in einem Olivenhain nahe dem Camp. Sie konnte ein paar Kleidungsst\u00fccke vor dem Feuer retten, Ausweise, ein Telefon. Alles andere ist weg. Taheri wei\u00df nicht, wie lange er die Situation noch ertr\u00e4gt: &quot;Die EU spricht immer von Menschenrechten&quot;, sagt er. &quot;Aber sie behandelt uns wie M\u00fcll.&quot;<\/p>\n<p>Fast eine Woche ist vergangen, seit Feuer das Lager in Moria verw\u00fcstet haben. Und noch immer sind Tausende ehemalige Campbewohner ohne Obdach. Sie schlafen wie die Familie Taheri im Freien unter Olivenhainen oder auf der Stra\u00dfe vor einem geschlossenen Lidl.<\/p>\n<h3>Die Angst vor dem neuen Camp<\/h3>\n<p>Die griechischen Beh\u00f6rden haben \u00fcbers Wochenende unter anderem mit Unterst\u00fctzung des Uno-Fl\u00fcchtlingshilfswerks (UNHCR) auf einem ehemaligen Schie\u00df\u00fcbungsplatz ein Zeltlager hochgezogen, wo sie einige der Gefl\u00fcchteten nun vor\u00fcbergehend unterbringen wollen. Das Camp ist bislang nur f\u00fcr etwa 4000 Menschen ausgerichtet, wo die anderen unterkommen sollen, ist unklar. Einige, so hei\u00dft es von griechischer Seite, sollen aufs Festland gebracht werden, andere in Unterk\u00fcnfte auf Lesbos. <\/p>\n<p>Bislang haben laut UNCHR lediglich 500 bis 600 Fl\u00fcchtlinge Quartier in dem Zeltlager bezogen. Die griechische Regierung spricht von 900. Die allermeisten scheuen den Transfer. Sie haben Angst, erneut in einem Camp eingesperrt zu sein, wie schon zuvor in Moria, f\u00fcr immer auf Lesbos festzusitzen. &quot;Im Camp gibt es nichts Gutes&quot;, sagt Yaser Taheri. &quot;Sie geben dir zwar Wasser und Essen, aber das ist alles. Es ist wie in einem Gef\u00e4ngnis.&quot;<\/p>\n<p>Die griechische Regierung will die Gefl\u00fcchteten dr\u00e4ngen, in das Zeltlager zu ziehen, indem sie Asylantr\u00e4ge nur noch dort bearbeitet. Schon jetzt ist die Stimmung auf Lesbos extrem angespannt. Am Wochenende protestierten Gefl\u00fcchtete gegen die menschenunw\u00fcrdigen Bedingungen auf der Insel. Sie skandierten &quot;Europa hilf!&quot;, die Polizei schoss mit Tr\u00e4nengas auf die Migrantinnen und Migranten, zum Teil auch auf Kinder. <\/p>\n<p>Die Nichtregierungsorganisation Mission Lifeline, die auf Lesbos Nothilfe leistet, berichtet auf Twitter von &quot;schwer verletzten Kindern, hilflosen Eltern&quot; oder berichtet, &quot;die griechische Polizei hat auf Kinder mit faustgro\u00dfen Metallk\u00f6rpern geschossen, in denen sich Tr\u00e4nengas befand&quot;.<\/p>\n<h3>Miserable Lebensmittelversorgung, schlechte Infrastruktur<\/h3>\n<p>Die Versorgung der Gefl\u00fcchteten ist nach wie vor miserabel. Etliche Menschen haben nur eingeschr\u00e4nkt Zugang zu Essen und Trinken. Familien irren \u00fcber die Insel auf der Suche nach Lebensmitteln. NGOs werden von griechischen Sicherheitskr\u00e4ften bei ihrer Arbeit behindert. <\/p>\n<p>Shahida Husaini, 25 Jahre alt, aus Pakistan, ist im sechsten Monat schwanger. Sie kampiert gemeinsam mit ihrem Mann und drei Kindern seit dem Brand auf der Stra\u00dfe vor dem Lidl. Es fehlt ihr an allem: Essen, Medikamente, Kleidung. Sie hat noch nicht einmal mehr Schuhe. &quot;Wir brauchen Hilfe&quot;, fleht sie.<\/p>\n<p>Beobachter f\u00fcrchten, dass Auseinandersetzungen zwischen Gefl\u00fcchteten und Einheimischen in den kommenden Tagen eskalieren k\u00f6nnten. Bereits in der Vergangenheit war es immer wieder zu Angriffen auf Migrantinnen und Migranten durch Rassisten gekommen. Im Fr\u00fchjahr hatten Rechtsextremisten vor\u00fcbergehend die Kontrolle auf Lesbos \u00fcbernommen. &quot;Wenn wir nicht aufpassen, erleben wir pogromartige Zust\u00e4nde auf Lesbos&quot;, warnt der Berliner Migrationsexperte Gerald Knaus. <\/p>\n<h3>Wissenschaftler appellieren an Merkel<\/h3>\n<p>In Europa w\u00e4chst angesichts der Katastrophe auf Lesbos der Druck auf die Regierungen, Gefl\u00fcchtete von der griechischen Insel zu holen. &quot;Wir appellieren an die deutsche Bundesregierung, in dieser Situation rasch und unb\u00fcrokratisch m\u00f6glichst viele Gefl\u00fcchtete aus Griechenland aufzunehmen. Viele St\u00e4dte und Kommunen hierzulande sind bereit, sich daran zu beteiligen&quot;, hei\u00dft es in einem offenen Brief namhafter Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen an Bundeskanzlerin Angela Merkel.<\/p>\n<p>Bislang konnten sich unter anderem Deutschland und Frankreich jedoch lediglich dazu durchringen, einige wenige Hundert unbegleitete, minderj\u00e4hrige Fl\u00fcchtlinge aufzunehmen. Andere Staaten wie \u00d6sterreich verweigern sich komplett.<\/p>\n<p>Auch die Regierung in Athen sperrt sich gegen eine Umsiedelung von Gefl\u00fcchteten in gro\u00dfer Zahl. Sie f\u00fcrchtet, dass dann weitere Lager in Brand gesteckt werden k\u00f6nnten &#8211; oder dass sich noch mehr Fl\u00fcchtlinge auf den Weg nach Griechenland machen k\u00f6nnten. <\/p>\n<p>Die Situation f\u00fcr Migrantinnen und Migranten auf dem griechischen Festland ist schon jetzt genauso schlecht wie auf den Inseln. Schutzsuchende sind gezwungen, auf der Stra\u00dfe zu leben, ohne Arbeit oder medizinische Versorgung. <\/p>\n<p>Premier Kyriakos Mitsotakis warf einigen Fl\u00fcchtlingen vor, Moria absichtlich in Brand gesetzt zu haben, um seine Regierung zu erpressen. Er schickte unter anderem Antiterrorpolizisten und Geheimdienstmitarbeiter nach Lesbos, um die Katastrophe aufzukl\u00e4ren. In Athen betrachtet man die Gefl\u00fcchteten vor allem als Bedrohung f\u00fcr die nationale Sicherheit. Und genau so handelt man auch.  <\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Nach dem Brand in Moria sind noch immer Tausende Fl\u00fcchtlinge obdachlos Foto:\u2002 LOUISA GOULIAMAKI \/ AFP Yaser Taheri hat alles getan, um in Moria nicht verr\u00fcckt zu werden. Er \u00fcbersetzte f\u00fcr andere Gefl\u00fcchtete. Er nahm an einer Filmklasse teil, die eine NGO anbot. 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