{"id":19029,"date":"2023-03-19T06:35:56","date_gmt":"2023-03-19T03:35:56","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/menschenhandel-zehnmal-mehr-ukrainerinnen-fur-sexuelle-dienstleistungen-angeboten\/"},"modified":"2023-03-19T06:35:56","modified_gmt":"2023-03-19T03:35:56","slug":"menschenhandel-zehnmal-mehr-ukrainerinnen-fur-sexuelle-dienstleistungen-angeboten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/menschenhandel-zehnmal-mehr-ukrainerinnen-fur-sexuelle-dienstleistungen-angeboten\/","title":{"rendered":"Menschenhandel: \u00bbZehnmal mehr Ukrainerinnen f\u00fcr sexuelle Dienstleistungen angeboten\u00ab"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">T\u00e4ter suchen im Netz nach \u00bbUkrainischem Fl\u00fcchtlings-Porno\u00ab \u2013 und werden f\u00fcndig: Seit Beginn des Krieges sind vor allem Frauen, Kinder und Jugendliche extrem gef\u00e4hrdet, sexuell ausgebeutet zu werden. Und das Risiko steigt.  <\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Seit Beginn des russischen Angriffskriegs wird gewarnt, dass gefl\u00fcchtete ukrainische Frauen und Kinder Opfer von Menschenhandel werden k\u00f6nnten. Warum?<\/p>\n<p><strong>Richey:<\/strong> Wir wissen aus der Vergangenheit, dass Menschen auf der Flucht besonders gef\u00e4hrdet sind, ausgebeutet zu werden. Wir wissen auch, dass Ukrainerinnen in Europa bereits seit vielen Jahren mit am h\u00e4ufigsten Opfer von Ausbeutung wurden. Nach der Annexion der Krim durch Russland stiegen die Zahlen bereits rasant an. 90 Prozent der Menschen, die nun vor dem Krieg aus der Ukraine gefl\u00fcchtet sind, sind Frauen und Kinder. Oft haben sie wenig Geld oder Kontakte. Es ist klar, dass die Risikofaktoren extrem hoch sind.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Was ist seitdem passiert?<\/p>\n<p><strong>Richey:<\/strong> Zun\u00e4chst stieg die Nachfrage nach ukrainischen Frauen und Kindern im Netz. Suchanfragen wie \u00bbUkrainische Escorts\u00ab oder \u00bbUkrainischer Fl\u00fcchtlings-Porno\u00ab verhundertfachten sich nach dem Kriegsbeginn am 24. Februar 2022. Zehntausende suchten danach. Es ist verst\u00f6rend. Man muss sich das mal vorstellen: Jemand denkt diese Worte und tippt sie dann in seine Tastatur ein. Es gibt eine Menge M\u00e4nner, deren erste Reaktion auf den Krieg die Frage war, wie sie an diese Frauen sexuell herankommen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Was folgte auf die explodierende Nachfrage?<\/p>\n<p><strong>Richey:<\/strong> Manche Leute denken, das sei kein gro\u00dfes Problem, das seien nur Freaks im Internet, die irgendetwas eintippen. Aber es ist ein gro\u00dfes Problem. Denn die Menschenh\u00e4ndler und die Betreiber der Websites, die Menschen f\u00fcr sexuelle Dienstleistungen anbieten, wissen von der Nachfrage und wollen sie zu Geld machen. Da gab es etwa eine irische Website, die angab, dass 250 Prozent mehr User nach ukrainischen Frauen suchten \u2013 und sie hier bei ihnen richtig seien. Wir haben auch Onlinechats \u00fcberwacht auf Telegram oder Viber, wo Ukrainerinnen nach Jobs oder Unterk\u00fcnften suchten. Und wir haben einen starken Anstieg an verd\u00e4chtigen Angeboten ausgemacht. Es ging um Web-Cam-Arbeit oder das Treffen ausl\u00e4ndischer Kunden, also klassische Rekrutierung f\u00fcr Prostitution.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Wie erfolgreich war diese Rekrutierung?<\/p>\n<p><strong>Richey:<\/strong> Im August hat eine niederl\u00e4ndische Firma, die europ\u00e4ische Sex-Websites analysiert, herausgefunden: In Folge des Krieges werden dort nun zehnmal mehr Ukrainerinnen f\u00fcr sexuelle Dienstleistungen angeboten als zuvor. Das ist keine Kleinigkeit. In weniger als sechs Monaten ein Anstieg um das Zehnfache! Nat\u00fcrlich sind nicht alle der angebotenen Frauen Ukrainerinnen. Es sind auch Russinnen oder Rum\u00e4ninnen. Aber das ist nicht der Punkt. Es geht darum, wie die erh\u00f6hte Nachfrage sehr schnell in reale Ausbeutung verwandelt wird.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Wie viele F\u00e4lle von Menschenhandel sind bisher bekannt?<\/p>\n<p><strong>Richey:<\/strong> Wenig \u00fcberraschend ist, dass es bisher nicht viele bekannte F\u00e4lle gibt. Es ist schwierig, sie zu finden und noch viel schwieriger in einem Kontext, in dem Prostitution legal ist. Es ist einfacher, F\u00e4lle von Arbeitsausbeutung zu identifizieren \u2013 da gibt es klare Standards, die verletzt werden k\u00f6nnen. Aber blicken wir noch mal in die Vergangenheit: Nach der Annexion der Krim 2014 dauerte es zwei Jahre, bis wir den starken Anstieg der in Europa sexuell ausgenutzten Ukrainerinnen gesehen haben. Ich denke, das Risiko war in den ersten sechs Monaten des Krieges nicht am h\u00f6chsten. Die Zeit des gr\u00f6\u00dften Risikos beginnt jetzt. Den Leuten geht das Geld aus. Die paar Hundert Euro, die sie monatlich von staatlichen Stellen erhalten, reichen nicht aus.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Welche Organisationen stehen hinter dem Menschenhandel mit Ukrainerinnen?<\/p>\n<p><strong>Richey:<\/strong> Die organisierten kriminellen Netzwerke, die mit Ukrainerinnen bereits zuvor gehandelt haben, sind sehr wahrscheinlich dieselben, die das auch jetzt machen. Die Wege und Verbindungen existieren bereits. Das Ganze wird nun eben hochgefahren. Was bedeutet das? Diejenigen, die mit den Ukrainerinnen Geld machen, sind h\u00e4ufig selbst Ukrainer. Die ukrainischen Gruppen haben dann beispielsweise Verbindungen zu polnischen oder deutschen Gruppen. So funktioniert es oft, etwa auch im Fall der Nigerianerinnen, die in Europa f\u00fcr Prostitution ausgenutzt werden. Die Menschenh\u00e4ndler sind selbst Nigerianer; oft leben sie in Europa.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Was ist \u00fcber Menschenhandel mit ukrainischen Kindern und Jugendlichen bekannt?<\/p>\n<p><strong>Richey:<\/strong> Es gab etwa einen Vorfall in Irland: Eine 18-J\u00e4hrige und ihre 17-j\u00e4hrige Schwester verschwanden und tauchten kurze Zeit sp\u00e4ter auf einer Sex-Website auf. Gerade Teenager, die eher auch mal unbegleitet reisen, sind einem hohen Risiko ausgesetzt. Es kommt seltener vor, dass eine Neunj\u00e4hrige f\u00fcr Prostitution missbraucht wird \u2013 aber mit M\u00e4dchen zwischen 15 und 17 Jahren passiert das h\u00e4ufiger. F\u00fcr j\u00fcngere Kinder aus der Ukraine ist ein anderes Szenario wahrscheinlich: Sie k\u00f6nnten zur Kleinkriminalit\u00e4t gezwungen werden, also beispielsweise zu Taschendiebstahl oder Drogenverkauf. Dieses Problem nimmt in Europa und weltweit massiv zu. Hinzu kommt das Risiko, dass j\u00fcngere Kinder im Rahmen von Onlinemissbrauch sexuell ausgenutzt werden. Hier bin ich sehr besorgt, was unbegleitete Kinder und solche in Institutionen wie Kinderheimen betrifft. Ich habe etwa in Polen eine Anlaufstelle f\u00fcr behinderte Kinder besichtigt. Es war ein gro\u00dfer Raum mit 150 Kindern und nur wenigen Betreuern. Die Personen, an die diese Kinder weitervermittelt werden, werden wom\u00f6glich nicht ganz so gr\u00fcndlich durchgecheckt. Und das ist extrem problematisch.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Ihre Generalsekret\u00e4rin sagte k\u00fcrzlich in einem Interview,             der Handel mit schwangeren Frauen habe in den L\u00e4ndern der OECD zugenommen. Betrifft diese Entwicklung auch die Ukraine?<\/p>\n<p><strong>Richey:<\/strong> Tats\u00e4chlich gibt es Beweise, dass der Handel mit Babys und schwangeren Frauen zugenommen hat, allerdings nicht in Bezug auf die Ukraine. Bulgarien und auch Griechenland sind zwei L\u00e4nder, die in der Vergangenheit damit Probleme hatten. Wir sehen immer mehr F\u00e4lle, die gemeldet werden, allgemein gesagt. Wir sprechen hier von Zwangsadoption, also \u00fcber Schwangere, die man zwingt, ihr Baby abzugeben. Daran verdient eine dritte Partei. Ich meine damit nicht Leihmutterschaft, die in der Ukraine ein gro\u00dfes Thema mit vielen problematischen Aspekten ist. Zur Leihmutterschaft arbeiten wir nicht.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Laut verschiedener Berichte haben Menschenhandel und sogenannte moderne Sklaverei weltweit zugenommen.<\/p>\n<p><strong>Richey:<\/strong> Vor 20 Jahren haben wir mit dem Palermo-Protokoll die erste internationale Konvention gegen Menschenhandel erarbeitet. Und trotz all unserer Bem\u00fchungen, unserer Strategien und Gesetze verschlimmert sich die Situation. Wir sehen einen Anstieg um zehn Prozent in den vergangenen f\u00fcnf Jahren. Die Internationale Organisation f\u00fcr Arbeit (ILO) geht von 27,5 Millionen Opfern im Jahr 2022 aus.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Liegt das nicht auch daran, dass heute mehr F\u00e4lle bekannt werden, es eine bessere Aufkl\u00e4rung gibt?<\/p>\n<p><strong>Richey:<\/strong> Ich denke nicht, dass sich diese Zahlen nur dadurch erkl\u00e4ren lassen. Und ich m\u00f6chte mit Blick auf die Ukraine noch erg\u00e4nzen: Das Gebiet, auf dem wir den gr\u00f6\u00dften Anstieg verzeichnen, ist die kommerzielle sexuelle Ausbeutung. Menschenhandel mit Arbeitskr\u00e4ften erh\u00e4lt mehr internationale Aufmerksamkeit derzeit, aber sie ist nur um acht Prozent gestiegen. Die sexuelle Ausbeutung von Menschen ist um rund ein Drittel angestiegen, es ist eine regelrechte Explosion. Die Situation in der Ukraine k\u00f6nnen wir als eine Art Mikrokosmos betrachten: Wir sehen die hohe Nachfrage, die Technologie, die alles erm\u00f6glicht, und den gro\u00dfen Profit, um den es geht. Und wir tun einfach nicht genug, um das Ganze zu stoppen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Was sollte dagegen getan werden?<\/p>\n<p><strong>Richey: <\/strong>Neben wichtigen Aufkl\u00e4rungskampagnen f\u00fcr Gefl\u00fcchtete braucht es vor allem weitere Gesetze zur Bek\u00e4mpfung von Menschenhandel, da ist noch viel Luft nach oben. Zum einen geht es um Gesetze, wonach Unternehmen sicherstellen m\u00fcssen, dass sie keine Menschenrechte verletzen oder Menschenhandel beg\u00fcnstigen. Zweitens braucht es Gesetze, die Technologie-Unternehmen regulieren. Sie m\u00fcssen sehr viel besser \u00fcberwachen, was auf ihren Plattformen geschieht. Die Mindestanforderung w\u00e4re, sicherzustellen, dass diejenigen, die dort abgebildet werden, das auch wollen. Drittens sollten wir Gesetze entwickeln, die sich an die Nachfrageseite richten. Wir m\u00fcssen endlich die Realit\u00e4t der sexuellen Ausbeutung anerkennen und uns an die Fersen derer heften, die das Ganze erst m\u00f6glich machen: Die M\u00e4nner, die davon profitieren. Die Frage, die wir uns stellen m\u00fcssen, lautet: \u00bbWie halten wir M\u00e4nner davon ab, Sex bei den Opfern von Menschenh\u00e4ndlern zu kaufen?\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>T\u00e4ter suchen im Netz nach \u00bbUkrainischem Fl\u00fcchtlings-Porno\u00ab \u2013 und werden f\u00fcndig: Seit Beginn des Krieges sind vor allem Frauen, Kinder und Jugendliche extrem gef\u00e4hrdet, sexuell ausgebeutet zu werden. Und das<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":19030,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-19029","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19029","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19029"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19029\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19030"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19029"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19029"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19029"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}