{"id":1716,"date":"2020-08-08T17:06:40","date_gmt":"2020-08-08T14:06:40","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/china-coronavirus-und-heimattourismus-zu-hause-ist-es-doch-am-schonsten\/"},"modified":"2020-08-08T17:06:40","modified_gmt":"2020-08-08T14:06:40","slug":"china-coronavirus-und-heimattourismus-zu-hause-ist-es-doch-am-schonsten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/china-coronavirus-und-heimattourismus-zu-hause-ist-es-doch-am-schonsten\/","title":{"rendered":"China: Coronavirus und Heimattourismus &#8211; Zu Hause ist es doch am sch\u00f6nsten"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/d0008532-f649-4501-86ce-2233d7532f9c_w948_r1.77_fpx55_fpy46.jpg\" title=\"Pack die Badehose ein - und halte Abstand: chinesische Touristen am Strand von Qingdao\" alt=\"Pack die Badehose ein - und halte Abstand: chinesische Touristen am Strand von Qingdao\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Pack die Badehose ein &#8211; und halte Abstand: chinesische Touristen am Strand von Qingdao<\/p>\n<p>  Foto:\u2002STR\/ AFP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Frau, die da unter der Sommersonne aus dem Gelben Meer steigt und den Strand heraufstapft, scheint \u00e4lteren Jahrgangs zu sein. Ihr gebeugter, etwas m\u00fchevoller Gang l\u00e4sst es vermuten, doch genau kann man es unm\u00f6glich erkennen: Sie tr\u00e4gt einen Ganzk\u00f6rper-Badeanzug, eine eng anliegende Haube verh\u00fcllt Haar und Gesicht, L\u00f6cher im Stoff lassen lediglich Augen, Mund und Nasenl\u00f6cher frei.<\/p>\n<p>Der sogenannte Facekini ist seit Jahren popul\u00e4r in China, wo gebr\u00e4unte Haut vielen als Makel gilt. Wenigstens was die Bademode angeht, ist am Strand Nummer eins der ostchinesischen Hafenstadt Qingdao also alles beim Alten.<\/p>\n<p>Ansonsten ist in diesem Corona-Sommer auch in der Reisenation China vieles anders. In normalen Jahren bev\u00f6lkern chinesische Reisegruppen das Heidelberger Schloss und Venedigs Markusplatz, Chinas Individualtouristen Balis Str\u00e4nde und die Jazzklubs von New York.<\/p>\n<p>Doch nun ist der Luftverkehr aus China praktisch zum Erliegen gekommen. Zuvor war der Pekinger Hauptstadtflughafen mit j\u00e4hrlich mehr als hundert Millionen Passagieren der weltweit zweitgesch\u00e4ftigste nach Atlanta, heute heben dort pro Tag nur eine Handvoll internationale Fl\u00fcge ab. Was machen Chinas Touristen also stattdessen?<\/p>\n<h3>Mediterranes Klima, sattgelbe Str\u00e4nde<\/h3>\n<p>Seit auf dem Meer vor Qingdao 2008 die olympischen Segelwettbewerbe ausgetragen wurden, hat sich die Stadt zu einer Tourismusdestination gemausert. Die deutschen Kolonialherren, die dort von 1898 bis 1914 herrschten, haben von Platanen ges\u00e4umte Alleen und wilhelminische Bauten mit roten Ziegeld\u00e4chern hinterlassen, die heute als Markenzeichen der Stadt gelten. Mediterranes Klima, sattgelbe Str\u00e4nde.<\/p>\n<p>An einem Nachmittag Ende Juli sitzen jedoch nur vereinzelte Gruppen \u00e4lterer Herren im Sand und spielen das traditionelle chinesische Spiel Mahjongg, schlagen ein paar Jugendliche einen Volleyball hin und her. H\u00e4lt man Fotos aus vergangenen Jahren dagegen, f\u00e4llt vor allem auf, wie leer es ist. Dabei sind auch in China jetzt Schulferien.<\/p>\n<p>Doch viele Chinesen verzichten diesen Sommer ganz auf Urlaub. Einzelne Unternehmen haben ihren Mitarbeitern und viele Schulen den Eltern grunds\u00e4tzlich davon abgeraten. Zwar hat die F\u00fchrung in Peking die Epidemie mit drastischen Lockdown- und \u00dcberwachungsma\u00dfnahmen vergleichsweise gut unter Kontrolle gebracht, doch treten in unterschiedlichen Provinzen immer wieder einzelne Cluster auf.<\/p>\n<p>Wehe, man befindet sich zuf\u00e4llig nahe einem Ausbruch: Die obligatorischen, auf jedes Handy aufgespielten Corona-Apps registrieren den eigenen Standort genau. Quarant\u00e4ne wird in China nicht unter dem Aspekt der Freiwilligkeit diskutiert &#8211; sie wird einfach verordnet, und zwar mitunter Hunderttausenden, die sich ungl\u00fccklicherweise in der N\u00e4he eines Infektionsherds aufgehalten haben. Allein das schreckt viele Chinesen davon ab, sich weit von Zuhause wegzubegeben.<\/p>\n<p>An welchen chinesischen Gro\u00dfflughafen man dieser Tage auch f\u00e4hrt, in Peking, Shanghai, Chongqing, Wuhan: \u00dcberall sind die Zubringerautobahnen frei, die Abflughallen leer, nur wenige Ticketschalter ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der f\u00fcnft\u00e4gigen Maifeiertage st\u00fcrzten die Ausgaben f\u00fcr touristische Inlandsreisen im Vergleich zu 2019 um 60 Prozent ab, w\u00e4hrend des dreit\u00e4gigen Drachenbootsfestivals Ende Juni sogar um fast 70 Prozent. Zu den inl\u00e4ndischen Zielen, die trotz des Einbruchs noch vergleichsweise gut besucht waren, geh\u00f6rten laut der Buchungswebsite Ctrip die Metropolen Shanghai und Chengdu sowie der Ferienort Sanya auf der Tropeninsel Hainan, auch &quot;Chinas Hawaii&quot; genannt.<\/p>\n<p>Dennoch waren Hainans Hotels im Mai nur zu etwa einem Drittel ausgelastet. Dabei lagen die Tarife niedrig, gro\u00dfe F\u00fcnfsternesuiten mit Meerblick waren inklusive Fr\u00fchst\u00fccks f\u00fcr unter hundert Euro zu haben. Am Fr\u00fchst\u00fccksb\u00fcfett fiel es leicht, die Abstandsregeln einzuhalten, in den Pools konnten die Schwimmer ungest\u00f6rt ihre Bahnen ziehen. Warteschlangen gab es keine, in China so ungew\u00f6hnlich wie wohltuend.<\/p>\n<h3>2020 fast keine ausl\u00e4ndischen Touristen in China<\/h3>\n<p>Zu den G\u00e4sten in Hainan geh\u00f6rten im Mai auffallend viele Expats. Ausl\u00e4nder, die in China leben, d\u00fcrfen das Land zwar verlassen &#8211; haben wegen der nach wie vor geltenden Einreisebeschr\u00e4nkungen allerdings kaum eine Chance, danach wieder zur\u00fcckzukehren. Statt auf Phuket, Mallorca oder in Berlin machen sie nun innerhalb Chinas Urlaub.<\/p>\n<p>Andersherum kommen 2020 praktisch keine Touristen aus dem Ausland mehr in die Volksrepublik. Selbst an vielen Orten, die ausl\u00e4ndische Reisende f\u00fcr gew\u00f6hnlich frequentieren, ist man fremde Gesichter kaum mehr gew\u00f6hnt. Manchen Chinesen sind Ausl\u00e4nder dieser Tage ohnehin suspekt &#8211; sei es, weil das Virus jenseits der Landesgrenzen weiterhin au\u00dfer Kontrolle ist, sei es wegen der gespannten Atmosph\u00e4re mit dem Westen.<\/p>\n<p>Das Kunstmuseum von Qingdao ist in einem Geb\u00e4ude mit S\u00e4ulenportal und Lichthof untergebracht, eine wuchtige Mauer umgibt das Gel\u00e4nde. Am Tor sitzt ein W\u00e4chter, der die Gesundheitscodes aller Besucher zu \u00fcberpr\u00fcfen hat. Als die Corona-App nicht sofort auf Gr\u00fcn springt, wird er ungehalten. Was man als Ausl\u00e4nder hier \u00fcberhaupt verloren habe? Wo man denn eigentlich herkomme?<\/p>\n<p>Aus Deutschland.<\/p>\n<p>Sein Gesicht hellt sich auf, er reckt den Daumen in die H\u00f6he: Ach so, nun gut, dann sei ja alles in Ordnung. Wirklich unwillkommen, gibt er zu verstehen, seien ja nur Amerikaner.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Pack die Badehose ein &#8211; und halte Abstand: chinesische Touristen am Strand von Qingdao Foto:\u2002STR\/ AFP Die Frau, die da unter der Sommersonne aus dem Gelben Meer steigt und den Strand heraufstapft, scheint \u00e4lteren Jahrgangs zu sein. 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