{"id":175,"date":"2020-05-29T18:10:28","date_gmt":"2020-05-29T15:10:28","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-tests-mit-malariamittel-hydroxychloroquin-auch-in-deutschland-auf-dem-prufstand\/"},"modified":"2020-05-29T18:10:28","modified_gmt":"2020-05-29T15:10:28","slug":"corona-tests-mit-malariamittel-hydroxychloroquin-auch-in-deutschland-auf-dem-prufstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-tests-mit-malariamittel-hydroxychloroquin-auch-in-deutschland-auf-dem-prufstand\/","title":{"rendered":"Corona: Tests mit Malariamittel Hydroxychloroquin auch in Deutschland auf dem Pr\u00fcfstand"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/51343a8b-be8e-447c-9615-0caedd550e19_w948_r1.77_fpx33.34_fpy50.jpg\" title=\"Von Trump promotet, von Wissenschaftlern zur Gefahr erkl\u00e4rt: Hydroxychloroquin\" alt=\"Von Trump promotet, von Wissenschaftlern zur Gefahr erkl\u00e4rt: Hydroxychloroquin\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Von Trump promotet, von Wissenschaftlern zur Gefahr erkl\u00e4rt: Hydroxychloroquin<\/p>\n<p> George Frey\/ AFP\/ Getty Images <\/figcaption><\/figure>\n<p>&quot;Ich bin wahrscheinlich ein gr\u00f6\u00dferer Fan als jeder andere. Ich habe ein gutes Gef\u00fchl. Das ist alles. Es ist nur ein Gef\u00fchl. Ich bin ein kluger Typ&quot;: In den vergangenen Monaten hat niemand so vehement f\u00fcr das Malariamittel geworben wie Donald Trump. Der US-Pr\u00e4sident war \u00fcberzeugt, die Wirkstoffe Hydroxychloroquin und das eng verwandte Chloroquin k\u00f6nnten eine Infektion mit dem Coronavirus im K\u00f6rper eind\u00e4mmen. Mit seinem Engagement hat der 73-J\u00e4hrige der Forschung jedoch einen B\u00e4rendienst erwiesen.<\/p>\n<p>Weltweit laufen Dutzende Studien, die die Wirksamkeit der Malariamittel gegen Covid-19 pr\u00fcfen. Der Vorteil: Wenn sie sich tats\u00e4chlich als wirksam erweisen, k\u00f6nnten sie schnell eingesetzt werden. Ein komplett neues Mittel m\u00fcsste erst in aufwendigen Studien beweisen, dass es gut vertr\u00e4glich ist. Weil Hydroxychloroquin und Chloroquin schon zur Therapie von Malaria und Autoimmunerkrankungen zugelassen sind, haben sie diesen Schritt bereits hinter sich. Und die Wirkstoffe sind schon jetzt in gro\u00dfer St\u00fcckzahl verf\u00fcgbar.<\/p>\n<p>Doch ob sie wirklich gegen Covid-19 helfen, ist unklar. Zudem gelten sie l\u00e4ngst als &quot;Trump-Medikament&quot;. Jede noch so kleine Studie zur Wirksamkeit hat politische Brisanz.<\/p>\n<p>Eine Studie im Fachblatt &quot;Lancet&quot; d\u00e4mpfte j\u00fcngst die Erwartungen und lieferte Hinweise, die Mittel k\u00f6nnten sogar schaden. Die WHO hat daraufhin klinische Studien ausgesetzt, ebenso Frankreich und Gro\u00dfbritannien.<\/p>\n<p>Zuletzt setzte auch Deutschland eine klinische Studie an der Uniklinik T\u00fcbingen aus. Ein unabh\u00e4ngiges Gremium pr\u00fcft nun die ersten Ergebnisse. (Mehr dazu lesen Sie hier.) Au\u00dferhalb klinischer Studien kommt Hydroxychloroquin in Deutschland auch bei Covid-19-Patienten zum Einsatz, die im Krankenhaus behandelt werden. Haus\u00e4rzte sollen es dagegen nicht zur Therapie verschreiben.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich lassen die Ergebnisse der &quot;Lancet&quot;-Studie aufhorchen. Die Forscher hatten nach eigenen Angaben \u00fcber ein Register, an dem weltweit 671 Kliniken beteiligt sind, Daten von mehr als 96.000 Covid-19-Patienten ausgewertet. Sie fanden jedoch keinen Hinweis, dass es den Malariamittel-Patienten besser ging als denen, die diese nicht bekamen. Im Gegenteil: Die Sterblichkeitsrate war bei ihnen deutlich erh\u00f6ht.<\/p>\n<h3>Kritik an &quot;Lancet&quot;-Studie<\/h3>\n<p>Am h\u00f6chsten war die Sterblichkeit demnach bei Patienten, die Hydroxychloroquin und ein Antibiotikum bekommen hatten. 23,8 Prozent der Betroffenen starben. Bei den Patienten, die keine Malariamittel bekommen hatten, war das Risiko zu sterben nur halb so hoch.<\/p>\n<p>Doch Forscher stellen nun die Ergebnisse der &quot;Lancet&quot;-Studie infrage. In einem offenen Brief werden zehn Punkte aufgez\u00e4hlt, die an der Zuverl\u00e4ssigkeit der Daten und den verwendeten Methoden zweifeln lassen. Mehr als 120 Wissenschaftler haben den Brief unterschrieben &#8211; darunter auch solche, die sich skeptisch \u00fcber den Einsatz der Malariamittel zur Behandlung von Covid-19-Patienten ge\u00e4u\u00dfert hatten.<\/p>\n<p>Die Kritikpunkte im \u00dcberblick:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Die Autoren haben sich laut den Kritikern nicht an Standards gehalten. <strong>&quot;Sie haben ihren Code oder ihre Daten nicht ver\u00f6ffentlicht&quot;<\/strong>, hei\u00dft es in dem Brief. Dabei hatte das Fachblatt &quot;Lancet&quot; die Forderungen unterst\u00fctzt, Daten im Zusammenhang mit der Coronakrise offenzulegen. Unklar war beispielsweise, aus welchen L\u00e4ndern und welchen Krankenh\u00e4usern die Daten kamen. Nur der jeweilige Kontinent wurde angegeben. Auch auf Nachfrage wollten die Autoren die Informationen nicht preisgeben, weil das den Datenschutzvereinbarungen widerspreche.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>Daten f\u00fcr Australien stimmen nicht mit offiziellen Statistiken \u00fcberein. Auch die Daten aus Afrika erscheinen nicht plausibel<\/strong>, argumentieren die Kritiker. Die angegebenen Zahlen f\u00fcr Afrika sind so hoch, dass fast ein Viertel der bekannten Covid-19-F\u00e4lle und fast jeder zweite Tote in einem der Krankenh\u00e4user behandelt worden sein m\u00fcsste, auf deren Angaben sich die Studie st\u00fctzt. &quot;Sowohl die Zahl der F\u00e4lle als auch die der Toten und die detaillierte Datensammlung erscheinen unwahrscheinlich&quot;, hei\u00dft es in dem Brief.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Forscher fordern, die Daten zu ver\u00f6ffentlichen und eine unabh\u00e4ngige Begutachtung der Ergebnisse. Zudem sollte das Fachblatt &quot;Lancet&quot; offenlegen, wie das Manuskript vor der Ver\u00f6ffentlichung gepr\u00fcft wurde. In Anbetracht der Kritik halten es die Forscher nicht f\u00fcr gerechtfertigt, klinische Forschungen mit Hydroxychloroquin einzustellen.<\/p>\n<p>Die Analysen seien sorgf\u00e4ltig durchgef\u00fchrt worden, versicherte die Organisation Surgisphere in einer Stellungnahme, die die die Daten f\u00fcr die Analyse bereitgestellt hatte. Es best\u00fcnden keine Interessenkonflikte. Tats\u00e4chlich hatten die Forscher selbst darauf hingewiesen, dass die Ergebnisse der Studie nicht \u00fcberinterpretiert werden sollten und dass dringend weitere klinische Studien durchgef\u00fchrt werden m\u00fcssten. Doch genau das k\u00f6nnte nun schwierig werden.<\/p>\n<h3>&quot;Ich w\u00fcrde Hydroxychloroquin auch nicht bei H\u00e4rtef\u00e4llen empfehlen&quot;<\/h3>\n<p>Die Studienergebnisse haben auch deshalb so viel Aufmerksamkeit erregt, weil sie Trumps \u00c4u\u00dferungen zur Wirksamkeit widerlegen. Der US-Pr\u00e4sident hatte auch mit seinem Vorschlag f\u00fcr Schlagzeilen gesorgt, Desinfektionsmittel zu spritzen &#8211; was er sp\u00e4ter als Ironie darstellte. Als er eine Fabrik f\u00fcr Schutzkleidung besuchte, trug er keine Maske, daf\u00fcr aber eine Schutzbrille. F\u00fcr viele Trump-Gegner d\u00fcrften auch die von ihm angepriesenen Malariamittel zwielichtig erscheinen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig l\u00f6ste die Unterst\u00fctzung von Trump einen Hype um die Malariamittel aus. Die WHO nahm kurzfristig entsprechende Medikamente in Studienprogramme auf, auch Deutschland kaufte Mittel mit Hydroxychloroquin ein, zwischenzeitlich wurden die Best\u00e4nde so knapp, dass sie denjenigen auszugehen drohten, die sie wirklich brauchen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hatte der Wirkstoff die Ausbreitung des Coronavirus in Nierenzellen von Gr\u00fcnen Meerkatzen gehemmt, allerdings nur unter Laborbedingungen. Daf\u00fcr reichte eine Konzentration aus, die auch bei Patienten gemessen wurde, die das Mittel gegen rheumatoide Arthritis eingenommen hatten. Ob sich die Ergebnisse auf den Menschen \u00fcbertragen lassen, ist unklar.<\/p>\n<p>Au\u00dfer der &quot;Lancet&quot;-Studie hatten noch andere Untersuchungen Hinweise geliefert, dass die Therapie mit Hydroxychloroquin den Verlauf einer schweren Covid-19-Erkrankung, die im Krankenhaus behandelt werden muss, nicht verbessert, sondern sogar t\u00f6dlich sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die erh\u00f6hte Sterblichkeit k\u00f6nnten Herzrhythmusst\u00f6rungen sein, eine bekannte Nebenwirkung der Malariamittel, die gerade f\u00fcr Covid-19-Patienten gef\u00e4hrlich sein k\u00f6nnte, weil die Krankheit in einigen F\u00e4lle auch das Herz angreift. Wenn die Patienten gleichzeitig noch Antibiotika, insbesondere Azithromycin, bekamen, stieg das Risiko f\u00fcr gef\u00e4hrliche Nebenwirkungen erheblich.<\/p>\n<p>Zudem gibt es Hinweise, dass die Mittel bei Covid-19-Patienten eingesetzt wurden, f\u00fcr die das Risiko f\u00fcr Nebenwirkungen besonders hoch ist und bei denen das Medikament eigentlich nicht eingesetzt werden sollte. &quot;In Anbetracht der aktuellen Datenlage w\u00fcrde ich den Einsatz von Hydroxychloroquin au\u00dferhalb von klinischen Studien auch bei H\u00e4rtef\u00e4llen nicht empfehlen&quot;, sagte Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen \u00c4rzteschaft, dem SPIEGEL.<\/p>\n<h3>&quot;Keine Hinweise auf schwere Nebenwirkungen&quot;<\/h3>\n<p>Ob Hydroxychloroquin bei der Behandlung von Covid-19 am Ende mehr Fluch oder Segen ist, m\u00fcssten nun die klinischen Studien zeigen. Peter Kremsner, medizinischer Direktor am Universit\u00e4tsklinikum T\u00fcbingen, ist zuversichtlich, dass die Untersuchungen fortgesetzt werden k\u00f6nnen. &quot;Wir haben keine Hinweise auf schwere Nebenwirkungen, die mit Hydroxychloroquin in Verbindung stehen k\u00f6nnten&quot;, sagte Kremsner dem SPIEGEL.<\/p>\n<p>An der Uniklinik T\u00fcbingen wird der Einsatz von Hydroxychloroquin unter anderem an Patienten getestet, die erste Symptome wie Husten oder Fieber haben. Dadurch soll gepr\u00fcft werden, ob das Mittel in einem fr\u00fchen Stadium der Erkrankung die Ausbreitung des Virus im K\u00f6rper und dadurch auch schwere Verl\u00e4ufe verhindern kann, die im Krankenhaus behandelt werden m\u00fcssten.<\/p>\n<p>Donald Trump hat derweil bekannt gegeben, Hydroxychloroquin nicht mehr t\u00e4glich zu nehmen, um einer Infektion mit dem Coronavirus vorzubeugen. Vielleicht erh\u00f6ht das die Chance, dass der Wirkstoff weiter gepr\u00fcft werden kann &#8211; wissenschaftlich unabh\u00e4ngig.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Von Trump promotet, von Wissenschaftlern zur Gefahr erkl\u00e4rt: Hydroxychloroquin George Frey\/ AFP\/ Getty Images &quot;Ich bin wahrscheinlich ein gr\u00f6\u00dferer Fan als jeder andere. Ich habe ein gutes Gef\u00fchl. Das ist alles. Es ist nur ein Gef\u00fchl. 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