{"id":23138,"date":"2023-09-13T11:27:13","date_gmt":"2023-09-13T08:27:13","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/gesundheit-mehr-als-die-halfte-der-deutschen-leidet-unter-erschopfung-sinnlose-arbeit-ist-ein-grund\/"},"modified":"2023-09-13T11:27:13","modified_gmt":"2023-09-13T08:27:13","slug":"gesundheit-mehr-als-die-halfte-der-deutschen-leidet-unter-erschopfung-sinnlose-arbeit-ist-ein-grund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/gesundheit-mehr-als-die-halfte-der-deutschen-leidet-unter-erschopfung-sinnlose-arbeit-ist-ein-grund\/","title":{"rendered":"Gesundheit: Mehr als die H\u00e4lfte der Deutschen leidet unter Ersch\u00f6pfung \u2013 sinnlose Arbeit ist ein Grund"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Wie ersch\u00f6pft f\u00fchlen Sie sich auf einer Skala von 0 bis 10? Wenn Sie jetzt \u00bbzehn\u00ab sagen, gibt es zumindest einen Trost \u2013 Sie sind mit diesem Problem nicht allein. Eine repr\u00e4sentative Umfrage im Auftrag des Beratungsunternehmens Auctority, die dem SPIEGEL exklusiv vorliegt, stellt fest: Mehr als jeder und jede zehnte Deutsche gab bei dieser Frage den H\u00f6chstwert an. Befragt wurden daf\u00fcr im Juli gut 5000 Menschen, rund 2500 Berufst\u00e4tige davon noch einmal gesondert zum Thema Ersch\u00f6pfung im Job.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse sind erschreckend: Mehr als die H\u00e4lfte der Befragten bezeichnete sich als ersch\u00f6pft. Nicht ersch\u00f6pft war nur ein gutes Drittel, etwa jeder Zehnte w\u00e4hlte die Option \u00bbteils\/teils\u00ab. Jeder Zehnte gab, siehe oben, den H\u00f6chstwert an, bei 8 oder 9 auf der 10er-Skala liegen weitere gute 20 Prozent.<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig: Die Ersch\u00f6pfung ballt sich vor allem bei Leuten in der Rushhour des Lebens. Von 30 bis 49 Jahren sind gut 60 Prozent ersch\u00f6pft. J\u00fcngere (18 bis 29 Jahre) und \u00e4ltere (50 bis 64) liegen mit gut 56 Prozent etwa gleichauf, jenseits der 65 Jahre sinkt der Wert auf 40 Prozent. Von den 30- bis 49-J\u00e4hrigen sehen gut 40 Prozent die Belastung bei der Arbeit als Hauptursache f\u00fcr ihre Ersch\u00f6pfung. In der Gesamtschau \u00fcber alle Altersgruppen sind gesundheitliche Beschwerden der Hauptgrund f\u00fcr Ersch\u00f6pfung (40 Prozent), gefolgt von der politischen Situation (knapp ein Drittel) und dann der Arbeitsbelastung (27 Prozent).<\/p>\n<p>\u00bbDie Arbeitswelt ist unn\u00f6tig ersch\u00f6pfend \u2013 das sieht man unter anderem daran, dass es ab dem Rentenalter einen Knick gibt, hier sinkt der Ersch\u00f6pfungswert drastisch. Gleichzeitig glaubt auch nur ein Viertel der Berufst\u00e4tigen, ihre Ersch\u00f6pfung wieder loswerden zu k\u00f6nnen. Das ist ein alarmierender Wert\u00ab, sagt die Arbeitspsychologin Christina Guthier, die die Umfrage wissenschaftlich begleitet hat.<\/p>\n<p>Osten und Westen liegen dabei nahezu gleichauf; ob man mit Kindern im selben Haushalt lebt, macht keinen allzu gro\u00dfen Unterschied (60 Prozent Ersch\u00f6pfte versus 52 Prozent bei den Kinderlosen). Frauen sind mit 56 Prozent etwas ersch\u00f6pfter als M\u00e4nner (50 Prozent). Ledige sind ersch\u00f6pfter als Geschiedene, die etwas mehr als Verheiratete oder Verwitwete, aber die Zahlen sind durch die Bank hoch \u2013 zu hoch f\u00fcr eine gesunde Gesellschaft.<\/p>\n<p>Und die Leute machen sich keine Illusionen: Weniger als ein F\u00fcnftel denkt, dass die Ersch\u00f6pfung ein Zeichen daf\u00fcr sei, man habe viel geleistet. Der sogenannte Erm\u00fcdungsstolz (am Ende des Tages ist man so fertig, dass man glaubt, viel geschafft zu haben \u2013 dabei ist man einfach nur geschafft) scheint abzuklingen. \u00dcbrig bleibt Verzweiflung: Mehr als 40 Prozent der Menschen glauben, dass Ersch\u00f6pfung in Zukunft noch zunehmen wird.<\/p>\n<p>Von den Erwerbst\u00e4tigen sind Angestellte am st\u00e4rksten betroffen (65 Prozent), gefolgt von Beamten (58 Prozent) und Arbeitern (55 Prozent). Lediglich leitende Angestellte sind nur knapp zur H\u00e4lfte betroffen.<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnen die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sein? Die Umfrage hat auch das ermittelt und nach Ma\u00dfnahmen gefragt, die Besserung versprechen k\u00f6nnen. Zwei Faktoren stechen dabei heraus. Junge Leute (18 bis 29 Jahre) w\u00fcnschen sich vor allem ein geringeres Arbeitspensum, bei den \u00c4lteren gibt es ein Hauptanliegen: weniger sinnlose Arbeit. Das sagen 40 Prozent, bei den Beamten sogar 65 Prozent. Beamte sind nicht die insgesamt ersch\u00f6pfteste Gruppe, aber die, die am allermeisten unter als sinnlos empfundener Arbeit leidet.<\/p>\n<p>Woran aber liegt es, dass junge Leute mit dem Arbeitspensum nicht zurechtkommen? Guthier meint: \u00bbBei Studierenden und anderen jungen Personen fehlt vielleicht ein wenig die Zuversicht. Die erleben, dass eine Krise die n\u00e4chste jagt. Das Gef\u00fchl von Ohnmacht und Bedrohung produziert Stress. Und der wird negativ, wenn man glaubt, die Ursache nicht bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen.\u00ab Corona, der Ukrainekrieg, der Klimawandel: Da f\u00fchlen Einzelne sich schnell machtlos. \u00bbEs f\u00e4llt schwer, Selbstwirksamkeit zu erleben\u00ab, so Guthier, \u00bbdabei k\u00f6nnte genau diese dabei helfen, sich weniger bedroht und gestresst zu f\u00fchlen. Und der jungen Generation fehlt es vielleicht zus\u00e4tzlich noch an der Erfahrung, gr\u00f6\u00dfere Krisen schon einmal bew\u00e4ltigt zu haben.\u00ab<\/p>\n<p>Sinnlose Arbeit h\u00f6rt sich allerdings nach einem Problem an, dass man angehen k\u00f6nnte. Auctority-Partner Andreas Scheuermann vermutet, dass dabei allerdings vielfach ein falscher Ansatz gew\u00e4hlt wird: \u00bbIn der Arbeitswelt wird das Hohelied der Resilienz gesungen: Wer die Taktzahl nicht schafft, muss an sich arbeiten. Das Problem wird damit an den Einzelnen delegiert. Dabei ist es ein strukturelles Problem: An sinnloser Arbeit geht man kaputt. Ersch\u00f6pfung kostet am Ende Produktivit\u00e4t.\u00ab<\/p>\n<p>Wenn Menschen ihre Arbeit (oder gro\u00dfe Teile davon) als sinnlos empfinden, gebe es, so Scheuermann, zwei m\u00f6gliche Deutungen: \u00bbEntweder ist die Arbeit tats\u00e4chlich sinnlos, dann sollte man sie unterlassen, oder sie ist sinnvoll, aber der Sinn wird nicht ausreichend kommuniziert. Beides ist ein Problem f\u00fcr Unternehmen und Organisationen. Das ist vor allem ein B\u00fcrothema: Hier wird viel f\u00fcr den Papierkorb gearbeitet.\u00ab Er sieht viele Parallelen zu fr\u00fcheren Studien: \u00bbLost in the middle\u00ab ist dabei das Schlagwort \u2013 mittlere Schulabschl\u00fcsse, mittlere Ausbildungen, mittleres Lebensalter, in diesen Segmenten sind Menschen besonders anf\u00e4llig f\u00fcr Frust, Perspektivlosigkeit und Demotivation. Hinzu kommt mancherorts eine toxische Unternehmenskultur .<\/p>\n<p>\u00bbDoch auch wenn es zu allen Zeiten vom Leben ermattete Menschen gab \u2013 die Ersch\u00f6pfung als Massenleiden ist wohl wirklich ein Ph\u00e4nomen unserer Zeit.\u00ab Dieses Zitat stammt aus dem SPIEGEL-Text \u00bbDas Volk der Ersch\u00f6pften\u00ab  \u2013 von 2011. Offenbar hat sich seither wenig zum Guten gewandt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie ersch\u00f6pft f\u00fchlen Sie sich auf einer Skala von 0 bis 10? 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