{"id":22111,"date":"2023-07-31T00:19:35","date_gmt":"2023-07-30T21:19:35","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/bau-boom-auf-den-kykladen-in-griechenland-auf-sand-gebaut\/"},"modified":"2023-07-31T00:19:35","modified_gmt":"2023-07-30T21:19:35","slug":"bau-boom-auf-den-kykladen-in-griechenland-auf-sand-gebaut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/bau-boom-auf-den-kykladen-in-griechenland-auf-sand-gebaut\/","title":{"rendered":"Bau-Boom auf den Kykladen in Griechenland: Auf Sand gebaut"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Ums Geld geht es Elias Petrakis ganz sicher nicht, in den vergangenen sieben Jahren hat er genug davon verdient. Bis zu 16 G\u00e4ste finden in seiner wei\u00df gekalkten Villa Platz; f\u00fcr Ausblick, Pool und Reinigungsservice zahlen sie 1100 Euro \u2013 pro Nacht in der Nebensaison. Jetzt im Sommer sind es 2500 Euro, mehr als das Doppelte eines griechischen Durchschnittslohns. Und dennoch ist das aufwendig sanierte Haus die komplette Saison \u00fcber ausgebucht.<\/p>\n<p>Die meisten seiner G\u00e4ste, sagt Petrakis, seien US-Amerikaner und Australier. Manchmal k\u00e4men auch Franzosen. Gro\u00dfe Familien, gelegentlich auch gut betuchte Cliquen von Freunden. Er k\u00f6nnte problemlos stillhalten und weiter verdienen. Aber Elias Petrakis sorgt sich. \u00bbDiese kleine Insel\u00ab, sagt er, \u00bbhat 5000 Jahre Geschichte. Die Byzantiner waren hier, Italiener, alle Arten von Griechen. Aber jetzt habe ich Angst, dass sie bald untergeht. Dass wir unser historisches Erbe verlieren.\u00ab<\/p>\n<p>Diese kleine Insel, das ist Paros. Eine der 23 Kykladeninseln in der griechischen \u00c4g\u00e4is. Auf Inseln wie Mykonos und Santorin boomt der Tourismus seit Langem. Doch seit wenigen Jahren holen auch die anderen auf. Naxos, Andros, Paros \u2013 solche Namen kennen inzwischen viele Reisende. Und Griechenland tut viel daf\u00fcr, dass es k\u00fcnftig noch mehr werden.<\/p>\n<h3>Rekordsaison trotz Br\u00e4nden und Hitze<\/h3>\n<p>Die Frage ist allerdings, was sie dort erwartet. Schon jetzt leidet Griechenland besonders unter der Hitze. Die Akropolis in Athen wird inzwischen stundenweise geschlossen, damit in der Mittagshitze niemand dort sein Leben riskiert. Wegen anhaltender Waldbr\u00e4nde mussten in den vergangenen Tagen Tausende Touristen von Rhodos ausgeflogen werden, Airlines stellten zeitweise den Verkehr ein. Der Klimawandel ist pl\u00f6tzlich sehr sichtbar im Urlaubsgebiet angekommen.<\/p>\n<p>Doch auf den Kykladen ist von einem Umdenken wenig zu sp\u00fcren, im Gegenteil. Derzeit gibt auf den 23 Urlaubsinseln so viele neue Bauprojekte wie noch nie. Die Regierung in Athen erhofft sich mehr Tourismus abseits bekannter Ferienorte, doch tats\u00e4chlich konkurrieren jetzt eher alle mit allen um zus\u00e4tzliche G\u00e4ste, wie offizielle Daten zeigen. Tats\u00e4chlich wird jedes Jahr immer noch mehr gebaut als in den Vorjahren, ohne eine erkennbare Strategie, ohne Regeln, ohne Nachhaltigkeit.Das belegt eine SPIEGEL-Auswertung offizieller Statistiken, die aus den vergangenen Jahren zusammengetragen und ausgewertet wurden.<\/p>\n<p>Auf <strong>Mykonos<\/strong> l\u00e4sst sich der Boom besonders gut beobachten. Die einstige Bauerninsel brachte es als erste der Kykladen zu internationaler Bekanntheit. Entsprechend sieht es dort heute aus, die Infrastruktur ist bereits stark ausgebaut, die Insel hat mit 65 F\u00fcnfsternehotels                                        inzwischen doppelt so viele wie die zehn gr\u00f6\u00dften St\u00e4dte Deutschlands zusammen. Mykonos mag auf Luxus setzen, exklusiv ist es immer weniger: Es wird immer noch weiter gebaut, wie ein Blick auf die Baugenehmigungen zeigt.<\/p>\n<h3>Mykonos: Dreimal mehr Touristen als Einheimische<\/h3>\n<p>F\u00fcr das laufende Jahr erwartet B\u00fcrgermeister Konstantinos Koukas eine Rekordsaison. Laut einer Auswertung der Zeitung \u00bbKathimerini\u00ab             leben im Sommer dreimal so viele Touristen auf der Insel wie Einheimische. Selbst die Inflation scheint den Boom nicht aufzuhalten, notleidend sind vor allem Einheimische, die sich das Leben auf den Inseln immer weniger leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Geld ver\u00e4ndert Mykonos nicht nur zum Guten. Im M\u00e4rz wurde ein f\u00fcr Baugenehmigungen zust\u00e4ndiger Arch\u00e4ologe von Unbekannten auf der Stra\u00dfe brutal zusammengeschlagen. Rippen und Nase wurden ihm gebrochen, die Schwellungen waren so gro\u00df, dass er kaum noch sehen konnte. \u00c4rzte sprachen von Gl\u00fcck, dass er \u00fcberlebte. Der Vorfall sorgte f\u00fcr landesweites Entsetzen, von einem mafi\u00f6sen Anschlag war die Rede. \u00bbEs geht um gro\u00dfe Gesch\u00e4ftsinteressen. Das Ziel war, Angst einzujagen\u00ab, sagte die Vorsitzende des Arch\u00e4ologenverbands.<\/p>\n<p>Die Regierung hat seitdem Sonderermittler eingesetzt, einige besonders dubiose Bauprojekte wurden gestoppt, ein Strandklub abgerissen. Der Bauboom sei ideal f\u00fcr Geldw\u00e4sche, sagen Beobachter. \u00bbWir gelten als Champions in Europa\u00ab, sagte der Zentralbankchef vor wenigen Wochen \u2013 gemeint war die Steuerhinterziehung.<\/p>\n<h3>Naxos: \u00bbEs gibt keinen Plan\u00ab<\/h3>\n<p><strong>Naxos<\/strong> ist die gr\u00f6\u00dfte der Kykladen und dennoch unscheinbar. Andere haben gr\u00f6\u00dfere Str\u00e4nde oder mehr Windm\u00fchlen. Bislang war die Insel nicht als Touristenmagnet bekannt. Doch inzwischen wird auch hier immer mehr gebaut, viele hoffen auf einen Aufschwung, der von allein die Preise nach oben treibt.\u00bbDie Entwicklung ist losgel\u00f6st von der Nachfrage\u00ab, sagt Ioannis Spilanis, Professor f\u00fcr nachhaltigen Tourismus. \u00bbAlle sehen, dass die anderen bauen, sehen die Gewinne der Tourismusbranche und investieren auch.\u00ab<\/p>\n<p>Dass der Boom so unkontrolliert erfolgt, liege auch an einer Besonderheit des griechischen Baurechts, sagt Spilanis. Wer mindestens 4000 Quadratmeter Land abseits einer Siedlung besitzt, darf sie beinahe ungest\u00f6rt bebauen. Inzwischen wurde diese Grenze in besonders gesch\u00fctzten Gebieten auf 8000 Quadratmeter angehoben, doch die Willk\u00fcr reduziert hat es kaum, im Gegenteil. Wer viel hat, darf sich viel erlauben. W\u00e4hrend in Ortschaften inzwischen oft strengere Regeln den Ausbau von Wohnungen bremsen, entstehen so mitten in der Natur immer neue Villen und Ferienunterk\u00fcnfte. Es ist nicht selten ein Raubbau, f\u00fcr den Umweltauflagen ignoriert, alte Mauern abgerissen und knappe Ressourcen wie Wasser noch weiter strapaziert werden. Systematische Kontrollen fehlen vielerorts bis heute.<\/p>\n<h3>Paros: M\u00fcll, Wohnungsnot \u2013 und Protest<\/h3>\n<p>Auf <strong>Paros<\/strong> ist das besonders gut zu sehen. Die Insel ist der wohl gr\u00f6\u00dfte Profiteur der aktuellen Entwicklung. Oder wie es Villenvermieter Elias Petrakis sagen w\u00fcrde: Hier ist das Chaos besonders gro\u00df. Von den Baustellen fliege oft M\u00fcll umher, der Verkehr sei durch die vielen Baufahrzeuge chaotisch. Jeden Winter w\u00fcrden die Stra\u00dfen aufgerissen, um Neubauten ans Wassernetz anzuschlie\u00dfen. Selbst Lehrer und \u00c4rzte f\u00e4nden auf seiner Insel oft kaum noch eine Wohnung, klagt Petrakis<em>. \u00bb<\/em>Sp\u00e4testens zur Hauptsaison fliegen sie oft aus ihren Wohnungen raus und m\u00fcssen aufs Festland.\u00ab<\/p>\n<p>Der Protest gegen solche Entwicklungen kommt keineswegs nur von Verlierern des Booms oder Nimbys, die um ihren Hinterhof f\u00fcrchten. Oft sind es Akademiker und Unternehmer, die die Inflationvergleichsweise gut wegstecken k\u00f6nnen. \u00bbIch verdiene mit 2000 Euro ja wirklich sehr gut\u00ab, sagt ein Lehrer auf Paros. \u00bbAber was n\u00fctzt mir das, wenn ich hier nicht mehr zu Hause bin?\u00ab<\/p>\n<p>Gleichzeitig w\u00e4chst mit jedem Neubau der Druck auf die Infrastruktur. Viele Familien verkaufen ihre Grundst\u00fccke unbebaut an Investoren, weil sie sich den Bau eigener H\u00e4user selbst gar nicht mehr leisten k\u00f6nnen. Schon jetzt berichten Einheimische von stundenweisen Wasserabschaltungen, um den immer weiter steigenden Verbrauch etwas zu drosseln. \u00bbIn den kommenden Jahren wird das noch mehr werden\u00ab, prophezeit Tourismusexperte Ioannis Spilanis. Der derzeitige Boom sei un\u00fcberlegt. \u00bbViele Menschen verweisen auf Dubai und sagen, dass es dort auch Tourismus gibt. Aber das ist Unfug! Nach Dubai fliegt man zum Einkaufen. Wir sind die Kykladen und kein Shoppingcenter. Wenn es \u00f6fter so hei\u00df wird, kommt niemand mehr, so einfach ist das.\u00ab<\/p>\n<p>Inzwischen scheint diese Erkenntnis zumindest auch bei einigen auf den Inseln angekommen zu sein. Auf immer mehr gab es in den vergangenen Monaten Proteste gegen den unkontrollierten Bauboom. Vorreiter sind vor allem die kleineren. Auf Sifnos ver\u00f6ffentlichte die B\u00fcrgermeisterin k\u00fcrzlich mit einhundert B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern einen Protestbrief, in dem sie eine Begrenzung von Neubauten und ein Verbot von Sonnenschirmverleihen forderten. \u00bbDiese Insel geh\u00f6rt uns allen\u00ab, schrieben sie.<\/p>\n<h3>Inspiration vom deutschen Weihnachtsmarkt<\/h3>\n<p>Auf der benachbarten Insel Lipsi werben die Einheimischen inzwischen gemeinsam damit, Ferien ohne Swimmingpool anzubieten, anstatt weiter um die Wette zu bauen.<\/p>\n<p>Ioannis Spilanis gr\u00f6\u00dfte Utopie kommt derzeit von deutschen Weihnachtsm\u00e4rkten. \u00bbDort gibt es ein Pfandsystem f\u00fcr Weinbecher\u00ab, wei\u00df er. \u00bbSo was k\u00f6nnten auch wir gut gebrauchen.\u00ab Dass solche \u00dcberlegungen derzeit Priorit\u00e4t haben, glaubt er selbst nicht. Damit der Bauboom k\u00fcnftig zumindest etwas kontrolliert werde, brauche es andere Vorgaben der Regierung in Athen, einen Plan f\u00fcr Tourismus, der trotz Hitze und Klimawandel auch k\u00fcnftig funktioniere. Ansonsten passiere wohl nichts. \u00bbDie Gelddruckmaschine stellt keiner freiwillig ab.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ums Geld geht es Elias Petrakis ganz sicher nicht, in den vergangenen sieben Jahren hat er genug davon verdient. 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