{"id":1740,"date":"2020-08-09T20:17:12","date_gmt":"2020-08-09T17:17:12","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/armin-laschet-in-ostdeutschland-mehr-wessi-geht-nicht\/"},"modified":"2020-08-09T20:17:12","modified_gmt":"2020-08-09T17:17:12","slug":"armin-laschet-in-ostdeutschland-mehr-wessi-geht-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/armin-laschet-in-ostdeutschland-mehr-wessi-geht-nicht\/","title":{"rendered":"Armin Laschet in Ostdeutschland: \u201eMehr Wessi geht nicht\u201c"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/71e0ef3f-3af3-4c51-898b-8b4f6c85511f_w948_r1.77_fpx41.14_fpy55.jpg\" title=\"Armin Laschet auf Tour durch Sachsen-Anhalt: hier im Bauhaus Dessau\" alt=\"Armin Laschet auf Tour durch Sachsen-Anhalt: hier im Bauhaus Dessau\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Armin Laschet auf Tour durch Sachsen-Anhalt: hier im Bauhaus Dessau<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Sebastian Willnow\/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Vor dem Dom im sachsen-anhaltischen Naumburg stehen zwei M\u00e4nner mit Sonnenbrillen und schwarzem Anzug und halten die H\u00e4nde hinter ihre R\u00fccken. Sie sind Sicherheitskr\u00e4fte. Limousinen fahren vor, einige Fotografen tummeln sich auf dem Platz, die Hitze gl\u00fcht.<\/p>\n<p>Ein kleiner Mann mit Sch\u00e4ferhund geht auf die Sicherheitskr\u00e4fte zu. &quot;Wer kommt denn?&quot;, fragt er. <\/p>\n<p>&quot;Na, der Laschet&quot;, sagt einer der Herren mit Sonnenbrille. Der Passant macht ein verwundertes Gesicht: &quot;Wer?&quot;<\/p>\n<p>&quot;Armin Laschet. Der NRW-Ministerpr\u00e4sident.&quot;<\/p>\n<p>&quot;Ach so. Na dann&quot;, sagt der Mann und spaziert offenkundig unbeeindruckt mit seinem Hund davon, als sei weiter nichts gewesen.<\/p>\n<p>Die Naumburger blieben weitestgehend entspannt an diesem hei\u00dfen Augustsonntag, als der nordrhein-westf\u00e4lische Ministerpr\u00e4sident Armin Laschet bei ihnen zu Besuch war. Zwei Tage tourte dieser an diesem Wochenende mit dem sachsen-anhaltischen Regierungschef Reiner Haseloff durch Sachsen-Anhalt. Am Samstag standen Haseloffs Heimat Wittenberg und das Bauhaus Dessau auf dem Programm. Am Sonntag war dann Naumburg dran, die Partnerstadt von Aachen, die wiederum der Geburtsort von Laschet ist.<\/p>\n<p>Allzu bekannt ist Laschet in Naumburg nicht, was auch der Grund f\u00fcr die Reise sein d\u00fcrfte. Laschet muss aufholen in Ostdeutschland. Im Dezember will er vom CDU-Parteitag zum Parteivorsitzenden gew\u00e4hlt werden. Es wird ein knappes Rennen erwartet und sein Widersacher Friedrich Merz hat im Osten eine feste Anh\u00e4ngerschaft. Schon bei der Wahl Ende 2018 auf dem Parteitag in Hamburg hatte er die Ostverb\u00e4nde hinter sich. In Sachsen-Anhalt hatte es sogar eine Mitgliederbefragung gegeben, aus der Merz als klarer Sieger hervorging. Zwar ist die Anzahl der Delegierten aus dem Osten vergleichsweise gering, jedoch zeigte das Scheitern von Annegret Kramp-Karrenbauer, dass es eine gute Verbindung in den Osten braucht.<\/p>\n<p> Kann der NRW-Ministerpr\u00e4sident im Osten punkten?<\/p>\n<p>Laschet und Haseloff gehen durch die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone des 35.000-Einwohnerorts Naumburg. Laschet staunt \u00fcber die h\u00fcbschen H\u00e4uschen. Gerade sind beide von einem Gottesdienst gekommen. &quot;In der Kirche war ich schon vor 30 Jahren&quot;, sagt Laschet. Damals, zur Wiedervereinigung, war Laschet das letzte Mal hier. Die Aachener CDU reiste zur Unterst\u00fctzung nach Naumburg, wie er erz\u00e4hlt. Auch bei der ersten Volkskammerwahl war er dabei. 1984 war er sogar einmal in der DDR, mit einem Studienfreund in Leipzig.<\/p>\n<h3>&quot;Es war nicht alles schlecht&quot;, sagt Haseloff und lacht<\/h3>\n<p>Diese Geschichte erz\u00e4hlt Laschet heute sch\u00e4tzungsweise 20 Mal, also im Grunde jedem, der ihm \u00fcber dem Weg l\u00e4uft. Tats\u00e4chlich d\u00fcrfte das seine einzige Verbindung zu den ostdeutschen L\u00e4ndern sein. Laschet wohnt nur wenige Kilometer von der belgischen Grenze entfernt, die L\u00e4nder, die ihm nahe stehen, sind Belgien und Holland. Mit dem Osten hatte er bisher nichts zu tun.<\/p>\n<p>Zumindest mit Haseloff, der eigentlich auch eher dem Merz-Lager angeh\u00f6rt, versteht Laschet sich aber offensichtlich gut. Die beiden bildeten schon eine Achse, als es um die Strukturhilfen f\u00fcr den Kohleausstieg ging. Bis 2038 sollen bis zu 40 Milliarden Euro vom Bund in die Kohleregionen flie\u00dfen, eine gigantische Summe, die politisch erk\u00e4mpft wurde. Auch in der hei\u00dfen Phase der Corona-Pandemie hatten Haseloff und Laschet bisweilen eine gemeinsame Linie. Bei einem dieser Gespr\u00e4che soll die Idee f\u00fcr den Besuch entstanden sein, wie sie sagen.<\/p>\n<p>Laschet hatte sich ausdr\u00fccklich gew\u00fcnscht, dann auch nach Naumburg zu kommen. &quot;Bl\u00fchende Landschaften&quot; seien hier entstanden, wie es Helmut Kohl versprochen hatte, sagt Laschet nun.<\/p>\n<p>Die Ministerpr\u00e4sidenten bleiben vor einer Eisdiele stehen. Haseloff hat eine Idee: echtes DDR-Softeis. &quot;Es war nicht alles schlecht&quot;, sagt Haseloff und lacht. Hier gebe es die originale Rezeptur. Laschet ist kurz verwundert: &quot;Softeis? Gab&#039;s doch bei uns auch.&quot; Die Landesregierungschefs haben nun zwei Waffeln mit Schoko-Vanille-Eis in der Hand.<\/p>\n<p>Der Eisverk\u00e4ufer, der Laschet offenbar vorher auch nicht weiter kannte, hat noch eine Frage: &quot;Herr Laschet, sind Sie eigentlich ein Ossi oder ein Wessi?&quot;<\/p>\n<p>&quot;Mehr Wessi geht nicht&quot;, antwortet Laschet und l\u00e4sst sich den Unterschied zwischen Ost- und Westsofteis erkl\u00e4ren. Das Eis, damals vom DDR-Hersteller Komet gemacht, schmeckte \u00fcberall gleich. Es war mit Wasser und mit Milchpulver hergestellt, nicht nur mit Milch. Zudem wurde im Westen mit einer Maschine Luft in das Softeis gepumpt. &quot;Das ist der entscheidende Unterschied. Bei uns ist richtig was in der T\u00fcte, im Westen viel Luft&quot;, sagt der Eisverk\u00e4ufer.<\/p>\n<h3><strong>Von Habeck h\u00e4ngt schon ein Bild in Naumburg<\/strong><\/h3>\n<p>Laschet zeigt sich interessiert, was bei den fragenden B\u00fcrgern offenbar ankommt. Einen gro\u00dfen Unterst\u00fctzer hat er hier auch. G\u00f6tz Ulrich, CDU-Landrat des Burgenlandkreises, der ebenfalls mit spaziert. Er gilt als das liberale Gewissen der sachsen-anhaltischen CDU und mischt sich immer wieder ein, wenn sich die Rechtsblinker des Landesverbands zu Wort melden.<\/p>\n<p>F\u00fchrende Kr\u00e4fte in der sachsen-anhaltischen CDU werben indirekt f\u00fcr ein B\u00fcndnis mit der AfD. Ulrich ist vehement dagegen. &quot;Laschet ist der unterst\u00fctzungsw\u00fcrdige Kandidat f\u00fcr die Wahl im Dezember. Grund ist sein christlich-liberales Verst\u00e4ndnis, was auch in seiner Politik in NRW deutlich geworden ist&quot;, sagt Ulrich bei dem Besuch.<\/p>\n<p>Am Nachmittag besichtigen Laschet und Haseloff eine moderne Fotoausstellung des Fotografen J\u00fcrgen Sieker in der Marienkirche am Dom, sie hei\u00dft: &quot;Uta trifft Nina&quot;. Die ber\u00fchmten zw\u00f6lf Naumburger Stifterfiguren sind zu sehen, sie geh\u00f6ren zu den bedeutendsten Skulpturen des Mittelalters. In der Ausstellung h\u00e4ngen Fotografien von ihnen an der Wand, jeweils daneben h\u00e4ngt ein Foto eines Prominenten. Nina Hagen zum Beispiel, Naomi Campbell oder Katharina Witt.<\/p>\n<p>Laschet bleibt vor einem der Fotos stehen. &quot;Der Habeck h\u00e4ngt ja auch schon hier&quot;, sagt Laschet und wirkt etwas bedr\u00fcckt. Selbst der Gr\u00fcnenchef Robert Habeck aus Schleswig-Holstein hat es im Osten offenbar unter die zw\u00f6lf Toppromis geschafft, ihn aber kennt hier kaum jemand.<\/p>\n<p>Laschet darf sich am Ende seines Besuchs noch ins Goldene Buch der Stadt eintragen. Er sei in guter Gesellschaft, sagt ihm der Oberb\u00fcrgermeister. Die meisten seien ja schon hier gewesen.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Armin Laschet auf Tour durch Sachsen-Anhalt: hier im Bauhaus Dessau Foto:\u2002Sebastian Willnow\/ dpa Vor dem Dom im sachsen-anhaltischen Naumburg stehen zwei M\u00e4nner mit Sonnenbrillen und schwarzem Anzug und halten die H\u00e4nde hinter ihre R\u00fccken. Sie sind Sicherheitskr\u00e4fte. Limousinen fahren vor, einige Fotografen tummeln sich auf dem Platz, die Hitze gl\u00fcht. 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