{"id":1782,"date":"2020-08-11T16:18:46","date_gmt":"2020-08-11T13:18:46","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/turkei-und-griechenland-streiten-um-gas-vorkommen-im-mittelmeer-auf-eskalationskurs\/"},"modified":"2020-08-11T16:18:46","modified_gmt":"2020-08-11T13:18:46","slug":"turkei-und-griechenland-streiten-um-gas-vorkommen-im-mittelmeer-auf-eskalationskurs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/turkei-und-griechenland-streiten-um-gas-vorkommen-im-mittelmeer-auf-eskalationskurs\/","title":{"rendered":"T\u00fcrkei und Griechenland streiten um Gas-Vorkommen im Mittelmeer: Auf Eskalationskurs"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/5961c051-a559-4add-a4ed-042a27591ddf_w948_r1.77_fpx45_fpy59.jpg\" title=\"T\u00fcrkisches Forschungsschiff Oruc Reis: Die Kriegsgefahr w\u00e4chst\" alt=\"T\u00fcrkisches Forschungsschiff Oruc Reis: Die Kriegsgefahr w\u00e4chst\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>T\u00fcrkisches Forschungsschiff Oruc Reis: Die Kriegsgefahr w\u00e4chst<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Ibrahim Laleli\/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Es ist kaum mehr als ein Felsen. Die griechische Insel Kastelorizo ist nur neun Quadratkilometer gro\u00df. Knapp 500 Menschen leben hier. Und doch ist Kastelorizo gerade eines der meist umk\u00e4mpften St\u00fccke Land im Mittelmeerraum.<\/p>\n<p>Die Insel liegt drei Kilometer von der t\u00fcrkischen K\u00fcste entfernt, bis zur n\u00e4chsten gr\u00f6\u00dferen griechischen Insel, Rhodos, sind es 125 Kilometer. Trotzdem geh\u00f6rt Kastelorizo zu Griechenland &#8211; ein Umstand, mit dem sich der t\u00fcrkische Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdogan nicht abfinden will. <\/p>\n<p>In den Neunzigerjahren standen Griechenland und die T\u00fcrkei wegen eines Streits um zwei unbewohnte \u00c4g\u00e4is-Inseln schon einmal kurz vor einem Krieg. Nun droht erneut ein bewaffneter Konflikt zwischen den beiden Nato-Staaten.<\/p>\n<h3>Merkel entsch\u00e4rfte Konflikt nur vor\u00fcbergehend<\/h3>\n<p>Die t\u00fcrkische Regierung k\u00fcndigte im Juli an, das Forschungsschiff Oruc Reis in den griechischen Gew\u00e4ssern vor Kastelorizo nach Gas suchen zu lassen. Die Mission sollte von t\u00fcrkischen Kriegsschiffen flankiert werden. Griechenland reagierte, indem es sein Milit\u00e4r in Alarmbereitschaft versetzte. <\/p>\n<p>Eine Intervention von Bundeskanzlerin Angela Merkel beruhigte den Konflikt vor\u00fcbergehend. Die T\u00fcrkei und Griechenland verst\u00e4ndigten sich darauf, unter Vermittlung Deutschlands Gespr\u00e4che aufzunehmen. Die Oruc Reis blieb im Hafen von Antalya. Jetzt aber eskaliert die Auseinandersetzung erneut. <\/p>\n<p>Der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis schloss vergangene Woche ein Abkommen mit \u00c4gypten \u00fcber die Ausbeutung von Rohstoffen in Mittelmeer ab, woraufhin sich die T\u00fcrkei aus den Gespr\u00e4chen mit Athen zur\u00fcckzog, bevor diese \u00fcberhaupt begonnen hatten. Am Montag brach die Oruc Reis dann tats\u00e4chlich nach Griechenland auf &#8211; eskortiert von der t\u00fcrkischen Marine. <\/p>\n<p>Die griechische Regierung nennt den Vorsto\u00df &quot;destabilisierend und friedensgef\u00e4hrdend&quot;. &quot;Griechenland wird seine Souver\u00e4nit\u00e4t verteidigen&quot;, hei\u00dft es in einem Statement des Au\u00dfenministeriums. Nach Angabe von Diplomaten und Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen sollen zudem s\u00e4mtliche griechische Soldaten aus dem Urlaub zur\u00fcck beordert worden sein. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend der gesamten Nacht zu Dienstag bewegte sich das t\u00fcrkische Forschungsschiff nun in einem Seegebiet, das Griechenland als eigene Ausschlie\u00dfliche Wirtschaftszone versteht. Griechische Kriegsschiffe sandten alle 15 Minuten per Funk einen Aufruf an den Kapit\u00e4n der &quot;Oruc Reis&quot;, die Region umgehend zu verlassen. Die Aufrufe blieben jedoch unbeantwortet, wie es am Morgen aus Kreisen des Verteidigungsministeriums in Athen hie\u00df. <\/p>\n<p>An diesem Dienstag nun die n\u00e4chste Provokation: Der t\u00fcrkische Au\u00dfenminister Mevl\u00fct Cavusoglu k\u00fcndigte an, bis Ende des Monats neue Bohrlizenzen im \u00f6stlichen Mittelmeer zu vergeben.<\/p>\n<h3>Mehr als nur ein Streit um kleine Inseln<\/h3>\n<p>Bei dem Gebietsstreit zwischen der T\u00fcrkei und Griechenland geht es um weit mehr als nur d\u00fcnn besiedelte Inseln. Im \u00f6stlichen Mittelmeer wurden in den vergangenen zehn Jahren Gasvorkommen entdeckt, die etwa dem f\u00fcnfzigfachen Jahresverbrauchs Frankreichs entsprechen. Jeder Quadratkilometer in der \u00c4g\u00e4is verspricht die Aussicht auf gewaltige Einnahmen.<\/p>\n<p>Eigentlich ist das Territorium der T\u00fcrkei durch den Vertrag von Lausanne von 1923 festgelegt. Erdogan jedoch will die Aufteilung so nicht mehr hinnehmen. Er beanstandet, dass eine Insel wie Kastelorizo, die nur wenige Kilometer von der t\u00fcrkischen K\u00fcste entfernt liegt, Griechenland zugeschlagen wurde &#8211; und damit auch die umliegende Zone in der \u00c4g\u00e4is. &quot;Die T\u00fcrkei will an ihre osmanische Vergangenheit ankn\u00fcpfen&quot;, sagt der Athener Rechts- und Politikwissenschaftler Angelos Syrigos und zieht einen brisanten Vergleich: &quot;Ein sunnitischer Iran entsteht unmittelbar an der Grenze zu Griechenland.&quot;<\/p>\n<p>In Ankara ist die Sorge gro\u00df, bei der Verteilung der Rohstoffe \u00fcbergangen zu werden. Bereits 2006 setzte ein t\u00fcrkischer Admiral, Cem G\u00fcrdeniz, das Konzept Mavi Vatan (&quot;Blaues Vaterland&quot;) auf, das Anspr\u00fcche der T\u00fcrkei auf Teile der \u00c4g\u00e4is bis hin zur Insel Kreta anmeldet.  <\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei ist mit ihrer Haltung in der Region weitgehend isoliert. W\u00e4hrend sich unter anderem Griechenland, Zypern, \u00c4gypten, Israel und Italien zu einem Energie-Verbund zusammengeschlossen haben, dem East Mediterranean Gas Forum, hat Erdogan lediglich die libysche Einheitsregierung in Tripolis an seiner Seite.<\/p>\n<h3>Erdogan steht innenpolitisch unter Druck<\/h3>\n<p>Trotzdem scheint der t\u00fcrkische Pr\u00e4sident entschlossen, das Programm Mavi Vatan voranzutreiben. Seine Regierung hat vergangenen November ein Abkommen mit Libyens Premier Fayez Sarraj geschlossen, das eine Ausbeutung von Rohstoffen weit \u00fcber die gegenw\u00e4rtigen t\u00fcrkischen Hoheitsgew\u00e4sser hinaus vorsieht. Nun will sie offenbar in der \u00c4g\u00e4is Fakten schaffen.<\/p>\n<p>Erdogan steht innenpolitisch unter Druck. Die wirtschaftlichen Aussichten, die schon vor der Coronakrise d\u00fcster waren, haben sich durch die Pandemie weiter verschlechtert. Die Lira befindet sich mit fast 9:1 im Vergleich zum Euro auf einem historischen Tiefstand. Der t\u00fcrkische Pr\u00e4sident sucht sein Heil auch deshalb in der Au\u00dfenpolitik.<\/p>\n<p>Bislang beruhigten sich die Europ\u00e4er damit, dass die T\u00fcrkei und Griechenland eine milit\u00e4rische Auseinandersetzung aufgrund der unabsehbaren Folgen scheuen w\u00fcrden. Doch darauf sollten sie sich nicht l\u00e4nger verlassen. <\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern T\u00fcrkisches Forschungsschiff Oruc Reis: Die Kriegsgefahr w\u00e4chst Foto:\u2002Ibrahim Laleli\/ dpa Es ist kaum mehr als ein Felsen. Die griechische Insel Kastelorizo ist nur neun Quadratkilometer gro\u00df. Knapp 500 Menschen leben hier. Und doch ist Kastelorizo gerade eines der meist umk\u00e4mpften St\u00fccke Land im Mittelmeerraum. 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