{"id":17570,"date":"2023-01-14T22:56:12","date_gmt":"2023-01-14T19:56:12","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/lutzerath-letzte-schlammschlacht-im-rheinischen-revier\/"},"modified":"2023-01-14T22:56:12","modified_gmt":"2023-01-14T19:56:12","slug":"lutzerath-letzte-schlammschlacht-im-rheinischen-revier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/lutzerath-letzte-schlammschlacht-im-rheinischen-revier\/","title":{"rendered":"L\u00fctzerath: Letzte Schlammschlacht im rheinischen Revier"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Als von L\u00fctzerath nicht mehr viel \u00fcbrig ist, kommt doch noch der Knall: Die Polizei verhindert nur mit massiven Kr\u00e4ften, Wasserwerfern und Schlagst\u00f6cken, dass Demonstranten die Dorfruine erreichen. R\u00fcckblick auf den Protesttag.  <\/p>\n<p>Wer in den letzten Tagen in L\u00fctzerath dabei war, dem kleinen Weiler, der zum Symbol f\u00fcr die Klimakrise wurde, weil ihn Aktivisten besetzten und den die Polizei dann unter Aufbietung einer kompletten Leistungsschau m\u00f6glicher Polizeieinheiten r\u00e4umen wollte, der war \u00fcberrascht: Die gro\u00dfe Eskalation, die von vielen erwartet worden war \u2013 das NRW-Innenministerium hatte im Vorfeld von einem wochenlangen Einsatz gesprochen, es wurde von Fallen gemunkelt und Extremisten \u2013, sie fand in den ersten drei Tagen de facto nicht statt. Erst am Samstag wurde das, was zuvor mehr Schlamm als Schlacht war zu finalen Schlammschlacht um L\u00fctzerath: Es kam zu erheblichen Ausschreitungen, als laut Polizeiangaben gut tausend Demonstranten versuchten, Polizeisperren zu durchbrechen, um L\u00fctzerath doch noch zu erreichen.<\/p>\n<p>Dabei hatte der Tag begonnen wie die letzten in L\u00fctzerath, es war friedlich und wetterm\u00e4\u00dfig eher ungem\u00fctlich. Was f\u00fcr viele kein Hindernis sein sollte, sich aufzumachen zu dem aufgeweichten Boden der Region, dem sogenannten rheinischen Revier. Katharina Schmied und Christian Schuster zum Beispiel setzten sich um 5.30 Uhr in Stuttgart in den Zug, um zur Demo zu kommen, f\u00fcr die deutschlandweit mobilisiert worden war. \u00bbDer Zug aus D\u00fcsseldorf war extrem voll mit Demoteilnehmern, das erinnerte an Zeiten des 9-Euro-Tickets\u00ab, sagten sie einem SPIEGEL-Reporter vor Ort. Wie viele Menschen vor Ort waren, ist unklar, die Klimaaktivisten sprechen von 35.000 Menschen, die Polizei am fr\u00fchen Abend von etwa 10.000, sp\u00e4ter von 15.000 Menschen.<\/p>\n<p>Zentrum der Demonstration sollte eine B\u00fchne sein, hier trat sp\u00e4ter auch Klimaikone Greta Thunberg auf, die dem SPIEGEL vorab in einem Interview sagte, dass die \u00bbinternationale Klimabewegung\u00ab sehr genau auf das schaue, was aktuell in und um L\u00fctzerath herum geschieht und sich \u00bbdar\u00fcber austauscht. Die Aktionen hier haben etwas ausgel\u00f6st.\u00ab <\/p>\n<p>Klar war bereits in den vergangenen Tagen, dass Demonstranten versuchen w\u00fcrden, nach L\u00fctzerath und in den Tagebau Garzweiler zu gelangen. Das war in den entsprechenden Kreisen angek\u00fcndigt worden und so sollte es kommen, bereits am fr\u00fchen Nachmittag machten sich laut Polizeiangaben rund 1000 Demonstrationsteilnehmer auf den Weg zu dem Weiler. Und zur Abbruchkante des Tagebaus. Die Polizei und der Kreis Heinsberg warnten vor der \u00bbabsoluten Lebensgefahr\u00ab an diesem Ort, aufhalten lie\u00dfen sich die Demonstranten dort nicht, einige drangen in den Tagebau ein. <\/p>\n<p>L\u00fctzerath selbst liegt in unmittelbarer N\u00e4he zu der Abbruchkante, es war in den vergangenen Tagen mit einem Doppelzaun umgeben worden war, vor ihm Polizeifahrzeuge, dahinter Wasserwerfer und Sicherheitsmitarbeiter von RWE. Man sei, hatte es im Vorfeld aus Polizeikreisen gehei\u00dfen, auf Durchbruchversuche vorbereitet. Die Demonstranten mit dem Ziel L\u00fctzerath liefen auf die Polizei zu, SPIEGEL-Reporter vor Ort sahen, wie sie die ersten Polizeiketten durchbrachen. Pfefferspray wurde eingesetzt, Schlagst\u00f6cke. Die Reiterstaffeln, die man in L\u00fctzerath in den vergangenen Tagen nur gesehen hatte, wenn die Tiere bewegt wurden, kamen zum Einsatz, sp\u00e4ter auch die Wasserwerfer, als die Demonstranten es bis kurz vor die Z\u00e4une von L\u00fctzerath geschafft hatten. <\/p>\n<h3>Zahl der Verletzten am Samstagabend noch unklar<\/h3>\n<p>Wie viele Menschen verletzt wurden, blieb am Abend zun\u00e4chst unklar. In den sozialen Medien wurden von Bilder von blutenden Menschen gezeigt, es war die Rede von Nasenbeinbr\u00fcchen und Platzwunden. Die Polizei selbst konnte gegen 19.30 Uhr auf Nachfrage noch keine konkreten Zahlen nennen. Die Beamten seien erheblich unter Druck gesetzt, mehrere Fahrzeuge besch\u00e4digt, die Reifen zerstochen worden.<\/p>\n<p>Mit der einsetzenden Dunkelheit schien sich die Situation in L\u00fctzerath dann zu beruhigen, viele Demonstrationsteilnehmer machten sich auf den R\u00fcckweg. \u00bbNach jetzigem Stand ist es niemandem gelungen, nach L\u00fctzerath einzudringen\u00ab, sagte ein Sprecher dem SPIEGEL. In dem Weiler befinden sich nach wie vor einige wenige Besetzer in den B\u00e4umen und Baumh\u00e4usern, mindestens zwei halten sich nach wie vor in einem selbst gegrabenen Tunnelsystem in etwa vier Metern Tiefe auf. <\/p>\n<p>Wie lange es dauern wird, bis L\u00fctzerath komplett dem Erdboden gleichgemacht ist, bleibt weiter offen, der zust\u00e4ndige Polizeipr\u00e4sident Dirk Weinspach (Gr\u00fcne) sagte am Freitagabend dem SPIEGEL, das er noch mit mehreren Tagen Einsatzdauer rechnet. Die politische Diskussion um L\u00fctzerath d\u00fcrfte auch dann nicht abebben. <\/p>\n<p>(Wie der Samstag im Detail verlief, k\u00f6nnen Sie hier nachlesen.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als von L\u00fctzerath nicht mehr viel \u00fcbrig ist, kommt doch noch der Knall: Die Polizei verhindert nur mit massiven Kr\u00e4ften, Wasserwerfern und Schlagst\u00f6cken, dass Demonstranten die Dorfruine erreichen. 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