{"id":24801,"date":"2023-11-26T03:07:54","date_gmt":"2023-11-26T00:07:54","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/angriff-der-hamas-es-geht-darum-die-schlimmsten-angste-jedes-menschen-wahrzumachen\/"},"modified":"2023-11-26T03:07:54","modified_gmt":"2023-11-26T00:07:54","slug":"angriff-der-hamas-es-geht-darum-die-schlimmsten-angste-jedes-menschen-wahrzumachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/angriff-der-hamas-es-geht-darum-die-schlimmsten-angste-jedes-menschen-wahrzumachen\/","title":{"rendered":"Angriff der Hamas: \u00bbEs geht darum, die schlimmsten \u00c4ngste jedes Menschen wahrzumachen\u00ab"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\"><strong>Warnung: Dieser Artikel enth\u00e4lt Beschreibungen sexueller Gewalt<\/strong><\/p>\n<p><em>Was genau geschah am 7. Oktober in Israel? Diese Frage wird trotz vieler Videoaufnahmen wohl niemals in allen Einzelheiten beantwortet werden k\u00f6nnen. Israelische Amtstr\u00e4ger und Politiker, darunter auch Premierminister Benjamin Netanyahu, haben \u00f6ffentlich erkl\u00e4rt, dass es beim Angriff der Hamas auch zu sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen und M\u00e4dchen gekommen ist. Und offenbar mehren sich daf\u00fcr die Beweise.<\/em><\/p>\n<p><em>Ermittler der Polizei sowie einer Zivilkommission sammeln derzeit Material, um die Verbrechen aufzukl\u00e4ren. Doch mehrere Faktoren erschweren den Prozess, vor allem wohl die Tatsache, dass bei der Bergung der Leichen die Identifikation der Toten im Vordergrund stand \u2013 und eben nicht der Nachweis sexueller Gewalt. Dementsprechend hat es keine systematische Entnahme von DNA-Proben und nur in Einzelf\u00e4llen forensischen Untersuchungen gegeben, wie die Tageszeitung Haaretz berichtet.             Der Zustand und die schiere Menge der Leichen, ein Mangel an Fachpersonal sowie teilweise bei der Bergung noch andauernde K\u00e4mpfe haben dies offenbar zus\u00e4tzlich behindert. Das Ergebnis: Beweismaterial wurde mit den K\u00f6rpern der Toten begraben.<\/em><\/p>\n<p><em>Polizei und Ermittelnde fokussieren sich daher auf andere Beweismittel, also etwa auf Augenzeugenberichte und Aussagen von gefangenen Hamas-K\u00e4mpfern. (Anmerkung der Redaktion: DER SPIEGEL hat keinen Einblick unter welchen Umst\u00e4nden diese Aussagen zustande gekommen sind). Die israelische Rechtsprofessorin und Frauenrechtlerin Ruth Halperin-Kaddari recherchiert zu den Vorf\u00e4llen sexueller Gewalt, um dar\u00fcber an die Uno zu berichten. Sie kooperiert dabei mit der israelischen Polizei und den Geheimdiensten.<\/em><\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Frau Halperin-Kaddari, was wissen Sie \u00fcber sexuelle Gewalt beim Hamas-Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober?<\/p>\n<p><strong>Ruth Halperin-Kaddari:<\/strong> Es gibt inzwischen Augenzeugenberichte von Ersthelfern, von Leuten, die die Leichen versorgt haben, und auch von \u00dcberlebenden. Es war bei vielen Leichen sehr klar, dass sie vergewaltigt worden waren. Ich werde jetzt auf zwei Quellen eingehen, die eingehend gepr\u00fcft wurden und von der Polizei verifiziert sind. Es gibt den Augenzeugenbericht einer \u00dcberlebenden des Supernova-Festivals, die sich im Geb\u00fcsch versteckte und sah, wie ihre Freundin vergewaltigt wurde und dann an den n\u00e4chsten Terroristen weitergereicht wurde, der sie ebenfalls vergewaltigte, ihre Brust abschnitt, als sie noch lebte, und sie wie einen Ball warf. Dann vergewaltigte er sie weiter und schoss ihr dabei in den Kopf. Dieselbe Augenzeugin berichtete auch, wie M\u00e4nner eine andere nackte Frauenleiche davontrugen. Ich habe selbst mit einem Sanit\u00e4ter gesprochen, einem der Ersten, die auf dem Festivalgel\u00e4nde ankamen. Er behandelte dort eine \u00dcberlebende in zerrissener Unterhose, die unter starken vaginalen Blutungen litt. Sie gab an von vier M\u00e4nner vergewaltigt worden zu sein. Sie schwebte in akuter Lebensgefahr. Ihr Zustand habe jenem von Opfern von Schusswunden geglichen aufgrund des hohen Blutverlustes. Der Sanit\u00e4ter sagte, er habe sich nicht vorstellen k\u00f6nnen, dass es m\u00f6glich sei, Frauen zu Tode zu vergewaltigen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Es gibt \u00dcberlebende der Vergewaltigungen?<\/p>\n<p><strong>Halperin-Kaddari:<\/strong> Was diese Frau betrifft, wissen wir nicht, ob sie \u00fcberlebt hat. Es gibt \u00dcberlebende. Ich wei\u00df von zehn verschiedenen F\u00e4llen. Sie reden nicht \u00fcber das, was passiert ist, und werden es vielleicht nie tun. Sie werden derzeit in Hilfszentren f\u00fcr sexuelle Gewalt behandelt, haben sich aber noch nicht an die Polizei gewandt. Ich habe mit Verantwortlichen in den Hilfszentren gesprochen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> W\u00fcrden Sie sagen, die sexuelle Gewalt war systematisch?<\/p>\n<p><strong>Halperin-Kaddari:<\/strong> Ich habe Videos von Aussagen gefangener Hamas-Terroristen gesehen, die der Inlandsgeheimdienst Schin Bet verh\u00f6rt hat. Ich kann dazu sagen, dass es f\u00fcr mich nicht so aussah, als seien diese Aussagen erzwungen worden. Ein Angreifer erkl\u00e4rt darin, dass die Angreifer die klare und eindeutige Anweisung erhalten haben, zu t\u00f6ten, Geiseln zu nehmen und zu vergewaltigen. Die Morde und die sexuelle Gewalt waren also systematisch. Es gibt auch die Aussage, dass es von religi\u00f6sen Autorit\u00e4ten eine generelle Erlaubnis gegeben hat, zu vergewaltigen und mit Zivilisten zu tun, was immer man wollte. Der Gefangene erkl\u00e4rt auch, dass der Befehl lautete, keine Beweise f\u00fcr die Vergewaltigungen zu hinterlassen, also keine Frauen, die dar\u00fcber sprechen k\u00f6nnten. Das passt zu der Tatsache, dass die allermeisten der Opfer sexueller Gewalt ermordet wurden.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Gibt es Klarheit \u00fcber die Zahl der F\u00e4lle sexueller Gewalt?<\/p>\n<p><strong>Halperin-Kaddari:<\/strong> Wir haben keine Zahlen und werden sie auch nie haben. Und es ist auch nicht entscheidend. Wer sich mit den weltweiten Konflikten besch\u00e4ftigt, der denkt an Bosnien, Ruanda, \u00c4thiopien und die Ukraine \u2013 und an riesige Zahlen. Ich m\u00f6chte noch mal betonen, dass alles, was in Israel passiert ist, in sehr kurzer Zeit geschehen ist, innerhalb weniger als eines Tages, bis die Sicherheitskr\u00e4fte ankamen. Aber sogar innerhalb dieser sehr kurzen Zeitspanne haben die Terroristen Dinge getan, die \u00fcber die menschliche Vorstellungskraft hinausreichen. Das Extreme dieser Taten, das Ausma\u00df der Grausamkeit ist jenseits dessen, was wir etwa beim \u00bbIslamischen Staat\u00ab gesehen haben.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Wir wissen, dass der \u00bbIslamische Staat\u00ab systematisch gemordet, vergewaltigt und Frauen und M\u00e4dchen sexuell versklavt und dabei schwer verletzt hat.<\/p>\n<p><strong>Halperin-Kaddari: <\/strong>Wahrscheinlich wissen wir nicht von allen Taten, die der \u00bbIslamische Staat\u00ab begangen hat. Aber meiner Ansicht nach geht die systemische Grausamkeit beim Angriff der Hamas \u00fcber das hinaus, was wir im Bereich von geschlechtsspezifischer Gewalt in anderen Konflikten gesehen haben.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Die Frau des israelischen Pr\u00e4sidenten, Michal Herzog, erw\u00e4hnte in einem Beitrag f\u00fcr die <em>Newsweek<\/em>  den Fall einer schwangeren Frau, der man den F\u00f6tus aus dem Bauch herausgeschnitten haben soll.<\/p>\n<p><strong>Halperin-Kaddari: <\/strong>Ich kann diesen Fall nicht best\u00e4tigen, was nicht hei\u00dft, dass er nicht passiert ist.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Was ist das Ziel solcher Gewalt?<\/p>\n<p><strong>Halperin-Kaddari:<\/strong> Es geht nicht mehr nur ums T\u00f6ten. Es geht darum, den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Horror in der Bev\u00f6lkerung auszul\u00f6sen, die schlimmsten \u00c4ngste jedes Menschen wahrzumachen, jede Sicherheit zu zerst\u00f6ren. Der Feind dringt ein in das eigene Haus, t\u00f6tet die Kinder in ihren Betten, vergewaltigt Frauen. Die Familie als gesellschaftlicher Nukleus wird zerst\u00f6rt. Der K\u00f6rper der Frau wird zum Symbol f\u00fcr die Nation, die man verletzt. Es ist eine Dem\u00fctigung f\u00fcr die M\u00e4nner, die die Frauen nicht sch\u00fctzen k\u00f6nnen. Daher erkennt das Internationale Recht sexuelle Gewalt als Kriegswaffe an, und, wenn sie absichtlich, strategisch und systematisch eingesetzt wird wie am 7. Oktober, wird sie als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und sogar als genozidal bewertet.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Sie haben fr\u00fcher selbst im Bereich Frauenrechte f\u00fcr die Vereinten Nationen gearbeitet. Heute werfen Sie der Internationalen Gemeinschaft und der Uno vor, die Hamas-Verbrechen bisher nicht ausreichend anerkannt zu haben.<\/p>\n<p><strong>Halperin-Kaddari:<\/strong> Ich habe bereits drei Tage nach dem 7. Oktober an verschiedene Uno-Organisationen geschrieben, um die Verurteilung der Taten gegen Frauen und Kinder und die extreme sexuelle Gewalt, die stattgefunden hat, anzuerkennen. Ich habe an UN Women geschrieben, an das Komitee zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau der Vereinten Nationen, an die Uno-Sonderbeauftragte f\u00fcr Gewalt gegen Frauen und an weitere Uno-Institutionen und internationale Frauenrechtsorganisationen. Die Reaktion war ersch\u00fctternd: Viele antworteten gar nicht. Nur wenige ver\u00f6ffentlichten Statements, die dann aber sehr generell die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten bem\u00e4ngelten. Keine der Erkl\u00e4rungen erw\u00e4hnte die sexuelle Gewalt. Das ist entt\u00e4uschend, gerade von UN Women, eine Organisation, die geschaffen wurde, um sich genau um solche Vorf\u00e4lle zu k\u00fcmmern. Als damals klar wurde, dass Frauen im Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine Opfer sexueller Gewalt wurden, hat UN Women z\u00fcgig reagiert und eine umfassende Untersuchung gefordert. Ich sehe hier einen Doppelstandard.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Wie erkl\u00e4ren Sie sich das?<\/p>\n<p><strong>Halperin Kaddari:<\/strong> Es gibt schon einen generellen Mangel an Empathie Israel gegen\u00fcber vonseiten der linken Community weltweit. Die Vorf\u00e4lle widersprechen dem konventionellen Framing von Israel als Aggressor und den Pal\u00e4stinensern als Opfern \u2013 und ich m\u00f6chte hier ausdr\u00fccklich das gro\u00dfe Leid der pal\u00e4stinensischen Frauen und Kinder anerkennen. Aber beim Angriff der Hamas waren israelische Frauen und Kinder die Opfer. Ich denke, es f\u00e4llt vielen Menschen und Institutionen schwer, damit umzugehen, wenn die Realit\u00e4t sehr viel komplexer ist als das einfache Narrativ vom Unterdr\u00fccker und vom Unterdr\u00fcckten. Manche streiten sie einfach ab. Ich hatte allerdings erwartet, dass internationale Anw\u00e4lte f\u00fcr Menschenrechte diese rigide Denkstruktur durchbrechen und anerkennen, dass das, was am 7. Oktober passiert ist, \u00fcber Szenen konventioneller Kriege hinausgeht, dass wir an diesem Tag eines der schlimmsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesehen haben, das in den vergangenen Jahren passiert sind. Dass das nicht geschehen ist, halte ich f\u00fcr eine Form von Antisemitismus, von dem ich mein Leben lang glauben wollte, dass er der Vergangenheit angeh\u00f6rte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warnung: Dieser Artikel enth\u00e4lt Beschreibungen sexueller Gewalt Was genau geschah am 7. Oktober in Israel? Diese Frage wird trotz vieler Videoaufnahmen wohl niemals in allen Einzelheiten beantwortet werden k\u00f6nnen. 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