{"id":22767,"date":"2023-08-28T08:46:23","date_gmt":"2023-08-28T05:46:23","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/mali-vor-bundeswehr-abzug-fordern-ampel-politiker-besseren-schutz-fur-lokale-helfer\/"},"modified":"2023-08-28T08:46:23","modified_gmt":"2023-08-28T05:46:23","slug":"mali-vor-bundeswehr-abzug-fordern-ampel-politiker-besseren-schutz-fur-lokale-helfer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/mali-vor-bundeswehr-abzug-fordern-ampel-politiker-besseren-schutz-fur-lokale-helfer\/","title":{"rendered":"Mali: Vor Bundeswehr-Abzug fordern Ampel-Politiker besseren Schutz f\u00fcr lokale Helfer"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Es sind schockierende Bilder, mit der sich eine Terrorgruppe aus der Sahelregion dieser Tage im Internet br\u00fcstet. Auf dem Foto ist ein junger Mann zu sehen, der offenbar vor seinem eigenen Grab kauert. Die Augen wurden ihm mit einem staubigen Tuch verbunden. Hinter ihm steht eine ganze Gruppe von bewaffneten Vermummten. In dem Text, den ein Ableger der Terrormiliz \u00bbIslamischer Staat\u00ab k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichte, wird der junge Malier als \u00bbHelfer der Kreuzz\u00fcgler\u00ab diffamiert. Weil er mit der Bundeswehr in Mali kooperiert habe, so das Pamphlet, habe man ihn in der W\u00fcste hingerichtet und dann verscharrt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Behauptung, dass das Opfer tats\u00e4chlich f\u00fcr die Deutschen, die in Gao seit Jahren f\u00fcr die Uno-Mission \u00bbMinusma\u00ab im Einsatz sind, gearbeitet hatte, f\u00fcgten die Propagandisten der Terrorgruppe einen Beweis hinzu. Neben dem Foto des ver\u00e4ngstigten jungen Manns ist ein weiterer Schnappschuss zu sehen, den sie wahrscheinlich auf dem Handy des sp\u00e4teren Opfers gefunden hatten. Darauf steht der junge Malier neben einem Bundeswehrsoldaten, beide l\u00e4cheln in die Kamera. Im Hintergrund sind recht deutlich Hallen des deutschen Camps Castor im nordmalischen Gao zu sehen.<\/p>\n<p>Der Bericht \u00fcber die Ermordung eines lokalen Helfers der Bundeswehr sorgt seit seiner Ver\u00f6ffentlichung intern f\u00fcr Aufregung. Bisher hatte die Bundeswehr und auch das Ministerium von Boris Pistorius, SPD, stets die Linie vertreten, anders als in Afghanistan seien die sogenannten Ortskr\u00e4fte in Mali nach dem geplanten Abzug der Truppe Endes des Jahres nicht in Gefahr. Diese Haltung hatte auch das Einsatzf\u00fchrungskommandos erst k\u00fcrzlich wiederholt. \u00bbNach derzeitigem Erkenntnisstand unterliegen lokal Besch\u00e4ftigte in Mali keiner individuellen oder systematischen Gef\u00e4hrdung aufgrund ihrer T\u00e4tigkeit\u00ab, sagte ein Sprecher.<\/p>\n<p>Der Propagandabericht indes erz\u00e4hlt nun eine ganz andere Geschichte. Demnach hatte eine kleine Einheit der in Nordmali vagabundierenden Terrorgruppen den jungen Mann an einem Checkpoint zwischen Gao und Niamey kontrolliert, auf seinem Telefon fand man offenbar die Bilder mit einem Bundeswehrsoldaten. Andere Besch\u00e4ftigte der Bundeswehr best\u00e4tigten der \u00bbZeit\u00ab mittlerweile, dass es sich bei dem Opfer tats\u00e4chlich um einen Helfer der Bundeswehr handelt.             Der junge Mann auf dem Foto, dessen Name mit Kevin angegeben wurde, habe tats\u00e4chlich f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit im deutschen Camp gearbeitet.<\/p>\n<p>Die Bundeswehr best\u00e4tigte auf Nachfrage, dass das mutma\u00dfliche Opfer im Bundeswehrcamp t\u00e4tig war \u2013 allerdings nicht direkt bei der Truppe, sondern f\u00fcr den Subunternehmer Ecolog, der sich um die W\u00e4sche und die Abwasserentsorgung der Bundeswehr k\u00fcmmert. Bei internen Recherchen wurde das Foto aus dem Camp mittlerweile verifiziert, es stammt aus der Zeit der Coronapandemie.<\/p>\n<p>Kurz danach wurde der Malier von Ecolog gek\u00fcndigt. Versuche, ihn am Wochenende telefonisch zu erreichen, scheiterten. Auch in seinem Dorf hat man Kevin schon l\u00e4nger nicht mehr gesehen.<\/p>\n<p>Trotz der Hinweise gab sich die Truppe mit einer Bewertung sehr zur\u00fcckhaltend. So sei nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt, ob der junge Mann tats\u00e4chlich get\u00f6tet worden sei und ob die m\u00f6gliche Tat etwas mit seiner T\u00e4tigkeit im Camp Castor zu tun habe. An der grunds\u00e4tzlichen Haltung, dass f\u00fcr die rund 60 direkt bei der Bundeswehr angestellten malischen Ortskr\u00e4fte keine konkrete Gefahr bestehe, h\u00e4lt die Truppe dennoch fest.<\/p>\n<p>Die schreckliche Geschichte des jungen Maliers erinnert frappierend an die Ereignisse in Afghanistan kurz vor dem Abzug der Bundeswehr und anderer Nato-Truppen. Auch damals gab sich die Bundesregierung lange sicher, f\u00fcr die lokalen Helfer der Bundeswehr und von staatlichen Entwicklungshilfe-Projekten bestehe keine konkrete Gefahr. Man pr\u00fcfte, wartete ab, verz\u00f6gerte die Ausstellung von Visa f\u00fcr die Afghanen. Am Ende dann, als die Taliban das Land wie im Sturm \u00fcbernahmen, holte die Bundeswehr noch ein paar Hundert Ortskr\u00e4fte raus. Viele, vor allem Helfer von deutschen Hilfsprojekten, schafften es nicht.<\/p>\n<h3>SPD will Humanit\u00e4t statt B\u00fcrokratie<\/h3>\n<p>Folglich sorgt der Fall von Kevin bei den Sicherheitspolitkern im Bundestag f\u00fcr Emp\u00f6rung. \u00bbWenn es eine Lehre aus Afghanistan gibt, dann die, dass die unselige deutsche Tradition, im Zweifel f\u00fcr B\u00fcrokratie, statt f\u00fcr Humanit\u00e4t zu entscheiden, bei den lokalen Helfern umgekehrt werden muss\u00ab, fordert zum Beispiel Ralf Stegner. Der SPD-Politiker sitzt dem Untersuchungsausschuss vor, der das Debakel beim Abzug vom Hindukusch aufkl\u00e4ren soll. Seine Haltung ist klar: \u00bbHumanit\u00e4re Spielr\u00e4ume k\u00f6nnen und m\u00fcssen genutzt werden, erst recht, wenn das Menschen sind, die f\u00fcr Deutschland ihr Leben riskiert haben\u00ab.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich deutlich appelliert die gr\u00fcne Verteidigungsexpertin Sara Nanni an die Bundesregierung. Die Berichte \u00fcber die Ermordung seien \u00bbersch\u00fctternd\u00ab, deswegen sei Umdenken notwendig. \u00bbDavon zu reden, dass Mali nicht Afghanistan ist, wird der Lage nicht gerecht\u00ab, sagte Nanni dem SPIEGEL, \u00bbnach dem Abzug der ausl\u00e4ndischen Truppen steigt auch in Mali die Gef\u00e4hrdung f\u00fcr die lokalen Besch\u00e4ftigten\u00ab. Folglich m\u00fcsse man nicht nur den R\u00fcckzug der Bundeswehr, sondern auch den Schutz der Ortskr\u00e4fte umgehend angehen. Nanni will den Fall deswegen umgehend im Verteidigungsausschuss thematisieren.<\/p>\n<p>Viel Zeit bleibt der Bundeswehr nicht mehr. Bis sp\u00e4testens Ende des Jahres sollen alle Soldatinnen und Soldaten das Camp in Gao verlassen haben. Schon jetzt sind die rund 700 M\u00e4nner und Frauen nur noch mit dem R\u00fcckbau des Lagers und der Verschickung von Material besch\u00e4ftigt. Nach Angaben der Truppe besch\u00e4ftigt die Bundeswehr direkt rund 60 Malier, die meisten als Dolmetscher. Daneben aber sind noch gut 300 lokale Helfer \u00fcber Subunternehmen angestellt, sie k\u00fcmmern sich um die Logistik im Lager. Erst k\u00fcrzlich hatten viele von ihnen einen verzweifelten Hilferuf an die Bundesregierung abgesetzt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es sind schockierende Bilder, mit der sich eine Terrorgruppe aus der Sahelregion dieser Tage im Internet br\u00fcstet. 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