{"id":166,"date":"2020-05-29T04:42:17","date_gmt":"2020-05-29T01:42:17","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-auch-deutschland-pausiert-studie-mit-hydroxychloroquin-gegen-covid-19\/"},"modified":"2020-05-29T04:42:17","modified_gmt":"2020-05-29T01:42:17","slug":"corona-auch-deutschland-pausiert-studie-mit-hydroxychloroquin-gegen-covid-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-auch-deutschland-pausiert-studie-mit-hydroxychloroquin-gegen-covid-19\/","title":{"rendered":"Corona: Auch Deutschland pausiert Studie mit Hydroxychloroquin gegen Covid-19"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/d5a4d5e7-b6fb-44cf-b5a5-1b93b89baa04_w948_r1.77_fpx51_fpy41.jpg\" title=\"Hydroxychloroquin: Bei Laborversuchen konnte das Malariamittel die Ausbreitung von Sars-CoV-2-Viren eind\u00e4mmen\" alt=\"Hydroxychloroquin: Bei Laborversuchen konnte das Malariamittel die Ausbreitung von Sars-CoV-2-Viren eind\u00e4mmen\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Hydroxychloroquin: Bei Laborversuchen konnte das Malariamittel die Ausbreitung von Sars-CoV-2-Viren eind\u00e4mmen<\/p>\n<p> Yuri Cortez\/ AFP <\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Uniklinik T\u00fcbingen hat eine klinische Studie mit dem Wirkstoff Hydroxychloroquin vorerst ausgesetzt, wie der SPIEGEL aus dem beteiligten Forscherteam erfuhr. Das eigentlich f\u00fcr die Behandlung von Malaria und Autoimmunerkrankungen zugelassene Mittel wird auch als m\u00f6gliche Behandlung von Covid-19 gehandelt. Allerdings mehrten sich j\u00fcngst Hinweise auf unerw\u00fcnschte Nebenwirkungen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Frankreich haben Studien deshalb vorerst abgebrochen. Nun zieht auch Deutschland nach.<\/p>\n<p>&quot;Wir werden unsere zwei Studien nun f\u00fcr zwei Wochen pausieren&quot;, sagte Peter Kremsner, medizinischer Direktor am Universit\u00e4tsklinikum dem SPIEGEL. Die Entscheidung sei am Donnerstagabend gefallen. In der Zeit sollen die ersten Ergebnisse zur Patientensicherheit von einem unabh\u00e4ngigen Sicherheitsgremium angeschaut werden. Danach wird entschieden, ob die Studien fortgesetzt werden. An der Entscheidung sind auch die zust\u00e4ndige Ethikkommission sowie das Bundesinstitut f\u00fcr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beteiligt.<\/p>\n<p>Besonders US-Pr\u00e4sident Donald Trump hatte f\u00fcr das Malaria-Medikament geworben und es unter anderem als &quot;Geschenk Gottes&quot; im Kampf gegen Corona bezeichnet. Zuletzt hatte er bekannt geben, dass Mittel jedoch nicht mehr zu Prophylaxe gegen eine Infektion mit dem Coronavirus einzunehmen.<\/p>\n<h3>&quot;Wir haben keine Hinweise auf Nebenwirkungen&quot;<\/h3>\n<p>Laut einer aktuellen Studie im Fachblatt &quot;Lancet&quot; k\u00f6nnte die Einnahme von Hydroxychloroquin und dem eng verwandten Wirkstoff Chloroquin die Sterblichkeitsrate bei Covid-19-Patienten erh\u00f6hen. Hinweise, dass das Mittel den Verlauf der Krankheit positiv beeinflusst, fanden sich dagegen nicht. Die Forscher hatten \u00fcber ein Register, an dem weltweit 671 Kliniken beteiligt sind, Daten von mehr als 96.000 Covid-19-Patienten ausgewertet. Jeder Sechste der Patienten war mit einem der Malariamittel behandelt worden, in vielen F\u00e4lle bekamen sie zeitgleich ein Antibiotikum.<\/p>\n<p>Am h\u00f6chsten war die Sterblichkeit bei Patienten, die Hydroxychloroquin und ein Antibiotikum bekommen hatten. 23,8 Prozent der Betroffenen starben. Bei den Patienten, die keine Malariamittel bekommen hatten, war das Risiko zu sterben nur halb so hoch.<\/p>\n<p>Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung f\u00fcr die erh\u00f6hte Sterblichkeit k\u00f6nnten Herzrhythmusst\u00f6rungen sein &#8211; eine bekannte Nebenwirkung der Malariamittel \u2013, die gerade f\u00fcr Covid-19-Patienten gef\u00e4hrlich sein k\u00f6nnten, weil die Krankheit in einigen F\u00e4lle auch das Herz angreift. Ob die Betroffenen jedoch tats\u00e4chlich in Folge von Herzrhythmusst\u00f6rungen gestorben sind, geht aus den Daten nicht hervor. Zudem ist unklar, ob \u00c4rzte gerade bei Patienten zu den Malariamitteln griffen, die besonders schwere Symptome hatten. Das w\u00fcrde bedeuten, dass sie wahrscheinlich auch ohne die Mittel gestorben w\u00e4ren.<\/p>\n<p>&quot;Wir haben keine Hinweise auf schwere Nebenwirkungen, die mit Hydroxychloroquin in Verbindung stehen k\u00f6nnten&quot;, sagte Kremsner weiter. Er vermutet, dass Hydroxychloroquin bei anderen Studien in einigen F\u00e4llen auch bei Patienten angewandt worden sein k\u00f6nnte, f\u00fcr die das Risiko f\u00fcr Nebenwirkungen besonders hoch ist und bei denen das Medikament eigentlich nicht eingesetzt werden sollte. Es best\u00fcnden nach derzeitigem Wissensstand keinerlei Sicherheitsbedenken, was die klinische Studie in T\u00fcbingen angeht. &quot;Ich bin zuversichtlich, dass wir die Studie fortsetzen k\u00f6nnen&quot;, so Kremsner.<\/p>\n<p>An der Uniklinik T\u00fcbingen wird der Einsatz von Hydroxychloroquin in einer Studie bei station\u00e4ren Covid-19-Patienten und in einer zweiten Studie bei ambulanten Covid-19-Patienten getestet, die erste Symptome wie Husten oder Fieber haben. In dieser Studie soll gepr\u00fcft werden, ob das Mittel die Ausbreitung des Virus im K\u00f6rper und dadurch auch schwere Verl\u00e4ufe verhindern kann, die im Krankenhaus behandelt werden m\u00fcssten. Die Teilnehmenden bekommen entweder Hydroxychloroquin oder ein Placebo.<\/p>\n<p>Weder der Patient noch die behandelnde \u00c4rztin wissen, wer welches Mittel bekommt. Die Auswahl erfolgt rein zuf\u00e4llig. Solche randomisierten, doppelblinden und Placebo-kontrollierte Studien sind der Goldstandard der Medikamententestung und deutlich zuverl\u00e4ssiger als bisherige Untersuchungen, die zu Hydroxychloroquin bei COVID-19 publiziert wurden.<\/p>\n<p>Die vorzeitige Pause gef\u00e4hrde nicht den Erfolg der Studie, sagte Kremsner. Zuletzt h\u00e4tten die Mediziner ohnehin Probleme gehabt neue Patienten zu finden, weil die Zahl der neu an Covid-19-Erkrankten so niedrig ist. Wenn die Infektionsrate in Deutschland so bleibt wie jetzt, m\u00fcssen wir die Studie stoppen, weil wir keine Patienten mehr haben.<\/p>\n<p>Zurzeit werden weltweit Dutzende Medikamente getestet, die eigentlich f\u00fcr andere Krankheiten zugelassen sind, aber m\u00f6glicherweise auch bei Covid-19 wirksam sein k\u00f6nnten. Der Vorteil: Die Medikamente sind bereits verf\u00fcgbar. Bei einem v\u00f6llig neuen Mittel m\u00fcsste erst nachgewiesen werden, dass es f\u00fcr Menschen gut vertr\u00e4glich ist. Das kostet Zeit.<\/p>\n<p>Von Hydroxychloroquin und Chloroquin ist bekannt, dass sie die Ausbreitung von Viren eind\u00e4mmen und entz\u00fcndlichen Reaktionen vorbeugen k\u00f6nnen. Bei Laborversuchen konnten sie auch die Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 verlangsamen. Auch bei ersten Studien in China schienen die Mittel den Verlauf einer Covid-19-Erkrankung zu beg\u00fcnstigen. Allerdings nahmen nur wenige Patienten an der Studie teil.<\/p>\n<p>Andere L\u00e4nder wollen Studien mit Hydroxychloroquin fortsetzen. In Indien, wo 70 Prozent der Hydroxychloroquin-Medikamente produziert werden, soll das Mittel zur Prophylaxe bei medizinischem Personal eingesetzt werden. Studien h\u00e4tten keine &quot;gr\u00f6\u00dferen Nebenwirkungen gezeigt&quot;, argumentiert der Indische Rat f\u00fcr Medizinische Forschung.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Hydroxychloroquin: Bei Laborversuchen konnte das Malariamittel die Ausbreitung von Sars-CoV-2-Viren eind\u00e4mmen Yuri Cortez\/ AFP Die Uniklinik T\u00fcbingen hat eine klinische Studie mit dem Wirkstoff Hydroxychloroquin vorerst ausgesetzt, wie der SPIEGEL aus dem beteiligten Forscherteam erfuhr. 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