{"id":1900,"date":"2020-08-16T21:50:46","date_gmt":"2020-08-16T18:50:46","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/belarus-prasident-alexander-lukaschenko-kann-weniger-anhanger-mobilisieren-als-gegner\/"},"modified":"2020-08-16T21:50:46","modified_gmt":"2020-08-16T18:50:46","slug":"belarus-prasident-alexander-lukaschenko-kann-weniger-anhanger-mobilisieren-als-gegner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/belarus-prasident-alexander-lukaschenko-kann-weniger-anhanger-mobilisieren-als-gegner\/","title":{"rendered":"Belarus: Pr\u00e4sident Alexander Lukaschenko kann weniger Anh\u00e4nger mobilisieren als Gegner"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/2ff79817-19b3-4a62-b842-e7d135f0922e_w948_r1.77_fpx32.32_fpy49.99.jpg\" title=\"Lukaschenko-Anh\u00e4nger in Minsk: Die Plakate sind vorgefertigt; statt den wei\u00df-rot-wei\u00dfen Fahnen der Opposition weht die rot-gr\u00fcne offizielle Nationalfahne\" alt=\"Lukaschenko-Anh\u00e4nger in Minsk: Die Plakate sind vorgefertigt; statt den wei\u00df-rot-wei\u00dfen Fahnen der Opposition weht die rot-gr\u00fcne offizielle Nationalfahne\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Lukaschenko-Anh\u00e4nger in Minsk: Die Plakate sind vorgefertigt; statt den wei\u00df-rot-wei\u00dfen Fahnen der Opposition weht die rot-gr\u00fcne offizielle Nationalfahne<\/p>\n<p>  Foto:\u2002TATYANA ZENKOVICH\/EPA-EFE\/Shutterstock  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Eine Woche nach der umstrittenen Pr\u00e4sidentschaftswahl in Belarus hat Alexander Lukaschenko ein Kr\u00e4ftemessen in der Hauptstadt Minsk veranstaltet, sozusagen einen direkten Vergleich zwischen der Zahl seiner Anh\u00e4nger und der seiner Gegner. Das Resultat, so kann man am Sonntagabend sagen, ist eindeutig ausgefallen.<\/p>\n<p>Der Gr\u00f6\u00dfenvergleich beginnt am Sonntagmittag auf dem Unabh\u00e4ngigkeitsplatz. Eigentlich wollte die Opposition hier demonstrieren \u2013 sie protestiert gegen das offenkundig manipulierte Wahlresultat (Lukaschenko schreibt sich 80 Prozent der Stimmen zu) und gegen Polizeigewalt.<\/p>\n<p>Aber der Pr\u00e4sident hat kurzerhand eine Gro\u00dfkundgebung seiner Unterst\u00fctzer organisiert, aus dem ganzen Land hat man sie hergebracht. Es sind gut Zehntausend Menschen, und man kann sie schon \u00e4u\u00dferlich leicht von den Lukaschenko-Gegnern unterscheiden, die am Freitag hier demonstriert haben: Kein einziges Plakat ist handgemalt, alle sind vorgefertigt; statt den wei\u00df-rot-wei\u00dfen Fahnen der Opposition weht die rot-gr\u00fcne offizielle Nationalfahne; das Publikum ist \u00e4lter; und es ist schwerer, die Leute zum Reden zu bringen, denn viele sind offenbar nicht ganz aus eigenem Willen hier.<\/p>\n<p>Was die Anwesenden nicht wissen: Pr\u00e4sident Lukaschenko selbst wird zu ihnen sprechen, in einer 30 Minuten dauernden, hochemotionalen Rede. Aber bis dahin ziehen 19 andere Rednerinnen und Redner \u00fcber die B\u00fchne neben dem Lenin-Denkmal. Ein Offizier der ber\u00fcchtigten Omon-Sonderpolizei ist darunter, eine kinderreiche Mutter, ein Arbeiter, eine \u00c4rztin, ein Lehrer, ein Afghanistan-Veteran. Fast alle werden sie den Frieden im Land beschw\u00f6ren, den die Gegenseite bedrohe, und dass doch alles in recht guter Ordnung sei, Gott und dem Pr\u00e4sidenten sei Dank.<\/p>\n<h3>Batka, V\u00e4terchen nennen sie ihn hier<\/h3>\n<p>Dann kommt Lukaschenko auf die B\u00fchne, begr\u00fc\u00dft von &quot;Batka&quot;-Rufen. Batka, V\u00e4terchen, nennen sie ihn hier, und wie ein liebevoller, strenger, ein wenig von seinem undankbaren Volk entt\u00e4uschter Vater tritt er heute auf. Er erl\u00e4utert, was er in den schwierigen Neunzigerjahren alles geleistet hat \u2013 aber f\u00fcr die j\u00fcngeren Belarussen ist das graue Vorzeit. Er warnt vor dem Westen: &quot;Die Nato-Leute klirren mit Panzerketten an unserer Westgrenze&quot; \u2013 aber vor den Wahlen hat er noch vor Russlands Einmischung gewarnt.<\/p>\n<p>Jetzt, wo im Land Unruhe herrscht, ist er auf Wladimir Putin im Kreml angewiesen, zweimal hat er in diesen Tagen mit ihm telefoniert. Er nennt die Demonstranten der Gegenseite erst freundlich &quot;Verirrte&quot;, dann aber doch &quot;Ratten&quot; und &quot;Dreck&quot;. Er gei\u00dfelt die Idee von Neuwahlen (&quot;Wer soll dann arbeiten?&quot;). Er ist emotional. Seine Stimme \u00fcberschl\u00e4gt sich hin und wieder, er tupft sich die hei\u00dfe Stirn ab, das Jackett hat er abgelegt. Er spricht weitgehend frei. Zu seiner Rechten steht in Anzug und mit Sonnenbrille Nikolaj, sein 15 Jahre alter Sohn. Auch das ist ein Zeichen des Pr\u00e4sidenten: Meine Familie ist im Land. Ich gebe nicht auf.<\/p>\n<p>&quot;50.000 Menschen und mehr&quot;, sagt Lukaschenko, seien auf dem Platz. Es ist eine ma\u00dflose \u00dcbertreibung. Der Versuch, an diesem Sonntag eine unsichtbare Mehrheit von Lukaschenko sichtbar zu machen, ist gescheitert. Stattdessen versammelt sich an der &quot;Stele&quot;, einem Kriegerdenkmal weiter n\u00f6rdlich, eine riesige Menschenmenge. Hier herrscht eine andere Atmosph\u00e4re: mehr Love-Parade als zorniger Protest, mit einfallsreichen handgemalten Schildern und lustigen wei\u00df-rot-wei\u00dfen Kleidern \u2013 aber ohne B\u00fchne, Reden, Anf\u00fchrer, Struktur. Ein heiteres Beisammensein, begleitet vom st\u00e4ndigen Hupen der vorbeifahrenden Autos. Minsk klingt derzeit \u00fcberhaupt, als w\u00fcrde die belarussische Nationalmannschaft jeden Tag aufs Neue die Fu\u00dfball-WM gewinnen.<\/p>\n<h3>Lukaschenkos Gegner sind lauter<\/h3>\n<p>Von Lukaschenkos Rede auf dem Unabh\u00e4ngigkeitsplatz hat man hier wenig mitbekommen, und das Interesse daran ist auch sehr gering. Dass er \u00fcberall ausl\u00e4ndische Einmischung sieht, das verwundert hier keinen. &quot;Er warnt dauernd, dass andere Belarus erobern wollen \u2013 Polen, Tschechien, der Westen, wer auch immer. Er sieht nicht, dass wir Belarussen Belarus erobern wollen&quot;, sagt der 27-j\u00e4hrige Programmierer Witalij. <\/p>\n<p>Die Anh\u00e4nger von Lukaschenko, die mittags auf dem Unabh\u00e4ngigkeitsplatz waren, sind nach der Gro\u00dfkundgebung still nach Hause gegangen. Lukaschenkos Gegner sind lauter, und sie verlaufen sich nicht so schnell. Die Menge an der Stele str\u00f6mt am Abend auf vielen Wegen zur\u00fcck ins Zentrum, zum Unabh\u00e4ngigkeitsplatz. Derselbe Raum, auf dem der Pr\u00e4sident am Mittag ein Zeichen seiner Unterst\u00fctzung setzen wollte, f\u00fcllt sich nach sechs Uhr mit einem Meer an wei\u00df-rot-wei\u00dfen Flaggen, sogar der breite Unabh\u00e4ngigkeitsprospekt ist voller Menschen. &quot;Geh weg!&quot;, rufen sie, genau dort, wo der Pr\u00e4sident zeigen wollte, dass er das Heft in der Hand hat. Polizei ist nirgends zu sehen.<\/p>\n<p>&quot;Es ist eine ernste, eine sehr ernste Zeit&quot;, so hatte Lukaschenko am Mittag seinen Anh\u00e4ngern erkl\u00e4rt. Wie ernst, das wird er vielleicht erst am Abend ganz verstanden haben, beim Blick auf das Menschenmeer auf dem Unabh\u00e4ngigkeitsplatz.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Lukaschenko-Anh\u00e4nger in Minsk: Die Plakate sind vorgefertigt; statt den wei\u00df-rot-wei\u00dfen Fahnen der Opposition weht die rot-gr\u00fcne offizielle Nationalfahne Foto:\u2002TATYANA ZENKOVICH\/EPA-EFE\/Shutterstock Eine Woche nach der umstrittenen Pr\u00e4sidentschaftswahl in Belarus hat Alexander Lukaschenko ein Kr\u00e4ftemessen in der Hauptstadt Minsk veranstaltet, sozusagen einen direkten Vergleich zwischen der Zahl seiner Anh\u00e4nger und der seiner Gegner. Das Resultat, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1901,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1900","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1900","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1900"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1900\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1901"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1900"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1900"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1900"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}