{"id":1898,"date":"2020-08-16T19:46:49","date_gmt":"2020-08-16T16:46:49","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/us-wahl-2020-wahlparteitage-finden-wegen-corona-nur-noch-virtuell-statt\/"},"modified":"2020-08-16T19:46:49","modified_gmt":"2020-08-16T16:46:49","slug":"us-wahl-2020-wahlparteitage-finden-wegen-corona-nur-noch-virtuell-statt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/us-wahl-2020-wahlparteitage-finden-wegen-corona-nur-noch-virtuell-statt\/","title":{"rendered":"US-Wahl 2020: Wahlparteitage finden wegen Corona nur noch virtuell statt"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/d17df833-7710-42d7-952d-dbbf29ae3f70_w948_r1.77_fpx51.57_fpy50.jpg\" title=\"Im Ballonmeer: Finale des Republikaner-Parteitags 2016\" alt=\"Im Ballonmeer: Finale des Republikaner-Parteitags 2016\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Im Ballonmeer: Finale des Republikaner-Parteitags 2016<\/p>\n<p>  Foto:\u2002JIM YOUNG\/ REUTERS  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Als Melissa Sklarz erfuhr, dass sie als offizielle Delegierte am Wahlparteitag der US-Demokraten teilnehmen w\u00fcrde, war die Freude gro\u00df. F\u00fcr die Ortsvorsitzende aus dem New Yorker Stadtteil Queens sollte es der f\u00fcnfte Parteitag sein. &quot;Wo sonst kann man so viele politische Freunde treffen und neue kennenlernen?&quot;, sagt sie. &quot;Wir schreiben Geschichte und haben Spa\u00df dabei.&quot;<\/p>\n<p>Am selben Tag fand Sklarz heraus, dass der Parteitag wegen der Coronakrise nur noch virtuell stattfinden wird.<\/p>\n<p>&quot;Statt in einer Arena zu feiern, werde ich jetzt in Shorts im Schlafzimmer sitzen, auf meinen Laptop starren und mir zwischendurch in der K\u00fcche was zum Snacken holen&quot;, seufzt sie. Ihre einzige Gesellschaft dabei: ihre Hauskatze namens Puss.<\/p>\n<p>Wie Sklarz ergeht es auch den anderen 3978 demokratischen Parteitagsdelegierten. Da die Pandemie das menschliche Zusammensein in den USA auf absehbare Zeit erschwert, steigt die viert\u00e4gige Feier, die ab dem 17. August eigentlich in Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin geplant war, jetzt nur noch als geschrumpftes Web-Event und TV-Show. Joe Biden, der Kandidat, wird vom sicheren Delaware aus auftreten, wo er lebt.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich halten es die Republikaner. Deren Parteitag Ende des Monats in Florida ist nach langem Hin und Her ebenfalls abgesagt, es soll nun nur ein paar Termine in Charlotte, North Carolina geben, dem urspr\u00fcnglichen Tagungsort. Pr\u00e4sident Donald Trump \u00fcberlegt, seine Rede am Wei\u00dfen Haus zu halten.<\/p>\n<p>Es ist das erste Mal \u00fcberhaupt, dass die turbulent-festlichen Wahlparteitage, eine US-Tradition seit 1831, weitgehend ausfallen. Was die Frage aufwirft: Sind solche Spektakel \u00fcberhaupt noch zeitgem\u00e4\u00df in unserer digitalen Welt?<\/p>\n<p>&quot;Die Parteitage waren mal notwendig&quot;, schreibt der fr\u00fchere Korrespondent und Parteitagsveteran David Shribman im &quot;Boston Globe&quot;. &quot;Jetzt sind sie nur noch \u00fcberfl\u00fcssig.&quot;<\/p>\n<p>Die &quot;<em>conventions<\/em>&quot; gelten als Startschuss und H\u00f6hepunkt der Wahlkampfsaison zugleich. Zehntausende Parteivasallen, Politberater, Journalisten, Spender, Sponsoren und Helfer treffen sich f\u00fcr vier schlaflose Tage und N\u00e4chte. Die Delegierten netzwerken und intrigieren, ab und zu werden neue Stars geboren. Es gibt Alkohol, alberne H\u00fcte, kitschige Souvenir-Humpen, bunte Anstecker und zum Schluss den traditionellen &quot;<em>balloon drop<\/em>&quot;, einen Regen aus blau-wei\u00df-roten Luftballons.<\/p>\n<h3>150 Millionen Dollar f\u00fcr eine Party<\/h3>\n<p>&quot;Du f\u00e4ngst in St\u00f6ckelschuhen an und h\u00f6rst in Flipflops auf&quot;, sagte Kamala Harris, die Vizekandidatin Bidens, der &quot;New York Times&quot;. &quot;Die Leute singen und tanzen und weinen, die ganzen Emotionen, wenn man sich um sein Land sorgt und daf\u00fcr k\u00e4mpfen will, dass es besser wird.&quot;<\/p>\n<p>Doch was ist sonst noch der Zweck dieser s\u00fcndhaft teuren Partys? Vor vier Jahren verfeuerten die Parteien 150 Millionen Dollar &#8211; wof\u00fcr? Gut, damals sahen 32 Millionen TV-Zuschauer Trumps Kr\u00f6nungsrede und 30 Millionen die Rede von Hillary Clinton. Doch meist sind diese Ansprachen schnell vergessen, abgesehen von wenigen Schnipseln &#8211; etwa der Satz von Bill Clinton 1996 \u00fcber seinen Geburtsort Hope in Arkansas: &quot;Ich glaube noch immer an einen Ort namens Hoffnung.&quot;<\/p>\n<p>Die einst heftigen Debatten ums Parteiprogramm wurden zuletzt schon lange vorher abgehakt. Das Votum \u00fcber die Kandidaten steht ebenfalls fest, der viel beschworene Parteitagskampf zwischen rivalisierenden Fl\u00fcgeln und Kandidaten ist l\u00e4ngst ein Medienmythos. Auch der erhoffte &quot;<em>convention bounce<\/em>&quot;, ein anschlie\u00dfender Umfrageboom, ist meist nur noch kurzlebig.<\/p>\n<p>Was bleiben, sind Anekdoten, Bilder, Szenen. Etwa vom August 1968, zum H\u00f6hepunkt der US-B\u00fcrgerrechtsbewegung, als der Demokraten-Parteitag in Chicago, dem die Attentate auf Martin Luther King und Robert Kennedy vorausgegangen waren, von schweren Unruhen ersch\u00fcttert wurde.<\/p>\n<p>2004 hielten die Republikaner ihr Wahlkonvent f\u00fcr George W. Bush in New York ab &#8211; kurz vor dem dritten Jahrestag der 9\/11-Anschl\u00e4ge. Sie instrumentalisierten das Gedenken schamlos, mit Reden von Ex-B\u00fcrgermeister Rudy Giuliani und dessen Polizeichef Bernard Kerik. Abertausende Demonstranten protestierten vor dem Madison Square Garden, fast 2000 wurden verhaftet und teils verfassungswidrig eingesperrt.<\/p>\n<p>Der Demokraten-Parteitag 2004 in Boston war dagegen brav. Kandidat John Kerry, ein Vietnamveteran, salutierte: &quot;Ich hei\u00dfe John Kerry, und ich melde mich zum Dienst!&quot; Fast mehr Aufsehen erregte jedoch ein junger, schwarzer Senator aus Illinois mit seiner brillanten Jungfernrede: Barack Obama. Es war der Beginn seiner eigenen Pr\u00e4sidentschaftsambitionen.<\/p>\n<p>Diese Ambitionen ballten sich 2008 in Denver, als Obama sich in einem Open-Air-Stadion von 84.000 jubelnden Anh\u00e4ngern feiern lie\u00df &#8211; als erster schwarzer US-Pr\u00e4sidentschaftskandidat. Er bekam allerdings &quot;nur&quot; 72 Prozent der Stimmen &#8211; 23 Prozent gingen an seine Vorwahl-Rivalin Hillary Clinton, die ihre Delegierten erst im letzten Moment freigegeben hatte.<\/p>\n<p>Der Republikaner-Parteitag 2008 in St. Paul, auf dem John McCain nominiert wurde, zeichnete sich vor allem durch die \u00fcberraschende Pr\u00e4sentation einer Vizekandidatin aus, von der zuvor kaum jemand etwas geh\u00f6rt hatte: Sarah Palin. Die Gouverneurin von Alaska legte eine fulminante Rede hin, in der sie den Unterschied zwischen einer &quot;Hockey-Mom&quot; und einem Pitbull erkl\u00e4rte: &quot;Lippenstift.&quot; Ihr triumphaler Moment wurde jedoch bald von privaten Skandalen und desastr\u00f6sen TV-Auftritten \u00fcberstrahlt.<\/p>\n<p>Der Demokraten-Parteitag 2016 in Philadelphia stand ganz im Zeichen des E-Mail-Hacking-Skandals der Partei, der die Nominierung von Clinton als erster weiblichen Kandidatin \u00fcberschattete. Die lautesten Schlagzeilen machte dabei Trump im fernen Florida, als er Russland \u00f6ffentlich aufforderte, weitere &quot;verschwundene&quot; E-Mails Clintons zu &quot;finden&quot; &#8211; was russische Hacker der US-Justiz zufolge dann tats\u00e4chlich am selben Tag versuchten.<\/p>\n<p>Trumps eigener Parteitag 2016 war von Chaos gepr\u00e4gt. Trotz eines dramatisch inszenierten Auftritts war seine Kandidatur umstritten. Parteigr\u00f6\u00dfen wie Bush, McCain und Mitt Romney, der Kandidat von 2012, boykottierten das Treffen in Cleveland, Senator Ted Cruz verweigerte Trump die Stimme. Trumps Frau Melania Trump kupferte ihren Vortrag teils von Michelle Obamas Parteitagsauftritt 2008 ab, und Trumps Rede war eine d\u00fcstere, apokalyptische Melange aus Parolen, L\u00fcgen und Beschimpfungen.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: ein Vorgeschmack auf Trumps Pr\u00e4sidentschaft.<\/p>\n<p><em>Korrespondent Marc Pitzke hat bisher \u00fcber zehn US-Wahlparteitage berichtet, je f\u00fcnf demokratische und republikanische. <\/em><\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Im Ballonmeer: Finale des Republikaner-Parteitags 2016 Foto:\u2002JIM YOUNG\/ REUTERS Als Melissa Sklarz erfuhr, dass sie als offizielle Delegierte am Wahlparteitag der US-Demokraten teilnehmen w\u00fcrde, war die Freude gro\u00df.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1899,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1898","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1898","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1898"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1898\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1899"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1898"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1898"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1898"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}