{"id":22851,"date":"2023-08-31T23:26:09","date_gmt":"2023-08-31T20:26:09","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/nach-dem-tod-prigoschins-wie-sieht-die-zukunft-der-wagner-gruppe-in-afrika-aus\/"},"modified":"2023-08-31T23:26:09","modified_gmt":"2023-08-31T20:26:09","slug":"nach-dem-tod-prigoschins-wie-sieht-die-zukunft-der-wagner-gruppe-in-afrika-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/nach-dem-tod-prigoschins-wie-sieht-die-zukunft-der-wagner-gruppe-in-afrika-aus\/","title":{"rendered":"Nach dem Tod Prigoschins: Wie sieht die Zukunft der Wagner-Gruppe in Afrika aus?"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Der Wodka flie\u00dft noch in Bangui. Ein kleines Plastiks\u00e4ckchen \u00bbWa Na Wa\u00ab f\u00fcr umgerechnet 30 Eurocent, hergestellt vor Ort, \u00bbmit russischer Technologie\u00ab, wie die Werbung verspricht. Die Wagner-S\u00f6ldnertruppe beutet nicht nur Diamanten und Holz aus, sie verdient auch mit Alkohol ihr Geld            . Nach dem Tod von Jewgenij Prigoschin hat sich daran nichts ge\u00e4ndert, wie sich in den Bars der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik beobachten l\u00e4sst.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt scheint in Bangui vieles beim Alten. Die beigen Wagner-Pickups mit den aufmontierten Maschinengewehren patrouillieren noch immer in der Stadt, die russischen S\u00f6ldner, offiziell nur \u00bbInstrukteure\u00ab genannt, kaufen weiterhin in den Superm\u00e4rkten ein, gehen in Restaurants essen. Pr\u00e4sident Faustin-Archange Touad\u00e9ra  wird nach wie vor von seinen wei\u00dfen Wagner-Bodyguards besch\u00fctzt. Auch die beiden mutma\u00dflich wichtigsten Drahtzieher von Wagner in der Zentralafrikanischen Republik, Witalij Perfilew und Dmitrij Sytyj, sind nach Aussagen mehrerer Beobachter bis heute in der Stadt.<\/p>\n<p>Nur im Radio Lengo Songo herrscht erstaunliche Ruhe. Nat\u00fcrlich l\u00e4uft das Programm weiter, Musik und Nachrichten, Talkshows, doch ein Thema findet kaum statt: Russland und der Tod von Prigoschin. Dabei war der Sender einst ein wichtiges Machtinstrument von Wagner, verbreitete Desinformation und Propaganda im Auftrag der Russen, \u00fcber angebliche franz\u00f6sische Verfehlungen und Heldentaten der eigenen S\u00f6ldner. Doch damit ist derzeit weitgehend Schluss, man sucht wohl noch nach einem neuen Narrativ \u2013 oder wartet auf eine Ansage von ganz oben, wo auch immer das derzeit sein mag.<\/p>\n<p>Doneng H\u00e9ritier sitzt in seiner Lieblingsbar, wie immer am selben Tisch, er tr\u00e4gt ein geb\u00fcgeltes wei\u00dfes Shirt und schwarze Hosen. Vor Kurzem erst hat seine Allianz einen Sieg errungen, der Pr\u00e4sident darf nach einem umstrittenen Referendum f\u00fcr eine dritte Amtszeit kandidieren, ein politisches Projekt, Hand in Hand umgesetzt mit den Wagner-S\u00f6ldnern. Am Tag der Abstimmung flogen die Russen mit Hubschraubern und Jets durch den Himmel \u00fcber Bangui, eine deutliche Machtdemonstration. Der gescheiterte Aufstand in Russland war da gerade mal f\u00fcnf Wochen her, doch in der Zentralafrikanischen Republik wirkte es, als sei nichts geschehen.<\/p>\n<p>Nun aber macht sich H\u00e9ritier Sorgen. Als der Kabinettschef im Jugend- und Sportministerium vom Tod Prigoschins erfuhr, postete er umgehend Nachrichten in zahlreiche WhatsApp-Gruppen, schrieb von den \u00bb\u00fcberzeugenden Ergebnissen\u00ab, die Wagner in der Zentralafrikanischen Republik erzielt habe. \u00bbWir bef\u00fcrchten, dass Prigoschins Verschwinden f\u00fcr uns das Verschwinden Wagners mit sich bringen k\u00f6nnte. Er war ein Freund des Landes\u00ab, sagt H\u00e9ritier im Interview mit dem SPIEGEL. Er gilt als prorussische Schl\u00fcsselfigur in Bangui.<\/p>\n<p>Doch der Beamte zeigt bereits Flexibilit\u00e4t, auf WhatsApp schrieb er schon mal vorsichtshalber: \u00bbDie Pan-Afrikanische Front wiederholt ihre starke Unterst\u00fctzung f\u00fcr die russische Regierung.\u00ab H\u00e9ritier setzt nun ganz auf den Kreml: \u00bbOb Wagner oder regul\u00e4re Russen, wir wollen weiter Soldaten hier haben\u00ab, sagt er. Die Regierung in Bangui ist auf die Unterst\u00fctzung Russlands angewiesen, die bewaffneten M\u00e4nner aus dem Ausland halten ihnen Rebellen, aber auch m\u00f6gliche Putschisten vom Leibe. Daf\u00fcr d\u00fcrfen sie die Rohstoffe des Landes ausbeuten.<\/p>\n<p>Auch Fid\u00e8le Gouandjika zeigt sich zuversichtlich. Er ist enger Berater des Pr\u00e4sidenten, kennt den Regierungschef seit fr\u00fcher Kindheit. Der Gesch\u00e4ftsmann empf\u00e4ngt zum Interview in seinem Palais in einem Vorort von Bangui. Gouandjika war gl\u00fchender Fan von Prigoschin, nach dessen Tod zog er sich ein T-Shirt mit dem Bild des S\u00f6ldnerchefs \u00fcber und lie\u00df sich fotografieren. Das Foto machte international die Runde.<\/p>\n<p>Inzwischen sieht er die Dinge n\u00fcchtern: \u00bbHier wird sich nichts \u00e4ndern, wir haben ein Verteidigungsabkommen mit der russischen Regierung, das wird fortgesetzt. Die Regierung hat Wagner als Subunternehmer eingesetzt, und die Russen werden bleiben, solange das Abkommen steht\u00ab, sagt er. \u00bbWitalij und Dmitrij\u00ab, die beiden Top-Wagner-Leute im Land, seien weiterhin seine Kontakte, best\u00e4tigt auch der Pr\u00e4sidentenberater. \u00bbDie werden einen neuen Anf\u00fchrer finden, da bin ich mir sicher.\u00ab<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich legen mehrere Medienberichte nahe, dass Wladimir Putin seit einiger Zeit versucht, Prigoschins Operationen in Afrika an sich zu ziehen. Andrej Awerjanow, Leiter der Abteilung Verdeckte Operationen im russischen Geheimdienst GRU, sei demnach der wahrscheinlichste Nachfolger  auf dem Kontinent. Auf dem Afrika-Russland-Gipfel in Sankt Petersburg sei er bereits mehreren Staatschefs vorgestellt worden .<\/p>\n<p>Au\u00dferdem werben bereits andere russische S\u00f6ldnerunternehmen in Afrika um Mitarbeiter. Der Kreml hat unterdessen angek\u00fcndigt, den \u00bbafrikanischen Partnern\u00ab weiter \u00bbumfassende Hilfe\u00ab anzubieten. \u00bbEs ist gut m\u00f6glich, dass Drahtzieher wie Dmitri Syty nun dem russischen Verteidigungsministerium die Treue schw\u00f6ren und dann weitermachen. Am wahrscheinlichsten ist es, dass jemand, der loyal zu Moskau ist, Wagner in Afrika weiterf\u00fchrt\u00ab, sagt Charles Bouessel, Spezialist f\u00fcr die Zentralafrikanische Republik bei der International Crisis Group.<\/p>\n<p>Die Operationen der S\u00f6ldnertruppe in Afrika sind f\u00fcr Moskau viel zu wertvoll, um deren Ende zu riskieren. Sie sichern Einfluss auf dem Kontinent, geopolitische Allianzen und Zugang zu Rohstoffen. Durch Desinformationskampagnen werden in der gesamten Region antiwestliche Stimmungen, die oft bereits zuvor bestanden, weiter angeheizt. Prigoschin hat eine gut ge\u00f6lte Maschinerie hinterlassen; laut Beobachtern hat Putin kaum eine andere Wahl, als auf die bisherigen Wagner-Leute zur\u00fcckzugreifen.<\/p>\n<p>Prigoschin hat kurz vor seinem Tod noch einmal mit aller Kraft versucht, seine Schl\u00fcsselrolle in Afrika zu zementieren. Laut einer Rekonstruktion des \u00bbWall Street Journals \u00ab flog er im August zun\u00e4chst nach Bangui, traf dort Pr\u00e4sident Touad\u00e9ra und sicherte ihm zu, dass Wagner weiter K\u00e4mpfer schicken und investieren werde.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter landete laut \u00bbWall Street Journal\u00ab ein Helikopter mit K\u00e4mpfern der sudanesischen Rapid Support Forces in Bangui, die paramilit\u00e4rische Truppe ist in einen blutigen B\u00fcrgerkrieg mit der regul\u00e4ren Armee im Sudan verwickelt. Sie h\u00e4tten Prigoschin und seinem Team Goldbarren \u00fcberreicht, aus Minen im Sudan. Ein klassischer Deal im Wagner-Imperium: Rohstoffe gegen milit\u00e4rische und logistische Unterst\u00fctzung. Auf dem R\u00fcckweg nach Russland habe Prigoschins Jet dann noch in Mali gestoppt, auch dort ist Wagner mit K\u00e4mpfern aktiv. Prigoschin nahm in der W\u00fcste sein letztes Video auf, mit Gewehr in der Hand. Kurz darauf war er tot.<\/p>\n<p>In Malis Hauptstadt Bamako schweigt sich die Junta unterdessen zum Tod Prigoschins aus, niemand will sich derzeit positionieren, wohl auch, um dem Kreml nicht vor den Kopf zu sto\u00dfen. Manche Vertreter der Zivilgesellschaft \u00e4u\u00dfern sich aber bereits vorsichtig optimistisch. \u00bbSein Tod sollte eine Lehre f\u00fcr die Machthaber sein, dass kein Staat seine Sicherheitspolitik an irgendjemanden auslagern sollte. S\u00f6ldner bleiben S\u00f6ldner, und im Zentrum des Landes kann man ja sehen, was sie anrichten k\u00f6nnen\u00ab, sagt Amadou Traor\u00e9 von der Association Union Dogon, einer zivilgesellschaftlichen Organisation in Bamako.<\/p>\n<p>Binta Barry wei\u00df, was der Aktivist meint. Die 42-J\u00e4hrige wohnt in einem Lager f\u00fcr Binnenfl\u00fcchtlinge in der malischen Hauptstadt, ohne Strom und Toiletten. Ihr Mann und ihr Bruder seien bei einer gemeinsamen Operation von Wagner und malischen Sicherheitskr\u00e4ften in ihrem Heimatdorf erst verhaftet und dann hingerichtet worden, erz\u00e4hlt sie. Berichte wie diese gibt es viele, oft h\u00e4tten die S\u00f6ldner auf dem Kontinent nicht zwischen Zivilisten und bewaffneten Extremisten unterschieden, h\u00e4tten gezielt gepl\u00fcndert und Frauen vergewaltigt. Die Gr\u00e4ueltaten sind sowohl in Mali als auch in der Zentralafrikanischen Republik gut dokumentiert .<\/p>\n<p>\u00bbIch hoffe, dass Prigoschin in der H\u00f6lle schmort\u00ab, sagt Binta Barry. Doch ihre Wut richtet sich auch gegen die malische Junta: \u00bbWie kann ein Staat sich eine S\u00f6ldnertruppe ins Land holen, um die eigene Bev\u00f6lkerung zu massakrieren?\u00ab Was urspr\u00fcnglich als Erfolgsrezept im Kampf gegen Islamisten gedacht war, hat sich f\u00fcr viele Menschen als Albtraum entpuppt. Dass sich etwas verbessern w\u00fcrde, wenn der russische Staat selbst das Zepter in die Hand nehmen und die Wagner-Operation in Afrika in Zukunft anf\u00fchren sollte, glaubt Barry allerdings nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wodka flie\u00dft noch in Bangui. Ein kleines Plastiks\u00e4ckchen \u00bbWa Na Wa\u00ab f\u00fcr umgerechnet 30 Eurocent, hergestellt vor Ort, \u00bbmit russischer Technologie\u00ab, wie die Werbung verspricht. 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