{"id":17949,"date":"2023-01-31T08:30:36","date_gmt":"2023-01-31T05:30:36","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-pandemie-masken-und-eigenverantwortung-was-druberziehen-um-auf-nummer-sicher-zu-gehen\/"},"modified":"2023-01-31T08:30:36","modified_gmt":"2023-01-31T05:30:36","slug":"corona-pandemie-masken-und-eigenverantwortung-was-druberziehen-um-auf-nummer-sicher-zu-gehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-pandemie-masken-und-eigenverantwortung-was-druberziehen-um-auf-nummer-sicher-zu-gehen\/","title":{"rendered":"Corona-Pandemie, Masken und Eigenverantwortung: Was dr\u00fcberziehen, um auf Nummer sicher zu gehen"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">In den ersten Januartagen fuhr ich mit der Deutschen Bahn von M\u00fcnchen nach Z\u00fcrich. Etwa auf H\u00f6he des Bodensees machte der Schaffner eine Durchsage: \u00bbLiebe Zugg\u00e4ste, ich wei\u00df, es ist m\u00fc\u00dfig. Ab dem 1. Februar f\u00e4llt die Maskenpflicht in Z\u00fcgen. Aber rei\u00dfen wir uns doch bitte noch die letzten Tage bis dahin zusammen. Bitte, ziehen Sie Ihre FFP2-Masken auf.\u00ab<\/p>\n<p>Ich sah mich um. Blickte in bare Gesichter. Im lose belegten Abteil war ich die Einzige mit einer Maske. Ihr Tragen war schon Wochen vor Ablauf der Pflicht zur ultimativen lahmen Ente verkommen.<\/p>\n<p>Das ist doch nichts Neues, werden Sie sagen. Wissen doch alle: Die Maske, dieses Signalf\u00e4hnchen der vergangenen drei Jahre, dass etwas nicht stimmt, dass man sich in Acht nehmen muss, ist Teil der Vergangenheit. Die Pandemie: vorbei! Der Stofflappen: vom Gesicht gerissen wie ein dr\u00fcckender Schuh vom Fu\u00df.<\/p>\n<h3>Der Impfpass liegt wieder in der Krimskramskiste \u2013 und die Maske?<\/h3>\n<p>Mir ist die Sache im Zug neulich so deutlich aufgefallen, weil ich normalerweise in Thailand lebe. Dort gilt die Pflicht zur Maske auch l\u00e4ngst fast nirgends mehr. Im Unterschied zu Deutschland tragen sie die Menschen dennoch weiterhin. Freiwillig. Ich finde das ziemlich klug. Die Maske ist praktisch.<\/p>\n<p>Dieser kleine Text soll kein R\u00fcckgriff auf hinter uns gelassene Debatten sein. Wir sind alle \u00fcberall auf der Welt mehr oder weniger orientierungslos durch die vergangenen drei Jahre getapst, mal in die richtige Richtung, mal in die falsche. Alle teilten wir die eine Sehnsucht: dass es bitte, bitte bald vorbei sein m\u00f6ge.<\/p>\n<p>Nun ist es so weit. In Deutschland fallen die allermeisten Beschr\u00e4nkungen. Der Impfpass ist wieder in dieser einen Krimskramskiste verschwunden, in der wir ihn nie finden. Die WHO hat den \u00bbNotstand von internationaler Tragweite\u00ab wegen Corona zwar gerade noch mal verl\u00e4ngert, so richtig \u00fcberzeugt klangen die Expertinnen und Experten aber nicht. Die Demokratie ist in der Zwischenzeit nicht untergegangen. Die Apokalyptiker sind jetzt \u2013 ja, wo eigentlich?                                        Es gibt neue Probleme und neue Bedrohungen.<\/p>\n<p>Ich verstehe den Fall der Maskenpflicht als freundliche Einladung zum freiwilligen Tragen. Wer das tut, hat verstanden, was Eigenverantwortung bedeutet. Was es hei\u00dft, sich selbst und andere zu sch\u00fctzen. Denn nur, weil das Coronavirus seinen gr\u00f6\u00dften globalen Schrecken verloren zu haben scheint, bedeutet das nicht, dass niemand mehr in Gefahr w\u00e4re. Die M\u00f6glichkeit, einer infizierten Person im Bus oder im B\u00fcro gegen\u00fcberzusitzen, gibt es ja nach wie vor. Es stecken sich weiter viele Menschen an, es leiden weiter viele an gesundheitlichen oder finanziellen Folgen des Virus. Halbe Abteilungen m\u00fcssen sich krankmelden, Arbeit bleibt liegen. Es trauern weiter viele um jene, die im Zuge einer Infektion gestorben sind.<\/p>\n<h3>Vorbild Thailand<\/h3>\n<p>In meinem Umfeld in Thailand verstehen das die meisten Menschen. In der dicht gedr\u00e4ngten Schlange vor der Supermarktkasse sieht man kaum jemanden ohne Maske. In Aufz\u00fcgen, Museen, Kinos. Auf Flugh\u00e4fen.<\/p>\n<p>Taxifahrer tragen eine, und wer auf der R\u00fccksitzbank Platz nimmt, meist auch.<\/p>\n<p>Kellner in den Restaurants und ihre G\u00e4ste, bis sie sich an den Tisch setzen.<\/p>\n<p>Kolleginnen und Kollegen im B\u00fcro, wenn sie eine Konferenz abhalten, bei der sich viele Menschen in einem Raum versammeln.<\/p>\n<p>Die Masseurinnen in den Spas tragen einen Mund-Nase-Schutz. Leider viel zu selten die Touristen, die auf den Liegen Platz nehmen.<\/p>\n<p>Neulich war ich in Bangkok im Fu\u00dfballstadion. Das Spiel fand im Freien statt, aber auf der dicht bestuhlten Trib\u00fcne zogen viele eine Maske auf.<\/p>\n<p>Das Angenehme daran ist: Die Maske ist \u00fcberhaupt kein Thema. Sie ist ein Ding des Alltags, nicht der Rede wert. Wie die Serviette, die man im Restaurant gereicht bekommt, um sie sich auf den Scho\u00df zu legen, damit die Curryso\u00dfe nicht direkt auf der neuen Jeans landet.<\/p>\n<p>Vor ein paar Wochen verbrachte ich mit ein paar Freunden ein langes Wochenende au\u00dferhalb Bangkoks. Am zweiten Tag trug eine Freundin pl\u00f6tzlich eine Maske und erkl\u00e4rte ganz selbstverst\u00e4ndlich: Sie habe ein Kratzen im Hals. Es k\u00f6nne eine Allergie sein, oder aber ein erstes Anzeichen, dass sie krank werde. F\u00fcr sie war klar: Sie sch\u00fctzt ihre Freunde, indem sie sich eine FFP2 hinter die Ohren klemmt.<\/p>\n<h3>Warum kriegt Deutschland es nicht hin?<\/h3>\n<p>In Asien wird die Bereitschaft zur Maske unter anderem damit erkl\u00e4rt, dass die Menschen durch die Sars-Epidemie und die st\u00e4ndige Luftverschmutzung in den St\u00e4dten fr\u00fch gelernt h\u00e4tten, wie effektiv der Mund-Nase-Schutz wirkt. Eine Erkl\u00e4rung, auf der wir uns in Europa nicht mehr ausruhen k\u00f6nnen. Auch Deutsche wissen dank der Pandemie, wie gut die Maske allen m\u00f6glichen Atemwegsinfekten vorbeugt. Entsprechend m\u00fcsste man auch uns einen Erkenntnisgewinn zutrauen.<\/p>\n<p>Wie es aussieht, haben wir aber wenig dazugelernt. In der Maske sehen viele eher ein Symbol der Einschr\u00e4nkung als ein Zeichen von R\u00fccksichtnahme und dem Erm\u00f6glichen von Freiheit. Seltsam ist das. In anderen Bereichen wenden wir dasselbe Konzept (<em>Was dr\u00fcberziehen, um auf Nummer sicher zu gehen<\/em>) doch auch freiwillig an, weil es funktioniert. Ich finde erstaunlich, dass in Deutschland, wo so lange so laut nach mehr Vertrauen in die Eigenverantwortung der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger gerufen wurde, Eigenverantwortung zum Beispiel so aussieht:<\/p>\n<p>Ein paar Tage nach der Zugfahrt Richtung Z\u00fcrich stand ich im Allg\u00e4u in einer Apotheke. Es war die Zeit, in der im Radio dauernd von Medikamentenengp\u00e4ssen berichtet wurde; von Krankenh\u00e4usern, die \u00fcberlastet seien; dass Kinder und Erwachsene schwer an der Grippe und dem RS-Virus erkrankten. Auch in der Apotheke war die Erk\u00e4ltungswelle Thema. Kundinnen und Kunden fragten nach Ibuprofen, Nasensp\u00fclsalz und Fieberthermometern; Erk\u00e4ltungsb\u00e4der waren im Angebot. Der Laden war dicht gef\u00fcllt. Niemand trug eine Maske.<\/p>\n<p>Kurz vor meinem R\u00fcckflug nach Bangkok war ich dann noch beim Friseur. Es beugten sich zwei Friseurinnen dicht \u00fcber meinen zur\u00fcckgelegten Kopf, um mir die Wimpern zu f\u00e4rben. Eine musste dauernd niesen. Die zweite hatte eine total verstopfte Nase. Zum Gl\u00fcck, dachte ich, habe ich die Maske aufgesetzt. Ich w\u00fcnschte, die beiden Frauen h\u00e4tten es auch getan.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den ersten Januartagen fuhr ich mit der Deutschen Bahn von M\u00fcnchen nach Z\u00fcrich. 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