{"id":1788,"date":"2020-08-11T22:48:44","date_gmt":"2020-08-11T19:48:44","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/belarus-interview-mit-maria-kalesnikawa-uber-die-plane-der-opposition-und-die-gewalt-im-land\/"},"modified":"2020-08-11T22:48:44","modified_gmt":"2020-08-11T19:48:44","slug":"belarus-interview-mit-maria-kalesnikawa-uber-die-plane-der-opposition-und-die-gewalt-im-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/belarus-interview-mit-maria-kalesnikawa-uber-die-plane-der-opposition-und-die-gewalt-im-land\/","title":{"rendered":"Belarus: Interview mit Maria Kalesnikawa \u00fcber die Pl\u00e4ne der Opposition und die Gewalt im Land"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/23773591-3c7a-463d-9847-5c663480c27c_w948_r1.77_fpx70.72_fpy54.98.jpg\" title=\"Swetlana Tichanowskaja (l,) und Maria Kalesnikawa in Minsk\" alt=\"Swetlana Tichanowskaja (l,) und Maria Kalesnikawa in Minsk\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Swetlana Tichanowskaja (l,) und Maria Kalesnikawa in Minsk<\/p>\n<p>  Foto:\u2002VASILY FEDOSENKO\/ REUTERS  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Zu dritt zogen die Frauen durch Belarus: Zehntausende jubelten der Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja und ihren Mitstreiterinnen Weronika Zepkalo und Maria Kalesnikawa zu, als sie \u00fcber den Stillstand im Land, die Repressionen, all die Chancen, die Belarus hat, sprachen. Jetzt ist nur noch Kalesnikawa im Land. Nach Druck und Drohungen haben Zepkalo und Tichanowskaja Minsk verlassen. Wie geht es nun weiter? Was plant die Opposition, auch angesichts der Proteste auf den Stra\u00dfen?<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Zuerst die wichtigste Frage, wie geht es Ihnen?<\/p>\n<p><strong>Maria Kalesnikawa:<\/strong> Danke soweit gut, ich bin in unserem Wahlb\u00fcro in Minsk.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Swetlana Tichanowskaja hat Belarus verlassen, wohl nicht freiwillig. Wann haben Sie sie das letzte Mal gesehen? Was wissen Sie dar\u00fcber?<\/p>\n<p><strong>Kalesnikawa: <\/strong>Ich habe Swetlana zuletzt am Montag gesehen, als wir um 16 Uhr zusammen in die Zentrale Wahlkommission gingen, um Beschwerde gegen das offizielle Wahlergebnis einzureichen. Lange wurde Swetlana nicht in das B\u00fcro der Leiterin der Wahlkommission, Lidsija Jarmoschyna, gelassen. Dann durfte Swetlana mit ihrem Anwalt den Raum betreten. Erst sp\u00e4ter haben wir erfahren, dass der Jurist den Raum verlassen musste, die Leiterin der Wahlbeh\u00f6rde ebenfalls ging. Swetlana blieb also allein. Wie wir jetzt wissen, mit zwei Beamten der Sicherheitsbeh\u00f6rden. Drei Stunden war sie mit ihnen in dem Zimmer, ohne Telefon, ohne Internet, ohne ihren Anwalt. Danach kam sie raus, umarmte ihren Anwalt und sagte kurz: &quot;Entschuldige, ich habe eine Entscheidung getroffen, ich will bei meinen Kindern sein&quot;. Dann verlie\u00df sie das Geb\u00e4ude.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Glauben Sie, Tichanowskaja wurde unter Druck gesetzt?<\/p>\n<p><strong>Kalesnikawa:<\/strong> Ja, ich bin mir sicher, wenn eine Frau drei Stunden lang mit zwei Vertretern der staatlichen Sicherheitsorgane in einem Raum ist, dann ist das Druck. Wir gehen davon aus, dass sie Belarus nicht freiwillig verlassen hat.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Haben Sie mit ihr dar\u00fcber sprechen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p><strong>Kalesnikawa: <\/strong>Nein,ich habe ihr geschrieben, sie angerufen, mehrmals. Auch heute. Keine Reaktion.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Was bedeutet das nun f\u00fcr Sie, die vielen Freiwilligen aus dem Wahlkampf und die Demonstranten auf der Stra\u00dfe?<\/p>\n<p><strong>Kalesnikawa: <\/strong>Es ist eine sehr schwierige Zeit. Aber ich denke, die Belarussen verstehen, was passiert ist, verstehen, dass es Zwang war, der da ausge\u00fcbt wurde, Swetlana sich und ihre Familie in Sicherheit bringen musste. Ich bin mir fast sicher, dass nach all den Wahlf\u00e4lschungen und dem Zynismus, den die Menschen erlebt haben, sie sich nicht damit abfinden werden. Erst wurden ihnen die Kandidaten genommen: Wiktor Babarriko, f\u00fcr den ich mich engagiere, sitzt in Haft; Walerij Zepkalo, floh auch ins Ausland nach Moskau. Dann \u00fcbernahm Swetlana. Jetzt wurde auch sie mit Druck aus dem Land getrieben.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Weronika Zepkalo, ihre andere Mitstreiterin, befindet sich inzwischen auch in Moskau. Sie sagt, sie musste Belarus verlassen, da ihr die Festnahme drohte. Gibt es solche Drohungen auch gegen Sie?<\/p>\n<p><strong>Kalesnikawa: <\/strong>Nicht, dass ich w\u00fcsste. Ich wurde vor kurzem einmal festgenommen vor unserem B\u00fcro, dann aber kurze Zeit sp\u00e4ter freigelassen und von den Beamten zu dem Restaurant gebracht, wo ich verabredet war. Sie sprachen von einem &quot;Fehler&quot;.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Sie sind nun allein, werden Sie weiter machen?<\/p>\n<p><strong>Kalesnikawa: <\/strong>Ich bleibe bei meinem Team, in Belarus, wir machen weiter. Wir haben viel Arbeit, stellen Informationen \u00fcber die Wahlf\u00e4lschungen zusammen. Wir bekommen zahlreiche Hinweise. Das ist das eine. Das andere ist, dass wir Menschen helfen, die nun Probleme haben: Mitglieder von Wahlkommissionen, die ehrliche Ergebnisse verk\u00fcndet haben und unter Druck stehen, ihre Arbeit verlieren. Wir versuchen neue Jobs f\u00fcr sie zu finden. Und wir k\u00fcmmern uns um diejenigen, die bei den Protesten verschwunden und nun vermutlich im Gef\u00e4ngnis sitzen. Wir bauen gerade eine Gruppe Freiwilliger auf, die nach ihnen sucht, wir leisten juristischen Beistand und versuchen, finanziell zu helfen. Allein von unseren Anh\u00e4ngern wurden Hunderte festgenommen, darunter viele Freunde.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Gehen Sie selbst protestieren?<\/p>\n<p><strong>Kalesnikawa: <\/strong>Ich war gestern auf der Stra\u00dfe in Minsk, nicht mittendrin, aber ich habe gesehen, wie grausam die Menschen behandelt werden, wie sie in die Gef\u00e4ngnistransporter und Busse gezerrt werden und welche Gewalt ihnen angetan wird.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Selbst wollen Sie nicht demonstrieren?<\/p>\n<p><strong>Kalesnikawa: <\/strong>Das ist eine schwierige Frage. Ich will das belarussische Volk unterst\u00fctzen, tue alles daf\u00fcr, dass die F\u00fchrung das Volk h\u00f6rt und sieht, dass die Menschen verstehen, dass sie bei dieser Wahl betrogen wurden. Die F\u00fchrung des Landes muss diesen Betrug beenden, die Verantwortung f\u00fcr die Sicherheit der Menschen \u00fcbernehmen. Die Gewalt muss aufh\u00f6ren.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Bisher sieht es aber nicht aus, dass Lukaschenko in irgendeiner Weise zu einem Dialog bereit ist.<\/p>\n<p><strong>Kalesnikawa: <\/strong>Ja, leider. Wir hatten uns noch am Wahlabend an die Leiter der Pr\u00e4sidialverwaltung und des Innenministeriums mit dem Appell gewandt, keine Gewalt auszu\u00fcben. Wir haben keine Antwort bekommen, bis heute. Wie lange die Proteste dauern werden? Ich wei\u00df es nicht. Was ich wei\u00df ist, dass wir Belarussen das Recht auf den friedlichen Protest haben, das Recht, neue und faire Wahlen zu fordern. Diesen Prozess will ich weiter unterst\u00fctzen. Wir sind an einem Wendepunkt in Belarus: Ich sp\u00fcre die Unterst\u00fctzung der Menschen, die etwas in ihrem Land ver\u00e4ndern wollen. Es h\u00e4ngt jetzt von uns ab, wie es weitergeht.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Swetlana Tichanowskaja (l,) und Maria Kalesnikawa in Minsk Foto:\u2002VASILY FEDOSENKO\/ REUTERS Zu dritt zogen die Frauen durch Belarus: Zehntausende jubelten der Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja und ihren Mitstreiterinnen Weronika Zepkalo und Maria Kalesnikawa zu, als sie \u00fcber den Stillstand im Land, die Repressionen, all die Chancen, die Belarus hat, sprachen. Jetzt ist nur noch [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1789,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1788","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1788","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1788"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1788\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1789"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1788"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1788"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1788"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}