{"id":19353,"date":"2023-04-02T08:07:01","date_gmt":"2023-04-02T05:07:01","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/luftverschmutzung-in-italien-wer-das-klima-schutzen-will-sollte-eher-parmesan-essen\/"},"modified":"2023-04-02T08:07:01","modified_gmt":"2023-04-02T05:07:01","slug":"luftverschmutzung-in-italien-wer-das-klima-schutzen-will-sollte-eher-parmesan-essen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/luftverschmutzung-in-italien-wer-das-klima-schutzen-will-sollte-eher-parmesan-essen\/","title":{"rendered":"Luftverschmutzung in Italien: \u00bbWer das Klima sch\u00fctzen will, sollte eher Parmesan essen\u00ab"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Bereits im M\u00e4rz hat Mailand einen Gro\u00dfteil des Feinstaublimits f\u00fcr das ganze Jahr \u00fcberschritten. Der Umweltaktivist Damiano Di Simine k\u00e4mpft f\u00fcr bessere Luft in der Region \u2013 und erkl\u00e4rt, was das mit K\u00e4se zu tun hat.  <\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Herr Di Simine, Mailand hat laut der Plattform IQ Air in diesem Jahr bereits an fast 30 Tagen die EU-Grenzwerte f\u00fcr Feinstaub \u00fcberschritten. Erlaubt sind 35 \u00dcberschreitungen j\u00e4hrlich. Der Seite zufolge ist Mailand damit die schmutzigste Metropole in Europa. Versinkt Ihre Stadt im Smog?<\/p>\n<p><strong>Di Simine: <\/strong>Es sieht derzeit wirklich nicht gut aus. Aber die Situation ist in kleineren St\u00e4dten der Lombardei wie Cremona oder Mantua oft noch viel schlimmer. Dort misst IQ Air nicht. Die Luftqualit\u00e4t ist seit Jahren ein Problem der ganzen Po-Ebene. Aktuell gibt es gleich mehrere Gr\u00fcnde, weshalb es so schlimm ist.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Welche sind das?<\/p>\n<p><strong>Di Simine: <\/strong>Zum einen hat der Verkehr seit Ende der Pandemie wieder deutlich zugenommen. Das sorgt f\u00fcr einen gro\u00dfen Teil der Stickstoffdioxidbelastung. Italien ist ohnehin ein Land mit einer hohen Autodichte. Auch die Industriebetriebe laufen wieder auf Hochtouren, hier bei uns in Norditalien liegt das wirtschaftliche Zentrum des Landes. Andererseits bekommen wir seit zwei Jahren auch die Auswirkungen der Trockenheit zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Wie meinen Sie das?<\/p>\n<p><strong>Di Simine:<\/strong> Der Regen w\u00fcrde normalerweise viele Partikel aus der Luft filtern und zu Boden bringen. Aber er fehlt uns. Wir erleben bereits das zweite Jahr mit extremer Trockenheit. Dazu kommt eine Besonderheit, die wir jeden Winter erleben, die sogenannte thermische Inversion. Das hei\u00dft: Die unteren Luftschichten am Boden sind k\u00e4lter als die oberen, die Luft zirkuliert nicht mehr. Dadurch bleiben Abgase, Smog und Schadstoffe noch l\u00e4nger am Boden, die Luft wird schmutziger.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Spielt die geografische N\u00e4he zu den Alpen auch eine Rolle?<\/p>\n<p><strong>Di Simine: <\/strong>Ja, die Berge wirken oft wie eine Mauer. Hier im Norden Italiens sitzen viele Autokonzerne, es leben hier sehr viele Menschen, die t\u00e4glich mit dem Auto pendeln, es gibt aber auch viel Landwirtschaft. Das alles gibt es einzeln auch an anderen Orten in Europa. Auch in Deutschland werden Autos gebaut, auch in den Niederlanden oder Frankreich gibt es viele K\u00fche. Aber kaum eine europ\u00e4ische Region hat das alles zusammen und noch dazu so nah an einem Gebirge. Wir m\u00fcssen uns dem stellen. In Zeiten des Klimawandels k\u00f6nnen wir nicht mehr lange so weitermachen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Ist den politisch Verantwortlichen diese Lage bewusst?<\/p>\n<p><strong>Di Simine: <\/strong>Ich bin Umweltsch\u00fctzer. Es wird viel zu wenig getan, das ist meine feste \u00dcberzeugung. Aber ich muss anerkennen, dass es in und um Mailand Fortschritte gibt. Das Tempo f\u00fcr den Verkehr wurde in der Innenstadt vielerorts reduziert. In der Pandemie wurden neue Radwege angelegt. Es gibt bereits eine Citymaut, allerdings nur f\u00fcr einen kleinen Bereich. Auch tempor\u00e4re Fahrverbote und Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 30 km\/h in einigen Bereichen haben geholfen, aber sie gelten noch nicht konsequent genug. Jedes Jahr sterben allein in Mailand etwa 1500 Menschen durch schmutzige Luft. Noch mehr werden krank. Viele wissen das. Aber was unternommen wird, reicht nicht im Ansatz aus. Vor allem die Landwirtschaft wird noch v\u00f6llig verschont.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Wie k\u00f6nnte man es besser machen?<\/p>\n<p><strong>Di Simine: <\/strong>Der Umgang mit Lebensmitteln ist in Italien zu einer Obsession geworden. Wir sind zu Recht stolz auf unser Essen. Aber wir sollten daf\u00fcr nicht unsere Umwelt zerst\u00f6ren. Vieles, was in der Lombardei hergestellt wird, ist Massenware f\u00fcr den Export. Wissen Sie, was Gran Padano und Parmesan mit der Luftverschmutzung in Norditalien zu tun haben?<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Erz\u00e4hlen Sie es mir.<\/p>\n<p><strong>Di Simine:<\/strong> Beide K\u00e4sesorten ben\u00f6tigen viel Milch, f\u00fcr die es wiederum viele Tiere braucht. Solange es Massenprodukte sind, m\u00fcssen die Molkereien und Bauern viel davon produzieren, um davon leben zu k\u00f6nnen. Sie \u00fcberd\u00fcngen den Boden, um Futtermittel anzubauen, ihr Vieh sorgt f\u00fcr massenweise Ammoniak, das eine Vorstufe von Feinstaub ist. Alles nur, damit Sie in Deutschland am Ende m\u00f6glichst g\u00fcnstig und gedankenlos einkaufen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Sollten wir jetzt keinen italienischen K\u00e4se mehr essen, um das Klima zu sch\u00fctzen?<\/p>\n<p><strong>Di Simine: <\/strong>Sie m\u00fcssen nicht auf Parmesan verzichten, um die Luft in Mailand zu verbessern, aber weniger davon w\u00e4re tats\u00e4chlich hilfreich. Ich w\u00fcnsche mir eine Viehhaltung, die sich am Weinanbau orientiert. Vor 30 Jahren haben wir auch hier m\u00f6glichst billig f\u00fcr die Masse produziert. Heute ist italienischer Wein wieder ein gesch\u00e4tztes Lebensmittel. Die Winzer produzieren heute weniger, aber sie verdienen sogar mehr als fr\u00fcher. Dennoch kann sich jeder weiterhin ein Glas Pinot Grigio leisten. Nur nicht mehr so gedankenlos. So sollte es auch mit unserem K\u00e4se sein. Die Regeln f\u00fcr Parmesan sind streng. Denn die K\u00fche, deren Milch daf\u00fcr verwendet wird, d\u00fcrfen nur mit Heu und Gras gef\u00fcttert werden. Bei anderen K\u00e4sesorten wird dagegen oft Soja verwendet, das billig aus S\u00fcdamerika importiert wird und in mehrerlei Hinsicht eine schlechtere Umweltbilanz hat. Wer das Klima und die Luft sch\u00fctzen will, sollte also vielleicht eher Parmesan essen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Wir wollten eigentlich \u00fcber die Luftverschmutzung in Mailand sprechen. Wie erleben Sie dort die Situation?<\/p>\n<p><strong>Di Simine: <\/strong>Uns droht ein gro\u00dfer R\u00fcckschritt. Viele Menschen wollen sich nicht weiter einschr\u00e4nken. Sie leiden unter den vielen Krisen unserer Zeit, aufgrund der Gentrifizierung k\u00f6nnen sich viele das Leben in Mailand heute nicht mehr leisten. Die Kluft zwischen dem Zentrum und den Vororten wird gr\u00f6\u00dfer. Manche Politikerinnen und Politiker nutzen das aus und k\u00e4mpfen pl\u00f6tzlich symbolisch f\u00fcr das Auto. Es ist auf einmal wieder das Symbol f\u00fcr Freiheit. Dabei sind wir noch weit vom Ziel entfernt. Eigentlich sollte man in Mailand m\u00f6glichst viele Parkpl\u00e4tze abschaffen. Heute kann man wirklich \u00fcberall in der Stadt parken. Solange das so ist, kommen die Leute nat\u00fcrlich jeden Tag angefahren. Auch die Radwege n\u00fctzen dann nicht viel. Viele sind ohnehin nicht zusammenh\u00e4ngend.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Haben Sie f\u00fcr dieses Problem auch eine griffige L\u00f6sung parat?<\/p>\n<p><strong>Di Simine: <\/strong>Tja. Ein konsequentes Tempolimit auf 30 km\/h w\u00e4re gut, dar\u00fcber wird gerade diskutiert. Und mehr Z\u00fcge und S-Bahnen. Das Leben soll ja besser und ges\u00fcnder werden, schwierig genug ist es schon jetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits im M\u00e4rz hat Mailand einen Gro\u00dfteil des Feinstaublimits f\u00fcr das ganze Jahr \u00fcberschritten. 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