{"id":20045,"date":"2023-05-02T18:16:19","date_gmt":"2023-05-02T15:16:19","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/kunstliche-intelligenz-amnesty-international-illustriert-polizeigewalt-mit-ki-bildern\/"},"modified":"2023-05-02T18:16:19","modified_gmt":"2023-05-02T15:16:19","slug":"kunstliche-intelligenz-amnesty-international-illustriert-polizeigewalt-mit-ki-bildern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/kunstliche-intelligenz-amnesty-international-illustriert-polizeigewalt-mit-ki-bildern\/","title":{"rendered":"K\u00fcnstliche Intelligenz: Amnesty International illustriert Polizeigewalt mit KI-Bildern"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Mit Bildgeneratoren erstellte Motive erregen derzeit viel Aufsehen. Jetzt hat Amnesty International zu einem heiklen Thema solche Bilder pr\u00e4sentiert \u2013 der Gegenwind ist massiv.  <\/p>\n<p>Emotionslos dreinblickende Polizisten mit Schutzhelmen f\u00fchren eine Demonstrantin ab, die in eine Flagge gewickelt ist. Eine junge Frau mit Verletzungen im Gesicht steht vor einer Feuerwand. Mit solch effekthascherischen Bildern             wollten Amnesty International und ihr norwegischer Ableger Ende vergangener Woche ein Bewusstsein f\u00fcr gewaltsame \u00dcbergriffe der Polizei in Kolumbien schaffen. Aktuelle Postings auf Twitter und Instagram bezogen sich auf vor zwei Jahren gestartete Proteste, den sogenannten Nationalstreik, bei dem die kolumbianische Polizei brutal gegen die Demonstrierenden vorgegangen war.<\/p>\n<p>Das Problem: Die symboltr\u00e4chtigen Szenen, welche die Menschenrechtsaktivisten jetzt zu dem Thema pr\u00e4sentiert haben, hat es nie gegeben. Jedenfalls nicht in genau dieser Form, mit genau diesen Personen. Wahrscheinlich existieren die abgebildeten Personen nicht einmal. Denn Amnesty International hatte die Motive am Computer generiert, mithilfe k\u00fcnstlicher Intelligenz (KI). So zeigte die Organisation, anders als bei fr\u00fcheren Ver\u00f6ffentlichungen, diesmal nicht reale Belege von Missst\u00e4nden, sondern KI-Ideen davon, wie die Missst\u00e4nde in Kolumbien ausgesehen haben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die Bilder enthielten zwar optische Seltsamkeiten, wie etwa eine falsche Farbfolge bei der Flagge Kolumbiens. In kleiner Schrift wurde am Rand der Bilder sogar ein Hinweis auf deren Herkunft eingebaut: \u00bbIllustrationen mit KI produziert\u00ab. Fl\u00fcchtig betrachtet wirkten die Motive aber wie echte Fotos.<\/p>\n<h3>\u00bbZiemlich unverantwortlich und selbstzerst\u00f6rerisch\u00ab<\/h3>\n<p>Im Netz machten die Bilder \u00fcbers Wochenende schnell die Runde. Die Diskussion drehte sich dabei aber selten darum, wie man ein Bewusstsein f\u00fcr die Probleme in Kolumbien schaffen kann. Vielmehr versuchten Menschen, ein Bewusstsein f\u00fcr KI-Fakes zu schaffen \u2013 und kritisierten Amnesty International dabei zum Teil hart. \u00bbAch du Sch*e. Die Pandora-B\u00fcchse ist auf\u00ab, twitterte etwa David Schraven  vom deutschen Faktencheckportal Correctiv: \u00bbAmnesty benutzt AI f\u00fcr Advocacy und unterminiert damit die Glaubw\u00fcrdigkeit der eigenen Arbeit. Um Gottes willen.\u00ab James Ball , ein britischer Autor und Experte f\u00fcr Desinformation, kommentierte mit \u00e4hnlicher Sto\u00dfrichtung: \u00bbDas ist ziemlich unverantwortlich und selbstzerst\u00f6rerisch.\u00ab<\/p>\n<p>Bedenken \u00e4u\u00dferte auch der Medienwissenschaftler Roland Meyer. Er schrieb , die Verwendung computergenerierter fotorealistischer Illustrationen verwische nicht nur die Grenze zwischen Fakt und Fiktion: \u00bbSie entwertet auch die Arbeit all jener mutigen Reporter und Fotografen, die jahrzehntelang Menschenrechtsverletzungen dokumentiert haben (und deren Bilder wahrscheinlich zum Training der hier genutzten Software verwendet wurden). Und da die Bildsynthese fast zwangsl\u00e4ufig visuelle Stereotypen reproduziert und verst\u00e4rkt, verwandelt ihr sorgloser Gebrauch als Ersatz f\u00fcr die Dokumentarfotografie die Welt in ein Klischee.\u00ab<\/p>\n<h3>Das sagt Amnesty International<\/h3>\n<p>Mittlerweile haben Amnesty International und ihr norwegischer Ableger die umstrittenen Bilder offline genommen. Aber gesteht die Menschenrechtsorganisation damit einen Fehler ein? Oder zumindest eine Fehleinsch\u00e4tzung, was die Reaktionen auf die Bilder angeht?<\/p>\n<p>Nicht wirklich. Auf SPIEGEL-Anfrage erkl\u00e4rt der deutsche Ableger der Organisation, der die Bilder selbst nicht ver\u00f6ffentlicht hatte, Amnesty International habe sich mit ihrer Kampagne f\u00fcr eine Polizeireform in Kolumbien einsetzen wollen. Die KI-generierten Bilder seien verwendet worden, um die Menschenrechtsverletzungen w\u00e4hrend des Nationalstreiks zu veranschaulichen, \u00bbohne damit die damals Anwesenden zu gef\u00e4hrden\u00ab.<\/p>\n<p>\u00bbViele Menschen, die an dem Nationalstreik teilgenommen haben, haben ihr Gesicht verh\u00fcllt, weil sie Angst hatten, von den staatlichen Sicherheitskr\u00e4ften unterdr\u00fcckt und stigmatisiert zu werden\u00ab, hei\u00dft es in der Stellungnahme. \u00bbDiejenigen, die ihr Gesicht gezeigt haben, sind immer noch gef\u00e4hrdet, einige werden von den kolumbianischen Beh\u00f6rden kriminalisiert.\u00ab Auch nach R\u00fccksprache mit den eigenen Partnerorganisationen in Kolumbien sei man der \u00dcberzeugung, dass es die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Proteste der Gefahr von Repressionen ausgesetzt h\u00e4tte, w\u00e4ren deren echte Gesichter gezeigt worden.<\/p>\n<p>Als weiteres Argument pro KI-Bilder f\u00fchrt Amnesty International an, dass die kolumbianischen Sicherheitskr\u00e4fte Stromausf\u00e4lle provoziert h\u00e4tten, um Protestierende dann im Schutz der Dunkelheit anzugreifen: \u00bbDadurch wurde es f\u00fcr die Menschen sehr schwierig, Fotos oder Videos von den Geschehnissen zu machen.\u00ab<\/p>\n<h3>Muss es gleich der Bildgenerator sein?<\/h3>\n<p>Die zahlreichen Kritiker des Vorsto\u00dfes d\u00fcrften diese Begr\u00fcndungen kaum zufriedenstellen. Manche f\u00fcrchten, dass Amnesty International dem Kampf f\u00fcr die Menschenrechte und die Wahrheit diesmal einen B\u00e4rendienst erwiesen haben k\u00f6nnte \u2013 etwa weil fortan immer wieder darauf verwiesen werden k\u00f6nnte, dass die Aktivisten mit Fake-Bildern arbeiten. Und das nachweislich.<\/p>\n<p>Sam Gregory von der Menschenrechtsorganisation Witness sagte dem Techportal \u00bbGizmodo\u00ab , es komme immer h\u00e4ufiger vor, dass autorit\u00e4re Machthaber versuchten, Aufnahmen von Menschenrechtsverletzungen zu vertuschen, indem sie sofort behaupteten, die Aufnahmen seien gef\u00e4lscht. Es sei zwar wichtig, die Personen zu anonymisieren, die in Ver\u00f6ffentlichungen von Menschenrechtsorganisationen auftauchten, meint auch Gregory. Aber um Missst\u00e4nde aufzuzeigen, m\u00fcsse man nicht gleich zu KI-Bildgeneratoren greifen oder \u00bbMedienhypes anzapfen\u00ab.<\/p>\n<p>Amnesty International schreibt dem SPIEGEL, man habe nie die Absicht gehabt, \u00bbfotorealistische Bilder zu produzieren, die mit der Realit\u00e4t verwechselt werden k\u00f6nnten\u00ab. Daher seien die Bilder \u00bbdeutlich\u00ab als KI-Produkte gekennzeichnet und so bearbeitet worden, \u00bbdass sie sich deutlich von realen Fotografien unterschieden, einschlie\u00dflich der Verwendung kr\u00e4ftiger Farben und eines k\u00fcnstlerischen Stils\u00ab. Man kann sich dar\u00fcber streiten, wie gut diese Beschreibung auf die geposteten Bilder zutrifft.<\/p>\n<h3>Auf den Spuren der AfD und der Republikaner<\/h3>\n<p>Klar ist indes: Mit einer gewissen Ablehnung gegen\u00fcber den Motiven aus dem Computer muss Amnesty International gerechnet haben. Von KI generierte Bilder zu politischen Themen hatten in den vergangenen Wochen schon einigen Personen und Organisationen Kritik eingebracht, etwa zwei Bundestagsabgeordneten der AfD  und dem nationalen Organisationsgremium der US-Republikaner .<\/p>\n<p>Weltweit mutma\u00dflich am meisten Aufsehen hatte derweil ein Bild erregt, das Papst Franziskus in einem wei\u00dfen Daunenmantel zeigt, wie ihn sonst Rapper tragen. Schon bei diesem Motiv hatten viele Nutzerinnen und Nutzer Schwierigkeiten gehabt, die Realit\u00e4t von der Scheinrealit\u00e4t aus dem Bildgenerator zu unterscheiden. Dabei d\u00fcrften viele Nichtkolumbianer den Papst vermutlich besser kennen als die Lage bei Protesten in St\u00e4dten wie Bogot\u00e1.<\/p>\n<p>Zum Offlinenehmen der Bilder erkl\u00e4rt Amnesty International Deutschland am Dienstagnachmittag noch, die Organisation habe sich zu diesem Schritt entschieden, um zu verhindern, dass die KI-Diskussion von der Kernbotschaft der Kampagne ablenke: \u00bbder Unterst\u00fctzung von Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen in Kolumbien und deren Forderung nach Gerechtigkeit\u00ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Bildgeneratoren erstellte Motive erregen derzeit viel Aufsehen. Jetzt hat Amnesty International zu einem heiklen Thema solche Bilder pr\u00e4sentiert \u2013 der Gegenwind ist massiv. 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