{"id":23154,"date":"2023-09-14T04:26:30","date_gmt":"2023-09-14T01:26:30","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/libyen-burgermeister-befurchtet-allein-in-der-stadt-derna-bis-zu-20-000-tote\/"},"modified":"2023-09-14T04:26:30","modified_gmt":"2023-09-14T01:26:30","slug":"libyen-burgermeister-befurchtet-allein-in-der-stadt-derna-bis-zu-20-000-tote","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/libyen-burgermeister-befurchtet-allein-in-der-stadt-derna-bis-zu-20-000-tote\/","title":{"rendered":"Libyen: B\u00fcrgermeister bef\u00fcrchtet allein in der Stadt Derna bis zu 20.000 Tote"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Wenige Tage nach den verheerenden \u00dcberschwemmungen im Osten Libyens ist die Zahl der Toten weiter massiv angestiegen. Bislang gingen Regierungsvertreter in der besonders betroffenen Hafenstadt Derna von 5300 Toten aus.<\/p>\n<p>Nun hat sich der B\u00fcrgermeister der Stadt gesagt, er gehe davon aus, dass die Zahl der Toten allein in der Stadt noch auf 18.000 bis 20.000 erh\u00f6hen werde. Dies ergebe sich auf Grundlage der Gegenden, die zerst\u00f6rt worden seien, sagte Abdulmenam Al-Ghaithi dem Sender Al Arabiya. Auch Hilfsorganisationen, Politiker und die Armee rechnen damit, dass die Zahl der Toten noch weiter steigen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Nach bisherigen Erkenntnissen ist oberhalb der Stadt nach sintflutartigen Regenf\u00e4llen ein Damm gebrochen. Danach raste eine Flutwelle durch den 125.000 Einwohner z\u00e4hlenden Ort und sp\u00fclte ganze Stra\u00dfenz\u00fcge ins Meer.<\/p>\n<p>Der Sturm \u00bbDaniel\u00ab, der zuvor auch in Griechenland w\u00fctete, hatte am Sonntag das nordafrikanische Land erfasst. Videos in sozialen Medien zeigten Fahrzeugkolonnen, die Tote abtransportierten, auf anderen Aufnahmen trieben Leichen im Meer. Auch neue Drohnenaufnahmen zeigen die dramatische Lage. Ganze Stra\u00dfenz\u00fcge Dernas sind in meterhohem Schlamm versunken. Helfer suchen unter den Erdmassen nach \u00dcberlebenden.<\/p>\n<p>Die Hilfsorganisation Care Libyen teilte mit, bei einem Wasserstand von bis zu zehn Metern sei das Gebiet um Derna v\u00f6llig zerst\u00f6rt sowie die Kommunikations- und Stromnetze lahmgelegt worden. Der B\u00fcrgermeister in Schahat sprach von rund 20.000 Quadratkilometern \u00fcberfluteter Gebiete \u2013 eine Fl\u00e4che etwa so gro\u00df wie Sachsen-Anhalt. Die betroffenen Regionen wurden zu Katastrophengebieten erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Ein Sprecher der Regierung im Osten des Landes sagte, mehr als 1000 unidentifizierte Leichen seien am Mittwoch in Massengr\u00e4bern beerdigt worden. Insgesamt wurden demnach bereits mehr als 3000 Menschen beigesetzt.<\/p>\n<p>Die Suche nach Opfern und Vermissten blieb auch am Mittwoch schwierig. Inzwischen erreichten aber erste internationale Hilfslieferungen das nordafrikanische Land. Allein in Derna sind laut Uno-Sch\u00e4tzungen 30.000 Einwohner obdachlos geworden.<\/p>\n<h3>Hilfsangebote aus verschiedenen L\u00e4ndern<\/h3>\n<p>Ein Sprecher des Uno-Generalsekret\u00e4rs Ant\u00f3nio Guterres in New York sagte, man arbeite mit lokalen, nationalen und internationalen Partnern zusammen, \u00bbum den Menschen in den betroffenen Gebieten dringend ben\u00f6tigte humanit\u00e4re Hilfe zukommen zu lassen\u00ab. Ein Uno-Team sei vor Ort. Neben Derna waren auch andere St\u00e4dte wie Al-Baida, Al-Mardsch, Susa und Schahat betroffen.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union hat ihr Katastrophenschutzverfahren aktiviert und koordiniert dar\u00fcber Hilfsangebote aus den verschiedenen EU-L\u00e4ndern. Au\u00dferdem stellte sie zun\u00e4chst 500.000 Euro an humanit\u00e4ren Mitteln zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<h3>THW sendet erste Hilfslieferung nach Libyen<\/h3>\n<p>Das Technische Hilfswerk (THW) bereitet die Lieferung von Hilfsg\u00fctern in das \u00dcberschwemmungsgebiet in Libyen vor. Diese wurden im Laufe des Mittwochs in THW-Logistikzentren in Bayern und Baden-W\u00fcrttemberg verladen, wie das bayerische THW mitteilte. Nach Angaben eines Sprechers starteten acht Lastwagen am Abend in Richtung Wunstorf bei Hannover. Die Fracht sollte am Donnerstag vom dortigen Bundeswehrstandort nach Libyen gebracht werden.<\/p>\n<p>Da man st\u00e4ndig G\u00fcter f\u00fcr solche Anfragen lagere, k\u00f6nne man kurzfristig Zelte mit Beleuchtung, Feldbetten, Decken, Isomatten sowie Stromgeneratoren zur Verf\u00fcgung stellen, sagte THW-Pr\u00e4sidentin Sabine Lackner am Mittwoch.<\/p>\n<p>Libyen hatte demnach in der Nacht auf Mittwoch ein entsprechendes internationales Hilfeersuchen gestellt. Konkret sollen 100 Zelte mit Beleuchtung, 1000 Feldbetten, 1000 Decken, 1000 Isomatten und 80 Stromgeneratoren in das Katastrophengebiet gebracht werden.<\/p>\n<p>Auch die Hilfsorganisation \u00c4rzte ohne Grenzen setzt sich f\u00fcr die Opfer ein. An diesem Donnerstag werde ein Notfallteam aus Logistikern und medizinischem Personal in der schwer betroffenen Stadt Derna eintreffen, \u00bbum den medizinischen Bedarf zu ermitteln\u00ab, gab die Organisation auf der Plattform X             (vormals Twitter) bekannt. Man bringe zudem medizinische Notfallausr\u00fcstung zur Behandlung von Verletzten und Leichens\u00e4cke f\u00fcr Libyens Wohlfahrtsorganisation Roter Halbmond.<\/p>\n<h3>T\u00fcrkei entsendet weitere Hilfe<\/h3>\n<p>Die T\u00fcrkei entsendet ebenfalls Hilfe in das libysche \u00dcberschwemmungsgebiet. Bereits am Dienstag hatte die T\u00fcrkei Medizinerteams und medizinische Ausr\u00fcstung ins Katastrophengebiet geschickt.<\/p>\n<p>Am Mittwochabend sollte ein Schiff mit medizinischem Personal von Izmir aus Richtung Libyen auslaufen, wie das Gesundheitsministerium in Ankara mitteilte. Zudem seien zwei vollst\u00e4ndig ausger\u00fcstete Feld-Krankenh\u00e4user, mehrere Krankenwagen und sechs Teams von Notfallsanit\u00e4tern an Bord.<\/p>\n<p>Die schweren Unwetter in der Mittelmeerregion lassen sich nach Expertenmeinung wahrscheinlich dem Klimawandel zuordnen. In der letzten Woche seien Niederschl\u00e4ge gemessen worden, die es so in Europa noch nie gegeben habe, sagte der Kieler Meteorologe Mojib Latif im Bayerischen Rundfunk. \u00bbIch glaube, wir waren viel, viel zu sorglos, was den Klimawandel angeht.\u00ab Dies \u00e4ndere sich gerade.<\/p>\n<p>\u00bbKlimawandel bedeutet nicht einfach nur h\u00f6here Temperaturen, sondern bedeutet vor allem extremeres Wetter, mehr Schadenspotenzial und vor allen Dingen auch eine gigantische Herausforderung\u00ab, sagte Latif. Man k\u00f6nne sich ein St\u00fcck weit anpassen, aber es gebe auch Grenzen: \u00bbBei solchen Wassermassen, was wollen sie (in Libyen) da noch tun?\u00ab<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p><em>Lesen Sie hier                                        eine Analyse \u00fcber den Klimawandel und die Serie von Wetterextremen<\/em><\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Politische Situation in Libyen<\/h3>\n<p>Derzeit k\u00e4mpfen zwei verfeindete Regierungen \u2013 eine mit Sitz im Osten, die andere mit Sitz im Westen \u2013 um die Macht. Alle diplomatischen Bem\u00fchungen, den bis heute andauernden B\u00fcrgerkrieg friedlich beizulegen, scheiterten bislang. Zahlreiche Konfliktparteien ringen um Einfluss, nachdem Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi 2011 gewaltsam gest\u00fcrzt worden war.<\/p>\n<p>Laut Libyen-Experte Wolfram Lacher von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) ist die Katastrophe in dem Land auch mit der politischen Situation verkn\u00fcpft. \u00bbDer Grund f\u00fcr das Ausma\u00df der Katastrophe ist der Bruch dieser zwei D\u00e4mme oberhalb von Derna\u00ab, sagte er dem ZDF. Jahrelang sei dort nicht ausreichend in die Infrastruktur investiert worden. \u00bbGaddafi hat damals die Stadt daf\u00fcr bestraft, dass in ihr Aufst\u00e4ndische die Waffen ergriffen hatten.\u00ab<\/p>\n<p>Zwar sei in den letzten Jahren immer etwas Geld geflossen, \u00bbaber das ging unter anderem in die Taschen von Milizenf\u00fchrern und Kriegsprofiteuren\u00ab.<\/p>\n<p>Die Geschichte von Derna reicht bis in die Zeit der R\u00f6mer zur\u00fcck. Umgeben von Bergen und W\u00fcsten war die Hafenstadt auch gepr\u00e4gt von der italienischen Besatzung zu Beginn des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Immer wieder war Derna aber auch Zentrum von Konflikten. So galt die K\u00fcstenstadt zeitweise als Enklave der Dschihadistenmiliz \u00bbIslamischer Staat\u00ab (IS). 2019 nahmen Truppen des Generals Chalifa Haftar nach monatelangen K\u00e4mpfen Derna komplett ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenige Tage nach den verheerenden \u00dcberschwemmungen im Osten Libyens ist die Zahl der Toten weiter massiv angestiegen. 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