{"id":199,"date":"2020-05-31T23:20:51","date_gmt":"2020-05-31T20:20:51","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-pandemie-warum-steigen-die-fallzahlen-trotz-der-lockerungen-nicht\/"},"modified":"2020-05-31T23:20:51","modified_gmt":"2020-05-31T20:20:51","slug":"corona-pandemie-warum-steigen-die-fallzahlen-trotz-der-lockerungen-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-pandemie-warum-steigen-die-fallzahlen-trotz-der-lockerungen-nicht\/","title":{"rendered":"Corona-Pandemie: Warum steigen die Fallzahlen trotz der Lockerungen nicht?"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/a04cc6a5-b614-49af-89b1-582e35011019_w948_r1.77_fpx36.66_fpy54.98.jpg\" title=\"Himmelfahrt in Frankfurt am Main: Weil sich derzeit viele im Freien aufhalten, ist das Infektionsrisiko niedriger\" alt=\"Himmelfahrt in Frankfurt am Main: Weil sich derzeit viele im Freien aufhalten, ist das Infektionsrisiko niedriger\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Himmelfahrt in Frankfurt am Main: Weil sich derzeit viele im Freien aufhalten, ist das Infektionsrisiko niedriger<\/p>\n<p> Ralph Peters\/ imago images <\/figcaption><\/figure>\n<p>Wer in diesen Tagen durch deutsche Innenst\u00e4dte l\u00e4uft, k\u00f6nnte den Eindruck bekommen, die Normalit\u00e4t sei zur\u00fcckgekehrt: Die Terrassen von Restaurants und Caf\u00e9s sind voll, Menschen gehen shoppen, Sicherheitsabst\u00e4nde werden nur noch selten gewahrt. Die vormals strengen Corona-Ma\u00dfnahmen sind gelockert worden &#8211; und einige scheinen die Lockerungen noch lockerer zu nehmen, als sie eigentlich gemeint waren.<\/p>\n<p>Doch trotz des ver\u00e4nderten Verhaltens der Menschen tut sich in den Statistiken, auf die ganz Deutschland seit Wochen mit Spannung blickt: wenig. Es ist kein sprunghafter Anstieg der Neuinfektionen zu verzeichnen, wie ihn manche Experten im Falle von Lockerungen voraussagten, und auch keine starke Erh\u00f6hung der viel beachteten Ansteckungsrate. Dem Robert Koch-Institut (RKI) wurden zuletzt etwa 200 bis 700 neue Corona-F\u00e4lle pro Tag gemeldet. An einigen Tagen Anfang April waren es noch rund 6000 Neuinfizierte gewesen. Und im Schnitt steckt jeder Infizierte h\u00f6chstens eine weitere Person an, die sogenannte Reproduktionszahl R hat in den vergangenen Wochen zwischen 0,77 und 1,03 geschwankt.<\/p>\n<p>Die m\u00f6glichen Gr\u00fcnde f\u00fcr diese positive Entwicklung sind vielf\u00e4ltig. Einer sticht jedem, der in Superm\u00e4rkten einkauft oder mit Bus und Bahn f\u00e4hrt, sofort ins Auge: Die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes wird \u00fcberwiegend eingehalten. Glaubt man einer neuen Studie, die in dieser Woche im renommierten Fachmagazin &quot;Science&quot; ver\u00f6ffentlicht wurde, zahlt sich genau das aus. Die Forscher von der Universit\u00e4t Kalifornien und der Sun-Yat-sen-Nationaluniversit\u00e4t in der taiwanesischen Stadt Kaohsiung analysieren, dass jene L\u00e4nder, die eine Maskenpflicht eingef\u00fchrt haben, bei der Eind\u00e4mmung der Corona-Pandemie bislang am erfolgreichsten gewesen seien. Und sie stellen fest, dass richtig angepasste Masken eine starke Ausbreitung von Viren durch asymptomatische Infizierte effektiv verhinderten.<\/p>\n<h3>Kritik an Empfehlung des Robert Koch-Instituts<\/h3>\n<p>Dass die oberste Seuchenbeh\u00f6rde in Deutschland, das RKI, zu Beginn der Pandemie noch offiziell vom Tragen der Schutzmasken abriet, sorgt nicht erst im Nachhinein f\u00fcr Kopfsch\u00fctteln. F\u00fcr den SPD-Gesundheitspolitiker und studierten Epidemiologen Karl Lauterbach war es &quot;ein klarer Fehler&quot;. Die Studienlage sei schon damals deutlich gewesen. &quot;Das Robert Koch-Institut hat noch zu einem Zeitpunkt vom Maskentragen abgeraten, als klar war, dass wir sie sofort verpflichtend machen w\u00fcrden, wenn wir sie in ausreichender Zahl h\u00e4tten&quot;, sagt Lauterbach dem SPIEGEL.<\/p>\n<p>Laut der j\u00fcngst ver\u00f6ffentlichten &quot;Science&quot;-Studie k\u00f6nnen Virustr\u00f6pfchen beim Niesen und Husten deutlich weiter fliegen als gedacht. Die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), zwei Meter Abstand zu halten, basiere auf Erkenntnissen \u00fcber die Verbreitung der Tr\u00f6pfchen aus den Drei\u00dfigerjahren, schreiben die Forscher. Mittlerweile wisse man aber, dass gr\u00f6\u00dfere Virustr\u00f6pfchen mehr als sechs Meter weit katapultiert werden k\u00f6nnten. Schon deshalb sei das Tragen von Masken wichtig \u2013 und das Einhalten von ausreichend Abstand erst recht.<\/p>\n<p>Eine weitere Erkenntnis, die sich in der Forschung immer weiter durchsetzt, besteht darin, dass sogenannte Aerosole eine \u00fcberraschend gro\u00dfe Bedeutung einnehmen. Nachdem sich Anfang M\u00e4rz rund 80 Mitglieder eines Chores in der Berliner Domkantorei getroffen hatten, um gemeinsam zu singen, wurden 30 Teilnehmer positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Von der Domverwaltung hie\u00df es sp\u00e4ter, die lange Verweildauer in einem Raum habe &quot;es offensichtlich unerheblich gemacht, wie weit man voneinander weg sitzt&quot;. Mittlerweile sind sich die Forscher sicher: Schuld an solchen Infektionsereignissen sind winzige Schwebeteilchen, die sich in der Luft befinden. Durch Niesen, Husten oder Sprechen fliegen sie als unsichtbare Mikrotr\u00f6pfchen umher \u2013 und sie k\u00f6nnen mit Viren behaftet sein.<\/p>\n<h3>Forscher loben vorsichtiges Verhalten<\/h3>\n<p>&quot;Die Aerosol-\u00dcbertragung ist untersch\u00e4tzt worden&quot;, sagt Lauterbach. Insbesondere in Innenr\u00e4umen mache sie sehr viel aus. &quot;Wir m\u00fcssen davon ausgehen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Infektion in Innenr\u00e4umen 18 bis 20 Mal h\u00f6her ist als drau\u00dfen.&quot; Weil sich die Menschen aber gerade jetzt im Fr\u00fchling zunehmend an der frischen Luft aufhielten, komme dieser Effekt immer weniger zum Tragen. &quot;Sorgen macht mir der Herbst. Dann k\u00f6nnte das exponentielle Wachstum zur\u00fcckkommen.&quot;<\/p>\n<p>Nach Ansicht von Forschern wirkt sich derzeit auch positiv aus, dass gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung die Gefahr des neuartigen Coronavirus in den vergangenen Monaten sehr ernst genommen h\u00e4tten \u2013 und zwar auch unabh\u00e4ngig von den politisch beschlossenen Ausgangsbeschr\u00e4nkungen und Kontaktsperren. Aus Sorge vor einer Ansteckung seien viele Menschen bereits vor den Beschr\u00e4nkungen weniger unterwegs gewesen, sagt die Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Infektionsforschung der Nachrichtenagentur dpa. &quot;Und auch jetzt gehen noch nicht alle gleich wieder normal einkaufen.&quot; Das trage zu einer niedrigen Ansteckungsrate bei.<\/p>\n<p>Auf die von der Politik beschlossenen Corona-Ma\u00dfnahmen h\u00e4tte man gleichwohl nicht verzichten d\u00fcrfen \u2013 darin sind sich die meisten Forscher einig. &quot;Wir haben mit vergleichsweise milden Ma\u00dfnahmen eine Pandemiewelle gestoppt, und zwar total effizient&quot;, sagt Christian Drosten von der Berliner Charit\u00e9 im SPIEGEL-Gespr\u00e4ch. Ohne fr\u00fche Informationen aus der Wissenschaft f\u00fcr die Politik und umfangreiche Testm\u00f6glichkeiten &quot;h\u00e4tten wir in Deutschland jetzt 50.000 bis 100.000 Tote mehr&quot;, so der Virologe.<\/p>\n<p>&quot;Der Lockdown hat sehr stark gewirkt und die Nachwirkungen des Lockdowns, also ein weiteres Absinken der F\u00e4lle, sind noch zu beobachten&quot;, sagt auch Lauterbach. Eine Pandemie, die sich exponentiell ausbreite, falle ebenso schnell wieder ab, wenn sich die Richtung drehe.<\/p>\n<h3>Gro\u00dfveranstaltungen als Gefahr<\/h3>\n<p>Neben den positiven Effekten der Corona-Beschr\u00e4nkungen, der Maskenpflicht und zunehmenden Aktivit\u00e4ten an der frischen Luft nennen die Fachleute noch einen weiteren wichtigen Aspekt: Man verstehe immer besser, dass die Verbreitung des Virus vor allem \u00fcber wenige sogenannte Superspreader erfolge, die den Erreger an viele Menschen weiterg\u00e4ben, sagt Drosten. Die Forscher sprechen hierbei vom sogenannten Dispersionsfaktor k: Je kleiner er ist, desto mehr Infektionen lassen sich auf eine oder wenige Personen zur\u00fcckf\u00fchren. W\u00e4hrend der k-Wert bei der Grippe etwa 1 betr\u00e4gt, liegt er bei Covid-19 in Deutschland sch\u00e4tzungsweise zwischen 0,1 und 0,2.<\/p>\n<p>Erfahrungen aus dem \u00f6sterreichischen Wintersportort Ischgl oder aus S\u00fcdkorea zeigen, dass aus Infizierten vor allem dann Superspreader werden k\u00f6nnen, wenn sie in Bars, Klubs oder bei gro\u00dfen Events engen Kontakt zu einer gro\u00dfen Zahl an Menschen haben. Deshalb halten die Wissenschaftler die bisherigen Beschr\u00e4nkungen in diesem Bereich f\u00fcr besonders effektiv. &quot;Jetzt Gro\u00dfveranstaltungen zuzulassen, w\u00fcrde mit hoher Wahrscheinlichkeit zu sehr vielen Infektionen f\u00fchren, das sehen wir im Moment an vielen Beispielen&quot;, sagt die Virologin Sandra Ciesek von der Uniklinik in Frankfurt dem SPIEGEL.<\/p>\n<p>Insgesamt warnen die Experten davor, die Infektionsgefahr wegen der bislang vielversprechenden Daten zu untersch\u00e4tzen. Ciesek betont, die Entwicklung der Fallzahlen werde wesentlich dadurch bedingt, wie konsequent Hygiene- und Abstandsregeln sowie das Tragen von Masken weiter von den Menschen umgesetzt w\u00fcrden. &quot;Ob eine zweite Welle entsteht und wie stark diese ausfallen wird, h\u00e4ngt von dem Verhalten der Menschen ab&quot;, sagt die Direktorin des Instituts f\u00fcr Medizinische Virologie. &quot;Vernachl\u00e4ssigen wir die Gefahr, die durch dieses Coronavirus unver\u00e4ndert ausgeht, k\u00f6nnte sie signifikant ausfallen.&quot;<\/p>\n<p><em>Anmerkung der Redaktion: In einer fr\u00fcheren Version dieses Artikels hie\u00df es, die Sun-Yat-sen-Nationaluniversit\u00e4t in Kaohsiung sei eine chinesische Hochschule. Sie befindet sich aber nicht in der Volksrepublik China, sondern in Taiwan. Wir haben das pr\u00e4zisiert.<\/em><\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Himmelfahrt in Frankfurt am Main: Weil sich derzeit viele im Freien aufhalten, ist das Infektionsrisiko niedriger Ralph Peters\/ imago images Wer in diesen Tagen durch deutsche Innenst\u00e4dte l\u00e4uft, k\u00f6nnte den Eindruck bekommen, die Normalit\u00e4t sei zur\u00fcckgekehrt: Die Terrassen von Restaurants und Caf\u00e9s sind voll, Menschen gehen shoppen, Sicherheitsabst\u00e4nde werden nur noch selten gewahrt. 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