{"id":1798,"date":"2020-08-12T09:16:44","date_gmt":"2020-08-12T06:16:44","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-krise-deutschland-ruckt-laut-bertelsmann-studie-zusammen\/"},"modified":"2020-08-12T09:16:44","modified_gmt":"2020-08-12T06:16:44","slug":"corona-krise-deutschland-ruckt-laut-bertelsmann-studie-zusammen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-krise-deutschland-ruckt-laut-bertelsmann-studie-zusammen\/","title":{"rendered":"Corona-Krise: Deutschland r\u00fcckt laut Bertelsmann-Studie zusammen"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/b1938349-3e54-495a-a83c-55a353abbf5c_w948_r1.77_fpx47_fpy72.jpg\" title=\"Flinger Stra\u00dfe in D\u00fcsseldorf: &quot;In einer Krisensituation haben viele echte Solidarit\u00e4t erlebt&quot;\" alt=\"Flinger Stra\u00dfe in D\u00fcsseldorf: &quot;In einer Krisensituation haben viele echte Solidarit\u00e4t erlebt&quot;\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Flinger Stra\u00dfe in D\u00fcsseldorf: &quot;In einer Krisensituation haben viele echte Solidarit\u00e4t erlebt&quot;<\/p>\n<p>  Foto:\u2002<\/p>\n<p>Ralph Peters \/ imago images<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Arm und reich, rechts und links, Ost und West: Risse in der Gesellschaft gibt es viele. Wie sich die Corona-Pandemie langfristig auf das Zusammenleben auswirkt, versuchen verschiedene wissenschaftlichen Studien zu vermessen. Eine Erhebung der Bertelsmann Stiftung und des Forschungsinstituts Infas kommt nun zu dem Ergebnis, dass der Zusammenhalt in der Bev\u00f6lkerung in den vergangenen Krisenmonaten deutlich gestiegen ist.<\/p>\n<p>Sahen noch im Februar 46 Prozent der Menschen den Zusammenhalt hierzulande als gef\u00e4hrdet an, sank dieser Anteil in den Monaten Mai und Juni auf 36 Prozent, wie aus der Studie hervorgeht. Zur gleichen Zeit hatten trotz Kontaktverboten immer mehr Leute das Gef\u00fchl, dass die Menschen f\u00fcreinander einstehen. W\u00e4hrend im Februar noch 41 Prozent sagten, die B\u00fcrger w\u00fcrden sich nicht um Mitmenschen k\u00fcmmern, waren dies im Fr\u00fchsommer nur noch 19 Prozent. Auch stieg das Vertrauen in die Bundesregierung: von 19 auf 45 Prozent; die Zufriedenheit mit der Demokratie von etwa 50 auf 60 Prozent.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse basieren auf Umfragen, die in den Monaten Februar und M\u00e4rz sowie Mai und Juni in zwei Wellen als Teil der Langzeitstudie &quot;Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt&quot; erhoben wurden. Die Studie zeigt seit 2012, wie sozialer Zusammenhalt wahrgenommen wird. Im Vergleich mit der j\u00fcngsten Vorg\u00e4ngeruntersuchung 2017 ist der Zusammenhalt in Deutschland stabil. &quot;Auch wenn viele B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger sich um das Miteinander Sorgen machen&quot;, sagt Studienautor Kai Unzicker, sei dieser &quot;insgesamt weiterhin robust&quot;.<\/p>\n<p>In der ersten Welle wurden mehr als 3000 Menschen befragt, dabei unterscheiden die Forscher zwischen Interviews vor dem 3. M\u00e4rz und danach. Denn dieser Zeitpunkt, so die Forscher, lag zwar noch vor den harten Corona-Einschr\u00e4nkungen, war aber bereits durch Verunsicherung gepr\u00e4gt. Von den Befragten wurden im Mai und Juni 1000 Menschen erneut angerufen. Und dabei zeigte sich, dass 51 Prozent und 41 Prozent der Befragten den Zusammenhalt nach mehr als zwei Monaten Coronakrise besser einstuften als zuvor:<\/p>\n<p>&quot;In einer Krisensituation haben viele echte Solidarit\u00e4t erlebt, dass es Nachbarschaftshilfe beim Einkaufen oder bei der Kinderbetreuung gibt&quot;, sagt Studienautor Unzicker. Solange keine Notlage dagewesen sei, habe der Einzelne pessimistisch auf das geblickt, was da wom\u00f6glich komme &#8211; und habe dann festgestellt: so schlimm ist es gar nicht. &quot;Niedergangserz\u00e4hlungen, wie sie von manchen politischen Akteuren gern wiedergegeben werden, entsprachen nicht der empfundenen Realit\u00e4t.&quot;<\/p>\n<p>Doch dieses Narrativ gilt nicht f\u00fcr alle. Zwar lie\u00dfen die Pandemie und ihre Einschr\u00e4nkungen kaum jemanden unber\u00fchrt. Es gibt laut Studie aber Gruppen, die pessimistischer auf die Krise blicken und weniger gesellschaftlichen Zusammenhalt sp\u00fcren: \u00c4rmere und weniger gebildete Menschen, Alleinerziehende und Menschen mit Migrationshintergrund. Sie waren bereits vor der Coronakrise eingeschr\u00e4nkt, nun leiden sie noch mehr.<\/p>\n<p>&quot;Jemand, der gut gebildet ist und ein hohes Einkommen hat, hat die M\u00f6glichkeit Homeoffice zu machen&quot;, sagt Unzicker. &quot;Menschen mit geringerer Bildung und geringerem Einkommen sind dagegen h\u00e4ufiger in Kurzarbeit und von Jobverlust bedroht und da steigen auch die \u00c4ngste.&quot; Diejenigen, die bereits vor der Krise einen hohen Zusammenhalt kannten, f\u00fchlten sich dagegen in den vergangenen Monaten seltener einsam &#8211; und hatten weniger Sorgen um ihre eigene Zukunft oder die ihrer Familie.<\/p>\n<p>Die Politik sollte sich laut Unzicker daher verst\u00e4rkt um besonders betroffene Gruppen k\u00fcmmern. Es m\u00fcssten jene angesprochen werden, die nur wenig Zusammenhalt versp\u00fcren und von einer schlechteren Versorgung mit sozialer Infrastruktur berichten. &quot;Es geht um mehr Unterst\u00fctzung in den Stadtteilen, um vor Ort auf die Widrigkeiten des Lebens dieser Menschen reagieren zu k\u00f6nnen.&quot; Sollte sich beispielsweise die Situation bei der Kinderbetreuung oder dem Schulunterricht absehbar nicht deutlich verbessern, ist sich der Forscher sicher, so litten wieder die ohnehin schon Benachteiligten.<\/p>\n<p>\u00dcberraschend ist laut Studie auch die Angst vor \u00f6konomischem Abstieg im Vergleich zur Anfangsphase der Pandemie in Deutschland gesunken. War im Februar noch mehr als die H\u00e4lfte der Befragten in Sorge, selbst arm zu sein oder zu werden, so sind es im Fr\u00fchsommer 47 Prozent. Auch die Angst vor Arbeitslosigkeit hat deutlich abgenommen, von 44 Prozent auf 31 Prozent. Ebenfalls etwas weniger sorgen sich die Menschen in Deutschland vor einer Wirtschafts- und Finanzkrise (63 statt 68 Prozent). Unzicker erkl\u00e4rt diese ge\u00e4nderte Stimmung auch mit der \u00f6ffentlichen Lockerungsdebatte: &quot;Kontaktbeschr\u00e4nkungen wurden aufgehoben und es wurde diskutiert, wohin man wieder in den Urlaub fahren darf.&quot;<\/p>\n<p>Offenbar machte sich Erleichterung breit, dass Deutschland bislang so gut durch die Krise gekommen ist. Die Frage ist, ob das angesichts steigender Infektionszahlen von Dauer sein kann.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Flinger Stra\u00dfe in D\u00fcsseldorf: &quot;In einer Krisensituation haben viele echte Solidarit\u00e4t erlebt&quot; Foto:\u2002 Ralph Peters \/ imago images Arm und reich, rechts und links, Ost und West: Risse in der Gesellschaft gibt es viele. 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