{"id":1728,"date":"2020-08-09T05:38:03","date_gmt":"2020-08-09T02:38:03","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-testpflicht-nach-dem-urlaub-uns-hatte-niemand-daran-gehindert-direkt-nach-hause-zu-fahren\/"},"modified":"2020-08-09T05:38:03","modified_gmt":"2020-08-09T02:38:03","slug":"corona-testpflicht-nach-dem-urlaub-uns-hatte-niemand-daran-gehindert-direkt-nach-hause-zu-fahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-testpflicht-nach-dem-urlaub-uns-hatte-niemand-daran-gehindert-direkt-nach-hause-zu-fahren\/","title":{"rendered":"Corona-Testpflicht nach dem Urlaub: \u201eUns h\u00e4tte niemand daran gehindert, direkt nach Hause zu fahren\u201c"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/797fa598-a742-437b-90d2-75f15532a200_w948_r1.77_fpx33.34_fpy50.jpg\" title=\"Reisende stehen am Frankfurter Flughafen f\u00fcr den Coronavirus-Test an\" alt=\"Reisende stehen am Frankfurter Flughafen f\u00fcr den Coronavirus-Test an\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Reisende stehen am Frankfurter Flughafen f\u00fcr den Coronavirus-Test an<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Thomas Frey\/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Thomas Schwabs Tag hat fr\u00fch begonnen an diesem Samstag. Seit f\u00fcnf Uhr morgens bereitet der Rettungssanit\u00e4ter den Ansturm auf den ehemaligen Check-in-Bereich des Frankfurter Flughafens vor. Wo fr\u00fcher Urlauber ihr Gep\u00e4ck aufgaben, steht jetzt das wohl gr\u00f6\u00dfte Corona-Testzentrum f\u00fcr Reiser\u00fcckkehrer in Deutschland. Schwab ist gemeinsam mit seinem Team daf\u00fcr zust\u00e4ndig, dass der Betrieb l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Seit dem fr\u00fchen Morgen hat der 41-J\u00e4hrige Schutzanz\u00fcge und Testkits bereitgelegt, Handschuhbest\u00e4nde \u00fcberpr\u00fcft, Ventilatoren aufgestellt. &quot;Wir sind gut vorbereitet&quot;, sagt Schwab. Rund 2500 Urlauber aus Risikogebieten sollen an diesem Tag in Frankfurt landen. F\u00fcr alle h\u00e4lt Schwab einen Test bereit &#8211; denn seit diesem Samstag ist der Pflicht.<\/p>\n<p>Von nun an gilt die Regel: Wer aus einem Risikogebiet einreist, muss einen Coronatest machen. Viel diskutiert wurde der Vorsto\u00df von Gesundheitsminister Jens Spahn, schnell wurde Kritik laut: Der CDU-nahe Wirtschaftsrat forderte ein generelles Verbot privater Reisen in L\u00e4nder mit hohen Corona-Fallzahlen &#8211; Politiker von SPD und FDP lehnten dies ab. Die deutsche Wirtschaft wiederum warnte vor zunehmenden Beeintr\u00e4chtigungen von Gesch\u00e4ftsreisen durch weltweite Beschr\u00e4nkungen wegen der Corona-Pandemie.<\/p>\n<h3>Eine Welt mit Pandemiestatus<\/h3>\n<p>Am Frankfurter Flughafen reagierte man pragmatisch auf die Ank\u00fcndigung &#8211; und errichtete innerhalb kurzer Zeit das Covid-19-Testcenter. Hier zeigt sich nun die neue Realit\u00e4t einer globalisierten Welt mit Pandemiestatus.<\/p>\n<p>&quot;Wir machen eine neue Kabine auf&quot;, ruft Schwab seinen Kollegen zu. Eine Maschine aus \u00c4gypten ist gelandet, zus\u00e4tzlich kommen Reisende aus Kenia an \u2013 und schon wird die Schlange vor den Testkabinen lang.<\/p>\n<p>Rund 30 Mitarbeiter sind von 5:30 Uhr bis nachts um 23 Uhr im Einsatz, um die Aufgabe zu bew\u00e4ltigen. Zus\u00e4tzlich unterst\u00fctzt zur Einf\u00fchrung der Testpflicht auch die Bundeswehr: 100 Einsatzkr\u00e4fte sollen sicherstellen, dass vor allem in der Kommunikation mit den Beh\u00f6rden alles reibungslos funktioniert.<\/p>\n<p>Es herrscht Flughafenatmosph\u00e4re: Absperrb\u00e4nder teilen die Halle in Wartebereiche, die R\u00fcckkehrer werden von einer Schlange in die n\u00e4chste geschleust, \u00fcber allem liegt das Surren der Ventilatoren. 37 Grad sind f\u00fcr heute angek\u00fcndigt &#8211; und im Testzentrum steigt schon jetzt die Temperatur. Besonders im Vollschutzanzug wird die Arbeit dann zur Qual.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr Dimitrij, 30, und Oksana, 32, begann dieser Tag fr\u00fch. Mitten in der Nacht zum Samstag machte sich das Paar auf den Weg zum Flughafen. Sie hatten den Urlaub mit den beiden S\u00f6hnen, vier und ein Jahr alt, in Bulgarien verbracht.<\/p>\n<p>&quot;Dass wir uns testen lassen m\u00fcssen, haben wir sehr kurzfristig und nur durch Eigeninitiative erfahren&quot;, sagt Dimitrij. Eigentlich habe Bulgarien nicht als Risikogebiet gegolten. Doch als er gegen Mitternacht noch einmal die Reisewarnungen durchsah, stand das Land mit auf der Liste, erz\u00e4hlt Dimitrij.<\/p>\n<p>Jetzt stehen die beiden mit Koffern, Kinderwagen und Taschen in der Schlange f\u00fcr die Registrierung. Oksana, die Haare zum Pferdeschwanz gebunden, schaut ihren Mann aus m\u00fcden Augen an. Erfreut wirken beide nicht, dass sie nach der anstrengenden Reise nun auch noch zum Test antreten m\u00fcssen. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck schieben sie sich voran.<\/p>\n<p>&quot;Uns h\u00e4tte niemand daran gehindert, direkt nach Hause zu fahren&quot;, sagt Dimitrij. Aber der Test sei nun mal Pflicht. Sobald sein Testergebnis vorliegt, m\u00fcsse er sich damit beim Ausw\u00e4rtigen Amt melden. So soll sichergestellt werden, dass Dimitrij und seine Familie auch tats\u00e4chlich einen Test absolviert haben.<\/p>\n<p>Probleme mit Testverweigerern habe er bisher nur zwei Mal gehabt, erz\u00e4hlt Rettungssanit\u00e4ter Schwab. Die M\u00e4nner h\u00e4tten sich lautstark beschwert, dass die Regierung sie angeblich zum Test zwinge \u2013 und dann angefangen, von Verschw\u00f6rungstheorien zu reden. Beide F\u00e4lle ereigneten sich, noch bevor die Pflicht zum Test in Kraft trat.<\/p>\n<p>&quot;Ich sage solchen Leuten, dass mir unwichtig ist, ob ihre Theorien stimmen. Wir haben hier ein konkretes Problem mit messbaren Fallzahlen und Toten. Darauf m\u00fcssen wir nun mal reagieren&quot;, sagt Schwab. Am Ende h\u00e4tten beide Querulanten ihren Test gemacht.<\/p>\n<p>Auch an diesem Tag bleibt es trotz der neuen Pflicht ruhig: Die Urlauber f\u00fcgen sich ihrem Schicksal, nur eine Frage h\u00f6rt Schwab immer wieder: &quot;Tut der Test weh?&quot;<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich haben Urlauber aus Risikogebieten drei Tage Zeit, sich nach ihrer R\u00fcckkehr auf das Virus testen zu lassen. Niemand muss am Flughafen direkt zum Coronatest.<\/p>\n<p>Linda B., 42., nutzt diese Regelung. Vor zwei Tagen kam sie mit ihren drei T\u00f6chtern aus dem Urlaub zur\u00fcck, sp\u00e4t in der Nacht. Heute nun ist sie erneut zum Flughafen gekommen, um das kostenlose Testangebot zu nutzen. N\u00e4chste Woche steht ein Besuch bei der Mutter an, da wolle sie kein Risiko eingehen, sagt B.<\/p>\n<p>In der Testkabine begr\u00fc\u00dft sie ein DRK-Mitarbeiter in wei\u00dfem Vollschutz, nur seine Augen sind zu sehen. &quot;Ich bei\u00df&#039; nicht, ich seh nur doof aus&quot;, sagt er zu den Kindern. Beim Rachenabstrich, den er bei der Mutter macht, schauen die drei M\u00e4dchen interessiert zu. Dann sind sie selbst dran. &quot;Ist gar nicht schlimm&quot;, ermuntert Leila, zehn, ihre j\u00fcngeren Geschwister.<\/p>\n<p>Als die Familie die Tests hinter sich gebracht hat, kommt Schwab in die Kabine. &quot;Einmal wechseln, bitte&quot;, sagt er zu seinem Kollegen, der die Abstriche macht. Die Mitarbeiter in der Teststation rotieren st\u00e4ndig auf ihren Positionen, jeder sitzt mal an der Registrierung, dann wieder in der Kabine und nimmt Abstriche. L\u00e4nger als eine Stunde h\u00e4lt es kaum jemand in den Schutzanz\u00fcgen aus, die an jeder \u00d6ffnung mit Klebeband gesichert sind. &quot;Ich muss darauf achten, dass die Leute ihre Pausen einhalten&quot;, sagt Schwab.<\/p>\n<p>Eine richtige Bezeichnung f\u00fcr seinen Job hier gebe es gar nicht, erkl\u00e4rt er dann. &quot;Ich bin Vorarbeiter und Laufbursche&quot;, sagt er und grinst unter der FFP2-Maske. Wie so vieles ist auch Schwabs Position improvisiert. Per Mail hatte das Rote Kreuz, das die Station unter Aufsicht der hessischen Gesundheitsbeh\u00f6rde betreibt, h\u00e4nderingend nach Freiwilligen gesucht.<\/p>\n<p>Jetzt arbeitet Schwab unter anderem mit ehemaligen Mitarbeitern des Limousinenservice f\u00fcr Flugg\u00e4ste der ersten Klasse zusammen \u2013 ihr eigentlicher Job fiel durch die Pandemie weg. In der Kabine nebenan nimmt Hanna M\u00fcller, 19, Abstriche von R\u00fcckkehrern. Sie machte gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr, als der Aufruf vom DRK kam. Heute ist ihr erster Tag in der Teststation.<\/p>\n<p>Dimitrij und Oksana haben sich inzwischen an den Anfang der Schlange vorgearbeitet. &quot;Endlich&quot;, seufzt Dimitrij. Gemeinsam darf die Familie die Testkabine betreten. Ihren j\u00fcngsten Sohn nimmt Oksana zum Test auf den Scho\u00df. Er beginnt zu weinen, als ihm der Mitarbeiter das Testst\u00e4bchen in den Rachen schiebt.<\/p>\n<p>Nach zwei Minuten hat die Familie den Test hinter sich gebracht, innerhalb von 24 Stunden sollen sie ihr Testergebnis per Mail erhalten. Nun k\u00f6nnen sie nach Hause \u2013 bis nach N\u00fcrnberg geht es noch einmal weiter mit dem Zug.<\/p>\n<p>Thomas Schwab \u00fcberpr\u00fcft derweil seinen Schrittz\u00e4hler: 21.300 Schritte hat er am heutigen Samstag schon gemacht, und es ist gerade erst Mittag. Corona habe seinen Arbeitsalltag trotzdem kaum ver\u00e4ndert, findet Schwab. &quot;Ich arbeite weiterhin an f\u00fcnf Tagen in der Woche f\u00fcr die Gesundheit von Menschen&quot;, sagt er. Dann muss er weiter. In Kabine f\u00fcnf werden neue Testkits gebraucht.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Reisende stehen am Frankfurter Flughafen f\u00fcr den Coronavirus-Test an Foto:\u2002Thomas Frey\/ dpa Thomas Schwabs Tag hat fr\u00fch begonnen an diesem Samstag. Seit f\u00fcnf Uhr morgens bereitet der Rettungssanit\u00e4ter den Ansturm auf den ehemaligen Check-in-Bereich des Frankfurter Flughafens vor. 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