{"id":24908,"date":"2023-11-30T16:38:46","date_gmt":"2023-11-30T13:38:46","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/zentrum-fur-politische-schonheit-zps-ohne-mandat-aber-mit-lizenz-zum-nerven\/"},"modified":"2023-11-30T16:38:46","modified_gmt":"2023-11-30T13:38:46","slug":"zentrum-fur-politische-schonheit-zps-ohne-mandat-aber-mit-lizenz-zum-nerven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/zentrum-fur-politische-schonheit-zps-ohne-mandat-aber-mit-lizenz-zum-nerven\/","title":{"rendered":"Zentrum f\u00fcr Politische Sch\u00f6nheit \/ ZPS: Ohne Mandat, aber mit Lizenz zum Nerven"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Wenige Tage vor dem Start der neuen Aktion sitzen Philipp Ruch und Stefan Pelzer, die beiden K\u00f6pfe des Aktivistenkollektivs Zentrum f\u00fcr Politische Sch\u00f6nheit, vor ihren aufgeklappten Rechnern und spielen sich die winzigsten B\u00e4lle zu.<\/p>\n<p>Wie gro\u00df ist Olaf Scholz? Einen Meter und siebzig Zentimeter. Ich brauche es ganz genau! Einen Meter und siebzig Zentimeter, h\u00f6rst du mir \u00fcberhaupt zu? Haben wir eine GoPro-Kamera? M\u00fcssten wir schicken. Arbeiten Fahrradkuriere am Sonntag? Finde ich heraus. Was ist mit den Geschenken f\u00fcr unsere Crowdfunding-Spender? Wie w\u00e4r\u2019s mit den \u00bbNieder mit den AfD\u00ab-T-Shirts? Nee, wollte keine Sau haben! Ich bin daf\u00fcr, dass wir erst den Bestand verh\u00f6kern. Was ist mit den AfD-Verbotsspielen? Sind die Druckvorlagen f\u00fcr Skat und Quartett schon bei Sven? Ich habe gar keine Druckvorlagen!<\/p>\n<p>Solche Sachen, in einem fort. Es ist erstaunlich viel zu tun, wenn schon alles getan und das gro\u00dfe Ganze bereits ins Rollen gekommen ist. Und ins Rollen, das muss man dem Aktivistenkollektiv Zentrum f\u00fcr Politische Sch\u00f6nheit (ZPS) wenigstens attestieren, bringen sie immer wieder so einiges. Sonst w\u00fcrden sie nicht mit beinahe jeder Aktion f\u00fcr Aufregung sorgen. So wird es auch dieses Mal sein, wo das ZPS sich subversiv an der AfD abarbeitet.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst in aller K\u00fcrze: Mithilfe k\u00fcnstlicher Intelligenz und direkter Anschreiben versuchen die Kunstaktivisten AfD-Mitgliedern strafrechtlich relevante Aussagen zu entlocken. Das Ziel: ein Verbot der in Teilen rechtsextremen Partei voranzutreiben. Am Montagmorgen, ein paar Tage nach dem Besuch im ZPS-B\u00fcro, wurde vor dem Bundeskanzleramt in Berlin zudem eine Installation enth\u00fcllt: eine Art Gef\u00e4ngnisbau, in dem Funktion\u00e4re sowie ber\u00fcchtigte Parteig\u00e4nger der AfD als H\u00e4ftlinge sitzen.<\/p>\n<p>Das kann man f\u00fcr \u00bbv\u00f6llig verirrt\u00ab halten, wie in der \u00bbS\u00fcddeutschen Zeitung\u00ab zu lesen war. Es ist auch legitim, die Aktionskunst \u00bbmanipulativ\u00ab zu finden, wie Regierungssprecher Steffen Hebestreit Anfang der Woche auf X schrieb. Die ZPS-Aktion sei kein Spa\u00df, postete er noch, sie sch\u00fcre Verunsicherung. Das ist so gewollt.<\/p>\n<p>Ohne Verunsicherung keine Debatte. Und um die, das will die Gruppe jedenfalls suggerieren, geht es ihnen. Deshalb haben sie schon \u00bbFl\u00fcchtlinge fressen\u00ab lassen und in unmittelbarer N\u00e4he des Wohnhauses von AfD-Politiker Bj\u00f6rn H\u00f6cke einen Ableger des Berliner Holocaust-Mahnmals errichtet. Immer wieder sorgen Aktionen wie diese f\u00fcr massive Kritik, immer wieder muss sich das ZPS anh\u00f6ren, es handle brachial und selbstgef\u00e4llig.<\/p>\n<p>Auch in dieser Woche stellt sich die Frage: Wie weit darf man die Verunsicherung in aufgeladenen Zeiten wie diesen treiben? Ab wann kippt sie in wohlfeile Selbstinszenierung?<\/p>\n<p>Und, ganz praktisch, wie arbeitet das ZPS \u00fcberhaupt?<\/p>\n<p>Im ZPS-B\u00fcro, einem weitl\u00e4ufigen Altbau in Berlin-Mitte, wenige Tage vor Ver\u00f6ffentlichung des AfD-Projekts. Als berserkernder \u00bbEskalationsbeauftragter\u00ab ist Stefan Pelzer der organisatorische Motor des Kollektivs, der tendenziell sonnigere Philipp Ruch                                        tritt eher als Au\u00dfenbeauftragter auf.<\/p>\n<p>Kritik, mit der eine linke Szene den Linken bisweilen begegnet, und Spott, den die Kunstwelt f\u00fcr die K\u00fcnstler \u00fcbrig hat, treffen in erster Linie Ruch. Was auch f\u00fcr den Hass der Rechtsextremen gilt, den die Gruppe auf sich zieht, als w\u00e4re sie ein eigens zu diesem Zweck konstruierter Magnet. Diese Bedrohung ist handfest und konkret. 2017 beispielsweise tauchte Ruch auf einer Terrorliste auf. Beinahe k\u00f6nnte man das als Beleg f\u00fcr die Wirksamkeit ihrer Arbeit nehmen. Nun l\u00e4sst Ruch den Blick durch das Chaos gleiten und seufzt: \u00bbDie AfD muss sich doch fragen: Was ist das f\u00fcr eine verluderte Demokratie, die sich so etwas wie uns gefallen l\u00e4sst?\u00ab<\/p>\n<p>Gegen Mittag ist pl\u00f6tzlich Olaf Scholz im B\u00fcro. F\u00fcr eine Weile steht der Kanzler steif und mit seinem listigen L\u00e4cheln im Weg herum, als ginge ihn das hektische Treiben gar nichts an. Er wird zu seiner mutigen \u00bbRede an die Nation\u00ab begl\u00fcckw\u00fcnscht, dann greift jemand an seine Schulter und stellt ihn in die Ecke. Unterdessen l\u00e4uft ein Rohschnitt \u00bbseiner\u00ab Rede auf dem Computer in Dauerschleife. Immer wieder erkl\u00e4rt der Kanzler ernst, \u00bbzum f\u00fcnften Todestag von Walter L\u00fcbcke am 2. Juni 2024 beim Bundesverfassungsgericht\u00ab ein Verbot der AfD beantragen zu wollen.<\/p>\n<p>Der Scholz in der Ecke ist nat\u00fcrlich aus Pappe \u2013 und ein harmloser Gag. Der Scholz auf dem Bildschirm ist aus Pixeln \u2013 und wesentlicher Bestandteil der k\u00fcnstlerisch-politischen Intervention, die seit Monaten unter gr\u00f6\u00dfer Geheimhaltung vorbereitet worden ist.<\/p>\n<p>Ruch, Gr\u00fcnder und nach eigener Einsch\u00e4tzung \u00bbso etwas wie ein Vereinsvorsitzender\u00ab des ZPS, kann sich \u00fcber beides freuen. \u00dcber den Pappaufsteller f\u00fcr 44,99 Euro von Kaufland, \u00bbweil wir so was schon ewig gesucht haben\u00ab. Und \u00fcber den Deepfake des Kanzlers, also \u00fcber das manipulierte Video seiner Rede, auch wenn Scholz\u2019 Worte und Lippen nicht wirklich synchron sind. Wichtiger als eine vollendete T\u00e4uschung ist ihm, Scholz ein bestimmtes Zitat in den Mund zu legen: \u00bbNichts geh\u00f6rt der Vergangenheit an. Alles ist noch Gegenwart und kann wieder Zukunft werden.\u00ab<\/p>\n<p>Der Satz stammt von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer , er dient Ruch als Mahnung \u2013 und als praktische Rechtfertigung f\u00fcr eigentlich alles, was das ZPS in den vergangenen 14 Jahren unter seiner Regie an Kontroversen produziert hat.<\/p>\n<p>Bei der aktuellen Aktion entz\u00fcndet sich vor allem Widerspruch am aggressiven Einsatz k\u00fcnstlicher Intelligenz. Man kann sich schon fragen, ob die Gefahr von Videomanipulationen, die man bisher eher von der rechten Seite kannte, durch eine Aktion wie diese banalisiert wird.<\/p>\n<p>Immerhin hat der Clip seinen werbenden Zweck erf\u00fcllt, die Aufmerksamkeit der \u00d6ffentlichkeit auf die Hinweisplattform des ZPS zu lenken: \u00dcber Monate hat die Gruppe vermeintliche Hinweise auf eine Verfassungsfeindlichkeit der AfD gesammelt und schlie\u00dflich digital aufbereitet. Die Plattform dient als Datenbank \u00bbbelastender Informationen\u00ab, die aus verschiedenen Quellen stammen und den \u00bbverd\u00e4chtigen Personen\u00ab jeweils pers\u00f6nlich zugeordnet werden sollen \u2013 von Spitzenfunktion\u00e4ren \u00fcber Hinterb\u00e4nkler bis zu Unterst\u00fctzern.<\/p>\n<h3>Schwankende Belastbarkeit der Hinweise<\/h3>\n<p>Doch die Akribie t\u00e4uscht wenig \u00fcber die schwankende Belastbarkeit der Hinweise hinweg. Manche Quellenangaben halten einer genauen Pr\u00fcfung nicht stand. Zweifellos erf\u00fcllen manche Zitate den Tatbestand etwa der Volksverhetzung. Bei anderen Aussagen d\u00fcrfte es Auslegungssache sein, ob sie von der Meinungsfreiheit gedeckt sind.<\/p>\n<p>Ruch ist das auch aufgefallen: \u00bbEs gibt S\u00e4tze, die kennen wir so auch von der CSU.\u00ab Deshalb seien die \u00bbbelastenden Informationen\u00ab mit rechtlicher Sorgfalt gepr\u00fcft worden. Doch die Konsequenz, die Kriterien weiter zu versch\u00e4rfen, zieht er nicht.<\/p>\n<p>Nicht nur ist die Bev\u00f6lkerung \u2013 von \u00bbOlaf Scholz\u00ab \u2013 ermuntert, eigene Fundst\u00fccke beizusteuern. Mit einem gef\u00e4lschten Anschreiben haben sich die Aktivisten noch vor Freischaltung der Plattform an eine gro\u00dfe Anzahl von AfD-Mitgliedern gewandt. Darin geben sie sich als \u00bbBundesvorstand\u00ab aus und bitten im Namen einer \u00bbSichtungskommission\u00ab um Mails, Fotos, Chatverl\u00e4ufe und anderes Material, das m\u00f6glicherweise f\u00fcr die Partei belastend sein k\u00f6nnte. Sicherheitshalber, sagt Ruch, habe man sich dabei auf Parteimitglieder \u00bb\u00fcber 60 und ohne Doktortitel\u00ab konzentriert \u2013 um sich deren vermeintliche Naivit\u00e4t in digitalen Dingen zunutze zu machen.<\/p>\n<p>Die AfD stellte prompt klar, dass es eine solche \u00bbSichtungskommission\u00ab nicht gebe, und warnte ihre Mitglieder vor einem Versuch mutma\u00dflicher Linksextremisten, sich Informationen aus dem Inneren der Partei zu erschleichen. Das ZPS behauptet, bereits \u00bbmassenhaft\u00ab Hinweise erhalten zu haben \u2013 vor allem ausgestiegene Mitglieder w\u00fcrden die niedrigschwellige Gelegenheit derzeit wahrnehmen.<\/p>\n<p>Ohne Programmierer, Grafikerinnen, Historiker, Filmemacher, Produzentinnen und rechtliche Berater ist so ein umfassender Hacking-Angriff auf die politische Sph\u00e4re nicht umsetzbar. Zeitweise arbeiteten nach ZPS-Angaben seit M\u00e4rz 2023 bis zu 100 Personen an diesem Projekt. \u00dcber Wasser gehalten werde das Zentrum durch die privaten Spenden von rund 3000 sogenannten \u00bbKomplizen\u00ab, die Ruch \u00fcberschw\u00e4nglich \u00bbdie Speerspitze der Zivilgesellschaft\u00ab nennt. Wer im Zentrum arbeitet, tut das ausnahmslos aus Idealismus \u2013 und braucht meistens noch einen Brotjob, konkreter wollen sie nicht werden. Provokation kann ein prek\u00e4res Genre sein.<\/p>\n<p>Gemessen an der beinahe beh\u00f6rdlichen Gr\u00f6\u00dfe, auf die das Zentrum angewachsen ist, waren seine Anf\u00e4nge noch politische Kleinkunst. 2009 lie\u00df das Kollektiv zur Europawahl einen in ein schwarzes Tuch geh\u00fcllten Schauspieler als personifizierte Schwermut durch das Regierungsviertel und in das Wahllokal der damaligen Bundeskanzlerin schleichen (\u00bbEuropa: Der Kontinent der Melancholie\u00ab). Das Stra\u00dfentheater erregte damals kaum Aufsehen bei seinem erkl\u00e4rten Adressaten, einer lethargischen \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p>Ruch erinnert sich, dass sie f\u00fcr diese bescheidene Performance mit nur 5000 Euro auskommen mussten: \u00bbDaf\u00fcr k\u00f6nnten wir heute nicht einmal mehr die Regie bezahlen.\u00ab Eine \u00f6ffentliche Querfinanzierung f\u00e4nde nicht statt. Allerdings habe zu besonders kostspieligen Anl\u00e4ssen hin und wieder das Maxim Gorki Theater  etwas Geld zugeschossen.<\/p>\n<p>Jahr f\u00fcr Jahr professionalisierten die Aktivisten ihr Vorgehen, suchten sich konkretere Gegner. Und stellen die Erregung von Aufsehen in den Mittelpunkt.<\/p>\n<h3>Ideales Sujet f\u00fcr seinen \u00bbaggressiven Humanismus\u00ab<\/h3>\n<p>2010 t\u00fcrmten sie die Schuhe der Ermordeten von Srebrenica zu \u00bbS\u00e4ulen der Schande\u00ab, aus Protest gegen die Tatenlosigkeit der Vereinten Nationen. 2012 setzten sie \u00bb25.000 Euro Belohnung\u00ab zur Ergreifung der Eigent\u00fcmer des deutschen R\u00fcstungskonzerns Krauss-Maffei Wegmann aus. Parallel lie\u00dfen sie Baupl\u00e4ne entwickeln, wie die schw\u00e4bische Zentrale der Waffenfirma Heckler &amp; Koch in Anlehnung an Tschernobyl mit einem \u00bbSarkophag Oberndorf\u00ab unsch\u00e4dlich gemacht werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>In der Fl\u00fcchtlingskrise von 2015 erkannte das Zentrum ein ideales Sujet f\u00fcr seinen \u00bbaggressiven Humanismus\u00ab, den es als Kontrastmittel gegen das herrschende Phlegma der M\u00e4chtigen besonders grell zum Leuchten bringen wollte. Die Aktivit\u00e4ten wurden zusehends bildm\u00e4chtiger, aufwendiger. Die Gruppe trat endg\u00fcltig in eine zweite Phase ein.<\/p>\n<p>Auf Sizilien exhumierten sie einen ertrunkenen Bootsfl\u00fcchtling und \u00fcberf\u00fchrten die sterblichen \u00dcberreste zur Bestattung nach Berlin (\u00bbDie Toten kommen\u00ab, 2015). Sie brachten eine fest verankerte Rettungsplattform im Mittelmeer aus und forderten eine Br\u00fccke von Afrika nach Europa (\u00bbDie Jean Monnet-Br\u00fccke\u00ab, 2015). In einem eigens eingerichteten Gehege f\u00fcr Tiger in Berlin sollten sich schlie\u00dflich \u00bbFl\u00fcchtlinge fressen\u00ab lassen (2016).<\/p>\n<p>Da hat sich das Zentrum bereits als Anwalt und Agentin der Menschenrechte etabliert \u2013 ohne Mandat, aber mit Lizenz zum Nerven. Schwerpunkt ist nun das Elend der Gefl\u00fcchteten. Wieder ein Problem, das mit dem spielerischen Anbohren dicker Bretter eigentlich nicht aus der Welt zu schaffen ist. Nat\u00fcrlich spricht nichts dagegen, es wenigstens zu versuchen. Wogegen Politik nicht einmal den Kampf aufnimmt, daran kann Kunst sogar <em>erfolgreich<\/em> scheitern. So sieht es zumindest Ruch. Man kann das Argument nachvollziehen, aber vielleicht macht Ruch es sich damit zu leicht. Denn was ist, wenn die Kunst mehr Aufmerksamkeit bekommt als das Problem, an dem sie scheitern will?<\/p>\n<p>Wie Musiker ihre Goldenen Schallplatten sammeln, so arrangiert Ruch seine versammelten Vergeblichkeiten. Vom Schreibtisch in seinem B\u00fcro schaut er auf die Wand gegen\u00fcber, wo die Fotos jeder einzelnen Provokation gerahmt und liebevoll arrangiert sind. Viele der Bilder zeigen Ruch mit dem typischen Ru\u00df im Gesicht \u2013 den er als Spur \u00bbder Kollision von Geschichte und \u00d6ffentlichkeit\u00ab verstanden wissen will. Klar, das ist etwas verkopft und wohl auch narzisstisch. Genau wie Kunst ist Maskierung schlie\u00dflich nur dann erfolgreich, wenn man sie nicht erkl\u00e4ren muss. Ruch muss immer erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>\u00bbWir scheitern ja immer\u00ab, klagt er mit Blick auf diese Collage: \u00bbMit allem, was wir uns vornehmen. Uns f\u00e4llt auch nichts mehr ein, weil wir alles getan haben gegen die Fl\u00fcchtlingsabwehrpolitik. Aber das Massensterben geht immer weiter!\u00ab, sagt er und klingt, als w\u00fcrde er einen guten Witz erz\u00e4hlen und zugleich darauf hoffen, dass ihm jemand die Pointe erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Als Bj\u00f6rn H\u00f6cke 2017 vor Anh\u00e4ngern in Dresden eine \u00bberinnerungspolitische Wende von 180 Grad\u00ab  forderte, ging das Zentrum in seine dritte Phase. Seitdem scheitert es bei der Bek\u00e4mpfung des Rechtsextremismus. Die K\u00fcnstler errichteten im Bornhagener Vorgarten des AfD-Politikers das \u00bbHolocaust-Mahnmal\u00ab. Und als \u00bbSoko Chemnitz\u00ab schw\u00e4rzten sie Teilnehmer an den rechtsextremen Aufm\u00e4rschen in der Stadt bei ihren Arbeitgebern an.<\/p>\n<p>Es gab die Geschmacklosigkeit, vor dem Reichstag eine angeblich mit der Asche von Opfern des Holocaust gef\u00fcllte S\u00e4ule zu platzieren (\u00bbSucht nach uns\u00ab, 2019). Und es gab die Eulenspiegelei vor der Bundestagswahl 2021, sich als \u00bbFlyerservice Hahn\u00ab der AfD als Verteiler von Wahlkampfmaterial anzudienen \u2013 um dieses dann massenhaft zu vernichten.<\/p>\n<p>Ob diese Interventionen die AfD auch nur eine einzige Stimme gekostet haben? Es muss bezweifelt werden.<\/p>\n<h3>\u00bbVon der Wirklichkeit provoziert\u00ab<\/h3>\n<p>Pragmatische Menschen w\u00fcrden angesichts der Umfragen und Wahlergebnisse irgendwann erw\u00e4gen, ihre Methoden der Wirklichkeit anzupassen. ZPS-Leute aber f\u00fchlen sich \u00bbvon der Wirklichkeit provoziert\u00ab, ihre Anstrengungen noch zu intensivieren.<\/p>\n<p>Weil ihm dazu jedes Mittel recht ist, pflegt Ruch ein sehr taktisches \u2013 man k\u00f6nnte auch sagen: theatralisches \u2013 Verh\u00e4ltnis zur Wahrheit. Haben die Rettungsinseln im Mittelmeer wirklich Leben gerettet? War in der S\u00e4ule vor dem Reichstag tats\u00e4chlich Asche von Opfern des Holocaust? Wer wollte das \u00fcberpr\u00fcfen? Und wie genau will das ZPS nun an die Kontaktdaten von mehr als 20.000 AfD-Mitgliedern gekommen sein? Je beharrlicher man ihn fragt, umso m\u00e4rchenhafter werden Ruchs Antworten. Als wollte er testen, wie weit seine Geschichte tr\u00e4gt \u2013 um sich notfalls in ein anderes, noch abenteuerlicheres M\u00e4rchen zu fl\u00fcchten. Oder in die Wahrheit, die gern dort eingeschmuggelt wird, wo das Publikum sie nicht erwartet.<\/p>\n<p>Das ZPS will der bessere Verfassungsschutz, die verantwortungsvollere Bundeswehr, die eigentliche Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung sein. Manchmal treibt Ruch die Mimikry so weit, dass er sich versuchsweise sogar in den politischen Gegner einf\u00fchlt: \u00bbIn gewisser Weise bin ich ja auch die AfD\u00ab, sagt Ruch, \u00bbnur eben die bessere AfD \u2013 ohne die ganzen Verfassungsfeinde. Das ist das St\u00fcck. Das ist das Theater.\u00ab<\/p>\n<p>Nun kommt Pelzer wieder ins B\u00fcro, das Handy am Ohr: \u00bbSchnell! Wie gro\u00df ist Olaf Scholz? Ganz genau?\u00ab Ruch steht auf, nimmt sich ein Ma\u00dfband und legt es an den Pappaufsteller in der Ecke an: \u00bbEinen Meter und siebzig Zentimeter.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenige Tage vor dem Start der neuen Aktion sitzen Philipp Ruch und Stefan Pelzer, die beiden K\u00f6pfe des Aktivistenkollektivs Zentrum f\u00fcr Politische Sch\u00f6nheit, vor ihren aufgeklappten Rechnern und spielen sich<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":24909,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-24908","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24908","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24908"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24908\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24909"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24908"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24908"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24908"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}