{"id":1758,"date":"2020-08-10T14:50:56","date_gmt":"2020-08-10T11:50:56","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/hongkong-china-nimmt-jimmy-lai-fest-der-furchtlose\/"},"modified":"2020-08-10T14:50:56","modified_gmt":"2020-08-10T11:50:56","slug":"hongkong-china-nimmt-jimmy-lai-fest-der-furchtlose","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/hongkong-china-nimmt-jimmy-lai-fest-der-furchtlose\/","title":{"rendered":"Hongkong &#8211; China nimmt Jimmy Lai fest: Der Furchtlose"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/7254026e-da48-45cf-8f32-c10dc4c2f070_w948_r1.77_fpx31_fpy39.jpg\" title=\"Seine Zukunft ist ungewiss: Jimmy Lai\" alt=\"Seine Zukunft ist ungewiss: Jimmy Lai\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Seine Zukunft ist ungewiss: Jimmy Lai<\/p>\n<p>  Foto:\u2002<\/p>\n<p>AP\/ DPA<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die chinesische Zensur machte sich gar nicht mehr die M\u00fche, die ersten internationalen Kommentare zu unterdr\u00fccken. W\u00e4hrend sonst fast immer der Bildschirm schwarz wird, wenn westliche Nachrichtensender aus Hongkong berichten, ging diese Nachricht am Montagmorgen in China zun\u00e4chst unzensiert \u00fcber den Sender: Jimmy Lai festgenommen &#8211; Hongkongs prodemokratischer Medientycoon, ein &quot;erbitterter Regierungskritiker&quot;, wie ihn die BBC zutreffend nannte. &quot;Eisig&quot; sei die Atmosph\u00e4re, die sich jetzt, f\u00fcnf Wochen nach Verk\u00fcndung des neuen Staatssicherheitsgesetzes, in der Stadt verbreite.<\/p>\n<p>Um sieben Uhr fr\u00fch hatte ihn die Polizei aus seinem Haus geholt, auch zwei seiner S\u00f6hne nahm sie fest. Zugleich wurden die B\u00fcros von &quot;Next Media&quot; durchsucht, Lais Verlagshaus, wo unter anderem &quot;Apple Daily&quot; produziert wird, die letzte Bastion der einst vielen offen chinakritischen Zeitungen in Hongkong.<\/p>\n<p>Es ist der bisher massivste Angriff der Beh\u00f6rden auf Hongkongs Medien &#8211; und Jimmy Lai der prominenteste Vertreter des demokratischen Lagers, der wegen Versto\u00dfes gegen das neue sogenannte Sicherheitsgesetz festgenommen wurde. Er wird der &quot;geheimen Absprache mit ausl\u00e4ndischen M\u00e4chten&quot; verd\u00e4chtigt. Sollte er verurteilt werden, drohen ihm drei bis zehn Jahre, sollte sein Fall als &quot;schwerwiegend&quot; eingestuft werden, sogar lebenslange Freiheitsstrafe.<\/p>\n<p>Jimmy Lai ist mehrfach festgenommen worden, f\u00fcr geringere Vergehen wie die Teilnahme an unerlaubten Demonstrationen. Bislang kam er stets auf Kaution wieder frei. Das ist unter dem neuen Staatssicherheitsgesetz nicht zu erwarten. Es ist sogar m\u00f6glich, dass ihm nicht in Hongkong, sondern auf dem chinesischen Festland der Prozess gemacht wird. &quot;Lai sieht h\u00f6chstwahrscheinlich einer schweren Strafe entgegen&quot;, k\u00fcndigte die Pekinger &quot;Global Times&quot; an.<\/p>\n<p>Lai wusste seit Langem, dass er im Fadenkreuz der chinesischen Staatssicherheit stand. Keinen Hongkonger Aktivisten, keinen Oppositionspolitiker hat Pekings Propaganda so d\u00e4monisiert wie ihn. Einen &quot;modernen Verr\u00e4ter&quot; nannte ihn die Pekinger &quot;Global Times&quot; am Montag, und das ist noch eine der geringeren Schm\u00e4hungen, die ihm seit Jahren nachgeworfen werden. Chinesischen Nationalisten gilt Lai als f\u00fchrender Kopf der &quot;Viererbande&quot;, einer Gruppe von betagten Aktivisten, denen Peking vorwirft, Hongkongs Jugend gegen das Vaterland aufgewiegelt zu haben.<\/p>\n<p>In Wahrheit verk\u00f6rpert Lai, ein gro\u00dfgewachsener, auch im Alter athletischer Mann mit einer m\u00e4chtigen Stimme, viele Eigenschaften, die gerade jungen Chinesen imponieren: Als 13-J\u00e4hriger vom Festland nach Hongkong geflohen, hat er es dort vom Kinderarbeiter zum Milliard\u00e4r gebracht. Anfang der Achtzigerjahre gr\u00fcndete er den Textilkonzern &quot;Giordano&quot;, den er in den Neunzigerjahren verkaufte &#8211; und das Geld fortan in den Aufbau einer gro\u00dfen Medienholding steckte.<\/p>\n<p>Lai ist selbstbewusst, laut und poltrig wie die Schlagzeilen mancher seiner Zeitungen &#8211; das genaue Gegenteil der traditionell diskreten Hongkonger Tycoons. Politisch hat ihn vor allem die Niederschlagung des Tiananmen-Aufstandes von 1989 gepr\u00e4gt. An seiner Opposition gegen die Kommunistische Partei hat er seit damals nie einen Zweifel gelassen. China sei &quot;das B\u00f6se&quot;, sagte er dem SPIEGEL bei einem Treffen w\u00e4hrend des Hongkonger Protestsommers 2019, &quot;ein Feind, wie ihn der Westen seit dem Untergang der Sowjetunion nicht mehr gesehen&quot; habe.<\/p>\n<p>Ihn beeindruckte der &quot;Geist des M\u00e4rtyrertums&quot;, mit dem sich radikale Protestierende damals der Polizei in den Weg stellten. Auch er rechne damit, eines Tages ins Gef\u00e4ngnis zu gehen und sei bereit, &quot;Verantwortung zu \u00fcbernehmen. Das ist unsere moralische Pflicht. Wir gehen bis zum Letzten, ob es nun Himmel oder H\u00f6lle ist&quot;.<\/p>\n<p>Selbst unter Lais Freunden teilen nicht alle die H\u00e4rte seiner Urteile. Doch so kompromisslos er politisch ist, so verbindlich ist Jimmy Lai im pers\u00f6nlichen Umgang. G\u00e4ste pflegte er bis vor Kurzem zu Hause zu empfangen, am liebsten zum Fr\u00fchst\u00fcck. Die Einrichtung seiner Bauhausvilla im Stadtteil Kowloon &#8211; traditionelles chinesisches Mobiliar und feine Tuschgem\u00e4lde &#8211; lie\u00df eher auf einen Gelehrten oder Kunsth\u00e4ndler schlie\u00dfen als auf einen furchtlosen Oppositionellen.<\/p>\n<p>Doch furchtlos blieb Lai bis zuletzt. Als Peking Ende Mai beschloss, Hongkong das neue Staatssicherheitsgesetz aufzudr\u00fccken und mancher in der Stadt dar\u00fcber nachdachte, seine Chatverl\u00e4ufe zu l\u00f6schen, er\u00f6ffnete Lai demonstrativ einen Twitteraccount. Seine letzten zehn Posts setzte er vor zwei Tagen ab. &quot;Wer bedroht die Einheit einer Nation?&quot;, fragte er im Retweet einer &quot;Apple Daily&quot;-Story \u00fcber einen chinesischen Aktivisten. &quot;Ein m\u00f6rderisches Regime unterdr\u00fcckt anst\u00e4ndige Menschen (und) sollte ausgewechselt werden, sonst wird es uns auswechseln.&quot;<\/p>\n<p>Jimmy Lai hat seit Jahren gef\u00e4hrlich und unter feindseliger Beobachtung gelebt. Fast t\u00e4glich standen zuletzt Gruppen pekingtreuer Demonstranten vor seinem Haus und beschimpften ihn. Manche verfolgten ihn im Auto, wenn er losfuhr; im vergangenen September warfen Unbekannte sogar einen Brandsatz \u00fcber die Gartenmauer. Lai stellte sich am n\u00e4chsten Morgen einen Feuerl\u00f6scher ins Wohnzimmer und zuckte die Achseln: &quot;Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein.&quot;<\/p>\n<p>Au\u00dfer Verst\u00f6\u00dfen gegen das neue Sicherheitsgesetz bereiten die Beh\u00f6rden offenbar auch eine Betrugsanklage gegen Lai vor &#8211; Peking scheint sichergehen zu wollen, dass Hongkongs Justiz ihn nicht noch einmal auf Kaution freil\u00e4sst.<\/p>\n<p>&quot;Hongkongs Polizei hat nicht viel gegen dich tun k\u00f6nnen&quot;, kommentierte im chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo ein User. &quot;Das Sicherheitsgesetz kann.&quot;<\/p>\n<p>Ein anderer schrieb: &quot;Der Herbst hat begonnen.&quot;<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Seine Zukunft ist ungewiss: Jimmy Lai Foto:\u2002 AP\/ DPA Die chinesische Zensur machte sich gar nicht mehr die M\u00fche, die ersten internationalen Kommentare zu unterdr\u00fccken. 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