{"id":195,"date":"2020-05-31T16:14:19","date_gmt":"2020-05-31T13:14:19","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/schuloffnungen-in-der-corona-krise-was-kann-deutschland-von-danemark-lernen\/"},"modified":"2020-05-31T16:14:19","modified_gmt":"2020-05-31T13:14:19","slug":"schuloffnungen-in-der-corona-krise-was-kann-deutschland-von-danemark-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/schuloffnungen-in-der-corona-krise-was-kann-deutschland-von-danemark-lernen\/","title":{"rendered":"Schul\u00f6ffnungen in der Corona-Krise: Was kann Deutschland von D\u00e4nemark lernen?"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/d313f2e6-3ac8-46d7-9694-f07ab991e355_w948_r1.77_fpx30_fpy55.01.jpg\" title=\"Ende April in einer Kopenhagener Grundschule: Zu der Zeit waren in Deutschland alle Klassenr\u00e4ume noch geschlossen\" alt=\"Ende April in einer Kopenhagener Grundschule: Zu der Zeit waren in Deutschland alle Klassenr\u00e4ume noch geschlossen\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Ende April in einer Kopenhagener Grundschule: Zu der Zeit waren in Deutschland alle Klassenr\u00e4ume noch geschlossen<\/p>\n<p> THIBAULT SAVARY\/ AFP <\/figcaption><\/figure>\n<p>Bj\u00f8rn Haldur h\u00e4tte nicht gedacht, dass er sich einmal so intensiv damit befassen w\u00fcrde, wie T\u00fcrklinken am besten zu reinigen sind. Er h\u00e4tte auch nicht geglaubt, dass er den gro\u00dfen Pausenhof einmal einteilen w\u00fcrde in viele kleine Pausenh\u00f6fe, oder dass er dar\u00fcber nachdenken w\u00fcrde, Absperrb\u00e4nder quer \u00fcber die Flure zu spannen, wie an einem Tatort.<\/p>\n<p>Haldur leitet die Svend G\u00f8nge-Skolen, eine Schule in der Kleinstadt Vordingborg, eine Zugstunde vor Kopenhagen. 420 Kinder lernen hier. Aber in den vergangenen Monaten war Haldur vor allem damit besch\u00e4ftigt, m\u00f6glich zu machen, was w\u00e4hrend der Coronakrise in den meisten L\u00e4ndern undenkbar war: Unterricht im Klassenzimmer.<\/p>\n<p>Nach Ostern \u00f6ffneten in D\u00e4nemark die Schulen wieder &#8211; und damit fast einen Monat fr\u00fcher als in Deutschland. D\u00e4nische Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler kehrten schrittweise zur\u00fcck in die Klassenr\u00e4ume. In Deutschland begehrten M\u00fctter und V\u00e4ter auf, die Regierung lasse sie mit der Kinderbetreuung allein; in D\u00e4nemark machte Ministerpr\u00e4sidentin Mette Frederiksen klar: Familien m\u00fcssen in der Krise entlastet werden. Auch Kitas und Kinderg\u00e4rten nahmen deshalb schnell wieder den Betrieb auf.<\/p>\n<p>Frederiksen hatte ihrem Land zwar sehr fr\u00fch einen strikten Lockdown verordnet, bereits am 14. M\u00e4rz hatte D\u00e4nemark die Grenzen zu den Nachbarl\u00e4ndern geschlossen. Doch die Regierung begann auch besonders schnell, diese Beschr\u00e4nkungen wieder zu lockern. &quot;Um D\u00e4nemark vorsichtig und kontrolliert \u00f6ffnen zu k\u00f6nnen&quot;, sagte Frederiksen und meinte den Neuanfang in den Schulen, &quot;m\u00fcssen wir eine Gratwanderung wagen.&quot;<\/p>\n<p>Wie hat diese Gratwanderung funktioniert? Und wie sieht sie \u00fcberhaupt aus? Wie haben sich die Fallzahlen in D\u00e4nemark entwickelt?<\/p>\n<p>&quot;Die Schwierigkeit war, die Eltern zu \u00fcberzeugen, dass wir wissen, was wir tun. Dass sich ihr Kind nicht ansteckt und dass wir die Lage im Griff haben&quot;, sagt Schulleiter Haldur. In den ersten Tagen h\u00e4tten ungef\u00e4hr 20 Prozent der Eltern ihre Kinder aus Angst vor einer Ansteckung noch nicht zum Unterricht geschickt. Mittlerweile seien aber fast alle zur\u00fcck an der Svend G\u00f8nge-Skolen.<\/p>\n<p>Um Vertrauen zu schaffen, schickte Haldur einen Infobrief an die Familien, darauf steht zum Beispiel:<\/p>\n<p><em>&quot;Alle vasker h\u00e6nder ved ankomst!&quot; \u2013<\/em><strong><em> Wasche deine H\u00e4nde, wenn du ankommst.&quot;<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Oder<em>:<\/em><\/p>\n<p><em>&quot;Alle elever m\u00f8der direkte ind i deres klasse af brandd\u00f8ren! &#8211; <\/em><strong><em>Alle Sch\u00fcler treffen sich direkt in ihrer Klasse an der Brandschutzt\u00fcr!&quot;<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wenn man Hardur, 48 Jahre, fragt, was er Kolleginnen in Deutschland raten kann, dann kommt er immer wieder auf den &quot;gro\u00dfen Plan&quot; zu sprechen. &quot;Du brauchst einen gro\u00dfen Plan, wann welche Sch\u00fcler wo unterrichtet werden. Wer mit wem Kontakt hat, um Infektionsketten nachvollziehen zu k\u00f6nnen. Wann welche T\u00fcrklinke gereinigt wird. Organisation ist alles.&quot;<\/p>\n<p>Die Regierung, sagt Haldur, habe eine &quot;Orientierung&quot; geboten, aber den &quot;gro\u00dfen R\u00fcckkehr-Plan&quot; habe jede Schule selbst aufstellen m\u00fcssen:<\/p>\n<p>Zuerst kehrten die Klassen null \u2013 die d\u00e4nische Vorschulklasse \u2013 bis f\u00fcnf zur\u00fcck in den Unterricht, also die Sechs- bis Elfj\u00e4hrigen. Ein paar Wochen sp\u00e4ter folgten die 12- bis 16-J\u00e4hrigen, bis zur Stufe neun.<\/p>\n<p>Die Klassen sind auf je zwei R\u00e4ume und auf zwei Lehrkr\u00e4fte verteilt, mit zwei Metern Abstand zwischen den Tischen. Unterricht im Schichtbetrieb, vier Stunden am Tag, von 8 bis 12 Uhr die J\u00fcngeren, von 10 bis 14 Uhr die \u00c4lteren. Zwischen den Schichten: Desinfektion der R\u00e4ume, Vorbereitung auf den n\u00e4chsten Schwung. Die Kinder und Jugendlichen m\u00fcssen alle zwei Stunden ihre H\u00e4nde waschen. Die Lehrkr\u00e4fte seien schon mehr gefordert als in normalen Zeiten, sagt Haldur.<\/p>\n<p>Haldur sagt, D\u00e4nemarks Sch\u00fcler seien in einer privilegierten Situation. Ein Gro\u00dfteil der Kinder bekomme von der Schule einen Tabletcomputer ausgeh\u00e4ndigt \u2013 das habe sich im Corona-Lockdown als gro\u00dfer Vorteil erwiesen: Denn auch Kinder aus finanziell schlechter gestellten Haushalten konnten so voll am digitalen Unterricht teilnehmen.<\/p>\n<p>In Deutschland ist die Diskussion dar\u00fcber neu entfacht, welche Rolle Kinder bei der Ausbreitung des neuen Coronavirus tats\u00e4chlich spielen. Aufregung gab es gerade um eine Studie des Virologen Christian Drosten von der Berliner Charit\u00e9 und seiner Kollegen, laut der Kinder, die mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert sind, genauso ansteckend sein k\u00f6nnten wie Erwachsene. Die Studie schien die Entscheidung zu best\u00e4tigen, Kinderg\u00e4rten und Schulen in Deutschland besser geschlossen zu halten.<\/p>\n<p>Vier medizinische Fachgesellschaften riefen zuletzt dazu auf, Kitas, Kinderg\u00e4rten und Grundschulen &quot;m\u00f6glichst zeitnah&quot; wiederzuer\u00f6ffnen, und zwar &quot;uneingeschr\u00e4nkt&quot;.<\/p>\n<p>Auch in D\u00e4nemark gibt es zur Frage um die Ansteckungsgefahr durch Kinder keine eindeutige Linie. Die \u00d6ffnung der Schulen jedenfalls f\u00fchrte nicht zu einem Anstieg der Corona-Fallzahlen: Die Neuinfektionen sinken seit Wochen.<\/p>\n<p>Direkt an einem Fjord im Osten D\u00e4nemarks, im St\u00e4dtchen Tappern\u00f8je, liegt das &quot;Marjatta&quot;, eine spezielle Schule f\u00fcr behinderte Kinder. Viele von ihnen wohnen dort unter der Woche in einem angegliederten Internat, alle zwei Wochen werden sie von ihren Eltern abgeholt und verbringen das Wochenende zu Hause. In normalen Zeiten. Und in der Coronakrise?<\/p>\n<p>Lisbeth Schmitz, 59 Jahre, ist Lehrerin am Marjatta. Sie sagt, ihre Schule sei auch w\u00e4hrend des strengen Lockdowns durchgehend in Betrieb gewesen. Die Betreuung eines behinderten Kindes sei besonders viel Aufwand, meist eine Rund-um-die-Uhr-Aufgabe. Die Eltern habe man damit nicht allein lassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Schmitz beobachtet, dass der durch die Vorsichtsma\u00dfnahmen entschleunigte Schulalltag vielen Kindern sogar guttue. &quot;Gerade sehr sensible oder autistische Kinder sind von L\u00e4rm und Hektik schnell \u00fcberfordert. Sie genie\u00dfen, dass gerade weniger Action angesagt ist und die Lerngruppen kleiner sind.&quot;<\/p>\n<p>&quot;Vielleicht werden wir manche Dinge nach der Coronakrise gar nicht mehr zur\u00fcck\u00e4ndern&quot;, sagt Schmitz.<\/p>\n<p>Klar, man habe vieles anders organisiert, sagt Schmitz, zum Beispiel Terrassent\u00fcren als Eing\u00e4nge in die Klassen genutzt, damit nicht alle durch die gro\u00dfe Pforte gehen m\u00fcssen. Man habe weniger Spiele gespielt, in denen sich die Kinder gegenseitig ber\u00fchren oder viel klatschen. Rund um die Uhr sei medizinisches Personal in Bereitschaft, im Fall des Falles &#8211; viele Kinder, etwa mit dem Downsyndrom, z\u00e4hlen aufgrund eines Herzfehlers zur Corona-Risikogruppe.<\/p>\n<p>Auch das gro\u00dfe Begr\u00fc\u00dfungsritual, der Morgenkreis, an dem sich normalerweise alle Kinder der Schule in einen gro\u00dfen Kreis im Hof aufstellen, an der Hand nehmen und ein Lied singen, falle im Moment aus.<\/p>\n<p>Ein paar Kinder im Marjatta k\u00f6nnen das mit dem Coronavirus nicht verstehen, sagt Schmitz, sie br\u00e4uchten aber auch in normalen Zeiten mehr Betreuung. Insgesamt k\u00f6nne man den Kindern aber jede Menge Verantwortung zutrauen. Dass sie sich richtig die H\u00e4nde waschen zum Beispiel. Sie sei ein paar Mal mit zur Toilette gegangen, um zu gucken, wie die Kinder das mit dem Einseifen anstellen. &quot;Das haben die Kinder toll geschafft,&quot; sagt sie. &quot;Ich glaube, das Bewusstsein f\u00fcr Hygiene wird bleiben.&quot;<\/p>\n<p>In etwa f\u00fcnf Wochen beginnen die Sommerferien in D\u00e4nemark. Bis dahin hat das Bildungsministerium f\u00fcr alle Klassen die Pr\u00fcfungen gestrichen. Nur Abschlusspr\u00fcfungen wie das Abitur sollen noch durchgef\u00fchrt werden, teilweise pr\u00fcfen Lehrer ihre Sch\u00fcler via Facetime oder Skype.<\/p>\n<p>Schulleiter Bj\u00f8rn Haldur, in Vordingborg, sagt, alle, Lehrer, Kinder, Eltern, seien froh, dass mit der Schul\u00f6ffnung ein bisschen Alltag zur\u00fcck ist: &quot;Nat\u00fcrlich machen wir viele Fehler, aber das ist okay. Denn wir machen das alle zum ersten Mal.&quot;<\/p>\n<p>Am Marjatta, sagt Lehrerin Schmitz, haben die Kinder der dritten Klassen im Werkunterricht Sitzb\u00e4nke gezimmert, f\u00fcr den gro\u00dfen Hof, und f\u00fcr die Zeit nach Corona, wenn man wieder gemeinsam auf so einer Bank Pause machen kann.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Ende April in einer Kopenhagener Grundschule: Zu der Zeit waren in Deutschland alle Klassenr\u00e4ume noch geschlossen THIBAULT SAVARY\/ AFP Bj\u00f8rn Haldur h\u00e4tte nicht gedacht, dass er sich einmal so intensiv damit befassen w\u00fcrde, wie T\u00fcrklinken am besten zu reinigen sind. 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