{"id":1750,"date":"2020-08-10T06:37:44","date_gmt":"2020-08-10T03:37:44","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/die-blutige-wahlnacht-von-minsk\/"},"modified":"2020-08-10T06:37:44","modified_gmt":"2020-08-10T03:37:44","slug":"die-blutige-wahlnacht-von-minsk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/die-blutige-wahlnacht-von-minsk\/","title":{"rendered":"Die blutige Wahlnacht von Minsk"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/d06f63bd-3e34-42e2-a29e-c29c87109769_w948_r1.77_fpx43_fpy64.jpg\" title=\"Szene aus Minsk: Ein Vertreter der Sicherheitskr\u00e4fte neben einem Demonstrationsteilnehmer\" alt=\"Szene aus Minsk: Ein Vertreter der Sicherheitskr\u00e4fte neben einem Demonstrationsteilnehmer\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Szene aus Minsk: Ein Vertreter der Sicherheitskr\u00e4fte neben einem Demonstrationsteilnehmer<\/p>\n<p>  Foto:\u2002VASILY FEDOSENKO\/ REUTERS  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Schon vor der Pr\u00e4sidentenwahl hatte es in der Ex-Sowjetrepublik massive, in diesem Umfang nie dagewesene Proteste gegeben. Nach dem Ende des Wahlsonntags in Belarus trieb es viele Menschen erneut auf die Stra\u00dfe, das Einschreiten der Polizei fiel dann \u00e4u\u00dferst brutal aus.<\/p>\n<p>Bei den landesweiten Demonstrationen nach der Pr\u00e4sidentenwahl haben Zehntausende Menschen gegen Wahlf\u00e4lschung protestiert. Dabei kam es in der Nacht zum Montag zu blutigen Zusammenst\u00f6\u00dfen mit der Polizei. Es gab viele Verletzte. In der Hauptstadt Minsk setzten die Sicherheitskr\u00e4fte Wasserwerfer, Gummigeschosse und Blendgranaten ein.<\/p>\n<p>Nach Angaben von Beobachtern sollen sich in der Hauptstadt bis zu 100.000 Menschen an den Demonstrationen beteiligt haben. Auf Videos war etwa zu sehen, wie Demonstranten aus M\u00fcllcontainern Barrikaden errichteten. Menschenmassen zogen durch die Stra\u00dfen &#8211; auch in anderen St\u00e4dten des Landes.<\/p>\n<p>In sozialen Netzwerken wurden immer wieder Videos ver\u00f6ffentlicht, wie Polizisten brutal auf Menschen einpr\u00fcgelten. Auch Demonstranten attackierten Polizisten, um Festnahmen zu verhindern. Es gab viele Bilder von blut\u00fcberstr\u00f6mten Menschen.<\/p>\n<p>Die Hoffnungen der Menschen ruhen nun auf der Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja. Die 37-J\u00e4hrige soll nach Prognosen staatlicher Meinungsforscher die von Manipulationsvorw\u00fcrfen \u00fcberschatteten Wahl jedoch verloren &#8211; Staatschef Alexander Lukaschenko sie dagegen gewonnen haben.<\/p>\n<p>Die Wahlkommission ver\u00f6ffentlichten aber auch Stunden nach Schlie\u00dfung der Wahllokale keine ersten offiziellen Ergebnisse. Es war lediglich die Rede von einem Sieg Lukaschenkos. Die Internetseite der Wahlleitung war zun\u00e4chst nicht abrufbar &#8211; wie viele andere Webseiten in Belarus.<\/p>\n<p>Tichanowskaja wollte ihre Niederlage nicht einr\u00e4umen: &quot;Es kann keine Anerkennung eines solchen Wahlergebnisses geben&quot;, sagte Sprecherin Anna Krasulina der Nachrichtenagentur dpa. Es sei damit zu rechnen gewesen, dass die staatlichen Prognosen Lukaschenko rund 80 Prozent der Stimmen zuschreiben w\u00fcrden. &quot;Das ist fern jeder Realit\u00e4t.&quot; Von Lukaschenko gab es nach der Abstimmung keine Reaktion.<\/p>\n<h3>Aufruf zum Verzicht auf Gewalt &#8211; auf beiden Seiten<\/h3>\n<p>Stattdessen kam im Innenministerium ein Krisenstab zusammen. Die Lage sei unter Kontrolle, teilten die Beh\u00f6rden staatlichen Medien zufolge mit. Wie viele Menschen festgenommen wurden, wurde nicht erkl\u00e4rt. Die Menschenrechtsorganisation Wesna sprach in der Nacht von zun\u00e4chst mehr als 50 Festnahmen allein in Minsk. Landesweit sollen es 120 gewesen sein. Diese Zahl d\u00fcrfte weiter steigen.<\/p>\n<p>Tichanowskaja rief die Sicherheitskr\u00e4fte in der Nacht zum Gewaltverzicht auf. &quot;Ich m\u00f6chte Polizei und Milit\u00e4r daran zu erinnern, dass sie Teil des Volkes sind&quot;, sagte sie nach Angaben ihres Wahlkampfstabs. An ihre Anh\u00e4nger appellierte sie, Provokationen zu unterlassen. &quot;Ich wei\u00df, dass die Menschen in Belarus morgen in einem neuen Land aufwachen werden&quot;, so Tichanowskaja.<\/p>\n<p>In einzelnen Orten kam es auch zu ersten Siegesfeiern f\u00fcr die Oppositionskandidatin. Die Menschen riefen die Uniformierten auf, sich dem W\u00e4hlerwillen zu beugen und dem Volk anzuschlie\u00dfen. In einzelnen Ortschaften habe die Polizei kaum Widerstand leisten k\u00f6nnen gegen die Menschenmengen, berichteten oppositionsnahe Portale im Internet, das landesweit zeitweise nicht funktionierte.<\/p>\n<h3>Teilergebnisse sehen die Herausforderin vorn<\/h3>\n<p>Wann offizielle Wahlergebnisse vorliegen, war zun\u00e4chst nicht klar. Einzelne \u00f6rtliche Wahlkommissionen traten am Abend vor die Menschenmengen und verk\u00fcndeten Ergebnisse, nach denen Lukaschenko eine schwere Niederlage erlitten habe. Teils kam Tichanowskaja demnach auf zwischen 80 und 90 Prozent der Stimmen.<\/p>\n<p>Lukaschenko, der als &quot;letzter Diktator Europas&quot; gilt, hatte mit dem Einsatz von Milit\u00e4r gedroht, um seine Macht zu erhalten. In Belarus wird noch die Todesstrafe vollstreckt.<\/p>\n<p>Ziel Tichanowskajas war es im Wahlkampf, die Abstimmung zu gewinnen, als Pr\u00e4sidentin alle politischen Gefangenen freizulassen und dann freie Neuwahlen anzusetzen. Sie kandidiert anstelle ihres Ehemanns Sergej Tichanowski. Der regierungskritische Blogger sitzt wie der fr\u00fchere Banken-Chef Viktor Babariko in Haft &#8211; wegen Anschuldigungen, die als politisch inszeniert gelten.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Szene aus Minsk: Ein Vertreter der Sicherheitskr\u00e4fte neben einem Demonstrationsteilnehmer Foto:\u2002VASILY FEDOSENKO\/ REUTERS Schon vor der Pr\u00e4sidentenwahl hatte es in der Ex-Sowjetrepublik massive, in diesem Umfang nie dagewesene Proteste gegeben. 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