{"id":20240,"date":"2023-05-11T08:06:49","date_gmt":"2023-05-11T05:06:49","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/dieser-krieg-ist-gefahrlicher-als-alles-was-wir-erlebt-haben\/"},"modified":"2023-05-11T08:06:49","modified_gmt":"2023-05-11T05:06:49","slug":"dieser-krieg-ist-gefahrlicher-als-alles-was-wir-erlebt-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/dieser-krieg-ist-gefahrlicher-als-alles-was-wir-erlebt-haben\/","title":{"rendered":"Dieser Krieg ist gef\u00e4hrlicher als alles, was wir erlebt haben"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Der Videoreporter Armand Soldin starb am Dienstag nahe Bachmut. Wir Journalisten, die wir aus dem Donbass berichten, sch\u00fctzen uns alle so gut wir k\u00f6nnen. Doch gegen russische Raketen helfen Helm und Weste nicht.  <\/p>\n<p>Nach allem, was wir bislang wissen, hat Armand Soldin entsetzliches Pech gehabt. Der 32 Jahre alte Videojournalist der franz\u00f6sischen Agentur AFP starb am Dienstag, als er mit seinem Kollegen in Chassiv Yar recherchierte, dem Nachbarort der seit Monaten schwer umk\u00e4mpften Stadt Bachmut. Eine russische Grad-Rakete traf ihn t\u00f6dlich, die anderen blieben unverletzt.<\/p>\n<p>Pech ist eine relative Gr\u00f6\u00dfe, wenn man als Journalist \u00fcber Kriege berichtet. Aber dieser Krieg ist anders als die meisten, die er und andere, darunter auch ich, in den vergangenen Jahren erlebt haben. Im Irak, in Syrien, Afghanistan, im Jemen, in Libyen, fr\u00fcher im Kosovo griffen jene, die auch auf uns schossen, mit leichteren und mit weniger Waffen an. Die h\u00e4ufigste und gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr Journalisten bestand darin, mit Kalaschnikows, uralten Anti-Panzerraketen beschossen zu werden oder \u00fcber einen vergrabenen Sprengsatz zu fahren.<\/p>\n<p>Aber all dies existierte vor allem nahe der Front, die Kugeln reichten nicht weit, das Risiko wurde mit ein paar hundert Metern Distanz kalkulierbarer.<\/p>\n<h3>Niemand geht ohne Helm und Weste nach Bachmut<\/h3>\n<p>Nicht so in der Ukraine, jedenfalls nicht im Donbass, wohin Wladimir Putin das Gros der M\u00e4nner, Gesch\u00fctze und Granaten schickt, um diesen Teil der Ukraine zu erobern. Oder einzu\u00e4schern, wo das Erobern misslingt.<\/p>\n<p>T\u00e4glich gehen manchmal Tausende Artilleriegranaten der russischen Truppen auf Bachmut und Umgebung nieder, dazu kommen die Angriffe mit Mehrfachraketenwerfern wie dem alten, nicht sehr zielgenauen Grad-System. Ganz zu schweigen von den Drohnen, Marschflugk\u00f6rpern und Raketen gro\u00dfer Reichweite, die St\u00e4dte Hunderte Kilometer entfernt treffen. Der russische S\u00f6ldnerf\u00fchrer Jewgenij Prigoschin mag \u00f6ffentlich noch so laut \u00fcber Munitionsmangel klagen \u2013 dass deswegen in und um Bachmut weniger verschossen w\u00fcrde, ist, Stand Dienstag, nicht der Fall.<\/p>\n<p>Armand Soldin hat sich gesch\u00fctzt, wir haben uns gesch\u00fctzt, alle Journalisten, die im Donbass arbeiten, gehen dort nur mit schusssicherer Weste und Helm nach Bachmut oder in andere Kampfzonen. Jedenfalls habe ich vier Wochen in Bachmut keinen gesehen, der dies nicht trug. Es war ein Ritual, jeden Morgen an der letzten Tankstelle vor der grauen Zone m\u00f6glicher Granateinschl\u00e4ge anzuhalten, Helm und Weste anzulegen, noch mal zu pr\u00fcfen, ob das medizinische Notfallpack mit Aderpresse (um schweren Blutverlust zu stoppen), Kompressen, Medikamenten vollst\u00e4ndig war.<\/p>\n<p>Die entsprechende Plattenst\u00e4rke einer Weste sch\u00fctzt auch vor direktem Beschuss. Sofern der Sch\u00fctze nicht auf Gesicht oder Beine zielt. Aber vor einer Granate oder einer Grad-Rakete sch\u00fctzen einen keine Weste und kein Helm. Ein gutes Geh\u00f6r hilft zu erkennen, wenn der Artilleriebeschuss n\u00e4her kommt, die russischen Richtkanoniere die ersten Granaten abfeuern, nachjustieren und die Einschl\u00e4ge dem beabsichtigten Ziel n\u00e4her kommen.<\/p>\n<p>Rennen, schnell r\u00fcckw\u00e4rts fahren zu k\u00f6nnen, auf die Topografie der Umgebung zu achten, Gr\u00e4ben in der N\u00e4he, m\u00f6gliche Schusswinkel aus der Ferne, und darauf, ob noch andere Menschen auf der Stra\u00dfe sind \u2013 all das kann helfen.<\/p>\n<h3>Wie ein Schwarm aus dem Nichts<\/h3>\n<p>Doch irgendwo explodiert immer die erste Granate. Das T\u00fcckische an ihnen, jenseits der schieren Zerst\u00f6rungskraft, ist ihre Reichweite: In anderen Kriegen war man drei, vier Kilometer von der letzten Linie entfernt relativ sicher. Bis dahin reichte keine Kugel. Aber wir haben es, just im Ort Chassiv Yar auf der Stra\u00dfe nach Bachmut, erlebt, dass j\u00e4hlings Granaten ein paar Hundert Meter hinter uns einschlugen, kilometerweit vom Abschussort entfernt. Detonieren Einschl\u00e4ge in der N\u00e4he, kann man wegfahren, in einen Graben springen, in einem Haus, einer Ruine Schutz suchen vor den n\u00e4chsten Einschl\u00e4gen.<\/p>\n<p>Grad-Raketen aber kommen wie ein Schwarm aus dem Nichts. Sie treffen nicht pr\u00e4zise, aber sind billig, und die russische Armee hat immer noch reichlich von ihnen in den Magazinen oder produziert sie nach.<\/p>\n<p>Von einer Grad-Rakete getroffen zu werden, das ist entsetzliches Pech, das jeden treffen kann, der \u00fcber diesen Krieg berichtet \u2013 egal, wie viel Erfahrung man hat, wie gut er oder sie sich sch\u00fctzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Videoreporter Armand Soldin starb am Dienstag nahe Bachmut. 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