{"id":191,"date":"2020-05-30T20:38:12","date_gmt":"2020-05-30T17:38:12","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/mobilitat-in-der-corona-krise-weniger-schiene-mehr-pedal\/"},"modified":"2020-05-30T20:38:12","modified_gmt":"2020-05-30T17:38:12","slug":"mobilitat-in-der-corona-krise-weniger-schiene-mehr-pedal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/mobilitat-in-der-corona-krise-weniger-schiene-mehr-pedal\/","title":{"rendered":"Mobilit\u00e4t in der Corona-Krise: Weniger Schiene, mehr Pedal"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/b2062409-2a1c-410e-b1ab-26718133501a_w948_r1.77_fpx47.04_fpy49.98.jpg\" title=\"Boomendes Verkehrsmittel: Fahrr\u00e4der in Osnabr\u00fcck\" alt=\"Boomendes Verkehrsmittel: Fahrr\u00e4der in Osnabr\u00fcck\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Boomendes Verkehrsmittel: Fahrr\u00e4der in Osnabr\u00fcck<\/p>\n<p> Friso Gentsch\/ DPA <\/figcaption><\/figure>\n<p>Homeoffice statt B\u00fcro, keine Konzerte, keine Sportveranstaltungen: In Corona-Zeiten waren die Deutschen viel weniger unterwegs als sonst. Busse blieben leer, in den Gro\u00dfst\u00e4dten fuhren Geister-U-Bahnen &#8211; auch, weil Menschen Angst hatten, sich anzustecken.<\/p>\n<p>Ein ganz anderes Bild zeigte sich auf Fahrradwegen und Stra\u00dfen: Viele Deutsche stiegen aufs Rad, um von A nach B zu kommen. Mehrere St\u00e4dte haben auf den Trend reagiert: Allein im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wurden in den vergangenen Wochen zahlreiche Pop-up-Radwege eingerichtet. Daf\u00fcr fielen Parkpl\u00e4tze und Raum f\u00fcr Autos auf den Fahrbahnen weg.<\/p>\n<p>Aber wie stark hat sich das Mobilit\u00e4tsverhalten der Deutschen in der Zeit von Ausgangs- und Kontaktbeschr\u00e4nkungen tats\u00e4chlich ver\u00e4ndert? Und was bleibt davon nach den Lockerungen? Antworten geben jetzt Daten des Marktforschungsinstituts GfK.<\/p>\n<h3><strong>Messdaten statt Bauchgef\u00fchl<\/strong><\/h3>\n<p>Zusammen mit dem Berliner Start-up Motiontag wertete die GfK die Mobilit\u00e4tsgewohnheiten von rund 1500 Menschen in ganz Deutschland aus. Quelle: eine App, die unter anderem aus dem Bewegungsprofil, der Geschwindigkeit, der Beschleunigung und externen Daten wie gespeicherten Liniennetzpl\u00e4nen des \u00d6PNV errechnet, mit welchem Verkehrsmittel die Studienteilnehmer gerade unterwegs sind: Wann auf dem Fahrrad? Wie lange mit dem Auto oder mit dem Bus?<\/p>\n<p>Ein Ergebnis der Datensammler: In Corona-Zeiten hatten die Teilnehmer in der Tat einen deutlich kleineren Bewegungsradius &#8211; und dieses Ph\u00e4nomen dauert an, auch nach dem Ende der strengen Kontaktauflagen. Zwar ist die Gesamtzeit, die die Menschen mobil verbringen, wieder etwas angestiegen seit Anfang Mai. Aber das Vor-Corona-Niveau ist noch l\u00e4ngst nicht wieder erreicht:<\/p>\n<p>Im Moment verbringen die Menschen etwa eine Stunde am Tag unterwegs, zu Fu\u00df, auf dem Rad, mit dem Auto oder in Bus und Bahn. Der Wert vor der Coronakrise: eine Stunde und 24 Minuten. Die Mobilit\u00e4t hat also um etwa 30 Prozent abgenommen. Bei den Verkehrsmitteln ist der gr\u00f6\u00dfte Gewinner tats\u00e4chlich das Fahrrad: Die Deutschen verbringen mehr als doppelt so viel Zeit im Sattel wie vorher \u2013 auch zuletzt noch. Allein mit besserem Wetter l\u00e4sst sich diese Entwicklung nicht erkl\u00e4ren. Im April stieg die Zeit auf dem Fahrrad zwischenzeitlich sogar auf das Vierfache im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit. Besonders bemerkenswert: Am Sonntag, dem 12. April, sa\u00dfen die Deutschen den Daten zufolge 0,23 Stunden (14 Minuten) im Sattel, jedoch nur 0,20 Stunden (12 Minuten) im Auto. Damit war das Fahrrad das wichtigste Verkehrsmittel, von den eigenen F\u00fc\u00dfen abgesehen. An anderen Wochenendtagen lagen beide Verkehrsmittel nahezu gleichauf.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Autofahrer zur Hochzeit der Coronakrise im April nur etwa die H\u00e4lfte der sonst \u00fcblichen Zeit auf der Stra\u00dfe verbracht haben, n\u00e4hert sich die Zahl inzwischen wieder dem Normalwert an \u2013 zumindest montags bis freitags. An Wochenenden hingegen lassen auch Gewohnheitsautofahrer inzwischen viel \u00f6fter den Wagen stehen: weniger Kurztrips wegen Grenzschlie\u00dfungen, keinen Ausflug in Tierparks, der Besuch bei Oma f\u00e4llt aus. Die im Auto verbrachte Zeit hat um etwa 20 Prozent abgenommen \u2013 zugunsten von Fahrrad und dem Spaziergang:<\/p>\n<p>Das Auto scheint f\u00fcr viele Deutsche also etwas an Bedeutung verloren zu haben \u2013 das spiegelt sich auch in den Kaufpl\u00e4nen, die die GfK abgefragt hat: W\u00e4hrend \u00fcber eine Neuauflage der Abwrackpr\u00e4mie diskutiert wird, zeigt sich die \u00fcberwiegende Mehrheit der Deutschen davon unbeeindruckt. 74 Prozent der Befragten haben im Moment nicht vor, ein Auto zu kaufen, Corona und Abwrackpr\u00e4mie hin oder her. F\u00fcr 16 Prozent ist zwar ein Autokauf geplant \u2013 der habe aber nichts mit Corona und der aktuellen Diskussion zu tun. F\u00fcnf Prozent der Befragten werden wegen der Coronakrise nun kein Auto kaufen. Ebenfalls f\u00fcnf Prozent der Deutschen gaben an, sich ein Auto kaufen zu wollen, obwohl sie es vor der Coronakrise nicht geplant hatten. F\u00fcr die Konsumentenstudie befragte die GfK zwischen dem 8. und 10. Mai 500 repr\u00e4sentativ ausgew\u00e4hlte Menschen ab 16 Jahre online.<\/p>\n<h3><strong>Die Schiene verliert<\/strong><\/h3>\n<p>Die gr\u00f6\u00dften Corona-Verlierer sind ganz offensichtlich Bahn und Bus. Die dort verbrachte Zeit hat im Vergleich zu einer normalen Arbeitswoche vor Corona um mehr als 20 Prozent abgenommen. Zwischenzeitlich war der Wert noch deutlicher abgesunken. Der \u00d6PNV bleibt also stark unter Druck, obwohl Pendler aus ihren Homeoffices in die B\u00fcros zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>Diese Tendenz best\u00e4tigen Zahlen des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmer (VDV). Der hat bei seinen etwa 400 Mitgliedsbetrieben nachgefragt: Im Schnitt lag die durchschnittliche Auslastung w\u00e4hrend der Corona-Ausgangsbeschr\u00e4nkungen um 75 bis 80 Prozent unter dem Vorjahreswert. Zwischenzeitlich verzeichneten die Betriebe sogar einen Fahrgastr\u00fcckgang von bis zu 90 Prozent, etwa im l\u00e4ndlichen Raum, wo sonst vor allem Sch\u00fcler Busse nutzen. Nach den Schul\u00f6ffnungen und den Lockerungen in einzelnen Bundesl\u00e4ndern betr\u00e4gt der R\u00fcckgang inzwischen noch etwa 60 Prozent, so der Verband. Offenbar spielt die Furcht vor Ansteckung \u00fcber Aerosole in den Waggons noch eine gro\u00dfe Rolle.<\/p>\n<h3><strong>Rettungsschirm f\u00fcr den \u00d6PNV?<\/strong><\/h3>\n<p>Das legen auch Daten nahe, die Google ausgewertet hat. Der Konzern erfasst, wie oft bestimmte Orte von Menschen aufgesucht werden, Bahnh\u00f6fe oder Parks etwa. Viele Handybesitzer erlauben Google das Tracken ihres Handys und die damit verbundenen anonymisierten Auswertungen. Die Nutzung \u00f6ffentlicher Verkehrsmittel hat auch in den Google-Daten stark abgenommen, Ende M\u00e4rz um mehr als 80 Prozent zum Beispiel. Google hat daf\u00fcr analysiert, wie viele Menschen sich an Haltestellen oder Bahnh\u00f6fen aufhalten.<\/p>\n<p>Um den \u00d6PNV zu unterst\u00fctzen, haben die Verkehrsminister inzwischen einen Rettungsschirm von f\u00fcnf Milliarden Euro vom Bund gefordert. Ob der wirklich aufgespannt wird, ist bislang jedoch noch nicht entschieden. Inzwischen gew\u00f6hnen sich die Deutschen weiter ans Fahrrad.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Boomendes Verkehrsmittel: Fahrr\u00e4der in Osnabr\u00fcck Friso Gentsch\/ DPA Homeoffice statt B\u00fcro, keine Konzerte, keine Sportveranstaltungen: In Corona-Zeiten waren die Deutschen viel weniger unterwegs als sonst. Busse blieben leer, in den Gro\u00dfst\u00e4dten fuhren Geister-U-Bahnen &#8211; auch, weil Menschen Angst hatten, sich anzustecken. 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