{"id":2290,"date":"2020-09-03T17:32:47","date_gmt":"2020-09-03T14:32:47","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/russland-anschlag-auf-alexej-nawalny-es-ist-zeit-dem-mann-im-kreml-wehzutun\/"},"modified":"2020-09-03T17:32:47","modified_gmt":"2020-09-03T14:32:47","slug":"russland-anschlag-auf-alexej-nawalny-es-ist-zeit-dem-mann-im-kreml-wehzutun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/russland-anschlag-auf-alexej-nawalny-es-ist-zeit-dem-mann-im-kreml-wehzutun\/","title":{"rendered":"Russland: Anschlag auf Alexej Nawalny &#8211; Es ist Zeit, dem Mann im Kreml wehzutun"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/2a752388-0001-0004-0000-000001369425_w948_r1.77_fpx41.8_fpy50.jpg\" title=\"Merkel, Putin bei einem Treffen im Jahr 2018\" alt=\"Merkel, Putin bei einem Treffen im Jahr 2018\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Merkel, Putin bei einem Treffen im Jahr 2018<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Ralf Hirschberger\/dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Es gibt tausend Gr\u00fcnde, sich um ein gutes und ausk\u00f6mmliches Verh\u00e4ltnis zu Russland zu k\u00fcmmern. Die meisten davon sind im besten deutschen Interesse. Geografie ist eine Spielart von Schicksal. Zwischen der deutschen Grenze und der russischen Exklave Kaliningrad liegen nur 500 Kilometer Abstand, zum russischen Festland sind es 1100 Kilometer. Ob wir wollen oder nicht, Deutschland muss einen klugen Umgang finden mit dem gro\u00dfen, facettenreichen Land im Osten, mit 140 Millionen Russen und auch mit dem Kreml.<\/p>\n<p>Wandel durch Handel hat oft funktioniert, wenn auch anders und langsamer, als viele meinen: Je mehr B\u00fcrger eines Landes den Weg herausfinden aus Armut und dem t\u00e4glichen \u00dcberlebenskampf, desto eher haben sie den Kopf frei, um dar\u00fcber nachzudenken, wie das Land sein soll, in dem ihre Kinder aufwachsen. In Moskau konnte man das 2011\/2012 beobachten, da ging &#8211; ausgerechnet auf dem H\u00f6hepunkt eines langen wirtschaftlichen Booms &#8211; nicht etwa das abgeh\u00e4ngte Proletariat auf die Stra\u00dfe, sondern das zu bescheidenem Wohlstand gekommene B\u00fcrgertum der russischen Hauptstadt (mehr zum Thema erfahren Sie hier).<\/p>\n<h3>Jetzt ist die Zeit f\u00fcr H\u00e4rte<\/h3>\n<p>H\u00e4rte gegen den Kreml muss deshalb mit Augenma\u00df eingesetzt werden: Trifft sie wirklich die Schuldigen verfehlter, mitunter wie im Falle des Kriegs in der Ukraine sogar verbrecherischer Politik? Oder bringt sie wom\u00f6glich vor allem russische B\u00fcrger gegen das Ausland auf und spielt damit sogar noch dem Kreml in die H\u00e4nde?<\/p>\n<p>Klar ist aber auch: Die Zeit f\u00fcr H\u00e4rte ist jetzt. Jetzt ist die Zeit, um dem Mann im Kreml wehzutun. Die deutschen Beh\u00f6rden haben nachgewiesen, dass Alexej Nawalny nicht betrunken war oder zuckerkrank, wie die zynischen Spindoktoren des Kremls der Welt weismachen wollten. Er sollte mit einem heimt\u00fcckischen Nervengift get\u00f6tet werden.<\/p>\n<p>Ja, die Argumente f\u00fcr eine enge Partnerschaft mit Russland sind im Grundsatz weitgehend intakt: Das Land wird gebraucht f\u00fcr die L\u00f6sung vieler Konflikte. Und niemand in Deutschland kann wollen, dass sich Russland noch st\u00e4rker an China bindet, ein noch autorit\u00e4reres Regime.<\/p>\n<p>Krim-Annexion, das Anfachen des Kriegs in der Ostukraine, Hackerangriffe, Einflussoperationen bei Wahlen in den USA und anderswo dokumentieren aber auch: Es ist kein Zufall, dass die lange Serie an Moskauer Tabubr\u00fcchen einfach nicht endet. Pr\u00e4sident Wladimir Putin spricht in Sonntagsreden zwar immer gern wie ein Partner &#8211; aber er handelt schon seit Langem eher wie ein Feind.<\/p>\n<p>Mordanschl\u00e4ge mit einem Kampfstoff, der eigentlich nur aus der milit\u00e4rischen Forschung stammen kann, sind ein Zivilisationsbruch. Die Bundesregierung sollte ein derartiges Vorgehen schon aus Selbstachtung nicht ohne Antwort lassen. Alle vorsichtigeren Signale haben in der Vergangenheit nie gefruchtet. Im Gegenteil: Der Mann im Kreml hat seinen aggressiven Kurs \u00fcber die Jahre noch verst\u00e4rkt. Das vergangene Jahrzehnt zeigt deutlich: Eine R\u00fcckkehr zur konstruktiven Zusammenarbeit mit der russischen F\u00fchrung scheitert nicht am Westen, sondern weil Wladimir Putin offenkundig kein Interesse daran hat.<\/p>\n<p>Berlin hat immer an der Fertigstellung der Ostseepipeline Nord Stream 2 festgehalten und sich dabei dem Druck der USA widersetzt, die das Projekt vor allen Dingen aus eigenn\u00fctzigen Gr\u00fcnden bek\u00e4mpfen. Die politische Unterst\u00fctzung f\u00fcr die R\u00f6hre einzustellen, w\u00e4re das jetzt n\u00f6tige Signal: Es reicht.<\/p>\n<p>Die russische F\u00fchrung selbst k\u00f6nnte die Krise ja selbst leicht beilegen: mit nachvollziehbaren, glaubhaften Ermittlungen von T\u00e4tern und Drahtziehern. Doch die Liste der nie aufgekl\u00e4rten Angriffe auf Regimekritiker ist ein bisschen lang, um Zufall zu sein: Wer lie\u00df den Journalisten Oleg Kaschin einst halb totschlagen? Wer gab den Auftrag zu den Morden an Anna Politikowskaja und Boris Nemzow?<\/p>\n<h3>Wir sollten investieren in die Zukunft Russlands &#8211; nicht in Putin<\/h3>\n<p>Wird Druck die Politik des Mannes im Kreml \u00e4ndern? Das zu glauben, w\u00e4re naiv. Deutschland braucht deshalb eine kluge Doppelstrategie im Umgang mit Europas gro\u00dfem Nachbarn im Osten: Hart gegen die F\u00fchrung &#8211; aber so offen und freundschaftlich wie m\u00f6glich gegen\u00fcber der ganzen Breite der russischen Bev\u00f6lkerung. Also jenen 140 Millionen B\u00fcrgern, denen die eigene F\u00fchrung seit einem Jahrzehnt nur deshalb panische Angst vor dem Ausland einjagt, weil sie kaum noch eigene Erfolge vorweisen kann.<\/p>\n<p>Eine kluge Russlandpolitik braucht nicht nur klare Kante, sondern auch langen Atem, vielleicht Reisefreiheit f\u00fcr alle einfachen Russen, vielleicht Institutionen wie ein neu zu schaffendes deutsch-russisches Jugendwerk. In solche Programme m\u00fcssten Hunderte Millionen Euro gesteckt werden, vielleicht Milliarden.<\/p>\n<p>Das w\u00e4re gut angelegtes Geld, eine Investition in eine Gesellschaft, die eines Tages ihrer selbst und ihres Wohlstandes so sicher ist, dass sie einer F\u00fchrung keine Chance mehr l\u00e4sst, die Angriffe n\u00f6tig hat, auf Andersdenkende und andere L\u00e4nder.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Merkel, Putin bei einem Treffen im Jahr 2018 Foto:\u2002Ralf Hirschberger\/dpa Es gibt tausend Gr\u00fcnde, sich um ein gutes und ausk\u00f6mmliches Verh\u00e4ltnis zu Russland zu k\u00fcmmern. 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