{"id":1768,"date":"2020-08-11T01:26:57","date_gmt":"2020-08-10T22:26:57","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-impfstoff-russland-nimmt-die-abkurzung\/"},"modified":"2020-08-11T01:26:57","modified_gmt":"2020-08-10T22:26:57","slug":"corona-impfstoff-russland-nimmt-die-abkurzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-impfstoff-russland-nimmt-die-abkurzung\/","title":{"rendered":"Corona-Impfstoff: Russland nimmt die Abk\u00fcrzung"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/7fd5c758-48c5-483b-862c-72f03f9a422b_w948_r1.77_fpx53_fpy61.jpg\" title=\"Impfung gegen Sars-CoV-2 (Illustration): Angst vor einem Schnellschuss\" alt=\"Impfung gegen Sars-CoV-2 (Illustration): Angst vor einem Schnellschuss\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Impfung gegen Sars-CoV-2 (Illustration): Angst vor einem Schnellschuss<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Cadu Rolim\/ Fotoarena\/ imago images  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Staaten, Biotechnologie-Unternehmen und Forschungseinrichtungen weltweit arbeiten seit Monaten an einem Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2. Viele der Wettbewerber berichten Fortschritte, doch ein Staat will nun alle anderen in den Schatten stellen: Russland hat angek\u00fcndigt, noch im August den ersten Impfstoff zulassen zu wollen, m\u00f6glicherweise schon am Mittwoch.<\/p>\n<p>Andere Experten, etwa von der deutschen Impfstoff-Zulassungsbeh\u00f6rde, des Paul-Erich-Instituts (PEI), gingen dagegen bislang davon aus, dass es fr\u00fchestens Ende dieses Jahres, Anfang n\u00e4chsten Jahres einen Impfstoff geben wird. Was also ist dran an Russlands Ank\u00fcndigungen? Um was f\u00fcr einen Impfstoff geht es? Und wie weit sind andere Staaten? Die wichtigsten Antworten im \u00dcberblick.<\/p>\n<h3>Wie funktioniert Russlands Impfstoff-Kandidat?<\/h3>\n<p>Das Mittel tr\u00e4gt den kryptischen Namen &quot;Gam-COVID-Vac Lyo&quot; und wurde am Gamaleja-Institut f\u00fcr Epidemiologie in Moskau entwickelt. Bekannt ist, dass &quot;Gam-COVID-Vac Lyo&quot; ein sogenannter Vektor-Impfstoff ist. Das Konzept wird seit einiger Zeit in der Impfstoffforschung angewendet.<\/p>\n<p>Basis sind Viren, die dem Menschen nicht gef\u00e4hrlich werden k\u00f6nnen, sogenannte Vektoren. Sie dienen als Tr\u00e4ger f\u00fcr charakteristische Erbgut-Abschnitte des Erregers, gegen den geimpft werden soll. Der K\u00f6rper erkennt das Erbgut als fremd und bildet Antik\u00f6rper, die bei einem tats\u00e4chlichen Zusammentreffen mit dem Virus eine Infektion verhindern &#8211; so die Theorie.<\/p>\n<p>Im Fall von &quot;Gam-COVID-Vac Lyo&quot; kommen als Vektoren zwei verschiedene Adenoviren zum Einsatz. Diese Virenfamilie wird h\u00e4ufiger in der Impfentwicklung genutzt &#8211; auch im Zusammenhang mit anderen Coronaviren wie Mers. Bekannte Vektoren zu nutzen, hat den Vorteil, dass ihre Sicherheit schon in fr\u00fcheren Studien gepr\u00fcft wurde.<\/p>\n<p>Bei Vektor-Impfstoffen besteht grunds\u00e4tzlich das Risiko, dass das Immunsystem auch die Vektoren bek\u00e4mpft und es dadurch zu Nebenwirkungen kommt oder die Impfung nicht funktioniert. Dieses Risiko sinkt durch den Einsatz bekannter Stoffe.<\/p>\n<h3>Was halten Fachleute von der angek\u00fcndigten Zulassung?<\/h3>\n<p>Experten sind besorgt, dass Russland im Wettlauf um den ersten Corona-Impfstoff ein zu hohes Risiko eingeht und Sicherheitsstandards vernachl\u00e4ssigt. US-Seuchenexperte Anthony Fauci sagte Anfang des Monats etwa, er hoffe, dass die Russen ihre Impfstoffe testeten, bevor sie sie der Bev\u00f6lkerung verabreichten.<\/p>\n<p>Fachleute f\u00fcrchten, dass ein leichtfertig zugelassenes Mittel, das sich sp\u00e4ter als unwirksam oder zu riskant herausstellt, das Vertrauen in einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 und Impfungen im Allgemeinen schw\u00e4chen w\u00fcrde. Die bisher bekannten Informationen \u00fcber Russlands Vorhaben, wecken Zweifel, dass das Mittel nach medizinischen Standards gut genug f\u00fcr eine Zulassung getestet wurde.<\/p>\n<h3>Wie sicher ist der Impfstoff aus Russland?<\/h3>\n<p>Ergebnisse klinischer Pr\u00fcfungen am Menschen wurden bislang nicht ver\u00f6ffentlicht. Es ist lediglich bekannt, dass der Impfstoff seit Mitte Juni an 38 Personen erprobt wird. Laut russischen Nachrichtenagenturen gab es dabei keine Nebenwirkungen. Das ist allerdings unwahrscheinlich.<\/p>\n<p>Bei im Grunde allen Impfungen, die injiziert werden, kommt es mindestens zu Schmerzen oder auch R\u00f6tungen an der Einstichstelle. Zwar sind das keine dramatischen Komplikationen, sie m\u00fcssen aber dokumentiert werden. Es stimmt skeptisch, wenn dies nicht geschieht.<\/p>\n<p>Um die Sicherheit seines Mittels zu unterstreichen, behauptet der Entwickler des russischen Impfstoffs, Alexander Ginzburg, das Mittel bereits an sich selbst getestet zu haben. \u00dcber die Vertr\u00e4glich und Wirksamkeit bei der Anwendung in der gesamten Bev\u00f6lkerung, bei Menschen mit Vorerkrankungen und Alten sagt das allerdings nichts aus. Tests, die diese belegen w\u00fcrden, fehlen bislang.<\/p>\n<p>Erst wenn der Impfstoff zugelassen ist, will Russland ihn an einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe Menschen testen. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Interfax hat der russische Gesundheitsminister Michail Muraschko angek\u00fcndigt, dass rund 800 Personen teilnehmen sollen, um die Ergebnisse aus der ersten Studie zu best\u00e4tigen. Das widerspricht dem anerkannten Vorgehen bei der Impfstoffentwicklung.<\/p>\n<h3>Wie werden Impfungen normalerweise getestet?<\/h3>\n<p>\u00dcblicherweise sind nach Pr\u00fcfungen im Labor und an Tiermodellen drei Testphasen im Menschen n\u00f6tig, bevor ein Impfstoff zugelassen wird. In Phase I erh\u00e4lt eine kleine Gruppe gesunder Freiwilliger das Mittel. An ihnen wird untersucht, ob das Immunsystem reagiert und welche Nebenwirkungen auftreten. Auch verschiedene Dosierungen k\u00f6nnen getestet werden.<\/p>\n<p>In Phase II werden Impfungen auch an Menschen mit Vorerkrankungen erprobt und es wird gepr\u00fcft, ob das Medikament tats\u00e4chlich die gew\u00fcnschte Krankheit verhindert. Teils werden Phase I und Phase II kombiniert, um Zeit zu sparen. Das ist auch bei der ersten, russischen Corona-Impfstoff-Studie der Fall.<\/p>\n<p>Entscheidend daf\u00fcr, ob ein Mittel breit angewendet werden kann, ist letztlich aber das Ergebnis aus sogenannten Phase-III-Studien. Hier bekommt eine gro\u00dfe Gruppe Freiwilliger den Impfstoff verabreicht, um seine Wirkung und Sicherheit zu best\u00e4tigen. Dabei werden teils Zehntausende Probanden geimpft.<\/p>\n<p>Das ist wichtig, um auch seltenere Nebenwirkungen zu erfassen und sicherzustellen, dass die Vakzine, also der Impfstoff, verl\u00e4sslich sch\u00fctzt. Zur Einordnung: Wenn eine Nebenwirkung unter einem von Zehntausend Menschen auftritt, f\u00e4llt das in kleinen Studien nicht auf, beim Einsatz in der gesamten Bev\u00f6lkerung w\u00e4ren aber Zigtausende davon betroffen &#8211; hochgerechnet auf die Bev\u00f6lkerung in Deutschland beispielsweise mehr als 8000 Personen.<\/p>\n<h3>Wie ist der Stand bei anderen Impfstoffen?<\/h3>\n<p>Russland ist ein Land unter vielen, in dem es Fortschritte bei der Impfentwicklung gegen das Sars-CoV-2 gibt. Tats\u00e4chlich sind einige Staaten aber sogar weiter als das Land. Ende Juli hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine grobe \u00dcbersicht \u00fcber Corona-Impfstoffe in klinischen Tests ver\u00f6ffentlicht &#8211; ohne Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit.<\/p>\n<p>26 Kandidaten sind dort aufgelistet, bei sechs sind Phase-III-Studien geplant oder laufen derzeit. Darunter befindet sich ein anderer Vektor-Impfstoff, der an der britischen Oxford University in Zusammenarbeit mit dem Pharmakonzern AstraZeneca entwickelt wurde. Au\u00dferdem sind zwei RNA-Impfstoffe der US-Biotech-Firmen Moderna und Biontech\/Pfizer vertreten (mehr dazu lesen Sie hier).<\/p>\n<p>In China haben zudem drei Totimpfstoffe Phase-III-Pr\u00fcfungen erreicht. &quot;Ein Totimpfstoff ist das Einfachste, was man machen kann, wenn man einen Impfstoff entwickeln will&quot;, erkl\u00e4rte der Virologe Christian Drosten bereits Ende April im NDR-Podcast. Allerdings kann es auch dabei zu unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig starken Nebenwirkungen kommen.<\/p>\n<p>In welchem Ausma\u00df, dass im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 der Fall und wie hoch der Nutzen ist, m\u00fcssen nun die Phase-III-Studien kl\u00e4ren. Falls der russische Impfstoff fr\u00fchzeitig zulassen wird, ist auch seine Pr\u00fcfung nach allem, was derzeit bekannt ist, noch lange nicht abgeschlossen.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Impfung gegen Sars-CoV-2 (Illustration): Angst vor einem Schnellschuss Foto:\u2002Cadu Rolim\/ Fotoarena\/ imago images Staaten, Biotechnologie-Unternehmen und Forschungseinrichtungen weltweit arbeiten seit Monaten an einem Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2. 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