{"id":1894,"date":"2020-08-16T15:40:07","date_gmt":"2020-08-16T12:40:07","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/die-grunen-und-olaf-scholz-die-unerklarten\/"},"modified":"2020-08-16T15:40:07","modified_gmt":"2020-08-16T12:40:07","slug":"die-grunen-und-olaf-scholz-die-unerklarten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/die-grunen-und-olaf-scholz-die-unerklarten\/","title":{"rendered":"Die Gr\u00fcnen und Olaf Scholz: Die Unerkl\u00e4rten"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/9d634ec0-0001-0004-0000-000001489587_w948_r1.77_fpx61.47_fpy55.jpg\" title=\"Gr\u00fcnenchefin Annalena Baerbock, Co-Chef Robert Habeck (beim Parteitag in Bielefeld im November 2019)\" alt=\"Gr\u00fcnenchefin Annalena Baerbock, Co-Chef Robert Habeck (beim Parteitag in Bielefeld im November 2019)\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Gr\u00fcnenchefin Annalena Baerbock, Co-Chef Robert Habeck (beim Parteitag in Bielefeld im November 2019)<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Guido Kirchner\/DPA  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Um eines soll es an diesem Abend nicht gehen, sagt Arndt Klocke, der gr\u00fcne Fraktionschef im nordrhein-westf\u00e4lischen Landtag, n\u00e4mlich darum, wer seine Partei in den Bundestagswahlkampf f\u00fchren wird: Annalena Baerbock oder Robert Habeck. Damit aber hat er die Frage nat\u00fcrlich erst recht gestellt, zumindest in den Raum.<\/p>\n<p>Klocke steht auf einer kleinen B\u00fchne aus Holz in einem Biergarten in K\u00f6ln, hinter ihm sind bunte Regenschirme aufgespannt, es ist Donnerstagabend, wenige Minuten zuvor hat es heftig geregnet. Auf einer Bierbank sitzt Annalena Baerbock. In Nordrhein-Westfalen finden in einem Monat Kommunalwahlen statt, die Gr\u00fcnenchefin ist auf ihrer Sommertour zur Unterst\u00fctzung angereist.<\/p>\n<p>Klocke erz\u00e4hlt, er habe auf dem Weg w\u00e4hrend einer Radiosendung geh\u00f6rt, wie NRW-Ministerpr\u00e4sident Armin Laschet, der ja auch gern CDU-Vorsitzender und Bundeskanzler werden m\u00f6chte, gefragt worden sei, wen er denn lieber zum Vizekanzler wolle: Habeck oder Baerbock. Er wendet sich an Baerbock: &quot;Die Frage werden wir auch gar nicht stellen, weil wenn, wollen wir dich ja zur Bundeskanzlerin.&quot; Applaus und zustimmende Rufe aus dem Publikum.<\/p>\n<p>Seit die SPD Olaf Scholz vor wenigen Tagen als Kanzlerkandidaten nominiert hat, w\u00e4chst der Druck nicht nur auf die Union, sondern auch auf die Gr\u00fcnen, ihrerseits Klarheit zu schaffen. Zwar war die Personalie Scholz grunds\u00e4tzlich erwartet worden, der fr\u00fche Zeitpunkt aber hat die Konkurrenz \u00fcberrascht. Nun sieht die Lage so aus: Bei den Sozialdemokraten wei\u00df der W\u00e4hler, wen er bekommt, die anderen m\u00fcssen sich erst noch sortieren.<\/p>\n<p>Seit vielen Monaten wird dar\u00fcber spekuliert, welcher der beiden Parteivorsitzenden die Gr\u00fcnen in die kommende Bundestagswahl f\u00fchren wird. Auf Nachfragen erkl\u00e4ren sie stets, es sei noch nicht an der Zeit, diese Frage zu beantworten. Die Gr\u00fcnen wollen sich nicht treiben lassen, schon gar nicht von der SPD. Sie halten einstweilen an ihrer Strategie fest, so lange wie m\u00f6glich abzuwarten &#8211; mindestens bis ins n\u00e4chste Jahr, am liebsten bis in den Fr\u00fchling.<\/p>\n<p><strong>Das kann Vorteile haben: <\/strong>Die Partei will sich nicht blamieren. Die Bundestagswahl 2013 hat die Gr\u00fcnen gezeichnet, damals waren sie mit guten Umfrageergebnissen in den Wahlkampf gestartet, um dann bei ern\u00fcchternden 8,4 Prozent der Stimmen zu landen. Die Partei m\u00f6chte die M\u00f6glichkeit haben, auf neue Umst\u00e4nde reagieren zu k\u00f6nnen: auf den neuen CDU-Vorsitzenden, der im Dezember gew\u00e4hlt wird, auf den Kanzlerkandidaten der Union, auf die Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-W\u00fcrttemberg.<\/p>\n<p><strong>Es gibt aber auch Nachteile: <\/strong>Trotz Corona &#8211; der Wahlkampf d\u00fcrfte schneller starten, als den Gr\u00fcnen lieb ist. Die Amtsinhaberin Angela Merkel wird nicht mehr kandidieren, und wenn sich abzeichnet, wer die Union in die Wahl f\u00fchren wird, wird sich der Fokus auf jene Kandidaten richten, die schon feststehen. Scholz oder Laschet, Scholz oder der bayerische Ministerpr\u00e4sident Markus S\u00f6der, Scholz oder Gesundheitsminister Jens Spahn. Dann laufen die Gr\u00fcnen Gefahr, im Abseits zu stehen.<\/p>\n<p>Der erste Warnschuss kommt vom Umfrageinstitut Insa, die Demoskopen des Instituts sehen die Gr\u00fcnen wenige Tage nach der Scholz-Nominierung hinter der SPD, 15 Prozent zu 18 Prozent. F\u00fcr die SPD ist es ein erstes, zartes Zeichen f\u00fcr die lang ersehnte Erholung, f\u00fcr die Gr\u00fcnen das Gegenteil.<\/p>\n<p>Auf ihrer Sommerreise l\u00e4sst sich Baerbock nichts anmerken. &quot;Bisher sind wir mit unserem Kurs gut gefahren&quot;, sagt sie. Vor der Veranstaltung in K\u00f6ln ist sie zu Gast bei Bayer, dem Chemiekonzern, dem unter anderem die umstrittene Saatgutfirma Monsanto geh\u00f6rt, die Pflanzen mithilfe von Gentechnik z\u00fcchtet. Kein Ort, an dem die Gr\u00fcnen sich normalerweise zu Hause f\u00fchlen. F\u00fcr den Normal-Gr\u00fcnen ist schon Bayer eine Zumutung, Monsanto aber schier unertr\u00e4glich. Das Unternehmen hat etwa das Herbizid Roundup auf den Markt gebracht &#8211; Hauptwirkstoff ist der Pflanzenvernichter Glyphosat.<\/p>\n<p>Baerbock scheint keine Probleme im Umgang mit Bayer zu haben. Sie spricht die unterschiedlichen Haltungen zu gr\u00fcner Gentechnik an, aber sie ist dabei ausgesucht h\u00f6flich. Darauf angesprochen, sagt sie, sie sei &quot;kein Gast, der kommt und sagt, ich habe eine Liste von Kritikpunkten mitgebracht&quot;. Es sei nicht Zweck der Sommerreise, alte Meinungsverschiedenheiten wieder zu diskutieren, vor allem in Zeiten der Pandemie. &quot;F\u00fcr mich ist die entscheidende Frage, was k\u00f6nnen wir in Zukunft gemeinsam anders machen. Gar nicht so sehr als Gr\u00fcne, sondern als Politik insgesamt.&quot;<\/p>\n<h3>Entscheidung liegt bei Habeck und Baerbock<\/h3>\n<p>Klingt staatstragend, Baerbock will zeigen, sie denke nicht nur gr\u00fcn, sondern \u00fcber Parteigrenzen hinaus. M\u00fcsste ihre Partei entscheiden, h\u00e4tte die beliebte Chefin wohl gute Chancen, Kanzlerkandidatin zu werden. Sie gilt als fachlich versiert und bodenst\u00e4ndig. Sie ist ehrgeizig, und sie hat keine Angst davor, Macht einzufordern.<\/p>\n<p>Nicht nur Baerbock, auch Habeck ist mit gesundem Selbstvertrauen ausgestattet. Mit dem Machtbegriff aber hadert er, als sei Macht etwas Unanst\u00e4ndiges, etwas, das man nicht wollen sollte. Die Macht passt nicht zu seiner Selbstinszenierung als ewig lockerer Charmeur.<\/p>\n<p>Die Partei aber wird nicht entscheiden, wer sie in den Wahlkampf f\u00fchren soll, das sollen Baerbock und Habeck, Stand jetzt, unter sich ausmachen. Zu gro\u00df ist die Gefahr, dass sich die gr\u00fcne Basis bei einem Duell spaltet. Die Person, die nicht zum Kanzlerkandidaten gek\u00fcrt wird, soll dennoch eine gro\u00dfe Rolle im Wahlkampf spielen &#8211; das geht besser ohne einen vorher ausgetragenen Kampf um Zustimmung.<\/p>\n<p>Strategisch sind sich Baerbock und Habeck zumindest vorerst offenbar einig. Nicht vorpreschen, vorsichtig bleiben. Das Dilemma: Scheitert ihr Kalk\u00fcl, wird nicht mehr auszumachen sein, ob die Vorsitzenden ihre Partei marginalisiert haben, oder ob es Hybris gewesen w\u00e4re, sich fr\u00fcher f\u00fcr einen Kandidaten zu entscheiden.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Gr\u00fcnenchefin Annalena Baerbock, Co-Chef Robert Habeck (beim Parteitag in Bielefeld im November 2019) Foto:\u2002Guido Kirchner\/DPA Um eines soll es an diesem Abend nicht gehen, sagt Arndt Klocke, der<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1895,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1894","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1894","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1894"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1894\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1895"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1894"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1894"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1894"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}