{"id":18876,"date":"2023-03-12T15:53:42","date_gmt":"2023-03-12T12:53:42","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/schwangere-russinnen-in-argentinien-warum-so-viele-dort-ihre-kinder-bekommen\/"},"modified":"2023-03-12T15:53:42","modified_gmt":"2023-03-12T12:53:42","slug":"schwangere-russinnen-in-argentinien-warum-so-viele-dort-ihre-kinder-bekommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/schwangere-russinnen-in-argentinien-warum-so-viele-dort-ihre-kinder-bekommen\/","title":{"rendered":"Schwangere Russinnen in Argentinien: Warum so viele dort ihre Kinder bekommen"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Mehr als 10.500 schwangere Russinnen sind seit 2022 zur Geburt ihres Kindes nach Buenos Aires geflogen. Ihre Babys erhalten dort die Staatsb\u00fcrgerschaft. Ein Besuch bei Frauen, deren \u00bbGeburtstourismus\u00ab nun f\u00fcr \u00c4rger sorgt.  <\/p>\n<p>Polina Ivanova*streicht \u00fcber ihren runden Bauch, der sich unter grauem Feinripp hervorw\u00f6lbt. Die Russin sitzt in einem Caf\u00e9 in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, trinkt Orangensaft. Sie ist in der 38. Woche schwanger. Ihr Sohn, sagt der Arzt, dr\u00fccke schon auf den Muttermund.<\/p>\n<p>Eigentlich, erz\u00e4hlt Ivanova, 27, h\u00e4tten sie und ihr Freund sich schon l\u00e4ngerein Kind gew\u00fcnscht. Doch als sie im vergangenen Juni auf den Schwangerschaftstest starrte, habe sie gedacht: \u00bbFuck, das ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt.\u00ab Nach Kriegsbeginn sei sie in der Innenstadt von Moskau festgenommen worden, ihr wurde vorgeworfen, an einem Protest teilgenommen zu haben, so erz\u00e4hlt sie es. \u00bbSie machen mit dir, was sie wollen\u00ab, sagt sie und knetet eine Papierserviette zwischen ihren Fingern. \u00bbIch wusste sofort, dass mein Baby noch einen anderen Pass braucht als den russischen.\u00ab<\/p>\n<p>Ivanova suchte nach einem Land mit guter medizinischer Versorgung, stabiler Sicherheitslage, dem Geburtsrecht auf Staatsangeh\u00f6rigkeit \u2013 und in das sie problemlos einreisen konnte. \u00bbMir war auch wichtig, dass es eine Demokratie ist\u00ab, sagt sie. Sie fand eine Telegramgruppe, in der Gleichgesinnte Informationen austauschen, dachte \u00fcber Chile nach. Diesen Plan verwarf sie, das Land war zu teuer. Schlie\u00dflich stie\u00df sie auf Argentinien. Seit sechs Wochen ist sie nun in Buenos Aires, um dort ihr Baby zur Welt zu bringen.<\/p>\n<p>Wer in Argentinien geboren wird, ist automatisch Staatsb\u00fcrger, und auch die Eltern bekommen den argentinischen Pass vergleichsweise einfach. Er gilt als einer der st\u00e4rksten weltweit, erm\u00f6glicht die visumfreie Einreise in mehr als 170 L\u00e4nder, darunter auch den Schengenraum. Argentinien war daher, wie viele lateinamerikanische L\u00e4nder, schon l\u00e4nger ein Ziel f\u00fcr sogenannten Geburtstourismus \u2013 doch seit Putins Angriffskrieg auf die Ukraine sind die Zahlen explodiert: Mehr als 10.500 Russinnen bekamen laut Migrationsbeh\u00f6rde seit Januar 2022 ein Kind in Argentinien, in den letzten Monaten sind die Zahlen nochmals deutlich angestiegen.<\/p>\n<p>Argentinien ist stolz auf seine offene, von der Verfassung gesch\u00fctzte Einwanderungskultur, die Migranten auf der Suche nach einer besseren Zukunft willkommen hei\u00dft. Doch als im Februar in einem Flugzeug der Ethiopian Airlines gleich 33 hochschwangere Russinnen anreisten, wurden einige von ihnen am Flughafen zeitweise festgesetzt, bis ein richterlicher Entscheid ihre Freilassung anordnete. Seither wird das Thema in der \u00d6ffentlichkeit breit diskutiert: Sind die Schwangeren nun politische Fl\u00fcchtlinge oder schamlose Nutznie\u00dfer einer L\u00fccke im Gesetz?<\/p>\n<p>Wenn die Taxifahrer Max Levoshin, 38, fragen, warum er hier sei, antwortet er mit einem Witz: \u00bbNat\u00fcrlich wegen des Wetters.\u00ab Er und seine Frau Kate Gordienko, 30, sitzen an einem Mittwoch im Februar im f\u00fcnften Stockwerk der Trinidad-Privatklinik auf einem beigefarbenen Sofa. Sie sind nach Argentinien gekommen, um zu bleiben, jedenfalls erst mal. Der Schl\u00fcssel dazu liegt auf Gordienkos Scho\u00df, hei\u00dft Leo, sechs Tage alt, 3285 Gramm Geburtsgewicht. Er kam in der 41. Schwangerschaftswoche zur Welt, \u00bbdie argentinischen Jungs\u00ab, erkl\u00e4rt Gordienko, \u00bbhaben es nicht so eilig.\u00ab<\/p>\n<p>Das Krankenhaus im schicken Viertel Palermo verf\u00fcgt \u00fcber eine integrierte Meldestelle. Um 13 Uhr sollte das Paar die Geburtsurkunde ihres Sohnes erhalten. \u00bbI am so sorry\u00ab, erkl\u00e4rt der amtliche \u00dcbersetzer, \u00bbes wird sich alles verz\u00f6gern, es ist einfach zu viel los.\u00ab F\u00fcr den Termin haben sie einen englischsprachigen Helfer beauftragt, alle russischen waren auf Wochen ausgebucht. Vier weitere russische Paare sitzen im Wartesaal. \u00bbMehr als die H\u00e4lfte aller Neugeborenen hier sind inzwischen von russischen Eltern\u00ab, sagt die Mitarbeiterin der Meldestelle.<\/p>\n<p>Es ist die Woche, in der sich der russische Angriff auf die Ukraine zum ersten Mal j\u00e4hrt. Vom Krieg erfuhr Levoshin im Pool eines Luxushotels in Dubai, als sich zwei G\u00e4ste unterhielten. \u00bbIch konnte es nicht glauben\u00ab, sagt er. Sie reichten ihm das Handy ins Wasser. Er hielt das Ganze f\u00fcr Fake News. Bis er seine Mutter anrief.<\/p>\n<p>Zur\u00fcckgekehrt ist das Paar seither nicht mehr, zu hoch sei das Risiko f\u00fcr ihn als Mathematiker mit einem Abschluss in Kryptografie, zu wertvoll seine F\u00e4higkeiten f\u00fcr das russische Milit\u00e4r. Stattdessen begann eine Art Odyssee. Nach ein paar Monaten in den Emiraten, folgte die Heirat in Istanbul und eine Episode in Litauen, wo das Paar Panzer in Richtung Grenze rollen sah und st\u00e4ndig Fragen zur Krim beantworten musste, sie sich insgesamt nicht besonders wohlf\u00fchlten. \u00bbIn Europa sind Russen nicht mehr willkommen\u00ab, sagt Levoshin.<\/p>\n<p>Im vergangenen Dezember kamen sie nach Argentinien, weit weg vom Krieg. Zuerst wohnten sie in Airbnbs, dann zogen sie in einen Apartmentkomplexmit Swimmingpool und Sicherheitsdienst f\u00fcr 1200 Dollar im Monat. Die Preise f\u00fcr Kurzzeitvermietungen w\u00fcrden derzeit mit jeder Verl\u00e4ngerung erh\u00f6ht, erz\u00e4hlen sie. Geld sei allerdings nicht ihr Problem. Die Geburt in der Privatklinik kostete rund 3800 Dollar. Weil ihre Kreditkarten aufgrund der Sanktionen im Ausland gesperrt sind, haben sie ihr Geld unter anderem in Bitcoin angelegt und \u00fcberweisen an sich selbst per Western Union.<\/p>\n<p>\u00bbWenn Putin stirbt, k\u00f6nnen wir zur\u00fcckgehen\u00ab, erkl\u00e4rt Levoshin. Viel mehr will er zur Politik seines Landes nicht sagen. Zu Hause in Moskau hat er ein Start-up, das Flugtaxis entwickelt, wie in \u00bbDas f\u00fcnfte Element\u00ab. Weil er auch staatliche F\u00f6rderungen erhielt, haben sich die Investoren aus den USA und Europa seit Kriegsbeginn zur\u00fcckgezogen. Daf\u00fcr erhalte sein Unternehmen Mails von der russischen Regierung. \u00bbIch will nicht, dass meine Maschinen im Krieg eingesetzt werden\u00ab, sagt er. Also soll nun auch die Firma ins Ausland umziehen.<\/p>\n<p>Jeden Morgen geht das Paar im schicken Coffeeshop \u00bbPadre\u00ab in Palermo Avocadotoast und Fruchts\u00e4fte fr\u00fchst\u00fccken. Gordienko tr\u00e4gt Sommerkleider, er blumige Hawaii-Hemden. Der kleine Leo nuckelt an Gordienkos Brust. Levoshin magdie argentinischen Steaks, seiner Frau gefiel besonders die Frida Kahlo Ausstellung. Sie haben viele russische Freunde, suchen derzeit eine Nanny. Die Einheimischen seien freundlich. Sie w\u00fcnschen sich nun eine gro\u00dfe Familie. Beil\u00e4ufig erw\u00e4hnt Levoshin noch zwei T\u00f6chter aus einer fr\u00fcheren Beziehung in Russland, aber das ist weit weg.<\/p>\n<p>Wer ihnen zuh\u00f6rt, bekommt den Eindruck, dass sie gerade ein gro\u00dfes Abenteuer erleben, den s\u00fcdamerikanischen Traum, jenen Cocktail aus Sonne und Jetztzeit, gepaart mit der Schwerelosigkeit der Eliten und einer gewissen geopolitischen Bedeutungslosigkeit der Region, die sich in diesen Tagen als Vorteil erweist.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Honeymoon-Phase der Migration hatte Aleksandra Pasechnik, 25, Kickboxerin aus St. Petersburg, nie die Zeit oder Mittel. Schwanger im achten Monat stieg sie im Sommer 2022allein in ein Flugzeug nach Istanbul. Von dort flog sie nach Frankfurt. Dann weiter nach Buenos Aires, es war die g\u00fcnstigste Variante. Sie hatte Burger dabei, weil man im Flugzeug als Schwangere nicht genug zu essen bekomme, einen Koffer mit Kleidung f\u00fcr sich und das Baby und 1000 Dollar in bar. Ihr Mann sollte noch ein paar Jobs zu Ende bringen, die Wohnung verkaufen und dann mit dem gemeinsamen Sohn nachkommen.<\/p>\n<p>Zum Arzt ging Pasechnik in ein \u00f6ffentliches Krankenhaus. Die Behandlung dort ist gratis f\u00fcr jeden, so sieht es das argentinische Gesundheitssystem vor. In den Fluren stehen junge, schwangere Russinnen in langen Blumenkleidern, begleitet von freiwilligen Helferinnen, denn hierher kommen die Mittellosen. Die T\u00fcren in der Geburtshilfe sind inzwischen auch auf Russisch beschriftet. Zur Geburt ihres Sohnes nahm Pasechnik eine \u00dcbersetzerin mit.<\/p>\n<p>\u00bbNat\u00fcrlich w\u00fcrden wir gerne in unserem Vaterland leben\u00ab, sagt Sergei Pasechnik, 46, Kickbox-Meister und fr\u00fcherer Trainer seiner Frau. Im September traf auch er in Buenos Aires ein. Auf seinem Handy zeigt er ein Foto seines Einzugsbescheides: \u00bbAuf der Grundlage des Dekrets des Pr\u00e4sidenten \u00fcber die Mobilmachung und der Entscheidung der regionalen Mobilmachungskommission befehle ich Ihnen, am 14. Oktober um 14 Uhr unter folgender Adresse vorstellig zu werden \u2026\u00ab Unterschrieben vom Milit\u00e4rkommissar des Bezirks. In der Ukraine zu sterben war f\u00fcr den Vater von bald zwei Kindernkeine Option.<\/p>\n<p>\u00bbDie meisten Russen hier haben viel Geld, wir nicht\u00ab, erkl\u00e4rt er. Als der Kleine einen Monat alt war, w\u00e4ren sie beinahe auf der Stra\u00dfe gelandet. Doch seine Frau erinnerte sich an eine Russin, die sie auf der Toilette bei McDonalds kennengelernt hatte und die schon seit zwei Jahrzehnten in der Stadt lebt und schwangere, reiche Russinnen massiert. Sie half ihnen an eine g\u00fcnstige Wohnung im Arbeiterviertel Almargo zu kommen, rund 180 Dollar zahlen sie im Monat.<\/p>\n<p>Inzwischen haben sie eine Aufenthaltsgenehmigung und klappern auf der Suche nach einem \u00f6ffentlichen Kindergartenplatz das Viertel ab. Aleksandra Pasechnik r\u00fcmpft die Nase, deutet auf Hundekot. Sie muss an die sauberen Gehsteige in St. Petersburg denken. Die Tomaten, sagt sie, schmecken hier nicht. Sie vermisst Familie und Freunde. In ihrem Instagram-Account zeigt sie Bilder aus ihrem alten Leben. Zu sehen ist eine strahlende junge Frau mit einem goldenen G\u00fcrtel um die H\u00fcften bei einem Kickbox-Wettbewerb in \u00d6sterreich 2018.<\/p>\n<p>Als Aleksandra Pasechnik die kleine Wohnung betritt, beginnt sie zu weinen vor Scham. \u00bbSo leben wir jetzt.\u00ab Auf dem Boden liegen ein paar Spielsachen und eine 90-cm-Matratze, auf der sie zu viert schlafen. Einen Tisch konnten sie sich bisher nicht leisten. Immerhin haben sie seit zwei Wochen einen K\u00fchlschrank, darin steht ein gro\u00dfer Topf selbst gekochter Borschtsch, den sie sofort anbietet.<\/p>\n<p>Ihr Mann Sergei arbeitet nun wieder als Trainer, darf gratis ein Fitnessstudio in der N\u00e4he nutzen. \u00bbWir sind keine Digitalnomaden, wir wollen an einem Ort bleiben\u00ab, sagt er. Aleksandra gibt Babymassagen und boxt ebenfalls wieder. \u00bbAber die Wirtschaft in Argentinien\u00ab, Aleksandra Pasechnik zeigt mit dem Daumen nach unten. Wie sollen sie hier Geld verdienen?<\/p>\n<p>Von den 10.500 Russinnen, die im vergangenen Jahr schwanger ankamen, seien laut argentinischer Migrationsbeh\u00f6rde etwa 7000 wieder abgereist. Direktorin Florencia Carignano monierte \u00f6ffentlich, die schwangeren Russinnen h\u00e4tten nicht die Absicht, sich im Land niederzulassen. Sie warnte vor \u00bbmafi\u00f6sen Organisationen\u00ab und sprach von einem \u00bbMillionengesch\u00e4ft\u00ab, weil dubiose Agenturen ihren Kundinnen bis zu 35.000 US-Dollar abkn\u00f6pfen sollen und daf\u00fcr einen reibungslosen Ablauf versprechen, von der Geburt des Kindes bis zum Pass f\u00fcr die Eltern \u2013 selbst wenn sich diese nicht mehr im Land bef\u00e4nden. Gegen mehrere Agenturen wurden Ermittlungen eingeleitet.<\/p>\n<p>Der argentinische Anwalt Christian Rubilar kritisiert jedoch auch die Migrationsbeh\u00f6rde. Diese habe offenbar vorgehabt, den Zustrom an Russinnen zu stoppen. Das sei eine Verletzung der Menschenrechte und der Verfassung. Er h\u00e4lt zudem die genannten Zahlen f\u00fcr nicht akkurat: \u00bbViele der Frauen reisen aus, um etwa eine Wohnung zu verkaufen, im Ausland ein Konto zu er\u00f6ffnen oder Dokumente zu besorgen und kommen dann wieder.\u00ab Die Migrationsbeh\u00f6rde antwortete auf Anfragen des SPIEGEL nicht.<\/p>\n<p>Seit der ganzen Diskussion f\u00fchlt sich Polina Ivanova, deren Sohn bald zur Welt kommen soll, nicht mehr richtig wohl in der Stadt. Sie merkt, dass Leute sie und ihren Bauch anstarren. Die Taxifahrer w\u00fcrden fragen, wann sie wieder abreist. Sie hat Angst, dass das Land sie rauswerfen k\u00f6nnte, immer mehr L\u00e4nder dicht machen f\u00fcr Russinnen. \u00bbDie Welt ist eng geworden f\u00fcr uns.\u00ab<\/p>\n<p>Auf die Frage, wie es weitergehen soll, hat sie keine Antwort. Eine R\u00fcckkehr nach Russland erscheint ihr unm\u00f6glich, \u00bbso lange die Dinge dort sind, wie sie sind\u00ab, sagt sie vorsichtig. Ihre kleine Nichte habe in der Schule Postkarten f\u00fcr die Soldaten an der Front malen m\u00fcssen. \u00bbMeine Kinder sollen nicht so aufwachsen.\u00ab<\/p>\n<p>Ivanovas Freund hat sie bis zur T\u00fcr des Caf\u00e9s gebracht. Mit Journalistinnen m\u00f6chte er nicht sprechen, er hat Angst, seinen Job in Russland zu verlieren, den er im Moment aus dem Homeoffice absolviert und von dem sie leben.<\/p>\n<p>Denn auch die russische Seite hat den Geburtstourismus inzwischen als \u00bbProblem\u00ab identifiziert: Der Duma-Abgeordnete Witali Milonow bezeichnete Frauen, die im Ausland geb\u00e4ren, als solche mit \u00bbgeringer sozialer Verantwortung\u00ab. Man m\u00fcsse \u00fcberlegen, wie man Einschr\u00e4nkungen einf\u00fchren k\u00f6nnte. Die Vorsitzende des Ausschusses f\u00fcr Familie, Frauen und Kinder, Nina Ostanina, forderte das Au\u00dfenministerium auf, Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um russische Frauen vom \u00bbMutterschaftstourismus\u00ab abzuhalten.<\/p>\n<p>\u00bbMeine Mutter war stinksauer, als sie von meiner Flucht erfahren hat. Sie findet, wir sollten alle zusammen sterben, wenn es n\u00f6tig ist f\u00fcr unser Land\u00ab, erz\u00e4hlt Ivanova. \u00bbAber, Mama, was wenn ich leben will?\u00ab, fragte sie. Seit jenem Telefonat haben sie wenig Kontakt.<\/p>\n<p>Ivanova streichelt ihren Bauch, ihre traurigen, gr\u00fcnen Augen blickenirgendwo in die Ferne.<\/p>\n<p>\u00bbWir hatten ein gutes Leben. Wir haben uns das nicht ausgesucht, wir wurden in diese Situation reingeworfen\u00ab, sagt sie, \u00bbso viel Stress und dabei ist man doch als Schwangere ohnehin vulnerabel.\u00ab Dann f\u00fcgt sie schnell hinzu: \u00bbAber nat\u00fcrlich will ich mich nicht bemitleiden. Das alles ist nichts im Vergleich zu dem, was die Ukrainerinnen erleiden.\u00ab<\/p>\n<p>Sie lernt Spanisch, w\u00fcrde gerne einheimische Freunde haben \u2013 und irgendwann Steuern zahlen, als eine Art Wertsch\u00e4tzung. Was ihr hilft, sich etwas mehr zu Hause zu f\u00fchlen, ist die russische Expat-Blase. Sogar Leute, die mit ihnen an denselben Spitzenunis in Moskau studiert haben, h\u00e4tten sie hier wiedergetroffen. Auf Telegram tauschen sie sich \u00fcber alles aus, von Wein bis Windeln. Es g\u00e4be eine Tennis-Gruppe, eine Fu\u00dfball-Gruppe, eine Beauty-Gruppe, erz\u00e4hlt sie. Die allgemeine Begeisterung \u00fcber Wetter, Essen und Leute versteht sie trotzdem nicht ganz: \u00bbIhr seid doch auch alle vor einem Krieg geflohen, oder?\u00ab, fragt sie.<\/p>\n<p>Sie vermisst Moskau, das Gef\u00fchl, das sie dort hatte, aber nun sei alles anders. Der Ort, den sie vermisst, den gibt es so wom\u00f6glich gar nicht mehr.<\/p>\n<p><em>*Wir haben den Namen auf Wunsch der Protagonistin ge\u00e4ndert, der richtige Name ist der Redaktion bekannt.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr als 10.500 schwangere Russinnen sind seit 2022 zur Geburt ihres Kindes nach Buenos Aires geflogen. Ihre Babys erhalten dort die Staatsb\u00fcrgerschaft. 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