{"id":1766,"date":"2020-08-10T23:17:59","date_gmt":"2020-08-10T20:17:59","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/die-furcht-vor-corona-ist-groser-als-das-tatsachliche-risiko\/"},"modified":"2020-08-10T23:17:59","modified_gmt":"2020-08-10T20:17:59","slug":"die-furcht-vor-corona-ist-groser-als-das-tatsachliche-risiko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/die-furcht-vor-corona-ist-groser-als-das-tatsachliche-risiko\/","title":{"rendered":"Die Furcht vor Corona ist gr\u00f6\u00dfer als das tats\u00e4chliche Risiko"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/1a3cb8df-c489-4150-9940-1cf62af3359f_w948_r1.77_fpx48.83_fpy45.jpg\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>  Foto:\u2002Thomas Tolstrup\/ Getty Images  <\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"caps\">&quot;F\u00fcr wie gro\u00df halten Sie die Wahrscheinlichkeit, dass das neue Coronavirus bei Ihnen im Laufe der n\u00e4chsten zw\u00f6lf Monate eine lebensbedrohliche Erkrankung ausl\u00f6st?&quot; Diese Frage wurde in den vergangenen Monaten rund 5800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des sogenannten sozio-oekonomischen Panels gestellt, einer in Deutschland laufenden Langzeit-Studie. Als Antwort war eine Prozentangabe gew\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Wer angesichts der Berichte \u00fcber die Proteste gegen die Corona-Ma\u00dfnahmen vermutet, dass die Befragten ihr pers\u00f6nliches Risiko als sehr gering bewerten, liegt falsch. Das Gegenteil ist er Fall: Das Ergebnis l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen, dass die Menschen insgesamt ihr pers\u00f6nliches Risiko \u00fcbersch\u00e4tzen, aber durchaus individuelle Risikofaktoren wir etwa Vorerkrankungen bedenken.<\/p>\n<p>Die Befragten gaben im Schnitt an, dass sie mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 26 Prozent im kommenden Jahr lebensbedrohlich an Covid-19 erkranken, berichtet das Team um Ralph Hertwig vom Max-Planck-Institut f\u00fcr Bildungsforschung. \u00c4ltere und Menschen mit Vorerkrankungen sch\u00e4tzen ihr Risiko im Schnitt h\u00f6her ein als J\u00fcngere und Menschen ohne Vorerkrankungen &#8211; was realistisch ist. Auch in anderen Bereichen sehen die Forschenden, dass die Befragten ihr Risiko entsprechend ihrer pers\u00f6nlichen Umst\u00e4nde einsch\u00e4tzten. So gaben beispielsweise Menschen in Ostdeutschland ein geringeres Risiko an &#8211; tats\u00e4chlich waren hier auch geringere Infektionszahlen zu verzeichnen, somit war auch das Ansteckungsrisiko geringer. Auch sahen Menschen, die in Mehrpersonenhaushalten lebten, bei sich ein etwas h\u00f6heres Risiko als Alleinlebende.<\/p>\n<p>Eine Ausnahme: Frauen sch\u00e4tzten die Wahrscheinlichkeit, dass sie lebensbedrohlich erkranken, h\u00f6her ein als M\u00e4nner. Bisher zeigen verschiedene Studien aber, dass im Falle einer Coronavirusinfektion M\u00e4nner h\u00e4ufiger als Frauen schwer erkranken. Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung sei, dass Frauen allgemein eine geringere Risikoneigung als M\u00e4nner h\u00e4tten, schreibt das Team um Hertwig. Soll hei\u00dfen: Sie sind offensichtlich besorgter.<\/p>\n<p>Nur rund 14 Prozent der Befragten sahen ihr Risiko bei Null. Rund 28 Prozent sahen ihr Risiko bei mehr als 50 Prozent.<\/p>\n<p>Die Menschen wurden von Anfang April bis Anfang Juli mehrmals befragt. Dabei zeigte sich, dass die Befragten das Risiko zu Beginn noch h\u00f6her einsch\u00e4tzten, n\u00e4mlich im Schnitt bei knapp 30 Prozent. Dieser Wert sank Ende Juni auf 24 Prozent.<\/p>\n<h3>Was w\u00e4re realistisch?<\/h3>\n<p>Welche Angabe zur Wahrscheinlichkeit w\u00e4re realistisch? Das l\u00e4sst sich nat\u00fcrlich nicht eindeutig beantworten. Die Forschergruppe macht folgende Rechnung auf, um einen H\u00f6chstwert zu finden: W\u00fcrden durch ein Wiederaufflammen der Infektionen zu den rund 200.000 nachweislichen Infizierten in Deutschland noch einmal diese Anzahl an Infektionen kommen, so dass wir im Land bis zum kommenden Fr\u00fchjahr 400.000 F\u00e4lle h\u00e4tten und w\u00fcrden sich all diese Menschen tats\u00e4chlich als lebensbedrohlich erkrankt einsch\u00e4tzen, dann w\u00e4ren 0,6 Prozent der erwachsenen Bev\u00f6lkerung betroffen &#8211; der Wert ist weit entfernt von 24 oder 30 Prozent.<\/p>\n<p>Auch diese 0,6 Prozent sind nat\u00fcrlich nur eine Sch\u00e4tzung. Ob sich in Deutschland bis zum n\u00e4chsten Fr\u00fchjahr noch 200.000 Menschen mit dem Coronavirus infizieren oder ob es viel weniger oder viel mehr F\u00e4lle geben wird, kann zu diesem Zeitpunkt niemand beantworten &#8211; weil es unter anderem wesentlich davon abh\u00e4ngt, wie konsequent weiter gegen eine Verbreitung des Erregers gek\u00e4mpft werden wird.<\/p>\n<p>Warum \u00fcbersch\u00e4tzen die Befragten ihr Risiko? Das Ph\u00e4nomen gebe es auch bei anderen relativ seltenen, aber schwerwiegenden Risiken wie Gefahr durch Terrorismus und auch tendenziell bei ganz neuen Risiken, schreibt die Gruppe. Allerdings falle bei Covid-19 auf, dass die Befragten offenbar vor diesem Hintergrund der \u00dcbersch\u00e4tzung wichtige Risikofaktoren in Betracht ziehen, wenn sie ihr pers\u00f6nliches Risiko einsch\u00e4tzen sollen.<\/p>\n<p>Die Forscherinnen und Forscher warnen davor, diese Risiko-\u00dcbersch\u00e4tzung als &quot;willkommenes Geschenk gutzuhei\u00dfen&quot;, weil sie Menschen motiviere, sich an die Corona-Schutzma\u00dfnahmen zu halten. Das Gegenteil k\u00f6nnte der Fall sein:Wenn Menschen den Eindruck gewinnen, dass ihre eigene Wahrnehmung sehr stark vom tats\u00e4chlichen Risiko abweicht, kann dies dazu f\u00fchren, dass sie ihre Einstellung grundlegend \u00e4ndern. In diesem Fall k\u00f6nnte es dazu f\u00fchren, dass Risiken durch Covid-19 nicht mehr als bedeutsam wahrgenommen und Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen gar als unn\u00f6tig, invasiv und paternalistisch empfunden w\u00fcrden. Wichtig sei, die Menschen weiter gut zu informieren. Denn ohne Schutzma\u00dfnahmen w\u00e4re das Risiko tats\u00e4chlich bedeutend h\u00f6her.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Foto:\u2002Thomas Tolstrup\/ Getty Images &quot;F\u00fcr wie gro\u00df halten Sie die Wahrscheinlichkeit, dass das neue Coronavirus bei Ihnen im Laufe der n\u00e4chsten zw\u00f6lf Monate eine lebensbedrohliche Erkrankung ausl\u00f6st?&quot; Diese<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1767,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1766","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1766","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1766"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1766\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1767"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1766"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1766"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1766"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}