{"id":24435,"date":"2023-11-10T03:28:37","date_gmt":"2023-11-10T00:28:37","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/israel-hamas-terrorangriffe-ngo-erhebt-vorwurfe-gegen-agenturfotografen\/"},"modified":"2023-11-10T03:28:37","modified_gmt":"2023-11-10T00:28:37","slug":"israel-hamas-terrorangriffe-ngo-erhebt-vorwurfe-gegen-agenturfotografen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/israel-hamas-terrorangriffe-ngo-erhebt-vorwurfe-gegen-agenturfotografen\/","title":{"rendered":"Israel: Hamas-Terrorangriffe &#8211; NGO erhebt Vorw\u00fcrfe gegen Agenturfotografen"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Im Morgengrauen des 7. Oktober durchbrachen Terrorkommandos der Hamas und des Islamischen Dschihad die Grenzanlage zwischen dem Gazastreifen und Israel. Sie schw\u00e4rmten in Ortschaften und Kibbuzim im S\u00fcden des Landes aus, wo sie etwa 1400 Menschen ermordeten. Die Todesschwadronen verwundeten Hunderte andere und verschleppten 242 als Geiseln in den K\u00fcstenstreifen am Mittelmeer, den sie beherrschen. Die Massaker gelten als schlimmste Verbrechen an Juden seit dem Holocaust; sie sind beispiellos in der israelischen Geschichte.<\/p>\n<p>Die Terroristen filmten sich an jenem \u00bbschwarzen Samstag\u00ab streckenweise selbst. Material von Bodycams und \u00dcberwachungskameras ist ebenfalls erhalten. Schlie\u00dflich hielten auch mehrere Pressefotografen aus dem Gazastreifen, die als Freiberufler f\u00fcr westliche Presseagenturen und Medien arbeiten, die Angriffe zum Teil fest. Solche Agenturfotos wurden von Medien in Deutschland und weltweit zur Dokumentation der Terrorangriffe vom 7. Oktober verwendet, auch vom SPIEGEL.<\/p>\n<p>Die Arbeit dieser Fotografen ist nun Gegenstand von Vorw\u00fcrfen, die die NGO \u00bbHonest Reporting            \u00ab erhebt. Die Gruppe ist nach US-Recht registriert; ihre Mitarbeiter sitzen in Jerusalem. Sie verstehen sich als Medienbeobachter, die nach eigener Darstellung auf gegen Israel gerichtete Berichte aufmerksam machen.<\/p>\n<p>In einem Bericht weist \u00bbHonest Reporting\u00ab auf die Arbeit der Fotografen am 7. Oktober hin. Einer von ihnen ist Hassan Eslaiah. Er ver\u00f6ffentlichte an jenem Tag mehrere Fotos f\u00fcr die Associated Press (AP), eine der international renommiertesten Nachrichtenagenturen.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Eines davon zeigt einen brennenden israelischen Panzer am Grenzzaun sowie mehrere M\u00e4nner, ganz offenbar aus Gaza, die auf das brennende Fahrzeug geklettert sind beziehungsweise dieses mit dem Handy filmen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Ein anderes Foto zeigt ein gutes Dutzend M\u00e4nner, die meisten mit Fahrr\u00e4dern, die laut Bildunterschrift in das Kibbuz Kfar Aza eindringen, den Schauplatz eines der schwersten Massaker.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Auf weiteren Bildern sind bewaffnete M\u00e4nner zu sehen, die laut Bildunterschrift vor einem Tor zum Kibbuz durch die Gegend laufen, sowie ein brennendes Haus in Kfar Aza.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die NGO ver\u00f6ffentlichte zudem ein \u00e4lteres Selfie, das Eslaiah in inniger Umarmung mit Yahya Sinwar  zeigt, dem Chef der Hamas im Gazastreifen. Auf dem Foto scheint Sinwar Eslaiah einen Kuss auf die Wange zu dr\u00fccken.<\/p>\n<p>Ein anderer Fotograf, Ali Mahmud, machte demnach Fotos von der Verschleppung der deutschen Staatsb\u00fcrgerin Shani Louk nach Gaza. In den sozialen Medien kursierte auch ein Video von ihrer Entf\u00fchrung: Die junge Frau liegt blutend und fast nackt in einem Truck. Sie wirkt leblos. M\u00e4nner zerren an ihren Haaren und bespucken sie. Gut drei Wochen nach der Verschleppung best\u00e4tigte die Mutter der 22-J\u00e4hrigen dem SPIEGEL den Tod ihrer Tochter.<\/p>\n<h3>AP und Reuters weisen auf den Zeitpunkt der Aufnahmen hin<\/h3>\n<p>Reuters, eine andere renommierte Nachrichtenagentur, ver\u00f6ffentlichte unter anderem die Fotos von Mohammed Fayq Abu Mustafa. Er fotografierte laut \u00bbHonest Reporting\u00ab unter anderem einen Mob, der sich auf den K\u00f6rper eines israelischen Soldaten st\u00fcrzt, der aus einem Panzer gezerrt wurde.<\/p>\n<p>Die NGO nimmt Bilder wie diese zum Anlass, um heftige Vorw\u00fcrfe gegen die beiden Agenturen zu erheben: Ob es wirklich denkbar sei, fragt die Gruppe in ihrem Bericht, dass die Fotografen so fr\u00fch an einem Samstagmorgen zuf\u00e4llig am Grenzzaun auftauchten? \u00bbOder waren sie Teil des Plans?\u00ab Beweise legte die NGO daf\u00fcr keine vor.<\/p>\n<p>Sowohl die AP als auch Reuters weisen die Vorw\u00fcrfe kategorisch zur\u00fcck. Sie h\u00e4tten keinerlei Kenntnis von den Angriffen gehabt, ehe diese sich zutrugen, hei\u00dft es in Stellungnahmen der beiden Agenturen.<\/p>\n<p>\u00bbAP verwendet Bilder, die von Freiberuflern auf der ganzen Welt aufgenommen wurden. Wenn wir Fotos von Freiberuflern akzeptieren, unternehmen wir gro\u00dfe Anstrengungen, um die Echtheit der Bilder zu \u00fcberpr\u00fcfen und sicherzustellen, dass sie das zeigen, was behauptet wird\u00ab, teilt die Agentur mit. Ihre Aufgabe bestehe darin, Informationen \u00fcber aktuelle Ereignisse auf der ganzen Welt zu sammeln, \u00bbwo auch immer sie sich ereignen, selbst wenn diese Ereignisse schrecklich sind und viele Menschenleben fordern\u00ab.<\/p>\n<p>Beide Agenturen weisen zudem auf den Zeitpunkt hin, in dem die Aufnahmen entstanden. Die ersten Bilder, die die AP von Freiberuflern vor Ort erhielt, seien mehr als eine Stunde nach Beginn der Angriffe gemacht worden, hei\u00dft es in der Stellungnahme. Reuters teilt mit, dass die von der Agentur ver\u00f6ffentlichten Fotos \u00bbzwei Stunden nach dem Raketenabschuss der Hamas auf den S\u00fcden Israels\u00ab aufgenommen worden seien \u00bbund mehr als 45 Minuten, nachdem Israel erkl\u00e4rt hatte, bewaffnete M\u00e4nner h\u00e4tten die Grenze \u00fcberschritten\u00ab.<\/p>\n<p>Dass Agenturfotografen in diesem Zeitraum ohne vorheriges Wissen vor Ort gewesen sein k\u00f6nnen, erscheint angesichts der vergleichsweise kurzen Wege nicht unrealistisch. Schnell vor Ort zu sein, wenn relevante Ereignisse sich zutragen, geh\u00f6rt zur Aufgabe von Agenturfotografen. Auch ist die Dokumentation von Kriegsverbrechen durch Pressefotografen  \u2013 selbst w\u00e4hrend diese sich zutragen \u2013 an sich nicht verwerflich, sondern wichtiger Teil des Berufs.<\/p>\n<p>\u00bbHonest Reporting\u00ab wirft den Fotografen jedoch vor, weit dar\u00fcber hinaus gegangen zu sein und ethische Grenzen \u00fcberschritten zu haben. Die israelische Regierung machte sich die Vorw\u00fcrfe zu eigen. Ministerpr\u00e4sident Benjamin Netanyahu bezeichnete die Fotografen als \u00bbKomplizen bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit\u00ab, die gegen die Berufsethik versto\u00dfen h\u00e4tten. Benny Gantz, Ex-Verteidigungsminister und Mitglied des Kriegskabinetts, schrieb auf X, die Journalisten unterschieden sich \u00bbnicht von Terroristen und sollten als solche behandelt werden\u00ab. Israels fr\u00fcherer Uno-Botschafter Danny Danon sagte, die Fotografen w\u00fcrden einer Liste von Menschen hinzugef\u00fcgt, die Israel \u00bbeliminieren\u00ab wolle.<\/p>\n<h3>\u00bbNew York Times\u00ab nennt Vorw\u00fcrfe \u00bbunwahr und emp\u00f6rend\u00ab<\/h3>\n<p>Pal\u00e4stinensische Aktivisten warfen der israelischen Regierung hingegen eine gezielte Kampagne gegen Journalisten aus Gaza vor. Diese sollten demnach gezielt diskreditiert werden, damit keine Informationen \u00fcber den israelischen Feldzug im K\u00fcstenstreifen an die breite \u00d6ffentlichkeit gelangten. Ausl\u00e4ndische Journalisten konnten bis vor Kurzem gar nicht aus dem Gazastreifen berichten. Seit einigen Tagen gestattet die israelische Armee den Zugang, das aber nur im Rahmen sogenannter \u00bbEmbeds\u00ab, bei denen die Journalisten mit israelischen Einheiten unterwegs sind. Die Einreise nach Gaza f\u00fcr eigenst\u00e4ndige Berichterstattung ist f\u00fcr Journalisten nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Seit Beginn der israelischen Milit\u00e4rschl\u00e4ge gegen die Hamas sind laut der NGO \u00bbCommittee to Protect Journalists\u00ab mindestens 39 pal\u00e4stinensische Journalisten get\u00f6tet worden \u2013 es handle sich um den t\u00f6dlichsten Monat, seit man die Daten erhebe. Mehrere Journalisten in Gaza haben durch die Bombardierung Familienmitglieder verloren, darunter ein bekannter Korrespondent des Senders Al Jazeera, der vor der Kamera erfuhr, dass seine Frau, sein Sohn, seine Tochter und ein Enkel gestorben waren. Das B\u00fcro der Agentur AFP in Gaza wurde bei einem Angriff besch\u00e4digt.<\/p>\n<p>Auf die Anschuldigungen von \u00bbHonest Reporting\u00ab teilte die Agentur AP au\u00dferdem mit, dass man mit einem Fotografen nicht mehr zusammenarbeite: mit Hassan Eslaiah \u2013 dem Fotografen, der sich auf einem Foto in inniger Umarmung mit einem Hamas-Anf\u00fchrer gezeigt hatte. Auf eine SPIEGEL-Nachfrage, weshalb man das Arbeitsverh\u00e4ltnis zum Freiberufler beendet habe, antwortete die Agentur nicht.<\/p>\n<p>CNN teilte der israelischen Nachrichtenseite \u00bbynet\u00ab gegen\u00fcber mit, dass er angesichts des Berichts ebenfalls seine Zusammenarbeit mit Eslaiah beendet habe. Der Fotograf hatte auch f\u00fcr den US-Sender als Freelancer gearbeitet, laut CNN aber nicht am 7. Oktober. Gleiches gilt laut \u00bbHonest Reporting\u00ab f\u00fcr die \u00bbNew York Times\u00ab. Die Zeitung habe Eslaiah ebenso als Freelancer besch\u00e4ftigt wie einen Fotografen namens Yousef Masoud. Masoud dokumentierte an jenem Tag mit seiner Kamera Fotos von brennenden Panzern auf israelischem Territorium.<\/p>\n<p>\u00bbDie Anschuldigung, dass irgendjemand bei der \u203aNew York Times\u2039 von den Hamas-Anschl\u00e4gen gewusst oder Hamas-Terroristen w\u00e4hrend der Anschl\u00e4ge begleitet habe, ist unwahr und emp\u00f6rend\u00ab, schrieb die Zeitung in einer Stellungnahme . Es sei \u00bbleichtsinnig\u00ab, solche Behauptungen aufzustellen \u00bbund unsere Journalisten vor Ort in Israel und Gaza in Gefahr zu bringen\u00ab. \u00bbHonest Reporting\u00ab habe \u00bbvage Anschuldigungen\u00ab gegen Yousef Masoud erhoben, hei\u00dft es weiter. \u00bbObwohl Yousef am Tag des Angriffs nicht f\u00fcr die Times arbeitete, hat er seitdem wichtige Arbeit f\u00fcr uns geleistet.\u00ab Es gebe keine Beweise f\u00fcr die Vorw\u00fcrfe. Zu Eslaiah \u00e4u\u00dferte sich die Zeitung zun\u00e4chst nicht.<\/p>\n<p>Die \u00bbNew York Times\u00ab schreibt: \u00bbWir m\u00f6chten die freiberuflichen Fotojournalisten verteidigen, die in Konfliktgebieten arbeiten und sich oft in Gefahr begeben m\u00fcssen, um Zeugenberichte aus erster Hand zu liefern und wichtige Nachrichten zu dokumentieren. Dies ist die wesentliche Rolle einer freien Presse in Kriegszeiten. Wir sind sehr besorgt dar\u00fcber, dass unbegr\u00fcndete Anschuldigungen und Drohungen gegen Freiberufler diese gef\u00e4hrden und ihre Arbeit untergraben, die dem \u00f6ffentlichen Interesse dient.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Morgengrauen des 7. Oktober durchbrachen Terrorkommandos der Hamas und des Islamischen Dschihad die Grenzanlage zwischen dem Gazastreifen und Israel. 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