{"id":1850,"date":"2020-08-14T13:28:11","date_gmt":"2020-08-14T10:28:11","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/israel-und-vereinigte-arabische-emirate-mohammed-bin-zayed-will-einen-strategischen-frieden\/"},"modified":"2020-08-14T13:28:11","modified_gmt":"2020-08-14T10:28:11","slug":"israel-und-vereinigte-arabische-emirate-mohammed-bin-zayed-will-einen-strategischen-frieden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/israel-und-vereinigte-arabische-emirate-mohammed-bin-zayed-will-einen-strategischen-frieden\/","title":{"rendered":"Israel und Vereinigte Arabische Emirate: Mohammed bin Zayed will einen strategischen Frieden"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/7b27d947-2bdd-4a3d-ae90-0271f779f31b_w948_r1.77_fpx49_fpy20.jpg\" title=\"Mohammed bin Zayed und Donald Trump 2017 bei einem Treffen im Wei\u00dfen Haus\" alt=\"Mohammed bin Zayed und Donald Trump 2017 bei einem Treffen im Wei\u00dfen Haus\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Mohammed bin Zayed und Donald Trump 2017 bei einem Treffen im Wei\u00dfen Haus<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Andrew Harnik\/ AP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Sandstr\u00e4nde, Sonne, Shoppingcenter &#8211; Dubai hat all das. Im \u00dcberfluss. Deshalb lieben Touristen das Emirat am Persischen Golf, vor allem die gigantische Mall im Burj Khalifa, dem h\u00f6chsten Geb\u00e4ude der Welt.<\/p>\n<p>Die Corona-Pandemie hat das Reisen schwer gemacht, aber wenn es wieder m\u00f6glich ist, werden vermutlich wieder j\u00e4hrlich Millionen Touristen kommen und die m\u00e4rchenhafte Dubai-Mall besuchen.<\/p>\n<p>Sie werden das Aquarium bestaunen mit seinen mehr als 30.000 Tieren, w\u00e4hrend ein Lieferservice ihre Eink\u00e4ufe aus den Flagshipstores direkt auf das Hotelzimmer bringt. Sie werden in der Adventszeit All-you-can-eat-Weihnachtsmen\u00fcs in Sushi-Schnellrestaurants essen oder staunend vor dem obligatorischen K\u00fchlraum in den Superm\u00e4rkten stehen, \u00fcber dessen Eingang ein Warnhinweis in arabischer und englischer Sprache steht: &quot;Schweinefleisch-Shop, f\u00fcr Nicht-Muslime&quot;.<\/p>\n<p>Und vielleicht gibt es bald auch eine kleine koschere Ecke in den Superm\u00e4rkten, f\u00fcr j\u00fcdische Kunden.<\/p>\n<p>Seit Donnerstag scheint das zumindest theoretisch m\u00f6glich: Kein Krieg, sondern ein Frieden ist ausgebrochen im Nahen Osten. Israel und Vereinigten Arabische Emirate wollen diplomatische Beziehungen aufnehmen.<\/p>\n<h3>Friedensgespr\u00e4che am Telefon &#8211; Pandemie-Diplomatie<\/h3>\n<p>US-Pr\u00e4sident Donald Trump hat den Wandel durch Ann\u00e4herung zwischen Israels Premier Benjamin Netanyahu und Mohammed bin Zayed, dem starken Mann der Vereinigten Arabischen Emirate, moderiert.<\/p>\n<p>Die drei Politiker haben sich am Telefon auf Frieden geeinigt. Man nennt das wohl Pandemie-Diplomatie. Noch gibt es nur eine Erkl\u00e4rung, keinen Friedensvertrag. Aber allein diese Erkl\u00e4rung ist eine Sensation.<\/p>\n<p>Israel ist bis heute ein Paria im Nahen Osten. Der j\u00fcdische Staat unterh\u00e4lt offiziell nur mit \u00c4gypten und dem haschemitischen K\u00f6nigreich Jordanien diplomatische Beziehungen. Nun also bald auch mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, kurz VAE.<\/p>\n<p>Der autokratisch regierte Staatenbund ist in etwa so gro\u00df wie \u00d6sterreich, dank seines \u00d6ls m\u00e4rchenhaft reich &#8211; und noch sehr jung. Die VAE wurden erst 1971 gegr\u00fcndet. Zuvor hatte das britische Empire die sunnitischen Scheicht\u00fcmer am Persischen Golf mehr als ein Jahrhundert lang kontrolliert.<\/p>\n<p>Erst als die Soldaten ihrer Majest\u00e4t die sonnigen Golfstaaten verlie\u00dfen und in ihre regenreiche Heimat zur\u00fcckkehrten, vereinigten sich insgesamt sieben Scheicht\u00fcmer zu den Vereinigten Arabischen Emiraten.<\/p>\n<p>Das Emirat Dubai ist das glitzernde Schaufenster der Vereinigten Arabischen Emirate f\u00fcr die Welt, das den Blick auf die Schattenseite und damit das politische Machtzentrum verdeckt. Das liegt in Abu Dhabi. Dort ist Kronprinz Mohammed bin Zayed, Jahrgang 1961, der starke Mann; der eigentliche Herrscher ist nach einem Schlaganfall nicht mehr amtsf\u00e4hig.<\/p>\n<h3>MbZ &#8211; ein Mann des Milit\u00e4rs<\/h3>\n<p>MbZ, wie er auch genannt wird, ist gebildet. Er besuchte unter anderem die schottische Privatschule Gordonstoun. Das Internat wurde in den Drei\u00dfigerjahren vom deutschen Reformp\u00e4dagogen Kurt Hahn gegr\u00fcndet. Seine Ideen pr\u00e4gen bis heute auch das deutsche Elite-Internat Schloss Salem.<\/p>\n<p>Neben Mohammed bin Zayed sind auch Prinz Charles und Christina Rau, die Witwe des verstorbenen Bundespr\u00e4sidenten Johannes Rau, Alumni dieser schottischen Kaderschmiede. Gepr\u00e4gt hat Mohammed bin Zayed aber vor allem ein Ort: die K\u00f6nigliche Milit\u00e4rakademie Sandhurst in England.<\/p>\n<p>Mohammed bin Zayed ist bis heute begeisterter Hubschrauberpilot. Er ist ein Mann des Milit\u00e4rs geblieben, so, wie sein Freund Abdullah II., der jordanische K\u00f6nig. Auch er ist Sandhurst-Absolvent.<\/p>\n<p>Am 11. September 2001 waren die beiden im Norden Schottlands auf einer Jagdpartie. Hasen waren ihre Ziele, so erz\u00e4hlte es ein Mann aus dem Umfeld des Kronprinzen Robert F. Worth von der &quot;New York Times&quot;. Er ist dem geheimnisvollen Kronprinzen so nahegekommen wie bislang kein anderer Journalist.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Mohammed bin Zayed und Abdullah II. auf der Hasenjagd waren, steuerten auf der anderen Seite des Atlantiks, in New York, Qaida-Terroristen im Auftrag von Osama bin Laden zwei entf\u00fchrte Passagierflugzeuge in die T\u00fcrme des World Trade Centers. Zwei der Massenm\u00f6rder kamen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.<\/p>\n<p>F\u00fcr Mohammed bin Zayed war der Terroranschlag ein Wendepunkt in seinem Leben. Radikale Islamisten betrachtet er seither als gr\u00f6\u00dfte Bedrohung f\u00fcr sein Emirat, die Region und die Welt.<\/p>\n<p>&quot;Der Nahe Osten ist nicht Kalifornien&quot;, warnte Mohammed bin Zayed 2007 US-Diplomaten, wie aus Wikileaks-Depeschen hervorgeht. Die meisten Araber w\u00fcrden bei freien und fairen Wahlen keine Demokraten w\u00e4hlen, sondern Islamisten oder Terroristen. Der Grund: Mangelnde Bildung. Um das zu \u00e4ndern, brauche man Zeit, so Mohammed bin Zayed. Er veranschlagte ein halbes Jahrhundert.<\/p>\n<p>Wenige Jahre nach seiner Warnung an die US-Diplomaten brach der Arabische Fr\u00fchling aus. Und Mohammed bin Zayed sah sich in seiner Analyse best\u00e4tigt. Die Revolution\u00e4re st\u00fcrzten in Tunesien, \u00c4gypten, Libyen und im Jemen ihre Diktatoren, alte, nationalistische und in religi\u00f6sen Fragen moderate Autokraten. Doch das machtpolitische Vakuum in den postrevolution\u00e4ren Gesellschaften, das f\u00fcllten nicht Demokraten mit dem sonnigen Gem\u00fct der Kalifornier, sondern vielerorts Islamisten mit einer politischen Agenda wie die Muslimbr\u00fcder.<\/p>\n<h3>Machtkampf um den Nahen Osten<\/h3>\n<p>Unter den islamistischen Kr\u00e4ften gab es moderate Kr\u00e4fte, wie in Tunesien, aber auch radikale Salafisten oder Dschihadisten wie in Libyen. Sie kaperten die Revolutionen schnell, effizient und brutal &#8211; fast immer unterst\u00fctzt vom Emirat Katar.<\/p>\n<p>Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate sind seit dem Arabischen Fr\u00fchling zu den neuen Machtzentren der arabischen Welt aufgestiegen. Die beiden Rivalen haben strategische Allianzen geschmiedet &#8211; Katar mit der T\u00fcrkei und die Vereinigten Arabische Emirate mit Saudi-Arabien.<\/p>\n<p>Mohammed bin Zayed f\u00fchrt Kriege im ganzen Nahen Osten, um seine Vision von der Region umzusetzen: Im <strong>Jemen<\/strong> hat er seine Soldaten und S\u00f6ldner k\u00e4mpfen lassen, in <strong>Libyen<\/strong> sind die Vereinigten Arabischen Emirate aktiv und auch auf der <strong>\u00e4gyptischen Sinaihalbinsel<\/strong> sollen seine Spezialkr\u00e4fte in den vergangenen Jahren immer wieder zum Einsatz gekommen sein.<\/p>\n<p>Und Mohammed bin Zayed gilt als Mentor des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, der seinen greisen Vater wohl bald beerben wird. Sie protegieren Dschihadisten und Warlords und Diktatoren, um sich die Vorherrschaft zwischen Persischem Golf, dem Horn von Afrika und dem Mittelmeer zu sichern. Die beiden sunnitischen Herrscher verfolgen &#8211; mit Abstrichen &#8211; die gleichen <strong>drei Ziele<\/strong>:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Mohammed bin Zayed versucht, den <strong>Einfluss der Islamischen Republik Iran einzud\u00e4mmen<\/strong>. Das Regime in Teheran h\u00e4lt nicht nur an seinem Atomprogramm fest, es hat in den vergangenen Jahren auch ein schlagkr\u00e4ftiges Netzwerk schiitischer Milizen in der gesamten Region aufgebaut.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Mohammed bin Zayed <strong>bek\u00e4mpft daneben die \u00e4gyptische Muslimbruderschaft<\/strong>, die ihre Ideologie in die ganze arabische Welt exportiert, mit Katar und der T\u00fcrkei zudem wichtige Unterst\u00fctzer hat.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Au\u00dferdem versucht Mohammed bin Zayed in allen L\u00e4ndern des Arabischen Fr\u00fchlings <strong>wieder alte, nationalistische und in religi\u00f6sen Fragen moderate Autokraten einzusetzen<\/strong>.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Mohammed bin Zayed und Mohammed bin Salman teilen sich momentan also mit Israel dieselben Feinde und strategischen Ziele. Der saudische Kronprinz kann als k\u00fcnftiger K\u00f6nig und H\u00fcter \u00fcber die f\u00fcr Muslime heiligen St\u00e4tten von Mekka und Medina aber nicht einfach Frieden schlie\u00dfen mit Israel. Der allm\u00e4chtige Mohammed bin Zayed hingegen kann es, will es. Und in den Vereinigten Arabischen Emiraten geschieht sein Wille.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Mohammed bin Zayed und Donald Trump 2017 bei einem Treffen im Wei\u00dfen Haus Foto:\u2002Andrew Harnik\/ AP Sandstr\u00e4nde, Sonne, Shoppingcenter &#8211; Dubai hat all das. Im \u00dcberfluss. Deshalb lieben Touristen das Emirat am Persischen Golf, vor allem die gigantische Mall im Burj Khalifa, dem h\u00f6chsten Geb\u00e4ude der Welt. 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