{"id":22976,"date":"2023-09-06T09:46:57","date_gmt":"2023-09-06T06:46:57","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/stadte-und-landkreise-im-vergleich-wird-ihre-region-abgehangt-oder-erbluhen\/"},"modified":"2023-09-06T09:46:57","modified_gmt":"2023-09-06T06:46:57","slug":"stadte-und-landkreise-im-vergleich-wird-ihre-region-abgehangt-oder-erbluhen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/stadte-und-landkreise-im-vergleich-wird-ihre-region-abgehangt-oder-erbluhen\/","title":{"rendered":"St\u00e4dte und Landkreise im Vergleich: Wird Ihre Region abgeh\u00e4ngt \u2013 oder erbl\u00fchen?"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Die Stimmung ist gedr\u00fcckt in Deutschland: Die Wirtschaft schrumpft, w\u00e4hrend sie in den anderen Industriestaaten w\u00e4chst. Die Preise klettern nach mehr als einem Jahr Hochinflation munter weiter. Unternehmen beklagen Energiekosten und B\u00fcrokratie, B\u00fcrger das teure Leben. \u00dcber all dem wabert die zunehmende Unsicherheit, die Herausforderungen der Zukunft in diesem Zustand kaum meistern zu k\u00f6nnen. Denn die sind enorm: Die Industrie klimaneutral umbauen, die Autobranche ins Zeitalter der E-Mobilit\u00e4t retten, den alterungsbedingten Schwund am Arbeitsmarkt irgendwie kompensieren. Und das alles, ohne dass es das Land und seine Gesellschaft zerrei\u00dft.<\/p>\n<p>Zeit f\u00fcr eine Bestandsaufnahme. Und f\u00fcr einen Zukunftscheck: Wie geht es Deutschland heute? Und wie fit ist es f\u00fcr die Zukunft?<\/p>\n<p>Zwei einfache Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Denn <strong>in Wirklichkeit gibt es derzeit gleich f\u00fcnf verschiedene Deutschlands<\/strong>. In drei davon leben die meisten Menschen gut oder zumindest solide. In den beiden anderen leben zwar sicher viele auch gern \u2013 aber h\u00e4ufig eben nicht allzu gut.<\/p>\n<p>Und in den kommenden Jahren und Jahrzehnten werden sich die Ver\u00e4nderungen aller Voraussicht nach sehr unterschiedlich anf\u00fchlen \u2013 je nachdem, wo man lebt und arbeitet. Das eine <strong>Deutschland der Zukunft<\/strong>, das wird es wohl nicht geben \u2013 sondern <strong>eher vier Deutschlands<\/strong>, von denen zwei sehr gut ger\u00fcstet sind, zwei aber Anstrengung und Unterst\u00fctzung ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p>Zu diesen Schl\u00fcssen kommt eine Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung            , die dem SPIEGEL vorab vorlag. Im Auftrag der Stiftung hat ein Forschungsteam des Dortmunder Instituts f\u00fcr Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) untersucht, wie ungleich die 400 Kreise und kreisfreien St\u00e4dte Deutschlands sind \u2013 jetzt und in ihrer Zukunftsf\u00e4higkeit. Dabei beschr\u00e4nkte es sich nicht wie sonst oft \u00fcblich auf ein einziges Kriterium wie das Einkommen oder die Altersstruktur.<\/p>\n<h3>Nicht ein Deutschland \u2013 sondern f\u00fcnf<\/h3>\n<p>Stattdessen untersuchten die Forscherinnen und Forscher jeweils eine ganze Bandbreite an Kriterien, zum Beispiel: Wie viele Besch\u00e4ftigte haben einen Hochschulabschluss? Wie stark verschuldet ist die Kommune \u2013 und wie viel investiert sie in die Infrastruktur? Wie nah oder fern ist die n\u00e4chste Haus\u00e4rztin? Wie hoch sind Geh\u00e4lter und Armutsraten? Wo ziehen viele Menschen hin \u2013 und wo ziehen sie weg? Wo werden viele Patente angemeldet, wo wenig? Wie steht es mit der Erzeugung von \u00d6kostrom? Wo sind Belegschaften \u00fcberaltert? Wie hoch ist die Lebenserwartung, wie gut ist die Region mit schnellem Internet versorgt?<\/p>\n<p>Insgesamt 21 dieser Indikatoren fasste das Team zu einheitlichen Messinstrumenten zusammen, wie bei Schablonen. Damit lassen sich charakteristische \u00c4hnlichkeiten bestimmter Kreise und St\u00e4dte erkennen \u2013 Muster, die viel \u00fcber die <em>aktuelle Lebensqualit\u00e4t<\/em> und die <em>Zukunftsf\u00e4higkeit <\/em>eines Orts aussagen.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr die aktuelle Situation<\/strong> konnten die Forscherinnen und Forscher jeden Kreis und jede Stadt anhand von zehn Indikatoren einem von f\u00fcnf Mustern zuordnen \u2013 von den dynamischen Gro\u00dfst\u00e4dten \u00fcber deren Speckg\u00fcrtel und die solide Mitte bis hin zu strukturschwachen St\u00e4dten und Landkreisen mit teils erfreulichen Aufholerfolgen.<\/p>\n<p>Die folgende Karte zeigt diese f\u00fcnf Deutschlands zu Beginn der Zwanzigerjahre.<\/p>\n<p>Ein Blick macht deutlich: G\u00e4ngige Vorstellungen wie \u00bbreiche St\u00e4dte, armes Land\u00ab oder \u00bbstarker Westen, schwacher Osten\u00ab sind nicht v\u00f6llig aus der Luft gegriffen \u2013 sie sind aber viel zu simpel, um die komplexe Wirklichkeit angemessen zu beschreiben.<\/p>\n<p>Dies wird an vielen der einzelnen Indikatoren deutlich, die in den folgenden Beschreibungen der f\u00fcnf Deutschlands in zusammenfassenden Deutschlandkarten dargestellt sind \u2013 und die Sie dort nach Belieben ausw\u00e4hlen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die gute Nachricht vorweg: Mehr als vier von f\u00fcnf Menschen in Deutschland \u2013 68,2 von 83,3 Millionen \u2013 leben der Studie zufolge in einer wohlhabenden oder zumindest soliden Region. Allerdings bedeutet das auch, dass mehr als 15 Millionen Menschen die Probleme von Strukturkrisen in ihren direkten Lebensumfeldern erleben.<\/p>\n<h3>Deutschland eins: <br \/>Dynamische St\u00e4dte \u2013 mit erh\u00f6hter Exklusionsgefahr<br \/>17,6 Millionen Einwohner, 35 Kreise<\/h3>\n<p><strong>Typisch: M\u00fcnchen, Hamburg, Berlin \u2013 aber auch Kiel, Mainz und Jena<\/strong><\/p>\n<p>Hier liegt das moderne, das schnelle, das erfolgreiche, das weltoffene und auch das teure Deutschland \u2013 in der wenig zentralistischen Bundesrepublik \u00fcber die ganze Fl\u00e4che verteilt, auch im Osten. Die Millionenmetropolen Berlin, Hamburg, M\u00fcnchen und K\u00f6ln geh\u00f6ren ebenso dazu wie die Wirtschaftsgro\u00dfm\u00e4chte Frankfurt am Main und Stuttgart oder die kleineren St\u00e4dte Jena und Kiel. Hier haben im Mittel drei von zehn Besch\u00e4ftigten einen <strong>Hochschulabschluss<\/strong>, die <strong>Geh\u00e4lter <\/strong>liegen <strong>weit \u00fcber dem Durchschnitt <\/strong>(im Median bei 3881 Euro brutto im Monat) und die <strong>Infrastruktur ist hervorragend<\/strong>: Der Weg zur \u00c4rztin ist kurz, Breitbandinternet quasi \u00fcberall verf\u00fcgbar, Kultur-, Sport- und Freizeitangebote gibt es reichlich.<\/p>\n<p>Doch der Erfolg dieser St\u00e4dte hat auch eine Kehrseite: die enorme <strong>soziale Polarisierung<\/strong>. Das <strong>Armutsrisiko <\/strong>ist in diesen reichen St\u00e4dten besonders hoch (mehr als f\u00fcnf Prozent der Alten und knapp 16 Prozent der Kinder leben von Grundsicherung), oft liegen prek\u00e4re Gegenden und Wohlstandsviertel nicht weit entfernt. Die hohen Mieten und Wohnkosten schlagen sich auch in einer <strong>stark abnehmenden Beliebtheit<\/strong> nieder: Die dynamischen St\u00e4dte wachsen im Mittel zwar noch (plus 124 Zuz\u00fcge netto im Jahr pro 100.000 Einwohner), aber deutlich weniger stark als andere Regionen Deutschlands.<\/p>\n<p>Die folgende Karte zeigt die Ungleichheiten in Deutschland bei L\u00f6hnen, Qualifikation und Armut (klicken Sie sich durch die einzelnen Indikatoren).<\/p>\n<h3>Deutschland zwei: <br \/>Wohlhabendes (Um-)Land<br \/>11 Millionen Einwohner, 49 Kreise<\/h3>\n<p><strong>Typisch: Speckg\u00fcrtel um Stuttgart, M\u00fcnchen, Frankfurt \u2013 aber auch der Alb-Donau-Kreis oder Coesfeld<\/strong><\/p>\n<p>Hier findet sich die heile Welt: Die Geh\u00e4lter noch ein bisschen h\u00f6her als in den Metropolen (3906 Euro brutto im Monat im Mittel), sehr wenig Armut, Spitze bei <strong>Lebenserwartung <\/strong>(82,3 Jahre) und <strong>Wahlbeteiligung <\/strong>(81,6 Prozent), <strong>gering verschuldete Kommunen<\/strong> \u2013 und dennoch eine sehr gute Infrastruktur: Der Weg zum Arzt ist kurz, das Internet schnell, zumindest meistens.<\/p>\n<p>Finden kann man diese sehr angenehmen Lebenswelten vor allem im S\u00fcden der Republik: um M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Stuttgart, Mannheim und Frankfurt herum. Selbstverst\u00e4ndlich schaffen viele dieser Regionen das alles nicht allein aus eigener Kraft, sondern profitieren von den nahegelegenen dynamischen Gro\u00dfst\u00e4dten. Aber dadurch sind Wirtschaftsstrukturen gewachsen, die Prosperit\u00e4t auch in die mitunter recht abgelegenen R\u00e4umen zwischen diesen Metropolen gebracht hat.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass viele hier leben wollen: 448 Menschen pro 100.000 Einwohner ziehen jedes Jahr im Schnitt mehr zu als weg.<\/p>\n<h3>Deutschland drei:<br \/>Solide Mitte<br \/>39,6 Millionen Einwohner, 223 Kreise<\/h3>\n<p><strong>Typisch: L\u00fcneburg, Gie\u00dfen, Lindau \u2013 aber auch Vorpommern-R\u00fcgen und Erfurt<\/strong><\/p>\n<p>Noch in der vorigen Ausgabe des FES-Berichts aus dem Jahr 2019 trat aus dieser Karte quasi die alte westdeutsche Bundesrepublik hervor \u2013 als solide Mitte Deutschlands, auch 30 Jahre nach dem Mauerfall. Heute z\u00e4hlen noch immer die meisten Regionen der alten BRD dazu \u2013 doch inzwischen auch zahlreiche Kreise und St\u00e4dte im Osten. Der gesamte gro\u00dfe G\u00fcrtel um Berlin etwa, weite Teile der Ostseeregion, St\u00e4dte wie Leipzig oder Erfurt. Das ist eine gute Nachricht.<\/p>\n<p>Damit wird klar, dass der erste Blick auf die Karte t\u00e4uscht: Es ist nicht mehr \u00bbder Osten\u00ab, in dem es sich in Deutschland weniger gut lebt. Fast die H\u00e4lfte der gut 16 Millionen Ostdeutschen wohnt n\u00e4mlich entweder in einer dynamischen Gro\u00dfstadt oder in einer Region der soliden Mitte.<\/p>\n<p>In dieser soliden Mitte ist im Westen wie im Osten alles weitgehend stabil und nahe dem Durchschnitt: Die Geh\u00e4lter (im Mittel 3452 Euro brutto im Monat), die Armut (Alte: 2,4 Prozent, Kinder 9,5 Prozent in Grundsicherung), Lebenserwartung, Wahlbeteiligung und die kommunalen Schulden. Inzwischen k\u00f6nnen auch neun von zehn Haushalten schnell im Internet unterwegs sein. Problematisch ist in diesen Regionen am ehesten noch, dass der Anteil der Akademikerinnen und Akademiker an allen Besch\u00e4ftigten f\u00fcr eine Wissensgesellschaft relativ niedrig ist (12,8 Prozent) und dass sie mitunter sehr abgelegen sind, was die Wege zum Arzt oder einem zukunftstr\u00e4chtigen Job weit machen kann.<\/p>\n<p>Gerade diese teilweise Abgeschiedenheit \u2013 und die h\u00e4ufig noch erschwinglichen Wohnungen \u2013 machen diese offenbar attraktiv: Sie wachsen st\u00e4rker als alle anderen Regionen. Unter dem Strich ziehen jedes Jahr im Schnitt 515 Menschen mehr zu als fort.<\/p>\n<h3>Deutschland vier:<br \/>Altindustriell gepr\u00e4gte St\u00e4dte \u2013 mit strukturellen Herausforderungen<br \/>6,9 Millionen Einwohner, 38 Kreise<\/h3>\n<p><strong>Typisch: Duisburg, Bochum, Pirmasens \u2013 aber auch Bremerhaven und Straubing<\/strong><\/p>\n<p>Sie waren die Motoren des alten Wirtschaftswunders, ob im Ruhrgebiet, an der Saar, in der Pfalz oder an der K\u00fcste: Essen, Pirmasens, Bremerhaven. Doch ihre Industrien \u2013 Stahl, Kohle, Schuhe, Schiffbau \u2013 sind seit Jahrzehnten im Niedergang, oft auch ganz verschwunden.<\/p>\n<p>Seitdem befinden sich diese St\u00e4dte in einem Negativkreislauf: Die Geh\u00e4lter (im Mittel 3328 Euro brutto im Monat) und der Anteil der Akademiker an den Besch\u00e4ftigten (14 Prozent) sind f\u00fcr Gro\u00dfstadtverh\u00e4ltnisse niedrig \u2013 die kommunalen Schulden daf\u00fcr gewaltig hoch (4047 Euro pro Kopf im Schnitt). Die K\u00e4mmerer haben daher kaum Geld, um den gro\u00dfen sozialen Problemen und deren Folgen entgegenzuwirken: Die Armutsraten sind extrem hoch (F\u00fcnf Prozent der Alten und 24 Prozent der Kinder leben in Grundsicherung), die Lebenserwartung sehr niedrig (79,8 Jahre). Viele B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger scheinen wenig Vertrauen in die Politik zu haben, oder sie interessieren sich angesichts ihrer Lebenslagen schlicht nicht daf\u00fcr \u2013 die Wahlbeteiligung ist mit 70,3 Prozent nirgendwo niedriger als hier.<\/p>\n<p>Allerdings gibt es auch Hoffnungsschimmer: Die St\u00e4dte bieten mit einer guten Erreichbarkeit von Arztpraxen und sehr guter Breitbandverf\u00fcgbarkeit eine zukunftsf\u00e4hige Infrastruktur \u2013 und die Abwanderung wurde gestoppt: Schrumpften die St\u00e4dte bis vor wenigen Jahren noch, verzeichnen sie nun mit durchschnittlich 330 Zuz\u00fcgen netto pro Jahr wieder einen Zuwachs.<\/p>\n<p>Die folgende Karte zeigt die regionalen Unterschiede bei der staatlichen Handlungsf\u00e4higkeit, Infrastruktur und politischer Beteiligung. (Klicken Sie sich durch die Indikatoren).<\/p>\n<h3>Deutschland f\u00fcnf:<br \/>Strukturschwache R\u00e4ume \u2013 mit Aufholerfolgen<br \/>8,2 Millionen Einwohner, 55 Kreise<\/h3>\n<p><strong>Typisch: Uckermark, Rostock, Stendal, Kyffh\u00e4userkreis, Bautzen<\/strong><\/p>\n<p>Es ist der l\u00e4ndliche Teil Ostdeutschlands, der nach wie vor auff\u00e4llig strukturschwach ist. Etwas mehr als die H\u00e4lfte der Ostdeutschen lebt dort \u2013 und erlebt t\u00e4glich, was das bedeutet: Mangels entsprechender Unternehmen ist der Anteil der Akademiker an den Besch\u00e4ftigten sehr gering (11,6 Prozent) und die Geh\u00e4lter sind mit gro\u00dfem Abstand die niedrigsten in Deutschland (im Mittel 2841 Euro brutto im Monat). Die Lebenserwartung (80,1 Jahre) und die Wahlbeteiligung (72,5 Prozent) sind nur ein wenig h\u00f6her als in den altindustriell gepr\u00e4gten St\u00e4dten. Zum Arzt f\u00e4hrt man hier zumeist recht lang.<\/p>\n<p>Aber: So d\u00fcster diese Werte aussehen m\u00f6gen \u2013 bei n\u00e4herer Betrachtung zeigen sich positive Trends: So sind etwa die mittleren Geh\u00e4lter in den vergangenen f\u00fcnf Jahren nirgends so stark gewachsen wie hier (plus 451 Euro brutto im Monat im Mittel), die Versorgung mit schnellem Internet ist nirgends so vorangetrieben worden (plus 40,7 Prozentpunkte der Haushalte). Die Lebenserwartung ist mit 0,4 Jahren deutlich gestiegen, und der Anteil der Kinder in der Grundsicherung um 4,3 Prozentpunkte stark gefallen. Und \u2013 ein Erbe der durchgehenden Erwerbsverl\u00e4ufe auch von Frauen in der DDR \u2013 Altersarmut ist hier so gut wie unbekannt (ein Prozent lebt von Grundsicherung)<\/p>\n<p>Nicht zuletzt ist die Verschuldung der Kommunen sehr niedrig. Das gibt ihnen den Spielraum, Zukunftsinvestitionen zu t\u00e4tigen und den Folgen der sozialen Probleme der Strukturschw\u00e4che abzufedern. Zuletzt scheint selbst die jahrzehntelange Abwanderung aus dem l\u00e4ndlichen Osten gestoppt worden zu sein. Inzwischen ziehen jedes Jahr 201 Menschen pro 100.000 Einwohner jedes Jahr mehr in die Region, als andere sie verlassen.<\/p>\n<p>Die folgende Karte zeigt die Ungleichheiten bei der Gesundheitsversorgung und der Lebenserwartung in Deutschland. (Klicken Sie sich durch die Indikatoren).<\/p>\n<h3>Das Deutschland der Zukunft \u2013 vier R\u00e4ume<\/h3>\n<p>Was sagt aber nun diese Bestandsaufnahme des Wohlstands und der Lebenslagen dar\u00fcber aus, wie gut ein Kreis oder eine Stadt f\u00fcr die kommenden Jahre und Jahrzehnte aufgestellt ist? Nicht immer bedeutet eine gute Gegenwart auch eine strahlende Zukunft \u2013 und eine schwierige Gegenwart d\u00fcstere Aussichten.<\/p>\n<p>Das macht die Analyse der Forscher zur <strong>Zukunftsf\u00e4higkeit <\/strong>der Bundesrepublik deutlich: Zu sehen sind hier nicht mehr f\u00fcnf, sondern vier Deutschlands. Das Team nutzte insgesamt elf Indikatoren, um die Resilienz \u2013 also die Wetterfestigkeit angesichts zu erwartender wirtschaftlicher Schwierigkeiten und unerwarteter Ereignisse \u2013 zu ermitteln.<\/p>\n<p>Auch hier kann der Gesamtbefund optimistisch stimmen: Mit 42,7 Millionen lebt mehr als die H\u00e4lfte der Menschen in Regionen, die sehr gut aufgestellt sind. Weitere 29 Millionen m\u00fcssen sich zumindest keine gro\u00dfen Sorgen machen. 11,5 Millionen aber leben in R\u00e4umen, die sich gro\u00dfen Schwierigkeiten gegen\u00fcbersehen.<\/p>\n<h3>Zukunftsraum eins:<br \/>R\u00e4umliche Innovationspole<br \/>24,2 Millionen Einwohner, 76 Kreise<\/h3>\n<p><strong>Typisch: M\u00fcnchen, Hamburg, Berlin \u2013 aber auch Nordfriesland, Dortmund und Dresden<\/strong><\/p>\n<p>Hier sitzen Unternehmen, hier finden sich Strukturen, die den Wohlstand der Zukunft erwirtschaften werden: Hochtechnologie, Forschung und deren nahe Dienstleistungen, Innovationen und Handelsst\u00e4rke. Ja, ganz \u00fcberwiegend sind es die Metropolen und Gro\u00dfst\u00e4dte, die auch heute schon zu den dynamischen Regionen geh\u00f6ren. In M\u00fcnchen etwa haben mit Google, Apple und Microsoft gleich drei der gro\u00dfen Internetkonzerne der Welt Forschungsstandorte, und sie investieren weiter in sie.<\/p>\n<p>Aber Kerne der Innovation d\u00fcrften dar\u00fcber hinaus weitere Regionen sein, an die man erst einmal nicht denkt. Die Nordseek\u00fcste Schleswig-Holsteins etwa \u2013 denn hier wird sehr viel der erneuerbaren Energie erzeugt, die eine klimaneutrale Industrienation k\u00fcnftig ben\u00f6tigt. Auch viele St\u00e4dte in Nordrhein-Westfalen, die derzeit mit den Problemen des Niedergangs der Altindustrie zu k\u00e4mpfen haben, k\u00f6nnen k\u00fcnftig Pole der Innovation werden.<\/p>\n<p>Gemein ist diesen Regionen ein hoher Anteil an Wissensberufen unter allen Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen, eine hohe Zahl von neu gegr\u00fcndeten Firmen und Patenten. Vor allem besitzen sie den gro\u00dfen Vorteil, dass die Belegschaften noch vergleichsweise jung sind: Auf 100 Besch\u00e4ftigte \u00fcber 50 Jahren kommen hier im Schnitt 64,8 Besch\u00e4ftigte unter 30 Jahren. In den kommenden Jahrzehnten werden Arbeits- und Fachkr\u00e4fte zu einer der knappsten und damit wichtigsten Ressource der Wirtschaft. Diese R\u00e4ume haben den Vorteil, dass sie bereits jetzt einen recht hohen Anteil von Ausl\u00e4ndern unter den hier besch\u00e4ftigten Akademikern haben \u2013 erfahrungsgem\u00e4\u00df zieht das auch k\u00fcnftig weitere hochqualifizierte Zuwanderer an.<\/p>\n<p>Diese Karte zeigt die erheblichen Unterschiede in Alters- und Wirtschaftsstrukturen (klicken Sie durch die Indikatoren).<\/p>\n<h3>Zukunftsraum zwei:<br \/>Resiliente l\u00e4ndliche R\u00e4ume<br \/>18,5 Millionen Einwohner, 107 Kreise<\/h3>\n<p><strong>Typisch: Karlsruhe, Schw\u00e4bisch Hall, Berchtesgadener Land \u2013 aber auch Teltow-Fl\u00e4ming, Harburg und Salzgitter<\/strong><\/p>\n<p>S\u00fcddeutschland abseits der St\u00e4dte, dazu noch einige Regionen in Hessen und bei Hamburg und Berlin. Das sind die Gebiete, die trotz ihrer l\u00e4ndlichen Lage sehr gut f\u00fcr die Zukunft aufgestellt sind. Die Belegschaft ist fast so jung wie in den St\u00e4dten, der Anteil der Akademiker aus dem Ausland ist sogar noch h\u00f6her als dort. Viele Menschen arbeiten in Wissensberufen \u2013 eine Folge der Konzentration technologiestarker Industrien im S\u00fcden.<\/p>\n<p>Vor allem aber investieren die Kommunen bereits jetzt enorm viel. Im Schnitt 713 Euro pro Kopf und Jahr \u2013 mehr als das Doppelte als in den restlichen l\u00e4ndlichen Regionen Westdeutschlands. Hier gibt es keinen Grund, sich Sorgen zu machen.<\/p>\n<h3>Zukunftsraum drei: <br \/>Regionen mit teilweisen Anpassungshemmnissen<br \/>29 Millionen Einwohner, 142 Kreise<\/h3>\n<p><strong>Typisch: Flensburg, Wesel, Kaiserslautern \u2013 aber auch Baden-Baden, Odenwaldkreis und Oldenburg<\/strong><\/p>\n<p>Im Grunde besteht dieser Raum aus den Regionen Westdeutschlands, die nicht zu den beiden sorglosen Zukunftsr\u00e4umen geh\u00f6ren. Panisch m\u00fcssen die Bewohnerinnen und Bewohner auch hier nicht auf die kommenden Jahre schauen \u2013 die Wirtschaft ist sehr divers aufgestellt, was bedeutet, dass Krisen in einzelnen Branchen fast \u00fcberall durch die anderen Branchen aufgefangen oder abgemildert werden k\u00f6nnen. Eigentlich liegen fast alle Indikatoren \u2013 vom Anteil der Wissensberufe \u00fcber die Neugr\u00fcndungen von Firmen und die Anmeldung von Patenten bis hin zur Altersstruktur der Belegschaften \u2013 im deutschen Durchschnitt.<\/p>\n<p>Allerdings besteht hier die Gefahr, dass die Infrastruktur nicht zu den Herausforderungen der Zukunft passen wird: Der Glasfaserausbau ist nicht sehr weit, die Betreuung von Kleinkindern mangelhaft, viele Orte sind schlecht mit der Bahn erreichbar. Sorgen macht da, dass die Investitionen der Kommunen mit 343 Euro pro Kopf so niedrig sind wie sonst nirgends in Deutschland.<\/p>\n<p>Die Karte zeigt, wie unterschiedlich gut die Infrastruktur in Bezug auf Investitionen, Bahnanschluss, erneuerbaren Energien und schnellem Internet in Deutschland ist. (Klicken Sie sich durch die Indikatoren).<\/p>\n<h3>Zukunftsraum vier:<br \/>Regionen mit besonderen strukturellen Herausforderungen<br \/>11,5 Millionen Einwohner, 75 Kreise<\/h3>\n<p><strong>Typisch: Uckermark, Wittenberg, Vogtlandkreis \u2013 aber auch Olpe und Kronach<\/strong><\/p>\n<p>Das l\u00e4ndliche Ostdeutschland \u2013 und einzelne westdeutsche Regionen wie Olpe oder der Landkreis Kassel \u2013 haben trotz manch positiver Entwicklung eine ganze Menge an Schw\u00e4chen, die die Zukunft schwierig machen k\u00f6nnten. Aber eine davon ist die mit Abstand bedrohlichste: die Demografie.<\/p>\n<p>Die Belegschaften sind alarmierend alt: Auf 100 Besch\u00e4ftigte \u00fcber 50 Jahre kommen nur 39,5 unter 30 Jahre. Und es kommen kaum Fachkr\u00e4fte aus dem Ausland dazu. Nur 8,6 Prozent der besch\u00e4ftigten Akademiker sind Nichtdeutsche \u2013 und wo bislang kaum hochqualifizierte Zuwanderer angelockt wurden, wird es in Zukunft schwerer als anderswo, sie davon zu \u00fcberzeugen. Zumal die Zahl der neugegr\u00fcndeten Firmen und der angemeldeten Patente deutlich unterdurchschnittlich ist. Dazu kommt, dass sowohl die Versorgung mit Glasfasernetzen als auch die Erreichbarkeit mit der Bahn schlecht ist. Trotz des niedrigen Schuldenstands investieren die Kommunen auch relativ wenig.<\/p>\n<p>Wirklich gut ist hier eigentlich nur die sehr stark ausgebaute Kinderbetreuung. Die Deutschlandkarte zeigt dies.<\/p>\n<p>Die Karte macht aber auch sichtbar, wie niedrig der Anteil hochqualifzierter ausl\u00e4ndischer Fachkr\u00e4fte im l\u00e4ndlichen Osten ist. Wollen diese Regionen den Aufw\u00e4rtstrend der vergangenen Jahre halten, m\u00fcssen sie hier besser werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stimmung ist gedr\u00fcckt in Deutschland: Die Wirtschaft schrumpft, w\u00e4hrend sie in den anderen Industriestaaten w\u00e4chst. Die Preise klettern nach mehr als einem Jahr Hochinflation munter weiter. Unternehmen beklagen Energiekosten<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":22977,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-22976","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22976","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22976"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22976\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22977"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22976"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22976"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22976"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}