{"id":179,"date":"2020-05-29T23:14:34","date_gmt":"2020-05-29T20:14:34","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/minneapolis-unruhen-nach-tod-von-george-floyd-haben-nationale-bedeutung\/"},"modified":"2020-05-29T23:14:34","modified_gmt":"2020-05-29T20:14:34","slug":"minneapolis-unruhen-nach-tod-von-george-floyd-haben-nationale-bedeutung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/minneapolis-unruhen-nach-tod-von-george-floyd-haben-nationale-bedeutung\/","title":{"rendered":"Minneapolis: Unruhen nach Tod von George Floyd haben nationale Bedeutung"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/ebc52ca3-c400-4b9a-9542-ca0cdfcef798_w948_r1.77_fpx69.27_fpy50.jpg\" title=\"Stadt in Flammen: Ein brennendes Geb\u00e4ude in Minneapolis\" alt=\"Stadt in Flammen: Ein brennendes Geb\u00e4ude in Minneapolis\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Stadt in Flammen: Ein brennendes Geb\u00e4ude in Minneapolis<\/p>\n<p> ADAM BETTCHER\/ REUTERS <\/figcaption><\/figure>\n<p>&quot;Der Normalzustand funktioniert nicht mehr&quot;, sagt Tim Walz. &quot;Der Normalzustand funktioniert schon lange nicht mehr.&quot;<\/p>\n<p>Walz ist Gouverneur von Minnesota. Der US-Demokrat steht sichtlich schockiert vor der Presse. \u00dcber Nacht war Minneapolis, die gr\u00f6\u00dfte Stadt seines Bundesstaats, von schweren Protesten und Ausschreitungen ersch\u00fcttert worden. Es gab Zusammenst\u00f6\u00dfe und Pl\u00fcnderungen, ein Polizeirevier brannte nieder &#8211; weltweit \u00fcbertragene Szenen, die ein horrendes Bild von den USA zeichneten.<\/p>\n<p>Der &quot;Ausl\u00f6ser, der diesen Funken z\u00fcndete&quot;, so Walz, war der Tod des Schwarzen George Floyd am Montag. Vier wei\u00dfe Cops hatten den 46-J\u00e4hrigen brutal in die Mangel genommen. Sie wurden zwar gefeuert, aber tagelang nicht weiter belangt &#8211; obwohl Handy-Videos ihr Vorgehen klar dokumentieren.<\/p>\n<p>Erst an diesem Freitagnachmittag verhafteten die Beh\u00f6rden zumindest Derek Chauvin &#8211; den Beamten, der Floyd minutenlang das Knie auf den Hals gepresst hatte &#8211; und klagten ihn wegen Mordes an. Gegen die anderen Polizisten wird weiter ermittelt.<\/p>\n<p>Es ist nur ein erster Schritt. Denn da entl\u00e4dt sich gerade noch viel mehr. Eine &quot;Generationen des Schmerzes&quot;, so nennt Walz das. Es ist Frustration und Wut &#8211; \u00fcber den anhaltenden Rassismus in den USA, der sich immer wieder auch, aber nicht nur in polizeilichen \u00dcbergriffen offenbart, \u00fcber die Coronakrise, die benachteiligte, schutzlose Minderheiten am schwersten getroffen hat, \u00fcber Washington, das vor allem diese Leute wieder zur Arbeit zwingen will.<\/p>\n<p>Und eben auch \u00fcber US-Pr\u00e4sident Donald Trump, der das &quot;doppelte Virus&quot; &#8211; Corona und Rassismus &#8211; in den Augen vieler ignoriert oder duldet.<\/p>\n<p>Am Freitagmorgen heizte Trump die brisante Lage sogar noch an, indem er den &quot;Gangstern&quot; in Minneapolis auf Twitter mit Gewalt drohte und dabei die Worte eines rassistischen Polizeichefs zitierte: &quot;<em>When the looting starts, the shooting starts<\/em>.&quot; Erstmals markierte Twitter &#8211; mit dem Trump ohnehin gerade auf Kriegsfu\u00df steht &#8211; diese offiziellen Kurznachrichten sowie einen w\u00f6rtlichen Retweet des Wei\u00dfen Hauses als &quot;Gewaltverherrlichung&quot;.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter versuchte Trump seine Tweets als &quot;Fakt&quot; zu relativieren: &quot;Pl\u00fcndern f\u00fchrt zu Schie\u00dferei.&quot; Bei einem Auftritt vor Journalisten im Rosengarten des Wei\u00dfen Hauses verlor er dann aber kein Wort mehr \u00fcber Minneapolis.<\/p>\n<p>So taumeln die USA vorerst f\u00fchrungslos durchs Chaos. &quot;Das Kapitel, das diese Woche geschrieben wurde, ist eines unserer dunkelsten Kapitel&quot;, sagt Gouverneur Walz unter Verweis auf die historische Diskriminierung von Afroamerikanern. &quot;Jedesmal sagen wir, dass das nie wieder geschehen soll.&quot;<\/p>\n<p>Und jedesmal passiert am Ende &#8211; nichts. B\u00fcrgerrechtler hoffen nun aber, dass Minneapolis endlich eine Wende bringt. Zumindest scheint der Fall Floyd klarer als andere, vergleichbare Beispiele von Polizeigewalt zuvor.<\/p>\n<h3>&quot;I can&#039;t breathe!&quot;<\/h3>\n<p>Mehrere inzwischen aufgetauchte Augenzeugen-Videos zeigen, wie die Cops den Unbewaffneten zu Boden zwangen. Drei beugen sich \u00fcber Floyd, Chauvin hockt sich auf seinen Hals, obwohl Floyd rief: &quot;<em>I can&#039;t breathe!<\/em>&quot;<\/p>\n<p>Selbst Cops zeigten sich emp\u00f6rt \u00fcber den Vorfall. &quot;Was wir auf diesem Video gesehen haben, widerspricht allem, was wir gelernt haben, nicht nur als Rekruten oder Polizeibeamte, sondern als Menschen&quot;, erkl\u00e4rten die drei Polizeigewerkschaften von San Francisco, Oakland und San Jose. &quot;Wir sehen keine Rechtfertigung f\u00fcr das, was geschah.&quot;<\/p>\n<p>&quot;Was zum Teufel tut ihr da?&quot;, schrieb die Kongressabgeordnete Val Demings, selbst eine ehemalige Polizistin, in der &quot;Washington Post&quot;. Das Verhalten der Cops in Minneapolis sei &quot;dumm, herzlos und r\u00fccksichtslos&quot; gewesen und habe &quot;unwiderruflichen Schaden&quot; angerichtet.<\/p>\n<p>Wie genau die n\u00e4chtlichen Unruhen eskalierten und wer daf\u00fcr verantwortlich war, blieb zun\u00e4chst unklar. W\u00e4hrend sich Hunderte Demonstranten zu friedlichen Mahnwachen versammelten, lief die Situation vor einem Polizeirevier aus dem Ruder. Die Wache wurde gest\u00fcrmt, die Cops gaben auf und rasten in ihren Streifenwagen weg &#8211; auf Anordnung von B\u00fcrgermeister Jacob Frey, wie dieser sp\u00e4ter sagte. Das Geb\u00e4ude ging in Flammen auf, Gouverneur Walz rief die Nationalgarde zu Hilfe.<\/p>\n<p>Auch Journalisten kamen nicht ungeschoren davon. Ein CNN-Team um den &#8211; schwarzen &#8211; Reporter Omar Jimenez wurde vor laufenden Kameras festgenommen, doch wieder freigelassen. Ein wei\u00dfer CNN-Kollege in der N\u00e4he blieb unbehelligt. Gouverneur Waltz entschuldigte sich &#8211; bei dem Sender und allen Journalisten: &quot;Das ist unverzeihlich.&quot;<\/p>\n<p>Die Proteste griffen schnell von Minneapolis aufs ganze Land \u00fcber. Auch im benachbarten Saint Paul, der Haupstadt von Minnesota, kam es zu Unruhen und Vandalismus. Das Kapitol von Colorado in Denver wurde abgeriegelt, nachdem bei einer Demonstration davor Sch\u00fcsse gefallen waren, au\u00dferdem raste offenbar ein SUV in die Menge. In Louisville in Kentucky wurden sieben Menschen angeschossen. In Los Angeles und New York wurden Dutzende Protestler bei Rangeleien festgenommen.<\/p>\n<p>Ob die kommende Nacht ruhiger wird, ist jedoch v\u00f6llig offen. Zu sehr \u00e4hnelt Minneapolis fr\u00fcheren Brandherden wie Ferguson &#8211; jenem Vorort von Saint Louis in Missouri, der 2014 nach dem Tod des Teenagers Michael Brown in wochenlangen Unruhen versunken war. Getan hat sich seither kaum etwas.<\/p>\n<p>Nach Ferguson hatte die US-Regierung unter Pr\u00e4sident Barack Obama Polizeireformen veranlasst und insgesamt 14 \u00f6rtliche Beh\u00f6rden staatlicher Aufsicht unterworfen. Nach Trumps Amtsantritt verw\u00e4sserte der damalige Justizminister Jeff Sessions diese &quot;consent decrees&quot; jedoch wieder stark.<\/p>\n<p>Es ist klar, wo die Loyalit\u00e4ten Washingtons zurzeit liegen.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Stadt in Flammen: Ein brennendes Geb\u00e4ude in Minneapolis ADAM BETTCHER\/ REUTERS &quot;Der Normalzustand funktioniert nicht mehr&quot;, sagt Tim Walz. &quot;Der Normalzustand funktioniert schon lange nicht mehr.&quot; Walz ist Gouverneur von Minnesota. 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